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Film. Dafür ist Kino gemacht.

Mai 14, 2008

Juno

Ganz Indieland hat sich verliebt und Menschen, die mit den Moldy Peaches noch nie etwas anfingen konnten, auch. Und etliche Bekannte feierten relativ überschwänglich jede Sekunde dieses kleinen Filmwunders. Das ist durchaus okay, weil schon liebenswert und witzig und berührend und in den richtigen Momenten ernst, ansonsten kodderschnäuzig. Und weil alle Pluspunkte längst doppelt und dreifach aufgezählt sind, bleibt die undankbare Aufgabe, „Juno“ als kalkulierten Herzensbrecher zu entlarven. Nicht aus Protest, um mal wieder gegen den Strom schwimmen zu können, sondern vielmehr aus der ehrlichen Überzeugung in dem Augenblick, als der Abspann über die Leinwand lief.

Also: Juno McGaff ist eine ziemlich konstruierte Drehbuchphantasie, so wie der Ironmann, nur eben mit Herz statt Kraftwerk. Jeder Spruch jahrelang in Sarkasmusmarinade eingelegt und auf die Pointe hin dreifach geprüft, so dass Juno McGaff als Figur ab etwa einem Drittel des Films nur so liebenswert erscheint, wie Ellen Page sie spielt. Anders gesagt: Eine zutiefst unsympathische Filmfigur, besserwisserisch, nicht fähig Hilfe anzunehmen, was natürlich auch bis zur notwendigen Charakterentwicklung die raue Schale von Teenagern, hinter der sich Verletzlichkeit verbirgt usw. usw. Da hilft es auch nicht, wenn McGaff eine Wohnzimmereinrichtung in einen Vorgarten schleppt und theatralisch Pfeife raucht. Das ist so authentisch wie – und da wären wir wieder bei Iron Man. Fügt sich aber dennoch, was an den Nebenfiguren liegt. Und ich muss doch noch zwei Pluspunkte notieren. Jennifer Garner als Mutter (oder eben keine Mutter) und viel mehr noch Michael Cera als Junos Freund Paulie Bleeker. Für mich die wahre Juno McGaff.

Iron Man

Sicherlich einer der unglaub(würdig)lichsten Superhelden. Weil: kann alles dank schicker Rüstung. Zum Mond fliegen oder F16s ausweichen. Dreh- und Angelpunkt dieses Films ist das Herz, in diesem Fall ein faustgroßes Kraftwerk, das mehr Energie produziert als alle Atommeiler Deutschlands zusammen in zweihundert Jahren. Dieses Kraftwerk wurde in einer Höhle aus Eisen geschmiedet. Aber genug der Häme. Einen Superheldenfilm seinen Superhelden oder seine Fantasie vorzuwerfen bringt keine Punkte.

Dann eher so etwas wie: Wie widerlich, in dem Ironman-Universium den Afghanistankrieg unterzubringen. Weil Afghanen da nur turbantragende Tablibanmonster oder wehrlose Flüchtlinge sein können. Und Ironman trotz allem Pazifismusgeschwülst unangenehm militaristisch bleibt. Unabhängig davon die Erkenntnis dass der Film im Kern reinster Schund ist, ein erneuter Männertraum mit Rennwagen in der Garage und einer kurzberockten Assistentin (Pepper Potts), die Champagnergläser in kritischen Situationen reicht. Wenn Robert Downey Jr. nicht grundsätzlich ein Sympathieträger wäre und Jeff Brigdes nicht er selbst mit Glatzkopf, dann wäre „Iron Man“ vermutlich der 600 Millionen$ ertragreiche Totengräber des Superheldenfilms. Aber Höhepunkt dieses Genres war sowieso „Hulk“ von Ang Lee.

