Der Wrestler.
Was mich irritierte: Einer Hauptfigur zu folgen, die behauptet, mit Kurt Cobain hätte der Niedergang der Musik begonnen. Aber trotzdem folgen, bis zum Ende, bis zum finalen Sprung von den Seilen. Keinen Hehl macht Darren Aronofsky, dass es ihm um Körper geht, vorzugsweise um zerstörte, verkaufte, verbrauchte Körper. Ein Wrestler, eine Stripteasetänzerin und dazu der Verweis auf die letzte Passion Christi, dem Urvater aller Torturefilme. Deutlicher geht es kaum und tatsächlich stimmen alle Lobeshymnen, die speziell auf Mickey Rourke angestimmt werden. Viel mehr aber noch die Aussage, die hoffen lässt: Offensichtlich ist es möglich, auch im Alter mit den Dingen, mit den denen man in jungen Jahren Geld verdient hat, über die Runden zu kommen. Deshalb ein Drama wie ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich immer noch über die Leggings der Scorpions lustig machen.
Der Vorleser.
Was mich irritierte: Die Synchronisation. Der deutschen Darsteller. Vermutlich in englischer Sprache gedreht und dann für Deutschland zurückgedeutscht. Sehr seltsam, wenn David Kross nicht wie David Kross spricht, sondern immer einen Tick neben der Spur liegt. Auch damit vergrößert sich hier das Gefühl, etwas würde nicht richtig laufen. Weiteres Beweisstück: Die Maske. Kate Winslet sieht sehr bald sehr alt aus, viel zu alt für ihr Alter und weil sie die einzige Darstellerin ist, die kein anderes älteres Ich bekommt, erweitert dies das Gefühl der Irritation. Den Ton nicht richtig getroffen, ohne den Mißton wirklich benennen zu können. Kate Winselt zu jung, zu wenig häßlich, zu wenig ungelenk für die Rolle der Hanna Schmitz? David Kross mit nur einem Gesichtsausdruck? Ralph Fiennes als der farblose Langweiler, den er schon im englischen Patienten gegeben hat? Bruno Ganz, der für mich für immer Adolf Hitler bleiben wird? Die Länge? Die Schuld? Die Vergebung? Von einer erotischen Idealphantasie zu einem Gerichtsdrama zu einem Gefängnisromanze, deren eigentliches Thema Analphabetismus ist. Auch wenn das Feuilleton lieber eine Neurahmung der Erinnerung an Auschwitz sehen will.



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