Kino. Ein Gesicht wie ein Weltuntergang.
Take Shelter | Chronicle | The Iron Lady | John Carter | John Irving | Schilf | The Hunger Games | Shame | Dame, König, As, Spion | Empire Me
Take Shelter
Eigentlich müsste man nur das Gesicht von Michael Shannon in Großaufnahme zeigen. 120 Minuten lang. Und darin würde sich dann der Weltuntergang erzählen. Michael Shannon durfte in Revolutionary Road als Irrer die Wahrheit benennen und ist in Boardwalk Empire hin- und hergerissen zwischen Gesetzen, Religion und Versuchungen. Ein Titan, sollte ich schreiben, der hoffentlich zukünftig nicht nur in A-Hollywoodfilmen die Nebenrolle mit dem markanten Äußeren besetzen wird.
In Take Shelter bricht Michael Shannon aus und mit dem Gewohnten, weil er den Weltuntergang vorhersieht. Er baut einen Bunker zum Zufluchtsort um und zerstört damit seine Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft. Das wird in zahlreichen Episoden fast schon penibel aufgedröselt. Denn der Film lässt Shannon machen. Shannon tut etwas und der Film hält sich raus. Er bietet keinen Über- oder Unterbau an, verzichtet auf Psychologie, selbst eine metaphernreiche Bebilderung der Untergangsvision findet dezent statt. Klar gibt es Stürme, dunkle Wolken, Regen und abstürzende Vogelschwärme. Doch nie drängt sich der Film in den Vordergrund und sagt: „Ich erzähle euch eine Allegorie auf eine verängstigte amerikanische Gesellschaft, die sich in der Auflösung befindet.“ Das ist sehr nett vom Filmmacher und garantiert nicht selbstverständlich.
Am Ende dann das Ende. Das zerstört entweder alle Subtilität oder setzt wahlweise eins drauf. Da muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Ich habe das Problem gelöst, indem ich mir ein eigenes Ende ausgedacht habe.
[Spoiler] Als vor dem Ende der große Sturm kommt und Shannon mit seiner Familie Zuflucht im Bunker sucht, harren sie dort aus. Der Sturm ist vorbei. Shannon will den Bunker nicht verlassen, hat Angst vor dem Draußen, davor, dass die Welt verloren ist oder, schlimmer noch, dass nichts passiert ist, dass seine Visionen, für die er alles aufgegeben hat, sich als Wahn entpuppen. Shannon hat also im Dunkel des Bunkers Angst. Dreht deshalb durch. Schnitt. Shannon verlässt den Bunker. Strahlender Sonnenschein. Seltsam gefasst betrachtet Shannon sein Grundstück, die intakte Welt. Hinter ihm der Bunker. Die Tür steht offen. Nachdem Shannon sich umgeschaut hat, verschließt er die Tür mit einem Eisenschloss. Er geht. Schnitt auf den verschlossenen Bunker. Der Zuschauer weiß: Shannon ist mit seiner Frau und seiner Tochter in den Bunker gegangen. Die Frau und die Tochter haben nicht mit ihm den Bunker verlassen. [/Spoiler]
Chronicle
Letztens habe ich noch die These vom Ende der Superheldenfilme aufgestellt, welches unweigerlich eintreten würde, falls es nicht gelingen sollte, das Genre durch originelle Variationen aus der Erstarrung zu reißen. Und dann kommt Chronicle. Chronicle reißt raus, weil es drei Dinge anders macht als die anderen Superheldenfilme.
