Kino. Auch gut für Leute, die gern einen Sinn suchen.
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Shutter Island
Vermutlich hat Martin Scorsese das genau so gewollt. Dass man schon nach wenigen Minuten die schlecht kaschierten Blue-Screen-Effekte nicht mehr hinterfragt, sondern hinnimmt. So wie man in Hitchcockfilmen ja auch die Autofahrten vor Rückprojektionen akzeptierte. Das Gefühl eines gigantischen Studios (also der einsamen Insel Shutter) als Stilmittel. Das später auch noch inhaltlichen Sinn ergeben könnte. Bis dahin allerdings sehr viele psychologische Ebenen, von den cineastischen nicht zu sprechen. Ganze Karrieren größter Regisseure ließen sich hier wiederentdecken. Vier Jahre hat Martin Scorsese mit diesem Film verbracht, man sieht auch warum. Was ihm wichtig war (Atmosphäre, Spiel mit den Identitäten, Zeitkolorit). Und was nicht. Einen Twist, den man schon im Trailer erahnen konnte: [Spoiler?]Wer ist Patentient 67?[/Spoiler] Aber trotzdem die Hoffnung, am Ende würde sich die Geschichte nochmal drehen, nur um nicht den leichten Weg zu gehen. Aber dann doch nicht. Weil das hier nicht Anliegen war.
In meinem Himmel
Im Buch verliert sich die Geschichte nach einem Drittel und trudelt dann so aus. Was man als Stärke begreifen kann (weil das Leben ja auch nicht bis zum Ende hin spannend ist) oder als Schwäche (Weil ein Buch/Film ja nicht das Leben erzählt, sondern eine Geschichte). In meinem Himmel hat zusätzlich zwei andere Probleme. Eines ist Mark Wahlberg. Den hatte ja Peter Jackson aus nicht nachvollziehbaren Gründen unmittelbar vor Beginn der Dreharbeiten anstelle von Ryan Gosling eingewechselt. Und weil der Vater die zentrale Figur der Erdegeschichte ist und Mark Wahlberg schon in Planet der Affen von den Affen an die Wand gespielt wurde und selbst seine Unterhosen damals mehr Ausstrahlung hatten als Marky Mark, kann Wahlberg, auch wenn er von so großartigen Darstellern wie Stanley Tucci, Rachel Weiz, Susan Sarandon und vor allem Saoirse Ronan umgeben ist, diese Rolle nicht einmal ansatzweise schultern. Jeder Film ist nur so stark wie sein schwächstes äh Glied. Zweiter dicker Minuspunkt ist einer, der Jackson niemals niemals niemals hätte passieren dürfen. Wo sich im absolut großartigen (und irgendwie auch ähnlich gelagerten) Heavenly Creatues die phantastischen Szenen nahtlos zum Rest fügen, rutscht Jackson mit seiner visuellen wie auch inhaltlichen Interpretation der Zwischenwelt Leben/Tod ins Alllerkitschigste ab. Gegen die prätentiösen Bilder nimmt sich der Wachtum der Zeugen Jehovas wie ein dänischer Dogmafilm aus.
Das wirklich Ärgerliche ist die Konsequenz, die sich aus dem künstlerischen und finanziellem Scheitern von The Lovely Bones ergibt: Welchen Grund sollte Peter Jackson haben, jemals wieder einen kleinen Film zu drehen? Dabei ist er im Kleinen am Besten.
A Serious Man
Ein Film für alle, die Brillen lieben. Je dicker die Brillengläser und je horniger das Gestell um so besser. Auch gut für Leute, die gern einen Sinn suchen. Zum Beispiel im Leben. Oder im Leben, wie Leben in diesem Film begriffen wird – als chaotische Versuchsanordung, welche die absurdsten Entwicklungen ermöglicht. Denn das ist die These vom neuen Coenmeisterwerk – jeder Versuch, die Dinge, die einem so zustossen, in ein großes Ganzes einordnen zu wollen, kann als gescheitert betrachtet werden. Da hilft weder Religion noch Drogen noch Liebe. Was passiert passiert. Und nimmt Rücksicht auf nichts. Oder Bezug aufeinander. Da kann man Schulden begleichen und trotzdem wird einen ein Tornado wegfegen. Oder man lässt sich bestechen, um dann vom Doktor die Rechnung präsentiert zu bekommen. Und wie nahezu immer gehen bei Coenfilmen keine Herzen auf, dafür aber Augen und – um im Bild zu bleiben – Köpfe.
The Ghostwriter
Hätte irgendjemand zehn Cent darauf gewettet, dass Roman Polanski einen so schnörkellosen Spannungsfilm drehen würde? Der sich keine, aber auch nicht die geringste filmische Extravaganz leistet, sondern einfach nur geradlinig einen klassischen Thrillerstoff erzählt? Und dabei nicht das Geringste falsch macht? Genügend aktuelle Bezüge, die man durchaus als brisant bezeichnen könnte, überraschende Wendungen, Schauspieler, denen man jedes skeptische Augenbrauenhochziehen glaubt, genügend Szenenwechsel und Verfolgungjagden, in denen nicht jede Sekunde geschnitten wird? Omnipräsent ist wieder der schlecht kaschierte Blue-Screen. Aber das scheinen die Altmeister ja zu lieben.
An Education
Von Anfang an das Gefühl, dass etwas im Argen liegen könnte. Was sich aber legt. Weil tonnenweise Charme von Peter Sarsgaard. Und er offensichtlich das Richtige tut für Carey Mulligan, die ganz trunken wird von all den Einblicken, die dieser ihr in die große weite Welt verschafft. Und sich alles zum Besten entwickelt. Bis dann die Überlegung kommt: Sollte sie sich diese Bildung nicht doch Stück für Stück selbst erarbeiten? Mit Menschen ihres Alters? Dann ist wieder vieles im Argen und am Ende hat hier Nick Hornby diesen Fragen alles untergeordnet, was wesentlich amüsanter ist, als das so trocken formuliert klingt.
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