(1) Die Oscarverleihung ist gut oder schlecht, weil die Filme, die man gut oder schlecht findet, den Oscar erhalten oder nicht.
(2) Die Oscarverleihung ist gut oder schlecht, weil es spannend ist oder nicht, ob die Filme, von denen man glaubt, dass sie den Oscar erhalten oder nicht, den Oscar erhalten oder nicht.
(3) Die Oscarverleihung ist gut oder schlecht, weil die Präsentation gut oder schlecht ist.
Archive for the ‘Film’ category
Oscar 2013. 3D mit dem POTUS.
Februar 25, 2013Django Unchained. Ist ja irre – Blutfontänen aus bösen Rassistenkörpern.
Januar 23, 2013
Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, über Filme zu schreiben. Man kann sie beurteilen und über die bloße Meinungsäußerung hinaus erläutern, mit welchen Mitteln der Film arbeitet. Oder man beschreibt – unabhängig von der Qualität – was der Film erzählt, was für Bilder er verwendet, wie diese wirken. Nach dieser Methode steht Hobgoblins 2 gleichberechtigt neben Vertigo oder in diesem Fall, steht Django Unchained gleichberechtigt neben Pulp Fiction.
[Spoiler]
Was ich sehe. Ich sehe eine smarten, wortgewandten Kopfgeldjäger, der einem Sklaven die Freiheit schenkt und schließlich eine Partnerschaft mit ihm eingeht. Der Kopfgeldjäger ist in nahezu jeder Sekunde der Aktivere, der Präsentere des Duos. Dieses Verhältnis dreht sich erst am Ende. Erst mit dem Tod des Kopfgeldjägers wird Django wahrhaftig entfesselt.
Ich sehe Weiße, die bis auf ein, zwei Ausnahmen sadistisch oder idiotisch sind, oftmals beides. Ich sehe Schwarze, die bis auf ein, zwei Ausnahmen unterwürfig sind, denen keine Persönlichkeit zugeschrieben wird und die deshalb Objekte bleiben, welche in Fußketten dem Horizont entgegenlaufen oder in Herrschaftshäusern Saucieren reichen.
Coming soon. Kino 2013.
Januar 13, 2013
Was: Knight of Cups / To The Wonder / …
Von: Terrence Malick
Mit: Christan Bale, Natalie Portman, Michael Fassbender, Ryan Gosling, Cate Blanchett, Rachel McAdams, Javier Bardem etc.
Inhalt Das Leben, die Liebe, das Drama. Lensflare.
Hoffnung: In einem Jahr mehr Filme als in 25. Nach Tree of Life aus gutem Grund.
Befürchtung: Entweder Ultimatives über den Menschen an sich. Oder Scheitern im Pathos.
Kino. Affen im Arm, Melancholie
November 17, 2012
Skyfall
Die eine Frage: Wie weit kann man sich eigentlich vom Kern entfernen, ohne den Kern zu verlieren? Das Überwesen James Bond als alkoholkranker, alterschwacher, danebenschießender, fast toter, grübelnder, psychologisierender, sich um Andere kümmernder Agent? Welcher zudem in keiner Sekunde Leichtigkeit verbreitet, sondern alle Last der Welt auf seinen Schultern trägt? Kann das noch James Bond sein?
Die zweite, fast wichtigere Frage: Wie kann ein Film, der so viel Wert legt auf “Realismus”, auf Glaubwürdigkeit, auf psychologische Tiefe so viele doofe Logiklöcher lassen? Und wieso gab es die stärkste, beschönigend beschriebend “irritierte” Zuschauerreaktion in der Szene, in der Männerhände Männerschenkel streicheln?
Fraktus
Das Problem vieler sogenannter Mockumentarys ist, dass das ironische Spiel mit der Authentizität seinen Reiz nach fünfzehn Minuten verliert. Danach fällt unweigerlich ins Gewicht, was Sache aller Geschichten ist: die Geschichte. Hier nicht. Hier werden sowohl unfassbare Bezüge zur Realität hergestellt (so dass es nicht mehr möglich sein wird, die Musikgeschichte OHNE Fraktus zu verstehen) als auch Spannungsbögen erzeugt.
The Dark Knight Rises. Ächzen, wagen, scheitern.
August 1, 2012
Ach, Batman. Du hast dir so viel vorgenommen. Willst den Kapitalismus und damit ein aus dem Ruder gelaufenes Gesellschaftssystem sezieren. Entscheidest dich bei beim Schurken nicht für einen bequemen Weg, sondern für Bane. Gehst sogar das Wagnis ein und bringst Catwoman zurück, obwohl du weißt, dass du dich im Guten (an Michelle Pfeiffer) wie im Schlechten (an Halle Berry) messen lassen musst. Willst den Schwarzen Ritter als Gefallenen zeigen, körperlich und geistig gebrochen. Hast nicht zwei oder fünf Nebenfiguren, sondern mindestens zwanzig.