Die Optik. Found Footage heißt das Prinzip, welches spätestens seit dem Blair Witch Project ein gern genutztes Mittel ist, um ein geringes Budget zu egalisieren und – oftmals wichtiger – den Kitzel von Authentizität zu garantieren. Hier filmen die drei Jugendlichen, die zu Superkräften kommen, sich selbst. Das ist okay, inhaltlich meistens begründet und wird ideenreich variiert, gerade wenn am Ende in die Videoaufnahmen Bilder von Überwachungskameras geschnitten werden. In einer der besten Szenen wird die Kamera selbst zum Objekt der Superkräfte – die Jugendlichen lassen sie frei im Raum schweben. Ein Kommentar zum Kino, welcher hoffentlich bald film- und medientheoretisch in Dissertationen verarbeitet werden wird.
Die Wandlung. Während die meisten Superhelden das „Gute“ vertreten und die Grenzen zwischen Gut/Böse bestenfalls kurzzeitig verschwimmen, [Spoiler] wandelt sich hier der Superheld zum Superschurken, der im Endkampf besiegt werden muss. Eine Umkehr, die spektakulärer kaum sein könnte. Und – besser noch – der Weg zur Wandlung wird einigermaßen nachvollziehbar geschildert.
Die Wut. Vielmehr noch als Spider-Man ist Chronicle ein (düsterer) Coming-of-Age-Film. Einer aber, der nicht nur die Angst und Demütigungen von Außenseitern erzählt, sondern vor allem von deren Wut. Im letzten Drittel des Films, wenn Andrew seine Fähigkeiten nutzt, um sich für die erlittene Schmach zu rächen und praktisch grenzenlos agieren kann, wird Chronicle zum kraftvollen Bruder von Gus van Sants Elephant. Von Amokläufen erzählen dann beide. [/Spoiler]
Chronicle ist nicht so verstörrend wie The Dark Knight, nicht so allwissend wie Watchmen, nicht so überraschend wie Kick Ass, nicht so kunstfertig wie Hulk, nicht so niederträchtig wie Super. Aber auch einer der Superheldenfilme, die in vielen Jahren noch bleiben werden, weil sie etwas wagen, einen Standpunkt haben und mehr wollen, als einfach nur einen Menschen fliegen zu sehen.
The Iron Lady
Aufgabe eines Biopics ist es unter anderem, dem oder der Porträtierte/n neue Facetten abzugewinnen und dabei bestenfalls das Wesen dieses Menschen mit Hilfe filmischer Mittel aufzuzeigen. Die Frage bei Margaret Thatcher: Möchte ich das überhaupt? Möchte ich, dass sie mir “menschlicher” erscheint, möchte ich wirklich mein Urteil über sie revidieren, weil es eben nicht mehr nur mein Urteil über ihre Politik sein kann, sondern ich bei meiner Bewertung nun auch ihr Leben einschließen muss?
Natürlich möchte ich das. Ich möchte gern Meinungen überprüfen, den eigenen Standpunkt gegen Argumente verteidigen, habe auch nichts gegen Fakten oder emotionale Brücken. Und anfangs dachte ich noch: ja, das könnte trotz aller Unkenrufe tatsächlich funktionieren. Eine alte Margaret Thatcher tippelt in ihrer Wohnung von Zimmer zu Zimmer, ist dort und in ihrem Kopf gefangen. Da zeigt der Film sowohl, was nach der Macht von der Macht bleibt und zudem, was vom Leben bleibt, wenn die Erinnerungen verloren gehen. Da ist The Iron Lady wie Iris light, zudem auch noch Jim Broadbent auftaucht, der in beiden Filmen der dementen Hauptfigur hilfreich zur Seite steht. Danach und dazwischen wird es aber leider politisch. Beziehungsweise überhaupt nicht politisch, was bei einer Person, die für eine bestimmte Politik mehr als prägend war und – vorsichtig formuliert – diskussionswürdige Entscheidungen traf, natürlich fatal ist.
