Archive for the ‘Leben’ category

Lesungstagebuch Henry Sy (3). Hamburg in Substantiven, Verben, Wieworten und Personalpronomen.

Mai 15, 2013

gelb wie Solar

Literaturzentrum, Hamburg, 13.05.2013

Substantive

Kulturbahnhof Fahrtkartenautomat Ciabattabrötchen Regionalexpress Sitzplatz Schulklasse Wald Fluss Brücke Graffiti Tunnel Göttingen Einkaufsbahnhof Mai-Mai Intercity Ehepaar Raps Solaranlage Strommast Windrad Radiohead Schaffner Verteidigung Missionarsstellung Hamburg Altona Regen Tee Hemd U-Bahn Cityticket Hauptbahnhof U-Bahn Mundsburg Literaturhaus Bar Beamer Laptop W-Lan Zettel Fotos Mikrophon Screenshot Video Lesung Maus Blickkontakt Henry Magda Rottmann Beatles Ägypten Raumschiff Pferdeforum Email Alina Ende Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort etc. Diskussion Hikikomori Laptop Tasche Restaurant Rotwein Quark Taxi Luhmann Bett Traum

bis zum Horizont: gelb

Verben

(mehr…)

Balotelli.

Juni 29, 2012

Erst lief er
dann sprang er
dann schoss er

Wir warfen mit Spaghetti

doch er stand

drei Streifen auf dem Steiss

menschgewordener Granit
ein Monument der Hybris

in seinem Schatten
Dystopie

Balotelli

Der Schönste, der Stärkste, der Allerbeste.

Juni 7, 2012

Alle vier Wochen trafen wir uns am Sandplatz bei der Flussbiegung: Javier, Dirk, Mathijs, Krzysztof, Harry, Giuseppe und die anderen. Ein Spiel sollte ermitteln, wer der Schönste, Klügste und Stärkste von uns sei. Dem Gewinner würde unsere kleine Welt gehören, jedenfalls für die nächsten Wochen.

Zuerst einigten wir uns auf die Mannschaften: Wie immer wollte niemand Eoin oder Vladyslav haben. Warum sie überhaupt dabei waren, wusste niemand so recht. Ein Münzwurf entschied die Seite. Dann begann der Kick.

Es dauerte eine Weile, bis sich alle zurechtgefunden hatten. Doch bald schon spielten sich Dirk und Javier in einen Rausch. Sie brillierten mit ausgeklügelten Spielzügen, hielten den Ball nie länger als eine Sekunde am Fuß und öffneten mit geschickten Laufwegen Räume. Sie hatten ein Konzept, das Ästhetik und Intelligenz vereinte. Mit offenen Mündern ließen wir sie gewähren, denn trotz aller Eleganz blieb ihnen vorerst ein Tor versagt.

Javier war über die Wochen satt geworden von seinem Erfolg. Dirk hingegen gab sich zuversichtlich, weil er glaubte, dass diesmal seine Zeit gekommen wäre. Die Zuschauer sahen das ähnlich. Sie trugen Shirts mit Dirk, Perücken mit Dirk und schwenkten Dirk-Fahnen. Selbst der Rektor hatte letztens bestätigt, dass es wieder okay wäre, auf Dirk stolz zu sein. Jeder erwartete einen fulminanten Sieg von Dirk. Eine Niederlage, soviel schien klar, war nicht vorgesehen.

(mehr…)

Pietro Lombardi schreibt Autogramme in Weimar und lacht sich dabei ins Fäustchen.

Juni 3, 2011

2001 schloss Anke Schäferkordt einen Pakt mit dem Teufel. Sie sagte zu Dieter Bohlen: „Ich fände es schön, wenn RTL auch in zehn Jahren noch der erfolgreichste Fernsehsender in Europa wäre.“ Der Teufel hatte dagegen nichts einzuwenden, bestand jedoch darauf, zukünftig das Gesicht des Senders zu sein. Anke Schäferkordt nickte zustimmend und zufrieden gaben sich beide die Hand.

Gott schaute sich einige Zeit lang an, was geschah. Dann beschloss er, Pietro Lombardi zu Deutschland sucht den Superstar zu schicken.

