Archive for the ‘Buch’ category

Lesungstagebuch Henry Sy (2). Pop-Ups blocken in Bremen.

Februar 22, 2013

Stadtbibliothek, Bremen, 19.02.2013 | Wilhelm 13, Oldenburg, 20.02.2013

Am Anfang war die Sache mit dem Pop-up-Blocker.
»Der muss ausgeschaltet sein«, hieß es, »ansonsten geht das Internet nicht.«
Also deaktivierte ich den Pop-up-Blocker und das Internet ging, beim Technikcheck in der Stadtbibliothek Bremen. In Bremen sollte heute die erste Lesung stattfinden, die sich dem Gegenteil von Henry Sy komplett annahm und damit an dem Ort, an welchem die Geschichte ihr auslösendes Moment hatte.

Großes Haus also. Dazu einiges an Technik: Laptop, Beamer, kabellose Eingabegeräte, Funkverbindung ins www. Und dazwischen Lesen, Texte hauptsächlich oder auch Graphen mit x-y-Achsen. Da erschien es sinnvoll, das Funktionieren der Technik im Vorfeld zu überprüfen. Beim Technikcheck funktioniert die Technik, das Internet geht, weil der Pop-up-Blocker deaktiviert ist und somit den W-Lan-Zugang störungsfrei ermöglicht.

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Lesungstagebuch Henry Sy (1). Transmediale Frischkäseschnittchen.

November 2, 2012

Wir fertigen aus ihren Passfotos Postkarten

Fotothek, Weimar. 1.11.2012

In Weimar gibt es ein Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien. Zu behaupten, alles dort ist mit Liebe zum Detail gestaltet, wäre eine maßlose Untertreibung. Gerahmte Bilder drehen sich auf Plattenspielern, an allen Orten Blumen, bunt eingeschlagene Fotoalben in Regalen, Frischkäseschnittchen mit Radieschenscheibchen auf Tischchen, Tee im Samowar, Kinoklappstühle in Reihe, Schuhkartons voll mit ungehobenen Fotoschätzen, sepiafarbene Porträtaufnahmen, gigantische Lupen, mit denen sich die Bilder genauer betrachten lassen – die Fotothek ist weit mehr als ein simples Fotoarchiv.

Lesen, als wäre 1995

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Lesereise (15). Leipzig. Ich will.

März 18, 2012

Kein Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Leipzig, Café Stein, Theater Fact, 15./16. März 2012

(Dieser Text wäre ohne Wie soll ich schreiben? von Katharina Luger nicht entstanden.)

Ich will nach Leipzig auf die Buchmesse fahren.
Ich will dort Freunde treffen.
Ich will dort nicht aus Ausschau halten nach Tigern lesen.
Aber ich will dort lesen.
Ich will ganz wichtig Kontakte knüpfen, ich will mein Netzwerk erweitern, ich will BusinessBusiness.
Ich will mit meiner Bahncard keine Bonuspunkte sammeln, mit denen ich mir nach hundert Fahrten ein Käsebrett Natur, einen Standby-Killer oder ein Linien-Laser Quigo bestellen kann.
Ich will den Kopf gegen die Scheibe lehnen, während im Sonnenuntergang die Chemiefabriken von Leuna an mir vorbeiziehen und dabei einen Einfall bekommen, der Grundlage wird für einen übernächsten Roman, aus dem ich auf fünf Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse 2014 lesen werde.
Ich will, dass niemals wesentlich mehr als 500.000 Menschen in Leipzig leben.
Ich will, dass das nächste sächsische Tatortteam mal nicht in Leipzig ermittelt.
Ich will jetzt ein Brötchen mit Mett.

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Lesereise (14). Krefeld. In der Schule. Schon mal anders als das meiste sonst.

Februar 9, 2012

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Krefeld, Schule, 8. Februar

Ich glaube oft zu wissen, wie etwas ist. Und dann ist es ganz anders. Krefeld beispielsweise. Ich dachte: eine eher dreckige Stadt im Ruhrpott. Da sind mindestens zwei Annahmen falsch. Ersetze Ruhrpott mit Niederrhein und dreckig mit „zweit grünste Stadt der Bundesrepublik Deutschland.“ Ansonsten statte ich sehr gern dem Petermannplatz einen Besuch ab und bestaune vor Fotoläden die penibel in deutsch und türkisch aufgeteilten Schaufenster.

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Lesereise (13). Hamburg. Tee mit Käse.

Januar 31, 2012

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Hamburg, Harburg, Uferbar, Kulturwerkstatt, 29., 30. Januar

Als ich losfahre, sind die Zahlen auf der Wetterkarte im Großraum Norden höher als die in der Landesmitte. Da denke ich noch: „Das ist ja ungewöhnlich, ansonsten ist es an der See so oft kälter als anderswo, das ist doch mal ein gutes Omen, da brauch ich die dicken Socken nicht extra einzupacken.“ Fünf Minuten später denke ich: „Sollte ich jemals über die Lesereise nach Hamburg schreiben, sollte ich keinesfalls darüber schreiben.“ Denn wer über Wetter schreibt, hat im Grunde genommen schon kapituliert.

In Hamburg angekommen kapituliert zuerst einmal mein Körper. Was ich bin, verfängt sich im Wind und das ist garantiert nicht poetisch gemeint. Der Westwind treibt den Geruch der Stadt in den Osten, weshalb die Stadtgebiete der Reichen auch im Westen liegen. Zudem verwandelt mich der Westwind prompt in ein Iglu, in dem eine Gefriertruhe offensteht. Kristalle bilden sich, Haar bricht, es sieht wunderschön aus und fühlt sich an wie die Amundsenexpedition, nur eben ohne Happy End. Da die Kälte bleibt und bleiben wird, beschließe ich, auf den beiden Lesungen dreimal Hager zu lesen, ein Vorhaben, welches ich später tatsächlich in die Tat umsetze.

