Ich habe zwei Filme gesehen. Beide versuchen das Leben zu beschreiben. Die Handlungen ließen sich jeweils auf einem Bierdeckel unterbringen. Enter the Void erzählt von einem Junkie, der in Tokio stirbt und danach in einer Art Zwischenwelt darauf wartet, die eigene Seele in den Körper eines Neugeborenen zu überführen. The Tree of Life erzählt die Geschichte dreier Brüder im Amerika der 50er Jahre, deren Charakter vom hartherzigen Vater und einer gütigen Mutter geprägt werden. Außerdem spielen eine wichtige Rolle: Gott und Saurier.
Ich glaube, viele werden diese Filme nicht mögen. Das kann ich gut verstehen. Es sind kitschige, selbstverliebte, pathetische, überlange, überambitionierte Filme, die maßlos sind und voller Ehrfurcht in der eigenen Courage schwelgen. Trotzdem sollte jeder diese Filme sehen. Denn sie bieten etwas an: eine Idee, ein Modell zur Erklärung der Welt und des Lebens. Filme, die so etwas versuchen, müssen auch scheitern. Solche Filme wollen das Große Ganze und verheddern sich dabei in Allmachtsphantasien, verlieren die Bodenhaftung und ordnen besessen alles dem unbedingten Willen unter, das LEBEN auf der Leinwand erklären zu wollen, so dass jedes Bild, jeder Satz, jede Geste schreit: seht her, ich kenne das Leben und ich erkläre euch das Leben.
Niemand wird gern angeschrien.


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