Posted tagged ‘Kino’

Django Unchained. Ist ja irre – Blutfontänen aus bösen Rassistenkörpern.

Januar 23, 2013

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, über Filme zu schreiben. Man kann sie beurteilen und über die bloße Meinungsäußerung hinaus erläutern, mit welchen Mitteln der Film arbeitet. Oder man beschreibt – unabhängig von der Qualität – was der Film erzählt, was für Bilder er verwendet, wie diese wirken. Nach dieser Methode steht Hobgoblins 2 gleichberechtigt neben Vertigo oder in diesem Fall, steht Django Unchained gleichberechtigt neben Pulp Fiction.

[Spoiler]
Was ich sehe. Ich sehe eine smarten, wortgewandten Kopfgeldjäger, der einem Sklaven die Freiheit schenkt und schließlich eine Partnerschaft mit ihm eingeht. Der Kopfgeldjäger ist in nahezu jeder Sekunde der Aktivere, der Präsentere des Duos. Dieses Verhältnis dreht sich erst am Ende. Erst mit dem Tod des Kopfgeldjägers wird Django wahrhaftig entfesselt.

Ich sehe Weiße, die bis auf ein, zwei Ausnahmen sadistisch oder idiotisch sind, oftmals beides. Ich sehe Schwarze, die bis auf ein, zwei Ausnahmen unterwürfig sind, denen keine Persönlichkeit zugeschrieben wird und die deshalb Objekte bleiben, welche in Fußketten dem Horizont entgegenlaufen oder in Herrschaftshäusern Saucieren reichen.

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Coming soon. Kino 2013.

Januar 13, 2013

Was: Knight of Cups / To The Wonder / …
Von: Terrence Malick
Mit: Christan Bale, Natalie Portman, Michael Fassbender, Ryan Gosling, Cate Blanchett, Rachel McAdams, Javier Bardem etc.
Inhalt Das Leben, die Liebe, das Drama. Lensflare.
Hoffnung: In einem Jahr mehr Filme als in 25. Nach Tree of Life aus gutem Grund.
Befürchtung: Entweder Ultimatives über den Menschen an sich. Oder Scheitern im Pathos.

Was: Her
Von: Spike Jonze (mehr…)

Kino. Affen im Arm, Melancholie

November 17, 2012

Skyfall

Die eine Frage: Wie weit kann man sich eigentlich vom Kern entfernen, ohne den Kern zu verlieren? Das Überwesen James Bond als alkoholkranker, alterschwacher, danebenschießender, fast toter, grübelnder, psychologisierender, sich um Andere kümmernder Agent? Welcher zudem in keiner Sekunde Leichtigkeit verbreitet, sondern alle Last der Welt auf seinen Schultern trägt? Kann das noch James Bond sein?

Die zweite, fast wichtigere Frage: Wie kann ein Film, der so viel Wert legt auf “Realismus”, auf Glaubwürdigkeit, auf psychologische Tiefe so viele doofe Logiklöcher lassen? Und wieso gab es die stärkste, beschönigend beschriebend “irritierte” Zuschauerreaktion in der Szene, in der Männerhände Männerschenkel streicheln?

Fraktus

Das Problem vieler sogenannter Mockumentarys ist, dass das ironische Spiel mit der Authentizität seinen Reiz nach fünfzehn Minuten verliert. Danach fällt unweigerlich ins Gewicht, was Sache aller Geschichten ist: die Geschichte. Hier nicht. Hier werden sowohl unfassbare Bezüge zur Realität hergestellt (so dass es nicht mehr möglich sein wird, die Musikgeschichte OHNE Fraktus zu verstehen) als auch Spannungsbögen erzeugt.

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The Dark Knight Rises. Ächzen, wagen, scheitern.

August 1, 2012

Ach, Batman. Du hast dir so viel vorgenommen. Willst den Kapitalismus und damit ein aus dem Ruder gelaufenes Gesellschaftssystem sezieren. Entscheidest dich bei beim Schurken nicht für einen bequemen Weg, sondern für Bane. Gehst sogar das Wagnis ein und bringst Catwoman zurück, obwohl du weißt, dass du dich im Guten (an Michelle Pfeiffer) wie im Schlechten (an Halle Berry) messen lassen musst. Willst den Schwarzen Ritter als Gefallenen zeigen, körperlich und geistig gebrochen. Hast nicht zwei oder fünf Nebenfiguren, sondern mindestens zwanzig.