Heute sitzt Pietro Lombardi auf der Bühne neben einem einst als Gauforum geplanten Gebäude, welches nun als Einkaufszentrum genutzt wird. Ein großer Elektromarkt hat Pietro thüringenweit exklusiv für Weimar verpflichtet. Die Sonne brennt und Körper pressen sich gegen die zahlreichen Absperrgitter. Die häufigste Haarfarbe der Frauen ist lila, viele Männer tragen Shirts von Camp David. Ein Bruder von Michael Wendler steht neben Pietro und moderiert die öffentliche Autogrammstunde. Er fragt „Wer ist Pietro-Fan?“ und Arme gehen hoch und er fragt „Habt ihr eine gute Zeit?“ und Arme gehen hoch und er ruft “Drückt nicht so, hier vorn stehen ein paar ganz kleine Mäuse“ und die Arme blieben unten und als sie wieder hochgehen und ihn fotografieren, ruft er „Mich braucht ihr nicht fotografieren, mich kennt doch niemand.“

(mehr…)

Christians protecting Muslims while they pray during protests in Egypt.

Februar 3, 2011

Eigentlich muss eine Menge zu den Ereignissen in Ägypten geschrieben werden. Man kann versuchen zu verstehen, weshalb unser “der Westen” das ägyptische Regime nicht so ohne weiteres fallen lässt und vermuten: um nicht die Glaubwürdigkeit beim Bund mit dem nächsten Diktator als stabilen Faktor in einer unstabilen Region einzubüßen. Wobei die Frage aufkommt, wie Diktatur sich definiert und in welchen Grenzen sie für wen aus welchen Gründen als akzeptabel gilt. Man kann auch nach der Rolle des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens fragen. Das anfangs sehr verhalten berichtete, woraufhin es zu einer Art Shitstorm in neueren Medien kam, weshalb und Anzahl und Qualität der Berichterstattungen stiegen und plötzlich die Lage von deutschen Touristen in den ägyptischen Urlaubsregionen nicht mehr der Hauptgrund ist, die Revolution zu thematisieren.

Dann aber dieses Foto. (mehr…)

Darauf kann 2011 gern verzichten.

Januar 1, 2011

- Sachbücher, die ein Wie im Titel tragen

- ein Comeback alter Werte

- Plattenfirmen, die Bands unter Vertrag nehmen, die wie Unheilig klingen

- Unheilig

- Arnulf Baring, Hans-Olaf Henkel und Jens Spahn in politischen Talkshows

- politische Talkshows

- Fenchel

- jemand, der den Finger in die Wunde legt

- jemand, der endlich mal ausspricht, was der kleine Mann denkt

- jemand der sagt, das wird man ja nochmal sagen dürfen

- Bücher, die zeitgleich mit Titelgeschichten vom Spiegel und der Bild promotet werden

- rote Teppiche

- Animationsfilme mit sprechenden Tieren

- Filme mit Johnny Depp

- die D-Mark

- eine Verbraucherschutzministerin, die Google und Facebook gegenüber superkritisch ist, aber der Lebensmittellobby bestimmte Wünsche von den Augen abliest

- Krimis

(Liste unvollständig)

Killerspiele kaufen für Jugendliche.

Dezember 28, 2010


Kaum ist Weihnachten vorbei, kehren sie zurück: die amoralischen Zwickmühlen. Heute zum Beispiel in einem Elektrofachmarkt. Ich möchte gern spontan Geld ausgeben. Dazu wähle ich aus: “Kick Ass”, eine Comicverfilmung, die im letzten Drittel unreflektiert eine Elfjährige Gewalt gegen Schurken ausüben lässt. Fallout: New Vegas, ein Endzeitshooteradventure, welches mit einer USK18-Freigabe versehen ist und dessen Vorgänger ich sehr mochte sowie “Agora”, mein aufwühlendstes Filmerlebniss 2010, welches sich mit der Frage beschäftigt, was eigentlich passiert, wenn ein neues Weltbild ein altes ersetzt und deshalb einen Ausflug in die Antike macht, der aufgrund des Wüten eines Mobs blutig endet.

