Wie Deutschland 2012 Europameister wurde.


Hätte Deutschland gegen Italien verloren, wenn eine der großen Chancen der Anfangsviertelstunde genutzt worden wäre? Ziemlich sicher nicht. Aber so geht Hummels Schuss nach fünf Minuten eben NICHT rein und die italienische Hintermannschaft murmelt sich den Ball fünf Zentimeter neben das eigene Tor, und schon stellt man hilf- und phantasielos Dinge in Frage, die über Jahre großartig waren.

Offener Brief von Arnd Zeigler

Deutschland – Portugal 0:1

Die deutsche Mannschaft startet schlecht ins Turnier. In einem zähen Spiel tun sich die Deutschen mit einer starken portugiesischen Defensive sehr schwer. Khedira flankt in der 72. Minute auf Gomez, der den Ball allerdings nicht optimal erwischt und knapp am Tor vorbei köpft. Als sich Boateng kurz darauf von Cristiano Ronaldo täuschen lässt, trifft dieser zur Entscheidung.

Die BILD schreibt: Zwerg Gomez und die zehn Versager. Beginnt jetzt das große Zittern?

Niederlande – Deutschland 1:1

Nach den Auftaktniederlagen stehen beide Mannschaften von Anfang an stark unter Druck. Zweimal hat Gomez die Führung auf dem Fuss, scheitert aber am reaktionsstarken Stekelenburg. Der in der Halbzeit für Gomez eingewechselte Klose bringt den Ball schließlich hinter die Linie. Mit einer individuellen Aktion durch van Persie schaffen die Niederlande in letzter Sekunde überraschend noch den Ausgleich.

Die BILD schreibt: Fan-Wut auf die Nationalelf. Kann man noch an Jogi glauben?

Dänemark – Deutschland 0:1

Dänemark kopiert die Taktik Portugals. Allerdings bringen die deutschen Offensivkräfte die dänische Abwehr mit gesteigerter Lauffreude in große Schwierigkeiten. Folgerichtig sorgt Gomez noch vor der Halbzeit für die verdiente Führung. Danach hat der für Boateng spielende Lars Bender die Chance, alles klar zu machen, kommt nach einem Sprint über das Spielfeld allerdings einen halben Schritt zu spät und verfehlt den Ball.

Die BILD schreibt: Smørrebrød rettet Jogis Bubis. So wird das nix mit unserem Titel.

Deutschland – Polen 4:1

Als Zweiter der Gruppe B trifft Deutschland auf den Ersten der Gruppe A. Dort wartet nach einem furiosen Auftritt gegen Griechenland (3:0), einem Unentschieden gegen Russland (1:1) und einem aufopferungsvoll erkämpftem 1:0 gegen die Tschechen das Gastgeberland Polen. Löw überrascht mit einigen Wechseln. Schon nach fünfundzwanzig Minuten ist das Spiel entschieden. Erst drückt Klose aus abseitsverdächtiger Position einen Khediraabpraller über die Linie, dann macht Reus in seinem ersten EM-Einsatz ein sehenswertes Fernschusstor. In der Folge fällt die polnische Defensive auseinander. Kurz darauf erhöht Özil in der dreiundzwanzigsten Minute, bevor Reus im Anschluss der Doppelpack gelingt. In der Nachspielzeit schafft Lewandowski noch den Ehrentreffer.

Die BILD schreibt: Reus reissts raus. Jetzt geht die EM erst richtig los.

Italien – Deutschland 1:2
Auch gegen Italien, nach einem 1:0 gegen Spanien Erster der Gruppe C und durch ein 2:0 gegen Frankreich im Halbfinale, entscheidet sich das Spiel schon in der ersten Halbzeit. Zwar kann Pirlo in der fünften Minute einen Schuss von Hummels auf der Linie retten. Doch der Schiedsrichter entscheidet auf Handelfmeter, den Özil humorlos in die obere rechte Ecke hämmert. Nur sieben Minuten später lenkt Barzagli nach einer direkten Hereingabe von Boateng einen Abpraller unglücklich ins eigene Tor. In der Folge gewinnt die deutsche Mannschaft an Selbstvertrauen und zeigt dies auch durch Körpersprache. So sind Badstuber, Hummels und Lahm nach schnellen Kontern mehrere Male den entscheidenden Schritt vor Balotelli und hindern ihn so am Torerfolg. In der 91. Minute gelingt Di Natale der Anschlusstreffer. Doch in den verbleibenden zwei Minuten schaffen die verzweifelt kämpfenden Italiener keine weitere Strafraumszene. Mitten im Freistoß wird abgepfiffen. Im Anschluss wird von einem historischen Sieg gesprochen. Löw wird für seine Taktik und das Vertrauen, das er in seine Stammspieler gesetzt hat, gefeiert.

Die BILD schreibt: BaloNULLI. Uns stoppt keiner mehr.

Deutschland – Portugal 1:0
Im Finale der Europameisterschaft 2012 kommt es zu einem Duell ehemaliger Gruppengegner. In einem spannenden Halbfinale hat Portugal nach einem Freistoßtor von Cristiano Ronaldo Spanien geschlagen. Die Presse schreibt daraufhin vom Ende einer goldenen Ära und erklärt das Spielsystem der Furia Roja für überholt. Entschieden wird das Finale durch ein Kopfballtor in der 72. Minute. Nach einer Flanke von Khedira bringt Gomez den Ball diesmal im Tor unter.

Die Kanzlerin, die im Vorfeld erklärt hat, aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen keinesfalls ukrainisches Staatsgebiet betreten zu wollen, jubelt in der deutschen Botschaft in Kiew. Nach dem Erhalt des Pokals werden alle Spieler sowie der komplette Trainerstab in die Botschaft geladen, wo die Kanzlerin Glückwünsche ausspricht, insbesondere an Bastian Schweinsteiger. Die Presse ordnet den Triumph als “folgerichtig” ein. Der Kultkaiser erklärt, dass Deutschland auf Jahrzehnte hinaus unschlagbar sein wird, auch im Fußball. In Waldis EM-Club fordert Til Schweiger, zukünftig den Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft an das Singen der Nationalhymne zu koppeln. Auf Usedom stürmen siegestrunkene Deutsche die ZDF-Bühne und zwingen Oliver Kahn, vierundzwanzig Stunden am Stück Seven Nation Army zu skandieren.

Die BILD schreibt: Bum Bum Geil. Das war Männerfußball.

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Enttäuschte Liebe
Deutschland ringt um Fassung
Mein Fan-Problem
Offener Brief von Arnd Zeigler
EM-Journal ’12-71.

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