Selbstverständlich muss ein Film keine politische Stellung beziehen oder verdammen oder verteidigen. Aber die politischen Entscheidungen Margaret Thatchers und die daraus folgenden Konsequenzen nur als Kulisse zu verwenden, ist eine Bankrotterklärung. Und – fast noch fataler – will der Film das komplette Leben erzählen, was immer ein Problem ist bei Filmen über ein Leben. Gerade wenn es dem Film nicht gelingt, das Episodenhafte aufzubrechen, weil die Geschichte nur von Ereignis zu Ereignis springt und dabei fadenscheinige Verbindungen konstruiert und sich hauptsächliche auf das Putzige (Handtasche! Frisur! Frau! Starrköpfigkeit!) beschränkt. Wie gesagt: Wäre Margaret Thatcher nur in ihrer Wohnung geblieben, wäre das sowohl für die Welt als auch für den Film vermutlich besser gewesen.
John Carter
Immer, wenn ich mit welchen darüber sprach, ich hätte John Carter gesehen, hieß es: das ist doch dieser gigantische Flop mit dem blöden Trailer. Immer dann kam meine große Stunde: so konnte ich aufklären, dass „Flop“ eine relative Bezeichnung wäre, dass sie vom Studio selbst so propagiert wurde, dass das Studio überhaupt alles falsch gemacht hat, was man in der Öffentlichkeitsarbeit falsch machen kann und John Carter zudem sein Geld längst fast wieder eingespielt hätte und deshalb ebenso wenig Flop ist wie beispielsweise die Mutter aller vermeintlichen Flops Waterworld. Und dann sagte ich den bedeutungsschweren Satz: „John Carter ist möglicherweise der beste Abenteuerfilm, den ich seit langer Zeit gesehen habe.“
Danach zählte ich wohlweislich erst einmal die Schwächen auf. Wobei: Die sind zu verschmerzen. Selbstverständlich gibt es in der Geschichte logische Abkürzungen. Einige Tricks, wie das grenzenlose Springen der Hauptfigur, sind albern und Komplexität sieht vermutlich anders aus. Aber: alles Kleinigkeiten in einem Genre, dass den Zuschauer oft für dumm hält und lieber mit Explosionen verschleiert, dass es keine Ahnung hat, was es eigentlich wie erzählen sollte.
Hier stimmt vieles. So haben die Autoren, darunter der unfassbar gute Michael Chabon, Ahnung und Respekt von einer guten Abenteuergeschichte. Arbeiten die bekannten Referenzpunkte ab (ein Held in einer fremden Umgebung, Königreich, Prinzessin, Bösewichte, exotische Schauplätze, Witz, Herz etc.), variieren diese aber so, dass nichts davon fad wirkt, nein, binden all diese Elemente sogar in eine Art Metahandlung ein. Mit den Charakteren kann man fühlen, die Prinzessin ist mehr als die Prinzessin und wirkt selbst in 3D fast dreidimensional. Es bleibt Zeit für eine Mythologie, die Spannung erzeugt und Fragen aufwirft. Trotzdem wird die Geschichte ordentlich zu Ende erzählt. Natürlich wird der Held am Ende Prinzessin und Königreich bekommen, aber der Weg dahin ist – das schreibe ich gern noch einmal – voller Respekt vor Genre und Zuschauer. Ein Glücksfall und alles andere als ein Flop.
John Irving und wie er die Welt sieht
In John Irvings Schaffen gefällt mir persönlich – und “gefallen” ist dabei eine maximale Untertreibung – am besten die Phase zwischen Garp und Owen Meany. Persönlich interessiert mich in einer Dokumentation über John Irving am meisten die Art und Weise, wie er schreibt. Deshalb ist John Irving und wie er die Welt sieht kein Film für mich. Denn dieses Porträt beschränkt sich zu großen Teilen darauf, Menschen und Orte aufzusuchen, deren Geschichten Irving für seine Romane verwendet hat. Und da sich dieses Porträt dabei zu großen Teilen auf seine beiden letzten Romane (Letzte Nacht in Twisted River und Bis ich dich finde) beschränkt, zu denen ich keine Verbindung habe, ist meine Verbindung zu dem Film eben auch zu großen Teilen eingeschränkt.
