Letztens hat Clint Eastwood mit einem Stuhl gesprochen und dabei so getan, als säße Barack Obama darauf. Das hat eine Menge Spott und noch mehr Mitleid hervorgerufen. Im Sinne von: Hier zerstört sich eine Legende selbst.
Jon Stewart sieht das anders. Jon Stewart sagt, dass Clint Eastwood mit seinem Auftritt ein ultimatives Bild über den aktuellen Zustand der Republikaner (und die aktuelle amerikanische Politik) produziert hat. Er bringt diese Pointe: Der unsichtbare Obama auf dem Stuhl ist nicht unsichtbar. Es gibt ihn wirklich. Allerdings können nur Republikaner ihn sehen.
Dieser Obama ist selbstverständlich Moslem. Kommunist. Sozialist. Nicht in Amerika geboren. Ein Radikaler, der mithilfe seiner Gesundheitsreform alte Leute umbringen lässt. Einer, der die Grundrechte des Einzelnen beschneidet, einer, der einen faschistoiden Staat errichten möchte, in dem die Regierung alle Kontrolle übernehmen will. Dieser Obama existiert in einer Parallelwelt, konstruiert von FOX News oder Radiotalkshows wie der von Rush Limbaugh.
Jon Stewart sagt: Clint Eastwood ist Schauspieler, er ist Regisseur. Er weiß, dass ein Bild erzählen kann, wofür sonst viele Worte nötig wären. Deshalb spricht er mit dem Stuhl, weil er zeigen will: es gibt keine Diskussionen mehr. Nur noch Monologe. Es braucht keinen Gegenüber mehr, der antworten, der sich verteidigen, der argumentieren kann. Der Gegenüber wird konstruiert, weshalb auch alles in ihn hineingedeutet werden kann. Anstatt Auseinandersetzung reden die beiden Seiten mit sich selbst und erfinden die Antworten des Anderen je nach Bedarf selbst.
Am Ende seines Beitrags wird Jon Stewart ernst. Er sagt, dass es Fragen gibt, denen sich Obama stellen muss, dass die Diskussion über seine Politik, seine Erfolge und Mißerfolge absolut legitim und notwendig ist (und fügt hinzu “Tune in next week”, meint damit den kommenden Parteitag der Demokraten). Aber, sagt Stewart, in einer Wahl sollte es nicht um einen ausgedachten Präsidenten gehen, nicht um den unsichtbaren Präsidenten auf dem Stuhl neben Clint Eastwood.



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