Und, Batman. Du liebst die Zwischentöne. Bei dir ist niemand nur Held, nur Bösewicht. Bei dir lässt sich die entfesselte 1% Elite ebenso leicht manipulieren wie die 99%. Instrumentalisiert durch die Aussicht auf mehr Geld und mehr Macht, benutzt durch Schlagworte wie saubere Energie, Freiheit des Einzelnen, Entmachtung der herrschenden Klasse. Beide am Ende Opfer der 0,0001%, der ultimativen Schurken.
Ach, Bane. Deine Physis. Deine Kälte. Deine Effizienz. Deine Maske. Deine Maske. Wenn du in deiner Maske gegen den maskierten Batman antrittst, ist es, als würden Kinder leblose Actionfiguren gegeneinander kämpfen lassen und dazu mit verstellter Stimme sprechen. Es sieht ja keiner, was sich in euren Gesichtern abspielt. Da könnt ihr nur über eure Stimmen etwas hervorrufen, Gefühlszustände beispielsweise. Aber diese Tonmischung, Bane. Deine Stimme von deinem Körper getrennt, schwebt über dir, nein, flattert. Kennst du diese amerikanischen Teleshoppingsendungen, in denen überkandidelte Moderatoren dir Küchenhäcksler andrehen wollen? Kennst du die eingedeutschten Versionen davon, die sogenannten Synchronisationen, in denen der Ton niemals synchron zum Bild läuft? So ist das. So sprichst du. Keine Bane, sondern Walter Freiwald.
Kino. Ein Gesicht wie ein Weltuntergang.
April 30, 2012Take Shelter | Chronicle | The Iron Lady | John Carter | John Irving | Schilf | The Hunger Games | Shame | Dame, König, As, Spion | Empire Me
Take Shelter
Eigentlich müsste man nur das Gesicht von Michael Shannon in Großaufnahme zeigen. 120 Minuten lang. Und darin würde sich dann der Weltuntergang erzählen. Michael Shannon durfte in Revolutionary Road als Irrer die Wahrheit benennen und ist in Boardwalk Empire hin- und hergerissen zwischen Gesetzen, Religion und Versuchungen. Ein Titan, sollte ich schreiben, der hoffentlich zukünftig nicht nur in A-Hollywoodfilmen die Nebenrolle mit dem markanten Äußeren besetzen wird.
In Take Shelter bricht Michael Shannon aus und mit dem Gewohnten, weil er den Weltuntergang vorhersieht. Er baut einen Bunker zum Zufluchtsort um und zerstört damit seine Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft. Das wird in zahlreichen Episoden fast schon penibel aufgedröselt. Denn der Film lässt Shannon machen. Shannon tut etwas und der Film hält sich raus. Er bietet keinen Über- oder Unterbau an, verzichtet auf Psychologie, selbst eine metaphernreiche Bebilderung der Untergangsvision findet dezent statt. Klar gibt es Stürme, dunkle Wolken, Regen und abstürzende Vogelschwärme. Doch nie drängt sich der Film in den Vordergrund und sagt: „Ich erzähle euch eine Allegorie auf eine verängstigte amerikanische Gesellschaft, die sich in der Auflösung befindet.“ Das ist sehr nett vom Filmmacher und garantiert nicht selbstverständlich.
Am Ende dann das Ende. Das zerstört entweder alle Subtilität oder setzt wahlweise eins drauf. Da muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Ich habe das Problem gelöst, indem ich mir ein eigenes Ende ausgedacht habe.
Der zerbrochene Klang. Im Kino.
April 12, 2012Wie hätte ich damals, 2008 auf der ersten Reise nach Krakau und Wien, annehmen können, dass vier Jahre bis zum fertigen Film vergehen werden?
Ich zitiere mal aus der Inhaltsbeschreibung: “Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten jüdische und Roma-Musikerfamilien in Bessarabien zusammen, heirateten untereinander und musizierten gemeinsam. Diese jüdischen Klezmer- und Roma-Lautarmusiker formten eine einzigartige Musikkultur, die durch den Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. 70 Jahre später begeben sich 14 international bekannte Musiker aus aller Welt auf eine Reise in diese Vergangenheit. Die Suche nach den alten Klängen entwickelt sich zur schmerzhaften Erfahrung mit der eigenen Identität.”
Oscar Fringe 2012
Februar 27, 2012Die Academy Awards in einer besseren Welt
Anfangs scheint es auf dem roten Teppich so wie in jedem Jahr: Die männlichen Filmschaffenden bleiben alle zwei Sekunden stehen, um ihre von ausgewählten Designern bereitgestellte Abendgarderobe den Fotografen und Kameraleuten präsentieren zu können. Die weiblichen Filmschaffenden geben sarkastische Antworten auf die tiefgehenden Fragen der Reporter, während ihre abmagerten Ehepartner neben ihnen verkniffen lächeln. Sacha Baron Cohen betreibt Promotion für seine neue Fakedoku „The Dictator“ und schüttet deshalb die Asche Rick Santorums über verschiedene FOX-NEWS-Mitarbeiter aus. Zuschauer rufen Angelina Jolie Die Arme zu und meinen damit ihre Arme. Auf In-Touch-Online läuft der Liveticker heiß und nicht ein einziges Mal fällt das Wort spectacular. Die deutsche Netzgemeinde zollt Steven Gätjen mit einem eigenen Hashtag Respekt.