Zudem fehlt dem Filmemacher der Mut, aus der einmal etablierten Struktur auszubrechen, vielleicht sogar mehr zu wollen, als nur ordentlich zu katalogisieren, was ihm das Konzept vorgibt. An Irving als Menschen ist der Film kaum interessiert. Wenn doch, wenn Irving am Ende von seinem verschollen geglaubten Vater spricht, fällt dem Film nichts weiter an, als Bilder von Irving mit Hund dazwischen zu schneiden.
Spannender ist – natürlich nur aus persönlicher Neugier – wenn Irving beschreibt, wie er schreibt. Wie sein Arbeitszimmer aufgebaut ist, was er vom Überarbeiten denkt (das Überarbeiten sollte man als Schreibender lieben lernen, weil es beim Schreiben die meiste Zeit benötigt). Mehr davon, gern 100 Prozent, und dafür weniger Gespräche mit Ärztinnen, die Vorbilder für Romanfiguren waren und John Irving und wie er die Welt sieht wäre ein Film für mich. Aber das wäre dann vermutlich eine zu persönliche Angelegenheit.
Schilf
Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer traf ich Stipe Erceg in der Marstallstraße in Weimar. Ich schaute ihn an, er schaute mich an und ich blickte zur Seite. Dort waren gigantische Tageslichtstrahler aufgestellt und auf die Fenster einer Wohnung gerichtet. „Aha“, dachte ich, „hier werden wohl die Innenaufnahmen für den neuen Film von Stipe Erceg gedreht.“ Jetzt ist dieser Film im Kino und erfreulicherweise die Verfilmung des sehr erfreulichen Romans von Juli Zeh. Ein Buch, das ich nicht verstand, aber mochte, weil es von Paralleluniversen handelte und versuchte, dieses Thema in der Gegenwart zu verankern.
Der Film macht Ähnliches, ich möchte fast sagen, das Identische. Nur – im Buch konnte ich mir die Figuren vorstellen, hier sehe ich sie. So weit der typische „Kann es überhaupt angemessene Romanverfilmungen geben?“-Diskurs, so langweilig. Und da kommt Stipe Erceg und vielmehr noch Mark Waschke ins Spiel. Denn die beiden sind ein Universum weit von meinen Vorstellungen von universitären Angestellten, also Gelehrten, entfernt. Was schade ist, weil so der theoretische Überbau, der in die Geschichte harmonisch verwoben ist, wegbricht. Und der Film auch nicht den Anspruch hat, viel zu erklären. Anders gesagt: ich habe es wieder nicht verstanden. Was nicht mal fatal sein muss, eher im Gegenteil. Im Nachhinein die Geschichte rekonstruieren kann viel interessanter sein, als auf der Leinwand alles haarklein erläutert zu bekommen. Allerdings hatte ich nach dem Film zur Rekonstruktion keine Lust mehr. Das könnte man meiner Ignoranz vorwerfen. Ich aber werfe es dem Film vor, der zu wenig an mir als Zuschauer interessiert war.
The Hunger Games
Es gibt Dinge, die üblicherweise in Filmen, die ein möglichst großes Publikum erreichen sollen, nicht gemacht werden. Kinder zu töten beispielsweise. Hier passiert das zehnmal, beinahe beiläufig, ohne Zögern und wird aus einer Notwendigkeit heraus getan, die fast schon so etwas wie eine Tugend in sich trägt. Doppelt verstörend ist das, weil keine Figur im Film dies hinterfragt. Das Töten von Kindern als Bestandteil eines Spiels. Weil es eben so ist.