Und, Batman. Du liebst die Zwischentöne. Bei dir ist niemand nur Held, nur Bösewicht. Bei dir lässt sich die entfesselte 1% Elite ebenso leicht manipulieren wie die 99%. Instrumentalisiert durch die Aussicht auf mehr Geld und mehr Macht, benutzt durch Schlagworte wie saubere Energie, Freiheit des Einzelnen, Entmachtung der herrschenden Klasse. Beide am Ende Opfer der 0,0001%, der ultimativen Schurken.

Ach, Bane. Deine Physis. Deine Kälte. Deine Effizienz. Deine Maske. Deine Maske. Wenn du in deiner Maske gegen den maskierten Batman antrittst, ist es, als würden Kinder leblose Actionfiguren gegeneinander kämpfen lassen und dazu mit verstellter Stimme sprechen. Es sieht ja keiner, was sich in euren Gesichtern abspielt. Da könnt ihr nur über eure Stimmen etwas hervorrufen, Gefühlszustände beispielsweise. Aber diese Tonmischung, Bane. Deine Stimme von deinem Körper getrennt, schwebt über dir, nein, flattert. Kennst du diese amerikanischen Teleshoppingsendungen, in denen überkandidelte Moderatoren dir Küchenhäcksler andrehen wollen? Kennst du die eingedeutschten Versionen davon, die sogenannten Synchronisationen, in denen der Ton niemals synchron zum Bild läuft? So ist das. So sprichst du. Keine Bane, sondern Walter Freiwald.

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Kino. Ein Gesicht wie ein Weltuntergang.

April 30, 2012

Take Shelter | Chronicle | The Iron Lady | John Carter | John Irving | Schilf | The Hunger Games | Shame | Dame, König, As, Spion | Empire Me

Take Shelter

Eigentlich müsste man nur das Gesicht von Michael Shannon in Großaufnahme zeigen. 120 Minuten lang. Und darin würde sich dann der Weltuntergang erzählen. Michael Shannon durfte in Revolutionary Road als Irrer die Wahrheit benennen und ist in Boardwalk Empire hin- und hergerissen zwischen Gesetzen, Religion und Versuchungen. Ein Titan, sollte ich schreiben, der hoffentlich zukünftig nicht nur in A-Hollywoodfilmen die Nebenrolle mit dem markanten Äußeren besetzen wird.

In Take Shelter bricht Michael Shannon aus und mit dem Gewohnten, weil er den Weltuntergang vorhersieht. Er baut einen Bunker zum Zufluchtsort um und zerstört damit seine Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft. Das wird in zahlreichen Episoden fast schon penibel aufgedröselt. Denn der Film lässt Shannon machen. Shannon tut etwas und der Film hält sich raus. Er bietet keinen Über- oder Unterbau an, verzichtet auf Psychologie, selbst eine metaphernreiche Bebilderung der Untergangsvision findet dezent statt. Klar gibt es Stürme, dunkle Wolken, Regen und abstürzende Vogelschwärme. Doch nie drängt sich der Film in den Vordergrund und sagt: „Ich erzähle euch eine Allegorie auf eine verängstigte amerikanische Gesellschaft, die sich in der Auflösung befindet.“ Das ist sehr nett vom Filmmacher und garantiert nicht selbstverständlich.

Am Ende dann das Ende. Das zerstört entweder alle Subtilität oder setzt wahlweise eins drauf. Da muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Ich habe das Problem gelöst, indem ich mir ein eigenes Ende ausgedacht habe.

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Oscar Fringe 2012

Februar 27, 2012

Die Academy Awards in einer besseren Welt

Anfangs scheint es auf dem roten Teppich so wie in jedem Jahr: Die männlichen Filmschaffenden bleiben alle zwei Sekunden stehen, um ihre von ausgewählten Designern bereitgestellte Abendgarderobe den Fotografen und Kameraleuten präsentieren zu können. Die weiblichen Filmschaffenden geben sarkastische Antworten auf die tiefgehenden Fragen der Reporter, während ihre abmagerten Ehepartner neben ihnen verkniffen lächeln. Sacha Baron Cohen betreibt Promotion für seine neue Fakedoku „The Dictator“ und schüttet deshalb die Asche Rick Santorums über verschiedene FOX-NEWS-Mitarbeiter aus. Zuschauer rufen Angelina Jolie Die Arme zu und meinen damit ihre Arme. Auf In-Touch-Online läuft der Liveticker heiß und nicht ein einziges Mal fällt das Wort spectacular. Die deutsche Netzgemeinde zollt Steven Gätjen mit einem eigenen Hashtag Respekt.