Kino. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen.
Februar 18, 2012Der Gott des Gemetzels | Jonas | Moneyball | In Time | Drive | M:I 4 | Submarine | The Descendants | J. Edgar | The Artist | The Future | Cheyenne | Sherlock Holmes 2
Der Gott des Gemetzels
Wenn Theaterstücke fürs Kino aufbereitet werden, ergibt das nicht zwangsläufig eine Win/Win-Situation. Denn Theaterdialoge sind oft auch aus dem Grund geschrieben, damit Schauspieler darin glänzen können. Aber in Filmen sollen Schauspieler nicht glänzen, sondern sein. Also keine Figuren mit Absichten und Funktionen, die Autor und Regisseur für sie vorgesehen haben. Sondern sein. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen. Je weniger große Geste, desto überzeugender. Und dazu die Beschränkung des Raums. Keine einfache Sache. Roman Polanski fällt dazu nicht gerade viel ein. Routiniert, könnte ich schreiben, was okay ist, könnte ich meinen. Denn Stück und Schauspieler sind gallig genug. Nicht absolut bitterböse und sicher keine Grenzüberschreitung, aber doch so, dass Männer registrieren, wie Kate Winslet Christopher Waltz’ Handy ins Blumenwasser wirft und sich fragen, ob ihre Frauen sie nicht auch so sehen, sich aber im gleichen Moment ironisch davon distanzieren können, weil Christopher Waltz ja immer auch eine beruhigend abstrakte Mischung aus Roy Black und Hans Landa ist. Da ist in jeder giftigen Pointe die Reaktion schon einkalkuliert. Was nicht als Vorwurf gemeint ist, sondern vielleicht das einzige Weg, eine bestimmte Zuschauergruppe nachhaltig zu erreichen.
Jonas – Stell dir vor, es ist Schule und du musst wieder hin
Interessanterweise heißt es hier: „Fake-Doku”. Dabei ist jeder Dokumentarfilm Fake, zumindest zu Teilen. Denn die hundert Stunden gefilmtes Material ließen sich problemlos auch zu Komödie, Thriller, Drama oder Horrorfilm kombinieren. Die Frage ist eben, was man für Szenen wie aneinanderschneidet und welche Musik dazu gewählt wird. Bei Jonas sind das Die Sterne mit Was hat dich bloß so ruiniert, das als roter Faden durch den Film führt und hoffentlich dazu führt, dass jetzt alle das Lied wiederentdecken und deshalb kostenpflichtig herunterladen und somit einen verdienten Nummer-Eins-Hit schaffen.
Kino. Quentin Tarantinos Die Hochzeit meines besten Freundes.
Dezember 6, 2011Weil das Jahr sich dem Ende zuneigt und ich etwa soundsovielen Filmen ungerechtfertigterweise keinen Platz in diesem Blog einräumte, einige schnelle Zusammenfassungen, der Vollständigkeit halber.
Eigentlich sollte hier alles stimmen: Thema (Rollergirl wird findet eigenen Weg ins Leben), Musik (Peaches, The Breeders, Jens Lekman), Darstellerinnen (Ellen Page, Kristen Wiig, Drew Barrymore, Juliette Lewis, Marcia Gay Harden,), Attitüde (albern, engagiert, ernsthaft interessiert). Und vielleicht ist genau dies ein Problem: Den Whip It weiß exakt, was sie sein will und wem sie ein Denkmal setzen will und wem sie was gegenübersetzen will (all den Coming-of-Age-Filmen, in denen die Frauen entweder nur Mutter sein dürfen oder Manic Pixie Dream Girl). Deshalb die Empfehlung mit einigen Einschränkungen.
Einige Filme brauchen ja zwei Stunden oder mehr, um eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht gar nicht mal so herzzerreißend ist. Super 8 benötigt dafür genau ein Bild, die Eröffnungsszene. Da möchte man schon in Tränen ausbrechen und fühlt sich später wohlig aufgefangen in einer Umgebung, die man auch Kindheit nennen könnte. Also die guten Seiten, die E.T. ähnlich beschrieben hat. (Jeder ist übrigens vertraglich verpflichtet, in Texten über Super 8 E.T. zu erwähnen.) So sind die ersten 2/3 des Films wunderbar – und weil mir kein besseres Wort einfällt, schreibe ich es noch einmal – wunderbar. Kleine große Momente, die in der Summe mehr Wärme erzeugen als alle HollywoodBlockbuster der letzten zehn Jahre und die meisten Independentfilme dazu. Dann kommt leider das Monster und damit die Armee und so verliert sich Super 8 schließlich in einer unnötigen, aufgeblasenen Materialschlacht und gibt die kleinen großen Momente aus der Hand, um statt dessen in der Größe nur das Unwichtige zu zeigen.






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