Die Schwester der Königin

Die Tudors, vom Ende her gesehen. Erst „The Golden Age“, dann „Elizabeth“ und schließlich dieser Kostümfilm. Sicherlich der zugänglichste. Und wenn jetzt alle ahnen, dass dies schon ein Qualitätsurteil sein könnte, dann behaupte ich selbiges. Ruhig wird die Geschichte entwickelt und nehmen sich die Charaktere für den Zuschauer Zeit. Das ist nicht zwangsläufig innovativ oder möchte riesige Kathedralen mit winzigen Königinnen in der Mitte zeigen, sondern wahlweise die Sympathien verteilen. Auf die beiden Schwestern natürlich, für die wir je nach Filmminute Partei ergreifen. Spannend und dramatisch, was auch am Drehbuch von Peter „The Queen“ Morgan liegt und natürlich am Ensemble. Was kann man mit Eric Bana, Scarlett Johanssen und Natalie Portman schon viel falsch machen? Dazu die Kostüme, viele Szenen auf Pferde, Tänze, Intrigen, Kerker, Köpfungen, Schlösser. Langweile sieht anders aus.

Abgedreht

Verrückt. Ich weiß noch genau, wie vor einiger Zeit der deutsche Verleiher in Zusammenarbeit mit einer bekannten deutschen Musikseite einen deutschen Titel für „Be Kind Rewind“ suchte. Mein Vorschlag wäre gewesen: „Voll verspult“. Aber „Abgedreht“ ist auch nicht schlecht. Dies denkt sich das Publikum, welches sich an diesem Samstagabend hauptsächlich aus Menschen zusammensetzt, die man als Kommilitonen kennt und kannte. Michel Gondry liebt übrigens Mensch und Kino. Das passt wunderbar zusammen und um ein drittes Mal die Herzmetapher zu bringen: „Abgedreht“ hat das Herz an der richtigen Stelle. Nämlich auf der Leinwand. Da kann Jack Black noch so verrückt gegen anspielen, im Grunde ist „Abgedreht“ eine einzige Liebeserklärung, möglicherweise für alles, was uns wichtig sein könnte. Und gar nicht mal so gefällig von Anfang an und am Ende wateten alle Kommilitonen knietief im Tränenmeer aus dem Kinosaal. Dazwischen ist nicht zwingend die Geschichte als vielmehr die Liebe zum Detail ausschlagendgebend. Allein schon wie Gondry „Men in Black“ schwedet. Mit Matchboxautos und einer Waschmaschinentrommel. Das hat mehr Stil als jeder einzelne Pixel von z.B. „Speed Racer“. Klar, als Underdog fühlen, aber letztlich auch nur ein Mensch sein. Welcher Film hat das schon besser drauf?

I`m not there

Nach „I`m not there“ hab ich mehr Dylan gehört als zuvor in meinem Leben. Das war nicht viel, aber wenn ein Film dies schafft und mich außerdem dazu bringt, ein zweites Mal „Don`t look back“ von Pennebaker zu sehen, spricht das für den Film. Wobei: Was heißt in diesem Fall schon Film? Vielmehr eine Kaleidoskop aus allem, was Dylan mit der Popkultur gemacht hat. Wer will, kann jede Szene bis zu seinem Lebensende auf Ebenen hin entschlüsseln und kommt dennoch nur bis 8:40 min. Weil im Hintergrund die Beatles gejagt werden und Allen Ginsberg auf einem Golfmobil fährt und das nur zwei von zehn Millionen Gründen sind, Dylans Wikipediaeintrag einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Wolfgang Niedecken wird darüber nur herzlich lachen, klar, der kennt alles und jeden im Leben von Bob. Mein Lieblingsdylan war Christian Bale, gefürchtet hab ich mich vor den Stellen gefürchtet, in denen Richard Gere Dylan spielt. War aber okay und am Ende schwirrt der Kopf von soviel Referenzen und Bezügen, so dass man „Ballad of a Thin Man“ auf Dauerrotation im blogeigenen Radio laufen läßt.


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