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Kino. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen.

Februar 18, 2012

Der Gott des Gemetzels | Jonas | Moneyball | In Time | Drive | M:I 4 | Submarine | The Descendants | J. Edgar | The Artist | The Future | Cheyenne | Sherlock Holmes 2

Der Gott des Gemetzels

Wenn Theaterstücke fürs Kino aufbereitet werden, ergibt das nicht zwangsläufig eine Win/Win-Situation. Denn Theaterdialoge sind oft auch aus dem Grund geschrieben, damit Schauspieler darin glänzen können. Aber in Filmen sollen Schauspieler nicht glänzen, sondern sein. Also keine Figuren mit Absichten und Funktionen, die Autor und Regisseur für sie vorgesehen haben. Sondern sein. Wie Menschen, die wir kennen oder gern kennen würden oder sein wollen. Je weniger große Geste, desto überzeugender. Und dazu die Beschränkung des Raums. Keine einfache Sache. Roman Polanski fällt dazu nicht gerade viel ein. Routiniert, könnte ich schreiben, was okay ist, könnte ich meinen. Denn Stück und Schauspieler sind gallig genug. Nicht absolut bitterböse und sicher keine Grenzüberschreitung, aber doch so, dass Männer registrieren, wie Kate Winslet Christopher Waltz’ Handy ins Blumenwasser wirft und sich fragen, ob ihre Frauen sie nicht auch so sehen, sich aber im gleichen Moment ironisch davon distanzieren können, weil Christopher Waltz ja immer auch eine beruhigend abstrakte Mischung aus Roy Black und Hans Landa ist. Da ist in jeder giftigen Pointe die Reaktion schon einkalkuliert. Was nicht als Vorwurf gemeint ist, sondern vielleicht das einzige Weg, eine bestimmte Zuschauergruppe nachhaltig zu erreichen.

Jonas – Stell dir vor, es ist Schule und du musst wieder hin

Interessanterweise heißt es hier: „Fake-Doku”. Dabei ist jeder Dokumentarfilm Fake, zumindest zu Teilen. Denn die hundert Stunden gefilmtes Material ließen sich problemlos auch zu Komödie, Thriller, Drama oder Horrorfilm kombinieren. Die Frage ist eben, was man für Szenen wie aneinanderschneidet und welche Musik dazu gewählt wird. Bei Jonas sind das Die Sterne mit Was hat dich bloß so ruiniert, das als roter Faden durch den Film führt und hoffentlich dazu führt, dass jetzt alle das Lied wiederentdecken und deshalb kostenpflichtig herunterladen und somit einen verdienten Nummer-Eins-Hit schaffen.

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Kino. Quentin Tarantinos Die Hochzeit meines besten Freundes.

Dezember 6, 2011

Weil das Jahr sich dem Ende zuneigt und ich etwa soundsovielen Filmen ungerechtfertigterweise keinen Platz in diesem Blog einräumte, einige schnelle Zusammenfassungen, der Vollständigkeit halber.

Whip it

Eigentlich sollte hier alles stimmen: Thema (Rollergirl wird findet eigenen Weg ins Leben), Musik (Peaches, The Breeders, Jens Lekman), Darstellerinnen (Ellen Page, Kristen Wiig, Drew Barrymore, Juliette Lewis, Marcia Gay Harden,), Attitüde (albern, engagiert, ernsthaft interessiert). Und vielleicht ist genau dies ein Problem: Den Whip It weiß exakt, was sie sein will und wem sie ein Denkmal setzen will und wem sie was gegenübersetzen will (all den Coming-of-Age-Filmen, in denen die Frauen entweder nur Mutter sein dürfen oder Manic Pixie Dream Girl). Deshalb die Empfehlung mit einigen Einschränkungen.