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Lesereise (12). Frankfurt. Willst du glücklich sein? Oder normal?

Oktober 17, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Frankfurt, Buchmesse, 13. Oktober

Die Buchmesse beginnt in diesem Jahr an einem Montag im Thüringer Wirtschaftsministerium. Unten im Foyer sind in einer Glasvitrine verschiedene Bücher aufgestellt. Da steht Sarah Wagenknecht neben dem Ratgeber Gelassen bleiben und einem mehrere hundert Seiten dicken Bericht über die Kreativwirtschaft in Thüringen. Wegen letzterem bin ich hier. Ich wohne in Thüringen, bin ab und an kreativ und stehe damit prototypisch für einen wichtigen Standortfaktor des Freistaates. Um diesen Standortfaktor hinaus in die Welt zu tragen, wird seit kurzem Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die darüber informiert, was Thüringen alles ist – Erbauer der Brooklyn Bridge, Unterstützer von Raumfahrtmissionen, Eva Padberg. Als Teil dieser Kampagne sponsert das Wirtschaftsministerium einen blauen Stand auf der Buchmesse, auf dem sich Verlage präsentieren und zudem gelesen wird.

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Lesereise (11). Köln. Momente der Unvernunft an Orten in weiß.

September 11, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Köln, Microsoft, Cafè Duddel, 9. September, mit The Mount St. Helen Duet

Spannend ist die Frage, wie oft man eigentlich originell sein kann. Und ich meine keine Originalität, die „ansonsten“ mit „weiterhin“ ersetzt und deshalb schon zufrieden die Hände hinter dem Nacken verschränkt, sondern Worte, die mich selbst beim Schreiben überraschen und die vielleicht mal etwas vollkommen Neues probieren. Wobei es vollkommen neu natürlich längst nicht mehr geben kann. Aber es würde schon genügen, auf ein vertrautes System mit Insektenaugen zu schauen und allein dadurch das vertraute System bestenfalls gehörig zu erschüttern. Außerdem wäre es durch Abweichungen von sattsam Bekannten auch für Andere interessanter, sich ein weiteres Mal in die zu oft schon ausgeleuchete Troposphäre von Lesereisen zu begeben.

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Lesereise (10). Hamburg. In Zahlen.

September 7, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”



Hamburg, Literaturhaus, 5. September, mit Xóchil A. Schütz

Anzahl der Lesungen in Hamburg: 8
Anzahl der Lesungen in Weimar: 1
(einschließlich Der Schlaf und das Flüstern)

Lesungen, an denen Autoren beteiligt waren, die auch bei asphalt & anders veröffentlicht haben: 4
(einschließlich Der Schlaf und das Flüstern)

Anzahl der fotografierten Leseorte: 16
Anzahl der Eintragungen ins Lesetagebuch: 10

Anzahl der verbrachten Lesungszeit (in Stunden): 12
Anzahl der verbrachten Zeit im Zug: 75
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Schreiben des Lesetagebuchs: 10
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Hören von Beziehungsgesprächen Mitreisender per Handy : 5
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Hören von Aufforderungen das Bordbistro zu besuchen: 2
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Lesen von mobil: 0,2

Anzahl des verspäteten Erscheinens auf einer Lesung: 2
Anzahl der Lesungen mit Anfahrt per Auto: 2

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Lesereise (9). Hamburg. Zu viel ist auch nur eine Frage der Menge.

Juli 22, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Hamburg, BeLaMi, 20. Juli, Zwischenraum, 21. Juli

Es wäre schön, wenn jeder Text über eine Lesung nicht nur von der Lesung erzählt, sondern durch ein übergeordnetes Thema persönliche Erlebnisse für Außenstehende anhand eines roten Fadens greifbar macht. Das Thema könnte banal erscheinen (eine allgemeine Betrachtung von unterschiedlichen Wegen, Bühnen zu betreten), vermeintlich tiefschürfend (Kapitalismuskritik), vermeintlich unterhaltsam (kulinarische Abweichungen von Herkömmlichem) oder auch ein abstraktes Gedankenkonstrukt. Für Hamburg entscheide ich mich für das Gedankenkonstrukt. Ich entscheide mich für zu viel.

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Lesereise (8). Köln. Die wunderbare Welt von ausgedachten Glühwürmchen.

Juli 9, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Köln, WDR 1Live Klubbing, 08. Juli

Wenn man nicht täglich in Millionenstädten ist, kann es einen überfordern, wenn man dann doch mal wieder eine Millionenstadt besucht. Das liegt auch an den Dienstleistern. Es gibt einfach zu viele. Verlässt man zum Beispiel den Kölner Hauptbahnhof, ist da ein Mann, der Luftballons zu Tieren knotet. Dafür will er Geld. Eine Straßenmusikerin vor dem Media Markt spielt Gitarre und will dafür Geld. Ein fliegender Händler verkauft Schmuck und will dafür Geld. Eine Limbotanzgruppe tanzt unter einer brennenden Stange hindurch und will dafür Geld. Italienische Kellner versuchen einen in ein italienisches Restaurant zu locken, um dort Geld einzufordern. Nur die sieben Männer vor der Kölner Philharmonie wollen kein Geld. Sie wollen verhindern, dass man den Platz vor der Kölner Philharmonie betritt. Die Schritte würden Schwingungen erzeugen und so Proben in der Philharmonie stören. Deshalb scheuchen sie, ganz kostenfrei, einfach nur fort.

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