Weniger verstörend wäre es, wenn ich als Zuschauer zuvor geschildert bekäme, wie es dazu kommen konnte. Welcher Kodex in einer Welt herrscht, in der so etwas möglich ist. Denn: Ist das Töten so selbstverständlich, wie könnte ich annehmen, die Menschen in dieser Welt wären noch menschlich? Doch der Film handelt seine Mythologie schnell ab: zwölf Distrikte, alle unterjocht von der herrschenden Klasse, welche dem Volk das Spiel, eben dem Hunger Game, als Opium verabreicht. Und weil so wenig erklärt wird, ergeben sich weitere Fragen: Wenn das Volk mit dem Spiel ruhiggestellt werden soll, warum muss das Volk dann seine Kinder dafür opfern? Und wenn dem Volk im Gegenteil durch das Spiel Furcht eingeflößt werden soll, warum begehrt es nicht auf? Fragen, die vielleicht die Fortsetzungen beantworten.
The Hunger Games ist der erfolgreichste Film seit langer Zeit. Vielleicht liegt das an den sehr passend besetzten Figuren, vielleicht an der unverbrauchten Geschichte, vielleicht an Bezugspunkten, die sich zu Castingshows herstellen lassen. Die sind mal subtil, mal weniger subtil und zu einem Extrem aufgebläht, das man als roten Faden zum Schauen nehmen und dadurch einige der Zugeständnisse vergessen kann, die eine Produktion eingehen muss, welche als Nachfolger von Twilight auserkoren ist. Dabei ist The Hunger Games die gemeine und sicher weitaus gewieftere Stieftochter aller romantischen Zölibatsvampire.
Shame
Steven McQueens Hunger erzählt von einem Mann (Michael Fassbender), der sich in Nordirland für seine Überzeugungen zu Tode hungert. Steve McQueens Shame erzählt von einem Mann (Michael Fassbender), der in New York sexsüchtig ist. Da ist schon einmal ein Unterschied. Denn während Hunger von der ersten Sekunde an eigentlich nicht zu ertragen ist und in der letzten halbe Stunde überhaupt nicht mehr, während dort existenzielle Probleme mit ungeheuerlichen Bildern verhandelt werden, hat in Shame ein attraktiver Mann (nur) das Problem, in engen Kontakt mit zu vielen attraktiven Frauen zu kommen.
So einfach könnte man es sich machen. Und macht es sich der Film auch, möglicherweise absichtlich, weil er in den ersten beiden Dritteln die Abgründe, die sich angesichts der Sucht auftun, eher stiefmütterlich behandelt, weil er die typische Dramaturgie einer Suchtgeschichte irgendwann aufgibt bzw. die Auflösung ausspart. Wäre da nicht diese Szene am Ende, in edlen Bildern gefilmt, mit exzellentem Soundtrack, eine Szene, die einsamer und verlorener nicht sein könnte, eine Szene, der in sich alles Schöne verflüchtigt, weil es Fassbender nicht mehr möglich ist, das Schöne zu erkennen und darin Erfüllung zu finden. Da ist er ein Getriebener, ein Ausgestoßener, ein hoffnungsloser Fall, der weitermachen muss, trotz besseren Wissens bis zum eigenen Untergang. Da ist der Film so, wie er hundert Minuten hätte sein sollen.
Dame, König, As, Spion
Bei Dame, König, As, Spion frage ich mich, was ich mich auch bei The Artist gefragt habe: Hätte es all die wohlwollenden Reaktionen gegeben, wenn die Filme zu ihrer Zeit entstanden wären? Also in den 1920er Jahren oder eben in den 1970er Jahren? Denn so gut wie nichts in Dame, König, As, Spion ließe die Annahme zu, man hätte es hier mit einem Film aus der Gegenwart zu tun. Die Optik, der Verzicht auf jede Metaebene, quasi diese Schnörkellosigkeit, das Nicht-darum-Scheren, welche Anforderungen an Spionagethriller in den letzten Jahrzehnten gestellt wurden. Nein, Tomas Alfredson, Regisseur des großartigen So finster die Nacht, erzählt eine verwirrende Geschichte aus dem Kalten Krieg, in, man kann das gern wiederholen, einer Optik, die nichts nachbildet, sondern exakt aus den 1970er Jahren entstammt, inklusive aller Aufzüge, Rohrpostanlagen und Karomustern.