Super 8

Einige Filme brauchen ja zwei Stunden oder mehr, um eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht gar nicht mal so herzzerreißend ist. Super 8 benötigt dafür genau ein Bild, die Eröffnungsszene. Da möchte man schon in Tränen ausbrechen und fühlt sich später wohlig aufgefangen in einer Umgebung, die man auch Kindheit nennen könnte. Also die guten Seiten, die E.T. ähnlich beschrieben hat. (Jeder ist übrigens vertraglich verpflichtet, in Texten über Super 8 E.T. zu erwähnen.) So sind die ersten 2/3 des Films wunderbar – und weil mir kein besseres Wort einfällt, schreibe ich es noch einmal – wunderbar. Kleine große Momente, die in der Summe mehr Wärme erzeugen als alle HollywoodBlockbuster der letzten zehn Jahre und die meisten Independentfilme dazu. Dann kommt leider das Monster und damit die Armee und so verliert sich Super 8 schließlich in einer unnötigen, aufgeblasenen Materialschlacht und gibt die kleinen großen Momente aus der Hand, um statt dessen in der Größe nur das Unwichtige zu zeigen.

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Tree of Life. Enter the Void. Das Leben.

Juni 18, 2011

Ich habe zwei Filme gesehen. Beide versuchen das Leben zu beschreiben. Die Handlungen ließen sich jeweils auf einem Bierdeckel unterbringen. Enter the Void erzählt von einem Junkie, der in Tokio stirbt und danach in einer Art Zwischenwelt darauf wartet, die eigene Seele in den Körper eines Neugeborenen zu überführen. The Tree of Life erzählt die Geschichte dreier Brüder im Amerika der 50er Jahre, deren Charakter vom hartherzigen Vater und einer gütigen Mutter geprägt werden. Außerdem spielen eine wichtige Rolle: Gott und Saurier.

Ich glaube, viele werden diese Filme nicht mögen. Das kann ich gut verstehen. Es sind kitschige, selbstverliebte, pathetische, überlange, überambitionierte Filme, die maßlos sind und voller Ehrfurcht in der eigenen Courage schwelgen. Trotzdem sollte jeder diese Filme sehen. Denn sie bieten etwas an: eine Idee, ein Modell zur Erklärung der Welt und des Lebens. Filme, die so etwas versuchen, müssen auch scheitern. Solche Filme wollen das Große Ganze und verheddern sich dabei in Allmachtsphantasien, verlieren die Bodenhaftung und ordnen besessen alles dem unbedingten Willen unter, das LEBEN auf der Leinwand erklären zu wollen, so dass jedes Bild, jeder Satz, jede Geste schreit: seht her, ich kenne das Leben und ich erkläre euch das Leben.

Niemand wird gern angeschrien.

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Inception. Kopfkino.

Juli 29, 2010

Interessant aber auch, wie unterschiedlich die Beurteilung von Filmen vonstatten geht. “Knight & Day” hat hier positive Resonanz erfahren, teilweise “Kampf der Titanen” und selbst für “Avatar” habe ich versucht, einige Proargumente zu finden. Natürlich müsste ein Film wie “Inception” auf einer komplett anderen Ebene diskutiert werden. Einerseits. Anderseits: Ist das nicht egal? Sollten, wenn das Licht im Kino verlischt, nicht alle Referenzen vergessen werden? Sollte man wirklich daran denken, dass ein 160 Millionendollarbuget normalerweise nur für Filme wie “Transformers” ausgegeben wird, deren größte Angst es ist, den Zuschauer auch nur an einer Stelle zu überfordern? Sollte man nicht dankbar sein für den Wagemut dieses Regisseurs, eine hochkomplexe und ineinanderverschachelte Geschichte zu erzählen und dazu tricktechnisch klotzen zu können? Sollte man wegen Filmen wie diesen nicht hoffen dürfen, dass auch zukünftig solch megalomanische Großprojekte entstehen können? Sollte man deshalb nicht jeden zum Anschauen auffordern, um aufzuzeigen, dass eine Welt jenseits von “Karate Kid” oder “A-Team” exisitiert? Natürlich. Und natürlich nicht. Denn wenn das Licht verlischt, zählt nur der Film. Packt er mich, eröffnet er mir neue Erkenntnisse, bringt er etwas (ein Gefühl, einen Gedanken) auf den Punkt, der nirgendwo sonst als im Kino auf den Punkt gebracht werden kann?

“The Dark Knight” war so ein Film. “The Prestige” sowieso. “Inception” ist keiner dieser Filme. Warum, lässt sich nicht so leicht beschreiben. Damit könnte man es belassen. Oder versuchen, diese Meinung in Worte zu fassen.

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