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Up In The Air
Eigentlich ist Ryan Bingham ja der Teufel. Eine beziehungsgeschädigte, materialistische, egoistische, kreditkartenfixierte (ich schreib das mal so) Arschkrampe in einem Job, dessen wichtigste Qualifikation Herzlosigkeit ist. Eine Arschkrampe – und das ist das schlimmste daran – die im Laufe der Geschichte eine Läuterung erfährt. Eine geläuterte Arschkrampe. Das ist ja der Weg der meisten Filme über Arschkrampen. Und das ist meistens die Hölle auf Erden.
Ryan Bingham ist also die hässliche Fratze des Kapitalismus. Die perfiderweise von George Clooney gespielt wird. Kann man ein deutlicheres Statement abgeben zum Thema Kapitalismus und Konsum und wie man ersteren verteufelt und trotzdem zweiteres nicht missen möchte? Kann es eine bessere Entschuldigung für Kapitalismus geben als George Clooney? Seit fünfzehn Jahren spielt dieser nahezu ausschließlich die bessere Kopie von Cary Grant und seltsamerweise hat seitdem niemand versucht, ihm dieses Anrecht streitig zu machen. Wird auch nach Up In The Air nicht geschehen. Der eigentlich kein schlechter Film ist. Die Bilder drücken teilweise spektakulär den Seelenzustand der Figuren aus. Einige Dialoge sind geschliffen, witzig und auf dem Punkt. Natalie Keener ist eine überaus vielschichtige Person, die Anna Kendrick ideal verkörpert.
Das Problem aber ist, dass Regisseur Jason Reitman Menschen liebt. Und er deshalb glaubt, Menschen müssten geläutert werden. Nein, viel schlimmer noch, Menschen ließen sich in Schubladen pressen. In: Menschen mit Familie. Und Menschen ohne Familie. Und letztere müssen geläutert werden. Was ja, wie ich einst zum Beispiel zu Six Feet Under schrieb, eines der großen Themen der Film- bzw. Seriengeschichte ist. Und, wie ich auch einst schrieb, die Hölle auf Erden sein kann, wenn es sich dabei eben nicht um Six Feet Under handelt. Wie hier. Hatte ich doch gedacht, dass man 2009/2010 diese Botschaft weitaus weniger platt formulieren könnte als Jason Reitman, gerade in der letzten Viertelstunde. Sehr schade.



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