Während ich also das USK18 Spiel aus dem Regal nehme, sprechen mich zwei Jugendliche an (also Jugendliche im Sinne von: Teenager, junge Menschen, Jungen, Kinder etc.) Sie sehen nicht aus wie 18, eher vielleicht wie 16. Und sie fragen, ob ich ihnen das ab 18 Jahre freigegebene Spiel “Metro 2033” kaufen könnte; das Geld dafür würden sie mir jetzt schon geben. Nun zählen spontane Entscheidungen nicht unbedingt zu meinen Vorlieben. Gern wäge ich ab und argumentiere in alle Richtungen, um nach einem aufreibenden Entscheidungsprozess zu einem Ergebnis zu gelangen, zu dem ich auch stehen kann. Das funktioniert natürlich nicht in jeder Situation.

(mehr…)

Eine unvollständige Liste von Dingen, die ich gerade großartig finde.

Dezember 10, 2010

- Gil Scott-Heron and Jamie xx – “NY Is Killing Me”

- Dieses Interview
Ihr werdet ja auch immer wieder als so schwierig beschrieben. Ich kann das jetzt nicht bestätigen. Aber habt Ihr eine Vorstellung davon, warum das so ist?

Anton: Minderwertigkeitskomplexe?

- Fringe

- Jahreslisten erstellen

- Bone & The Smartest Kid on Earth

- Tiger

- Adventskalender mit Tissy

- Schnee bzw. Bilder von Schnee

Lesungen. Drei Tage im Oktober.

Oktober 5, 2010

Willkommen in der regelmäßig erscheinenden Rubrik “Werbung in eigener Sache”. Diesmal: Drei Tage im Oktober. Und damit drei Lesungen in dieser Woche. Beginnt am Mittwoch, dem 6. Oktober in Köln um 20:00 Uhr in Die Wohngemeinschaft. Ich lese kurze Geschichten, Toby Hoffmann auch und das The Mount St. Helen Duet macht Musik.

Zwei Tage später dann in Frankfurt, um 21:30 Uhr in der Heussenstamm-Galerie. Die Open Books sind eine interessante Angelegenheit, gerade was Mikrophone betrifft. Diesmal gibt es eine Art Lesungsgespräch zusammen mit Marco Dzebro, dessen “Dorian” eben erschienen ist. Moderiert wird die sicherlich ausgesprochen nette und aufschlussreiche Unterhaltung von Martin Beyer.

Und, weitere zwei Tage später, am 10. Oktober lese ich aus “Der Schlaf und das Flüstern”. Diesmal auf der Buchmesse und da auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage. Halle 4.1, D128. Ab 13:00 Uhr und hoffentlich ohne Blaskapelle an umliegenden Ständen.

Empfehlung. Atomino.

August 16, 2010

Hinweisen möchte ich gern auf das ATOMINO – Festival. Nicht nur, weil es in Crimmitschau stattfindet und damit praktisch um die Ecke der alten Heimat. Aber auch. Ansonsten hauptsächlich wegen dem ehrgeizigen Ziel, das alle Unterstützung verdient.

Foto, Film, Kunst, Installation, Malerei, Tanz, Theater und Musik, drei Tage im August im alten Textilmuseum und Umgebung. Im Manifest steht, was für Absichten damit gehegt werden. Der Eintritt ist frei – und das schreibe ich noch einmal – der Eintritt ist frei. Denn: Wir wollen keine Geldspenden von Besuchern. Wer unsere Idee vom Atomino Art Festival gut findet und etwas geben möchte, der kann dies in anderer Form tun: Egal ob vor, während oder nach dem Festival.

Dabei sein wird, neben Freunden wie dem System gequirl, mit X ist Y? die Band, die in meinem Lebenslauf ja keine so unwichtige Rolle spielt. Am Samstag, aber man kann gern schon viele Tage früher kommen und dann zum Beispiel auch kostenfrei das Freibad besuchen. Jede Menge Gründe also für das Atomino 2010.

www.atomino.eu


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.