Bedingung jeder Spionagegeschichte ist ja auch, dass man nichts versteht, schon gar nicht, wer welche Absicht hegte, hatte und hat, wer wen hintergeht und ein doppeltes Spiel betreibt. Außerdem sind Spione oftmals einsam. Das könnte hier zentrales Thema sein, vielleicht doch ein Subtext, vielleicht doch die Brücke zur Gegenwart, weil die Einsamkeit vom aussortierten Agenten Smiley sich in jedes Frame einbrennt. Trotzdem ist Dame, König, As, Spion kein Film, der etwas von einem will, der auch nichts weiter gibt. Er ist einfach nur da.
Empire Me
In Empire Me werden fünf alternative Staatengebilde vorgestellt. Sealand – eine alte Plattform in der Nordsee. Hutt River – ein selbsternanntes Fürstentum in Australien. Damanhur – eine esoterisch ausgerichtete, tausendköpfige Gesellschaft in Italien. ZeGG – eine Kommune der freien Liebe in Brandenburg. Christiania – eine Freistadt in Kopenhagen. Swimming Cities – ein Künstlerprojekt in der Adria. Lauter Utopien, die es sich zu googlen lohnt und mit denen sich zahlreiche Hoffnungen verbinden, die eingelöst werden oder eben nicht. Der Film macht da keine Vorgaben. Weder kommentiert er noch beobachtet er aufmerksam – er bildet nur ab. Jeder Staat ist hier eine Episode, die nicht mehr sein will als ein Fenster in eine fremde Welt.
Diese Distanz(losigkeit) ließe sich diesem Film vorwerfen, einem Film, der ohne Nachfragen auskommt und Widersprüche nur zwischen den Zeilensprüngen anspricht. Beziehungsweise im Zusammenschnitt. Von der Harmonie im Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung, wo sich ölverschmierte Leiber in Eintracht aneinanderreiben der harte Bruch, wenn es nach Kopenhagen geht. Wenn die Filmemacher von Drogendealern bedroht werden und Wasserwerfer Menschen von den Straßen fegen, wird die Utopie zur Dystopie und wirft die Fragen auf, die der Film nicht stellt.
————–
interessanter externer Link: Das Ende der Superheldenfilme
Schlagwörter: Chronicle, Die Tribute von Panem, Doku, Eiserne Lady, Empire Me, John Carter, John Irving, Kino, Schilf, Shame, Superheld, Take Shelter, The Hunger Games, The Iron Lady
You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.
April 30, 2012 um 5:04 nachmittags
Von den 250 Millionen an der Kinokasse bleiben vielleicht 100 bei Disney, nochmal das gleiche für DVD/BluRay und 50 für die TV-Rechte, damit hat man die Produktionskosten wieder. Bleibt ein Verlust in der Höhe des Marketingbudgets das zwischen 100 und 150 Millionen liegen soll. John Carter hat sein Geld nicht wieder eingespielt und bleibt ein Flop.
April 30, 2012 um 6:15 nachmittags
Naja. Weltweit steht er bei 270 Millionen, dazu kommt beispielsweise noch das Merchandising u.ä. Sicher ist er hinter den Erwartungen geblieben, macht aber bestimmt nicht die 200 Millionen Verlust, die Disney selbst kurz nach Start prophezeit hat. Und ist schon gar nicht “einer der größten finanziellen Leinwand-Misserfolge aller Zeiten”, wie das allerorten zu lesen war. Was ich sagen wollte: Den Makel “finanzieller Flop” kriegt ein Film nur schwer wieder los, auch weil viele daraus ungerechtfertigterweise auf fehlende Qualität schließen.