SuperHuman Celebration.
Oscar 2008.
Seltsam unaufgeregt schweben die Geehrten und Enttäuschten durch eine Nacht, der später wie üblich die üblichen Rituale und die zur Pose erstarrte Nostalgie zum Vorwurf gemacht werden wird. Nichts, was nicht längst schon passiert ist: Jack Nicholsons Sonnenbrille grinst diabolisch wie immer, als Jack dem Wort „humanity“ ein finsteres, von Sarkasmus getränktes Glucksen voranstellt. Namenlose Gesichter lesen nur von Telepromptern an, Stars hingegen verhaspeln sich beim Vorlesen und sind genau deshalb 20 Millionen Dollar pro Film wert. Das Orchester unterbricht ungehörig. Tom Hanks hat Sehschlitze. Jon Steward ist dann am besten, wenn er improvisiert, dabei am besten seine eigene Meinung wiedergibt und damit bestenfalls eine grob von Orchesterklängen zum Schweigen gebrachte Preisträgerin zurück auf die Bühne holt. Vorhänge fallen, auf Stargesichter wird gedeutet, Steven Gätjens deutet Stargesichter und damit letztlich an, dass die Ära von Florian Henckel von Donnersmarck entgültig vorbei ist.
Überraschend hingegen: Die ruhige Art, mit der Bill the Butcher Lewis seinen Oscar entgegen nimmt. Der Preis für Marion Cotillard. Wie sehr die Jury auf Kompromiss bedacht ist und jedem mehrfach nominierten Film mindestens einen Oscar verleiht. Das Wort, mit dem Diablo Doy Ellen Page bedenkt: SuperHuman. Wie unspektakulär die Coen-Brüder selbst im Moment ihres größten Triumphs erscheinen. Und wie legendär dieser Moment im Rückblick wirken wird. Dass Brad Renfro im Reigen der Toten vergessen wird. Wie wenig Applaus Ingmar Bergman erhält. Wie exponiert Heath Ledger präsentiert wird, der für Wagner von Wagners Post immer nur der „schwule Cowboy“ bleiben wird. Überhaupt wie lieblos alle Reminiszenzen an 80 Jahre Oscar wirken. Wie gering die Wahrscheinlichkeit dafür ist, jemals wieder DEN EINEN Film der letzten 365 Tage zu finden, der alle Kategorien und Leidenschaften auf sich vereinigen wird.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ohne Liveblog schont die Nerven. Gerade Jahreszahlen sind keine guten Oscarjahre, wenn man im freundschaftlichen Wettstreit miteinander konkurriert. Und schlafen früh um sechs kann durchaus eine sinnvolle Alternative sein.