Posted tagged ‘George Clooney’

Kino. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen.

Februar 18, 2012

Der Gott des Gemetzels | Jonas | Moneyball | In Time | Drive | M:I 4 | Submarine | The Descendants | J. Edgar | The Artist | The Future | Cheyenne | Sherlock Holmes 2

Der Gott des Gemetzels

Wenn Theaterstücke fürs Kino aufbereitet werden, ergibt das nicht zwangsläufig eine Win/Win-Situation. Denn Theaterdialoge sind oft auch aus dem Grund geschrieben, damit Schauspieler darin glänzen können. Aber in Filmen sollen Schauspieler nicht glänzen, sondern sein. Also keine Figuren mit Absichten und Funktionen, die Autor und Regisseur für sie vorgesehen haben. Sondern sein. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen. Je weniger große Geste, desto überzeugender. Und dazu die Beschränkung des Raums. Keine einfache Sache. Roman Polanski fällt dazu nicht gerade viel ein. Routiniert, könnte ich schreiben, was okay ist, könnte ich meinen. Denn Stück und Schauspieler sind gallig genug. Nicht absolut bitterböse und sicher keine Grenzüberschreitung, aber doch so, dass Männer registrieren, wie Kate Winslet Christopher Waltz’ Handy ins Blumenwasser wirft und sich fragen, ob ihre Frauen sie nicht auch so sehen, sich aber im gleichen Moment ironisch davon distanzieren können, weil Christopher Waltz ja immer auch eine beruhigend abstrakte Mischung aus Roy Black und Hans Landa ist. Da ist in jeder giftigen Pointe die Reaktion schon einkalkuliert. Was nicht als Vorwurf gemeint ist, sondern vielleicht das einzige Weg, eine bestimmte Zuschauergruppe nachhaltig zu erreichen.

Jonas – Stell dir vor, es ist Schule und du musst wieder hin

Interessanterweise heißt es hier: „Fake-Doku”. Dabei ist jeder Dokumentarfilm Fake, zumindest zu Teilen. Denn die hundert Stunden gefilmtes Material ließen sich problemlos auch zu Komödie, Thriller, Drama oder Horrorfilm kombinieren. Die Frage ist eben, was man für Szenen wie aneinanderschneidet und welche Musik dazu gewählt wird. Bei Jonas sind das Die Sterne mit Was hat dich bloß so ruiniert, das als roter Faden durch den Film führt und hoffentlich dazu führt, dass jetzt alle das Lied wiederentdecken und deshalb kostenpflichtig herunterladen und somit einen verdienten Nummer-Eins-Hit schaffen.

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Kino. Und dann möglichst viele Dinge in Frage stellen, gern auch diese Filme.

April 5, 2010

Up In The Air | Alice im Wunderland | AGORA | The Green Zone | Crazy Heart

Up In The Air

Eigentlich ist Ryan Bingham ja der Teufel. Eine beziehungsgeschädigte, materialistische, egoistische, kreditkartenfixierte (ich schreib das mal so) Arschkrampe in einem Job, dessen wichtigste Qualifikation Herzlosigkeit ist. Eine Arschkrampe – und das ist das schlimmste daran – die im Laufe der Geschichte eine Läuterung erfährt. Eine geläuterte Arschkrampe. Das ist ja der Weg der meisten Filme über Arschkrampen. Und das ist meistens die Hölle auf Erden.

Ryan Bingham ist also die hässliche Fratze des Kapitalismus. Die perfiderweise von George Clooney gespielt wird. Kann man ein deutlicheres Statement abgeben zum Thema Kapitalismus und Konsum und wie man ersteren verteufelt und trotzdem zweiteres nicht missen möchte? Kann es eine bessere Entschuldigung für Kapitalismus geben als George Clooney? Seit fünfzehn Jahren spielt dieser nahezu ausschließlich die bessere Kopie von Cary Grant und seltsamerweise hat seitdem niemand versucht, ihm dieses Anrecht streitig zu machen. Wird auch nach Up In The Air nicht geschehen. Der eigentlich kein schlechter Film ist. Die Bilder drücken teilweise spektakulär den Seelenzustand der Figuren aus. Einige Dialoge sind geschliffen, witzig und auf dem Punkt. Natalie Keener ist eine überaus vielschichtige Person, die Anna Kendrick ideal verkörpert.

Das Problem aber ist, dass Regisseur Jason Reitman Menschen liebt. Und er deshalb glaubt, Menschen müssten geläutert werden. Nein, viel schlimmer noch, Menschen ließen sich in Schubladen pressen. In: Menschen mit Familie. Und Menschen ohne Familie. Und letztere müssen geläutert werden. Was ja, wie ich einst zum Beispiel zu Six Feet Under schrieb, eines der großen Themen der Film- bzw. Seriengeschichte ist. Und, wie ich auch einst schrieb, die Hölle auf Erden sein kann, wenn es sich dabei eben nicht um Six Feet Under handelt. Wie hier. Hatte ich doch gedacht, dass man 2009/2010 diese Botschaft weitaus weniger platt formulieren könnte als Jason Reitman, gerade in der letzten Viertelstunde. Sehr schade.

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