Posted tagged ‘Kate Winslet’

Der Der Der. Im Kino.

März 27, 2009

dog2

Der Wrestler.

Was mich irritierte: Einer Hauptfigur zu folgen, die behauptet, mit Kurt Cobain hätte der Niedergang der Musik begonnen. Aber trotzdem folgen, bis zum Ende, bis zum finalen Sprung von den Seilen. Keinen Hehl macht Darren Aronofsky, dass es ihm um Körper geht, vorzugsweise um zerstörte, verkaufte, verbrauchte Körper. Ein Wrestler, eine Stripteasetänzerin und dazu der Verweis auf die letzte Passion Christi, dem Urvater aller Torturefilme. Deutlicher geht es kaum und tatsächlich stimmen alle Lobeshymnen, die speziell auf Mickey Rourke angestimmt werden. Viel mehr aber noch die Aussage, die hoffen lässt: Offensichtlich ist es möglich, auch im Alter mit den Dingen, mit den denen man in jungen Jahren Geld verdient hat, über die Runden zu kommen. Deshalb ein Drama wie ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich immer noch über die Leggings der Scorpions lustig machen.

Der Vorleser.

Was mich irritierte: Die Synchronisation. Der deutschen Darsteller. Vermutlich in englischer Sprache gedreht und dann für Deutschland zurückgedeutscht. Sehr seltsam, wenn David Kross nicht wie David Kross spricht, sondern immer einen Tick neben der Spur liegt. Auch damit vergrößert sich hier das Gefühl, etwas würde nicht richtig laufen. Weiteres Beweisstück: Die Maske. Kate Winslet sieht sehr bald sehr alt aus, viel zu alt für ihr Alter und weil sie die einzige Darstellerin ist, die kein anderes älteres Ich bekommt, erweitert dies das Gefühl der Irritation. Den Ton nicht richtig getroffen, ohne den Mißton wirklich benennen zu können. Kate Winselt zu jung, zu wenig häßlich, zu wenig ungelenk für die Rolle der Hanna Schmitz? David Kross mit nur einem Gesichtsausdruck? Ralph Fiennes als der farblose Langweiler, den er schon im englischen Patienten gegeben hat? Bruno Ganz, der für mich für immer Adolf Hitler bleiben wird? Die Länge? Die Schuld? Die Vergebung? Von einer erotischen Idealphantasie zu einem Gerichtsdrama zu einem Gefängnisromanze, deren eigentliches Thema Analphabetismus ist. Auch wenn das Feuilleton lieber eine Neurahmung der Erinnerung an Auschwitz sehen will.

(mehr…)

Im Kino mit Clive, Clint, Tom und Sam.

Februar 19, 2009

bild

Diesmal geht es darum, möglichst oft die Worte “System” und “klassisch” zu verwenden.

The International

Das ist so ein Film, dessen Urteil viele bestimmt in einem Wort fällen: sinnlos. Weil [Spoiler] der Zuschauer am Ende genauso verdattert über den Dächern von Istanbul steht wie Clive Owen. Mit nichts den Händen. Der Hydra einen Kopf abgeschlagen, der schon zwei während des Abspanns nachwachsen. [/Spoiler] Nicht Rache hat der Held nehmen können, nicht mal die Option gehabt, auf die Rache zu verzichten und damit zu beweisen, dass er seine Ideale über seinen Gerechtigkeitssinn stellt. Verdammt zur Untätigkeit, was vermutlich das schlimmste ist, was einem Helden im Film passieren kann, so als ob während des Showdown von James Bond plötzlich der Oberbösewicht ausrutscht und vom Dach fällt.

Dabei ist Clive Owen der ideale Held einem klassisch konstruierten Actionthriller: Ohne Familie, ohne Schärfe, ohne nachlässig konstruierte Hintergrundgeschichte folgt er einfach kompromisslos seiner Verpflichtung einer gerechteren Welt gegenüber. Tom Tywker inszeniert das, wie von ihm mittlerweile in Großproduktionen gewohnt, seltsam uninspiriert. Als wäre sein visueller und auch inhaltlicher Wille zur Grenzüberschreitung an Ketten gelegt. Nur hin und wieder gestattet er sich kleine Ausreißer, hält inne, versucht Konturen zu geben, baut Anspielungen auf die Funktionsweise von Thrillern/Filmen ein (“Der Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion? Fiktion muss Sinn ergeben”) und zeigt die Glasfassaden der Hochhäuser einen Tick länger, als das der vergleichbare und wesentlich hektischere Bourne das getan hätte. Aber unterhalb der Oberfläche agiert niemand. Nur Schemen sind dort zu ahnen.

Der fremde Sohn

Clint Eastwood hätte seinen Film auch komplett anders erzählen können. Angelina Jolies Sohn verschwindet und als ihr nach einem halben Jahr ein Junge zurückgebracht wird, ist das nicht ihr Kind. Eastwood lässt von Beginn an keinen Zweifel, dass Jolie nicht irrt. Sein Film hätte ihre Wahrnehmung in Frage stellen können und damit auch den Zuschauer zu einer Entscheidung zwingen können: Glaube ich der Hauptdarstellerin oder glaube ich ihr nicht? Stattdessen eine Geschichte, die einen klassischen Kampf zwischen Gut (Jolie, das Individuum) und Böse (das LAPD, das System) erzählt. Und weil Eastwood etwa 75 Jahre seines Lebens mit Geschichten verbracht hat, weiß er genau, wie Zuschauer reagieren. Und das funktioniert. Schnell ballt man Fäuste angesichts der Ungerechtigkeiten, die Angelina Jolie widerfahren, wünscht dem selbstgefälligen Ermittler die Pest an den Hals und erfährt am Ende jede Menge Genugtuung, [Spoiler] wenn die korrupten Beamten ihrer Strafe zugeführt werden.

(mehr…)


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.