Gegen Windmühlen. Verloren in La Mancha.

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Terry Gilliam ist einer der Regisseur, weshalb es angebracht scheint der Menschheit zu danken, dass sie den Kinofilm erfunden haben. Monty Python, Time Bandits, Brazil, Fear and Loathing in Las Vegas und meine beide Favoriten 12 Monkeys und König der Fischer sind Meisterwerke, visuell wie inhaltlich.

Jedenfalls Terry Gilliam. Trägt seit Jahrzehnten einen Stoff mit sich, dessen Verfilmumg für ihn das größte aller Ziele ist: Cervantes “Don Quichote”. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr passt wohl kaum eine Geschichte besser zu ihm als die eines alternden Mannes, der sich die Wirklichkeit zu einer großen Phantasiewelt formt. Im Jahr 2000 bereit sich Gilliam auf die Verfilmung vor. Weil der “Münchhausen”-Flop von 1989 viele Geldgeber abschreckt und er deshalb die Finanzierung des Großprojekts komplett aus Europa beziehen muss, ist das Etat deutlich kleiner als notwendig. Trotz allem kann er Johnny Depp, Vanessa Paradis und den Franzosen Jean Rochefort für “Der Mann, der Don Quichote tötete” gewinnen.

Und da setzt “Verloren in La Mancha” an. Eigentlich als klassisches Making-of gedacht, dokumentiert der Film das schleichende Scheitern des Films. Drehorte neben NATO-Übungsplätzen, so dass ständig Kampfjets durch das mittelalterliche Spanien donnern, eine Sturmflut, die die Ausrüstung zerstört, eine unvollständig abgeschlossene Versicherung und schließlich die Erkrankung des Hauptdarstellers führen zum Filmabbruch. Am Ende sitzt ein hilfloser Terry Gilliam im Hotelzimmer, der seine Visionen verloren hat und sagt, dass er nicht mehr weiß, wie der Film aussehen soll.

“Verloren in La Mancha” ist eine Erzählung über Energie. Wenn ein kaum zu bändigender Terry Gilliams zu Beginn von Department zu Department springt, um die unzähligen Ideen, die er hat, auch 1:1 auf die Leinwand zu bringen; sei es, wenn er die Eleganz von Quichotes Rüstung bemängelt und sie unvollkommener einfordert, wenn er sich wie ein Kind über einen Spanier mit zusammengewachsenen Augenbrauen freut, der im Film einen Riesen spielen soll oder die Rippen von Quichotes Pferd Rosinante untersucht; die Begeisterung, die überbordende Gestaltungsfreue, die Kraft, die er aufbringt, um die Verwirklichung seines Herzensangelegenheit sicherzustellen, diese Begeisterung springt auch auf den Zuschauer über.

Um so tragischer dann zu beobachten, wie diese Energie nach und nach verloren geht, weil die Realität anders ist die Vorstellung. Wie Gilliam trotzdem um den Film kämpft, auch wenn alle Umstände gegen ihn sprechen ist ein Kampf gegen Windmühlen, der Vergleich liegt nah, ein Kampf, den Gilliam nur verlieren kann.

Vermutlich. Denn offensichtlich plant er, die Dreharbeiten zu “Don Quichote” im nächsten Jahr wieder aufzunehmen.

Und das Tolle an Arte ist ja, dass man die ausgestrahlten Filme sieben Tage im Internet ansehen kann. Das habe ich getan und empfehle es allen, die sich Film, Leidenschaft, Pech, Hingabe und Johnny Depp interessieren.

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