Posted tagged ‘Lesereise’

Lesereise (16). Bamberg. Im Liveticker.

Mai 27, 2013

Lesungstagebuch: »Ausschau halten nach Tigern«

˜Im Regen

Bamberg, Bamberg liest, Kontakt Festival, 25. Mai 2013

11:37 Uhr
Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
wer lange sitzt, muss rosten.
Den allerschönsten Sonnenschein
lässt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren.
Ich will zur schönen Sommerszeit
ins Land der Franken fahren,
valeri, valera, valeri, valera,
ins Land der Franken fahren!

15:07 Uhr
Der allerschönste Sonnenschein ist dann doch Regen. Was natürlich keine Rechtfertigung ist, über Wetter zu schreiben.

16:13 Uhr

Weltkulturerbe schauen. Später hören, dass die Gärtnerstadt allmählich verschwindet. Stattdessen: der übliche Prozess der Gentrifizierung.

16:52 Uhr
An der Regnitz entlang. Unter Brückenpfeilern Zusammenrottungen. In der Ferne das Hallenbad sehen, wo die Lesung stattgefunden hätte, wenn heute 2012 wäre.

17:01 Uhr
Ankunft am JuZe. Geruch von Soja und Waffeln in der Luft. In der Lounge Loungemusik und gepolsterte Sitzgelegenheiten. Versinke vorerst darin. (mehr…)

Lesungstagebuch Henry Sy (3). Hamburg in Substantiven, Verben, Wieworten und Personalpronomen.

Mai 15, 2013

gelb wie Solar

Literaturzentrum, Hamburg, 13.05.2013

Substantive

Kulturbahnhof Fahrtkartenautomat Ciabattabrötchen Regionalexpress Sitzplatz Schulklasse Wald Fluss Brücke Graffiti Tunnel Göttingen Einkaufsbahnhof Mai-Mai Intercity Ehepaar Raps Solaranlage Strommast Windrad Radiohead Schaffner Verteidigung Missionarsstellung Hamburg Altona Regen Tee Hemd U-Bahn Cityticket Hauptbahnhof U-Bahn Mundsburg Literaturhaus Bar Beamer Laptop W-Lan Zettel Fotos Mikrophon Screenshot Video Lesung Maus Blickkontakt Henry Magda Rottmann Beatles Ägypten Raumschiff Pferdeforum Email Alina Ende Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort Frage Antwort etc. Diskussion Hikikomori Laptop Tasche Restaurant Rotwein Quark Taxi Luhmann Bett Traum

bis zum Horizont: gelb

Verben

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Lesungstagebuch Henry Sy (2). Pop-Ups blocken in Bremen.

Februar 22, 2013

Stadtbibliothek, Bremen, 19.02.2013 | Wilhelm 13, Oldenburg, 20.02.2013

Am Anfang war die Sache mit dem Pop-up-Blocker.
»Der muss ausgeschaltet sein«, hieß es, »ansonsten geht das Internet nicht.«
Also deaktivierte ich den Pop-up-Blocker und das Internet ging, beim Technikcheck in der Stadtbibliothek Bremen. In Bremen sollte heute die erste Lesung stattfinden, die sich dem Gegenteil von Henry Sy komplett annahm und damit an dem Ort, an welchem die Geschichte ihr auslösendes Moment hatte.

Großes Haus also. Dazu einiges an Technik: Laptop, Beamer, kabellose Eingabegeräte, Funkverbindung ins www. Und dazwischen Lesen, Texte hauptsächlich oder auch Graphen mit x-y-Achsen. Da erschien es sinnvoll, das Funktionieren der Technik im Vorfeld zu überprüfen. Beim Technikcheck funktioniert die Technik, das Internet geht, weil der Pop-up-Blocker deaktiviert ist und somit den W-Lan-Zugang störungsfrei ermöglicht.

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Lesereise (15). Leipzig. Ich will.

März 18, 2012

Kein Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Leipzig, Café Stein, Theater Fact, 15./16. März 2012

(Dieser Text wäre ohne Wie soll ich schreiben? von Katharina Luger nicht entstanden.)

Ich will nach Leipzig auf die Buchmesse fahren.
Ich will dort Freunde treffen.
Ich will dort nicht aus Ausschau halten nach Tigern lesen.
Aber ich will dort lesen.
Ich will ganz wichtig Kontakte knüpfen, ich will mein Netzwerk erweitern, ich will BusinessBusiness.
Ich will mit meiner Bahncard keine Bonuspunkte sammeln, mit denen ich mir nach hundert Fahrten ein Käsebrett Natur, einen Standby-Killer oder ein Linien-Laser Quigo bestellen kann.
Ich will den Kopf gegen die Scheibe lehnen, während im Sonnenuntergang die Chemiefabriken von Leuna an mir vorbeiziehen und dabei einen Einfall bekommen, der Grundlage wird für einen übernächsten Roman, aus dem ich auf fünf Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse 2014 lesen werde.
Ich will, dass niemals wesentlich mehr als 500.000 Menschen in Leipzig leben.
Ich will, dass das nächste sächsische Tatortteam mal nicht in Leipzig ermittelt.
Ich will jetzt ein Brötchen mit Mett.

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Lesereise (14). Krefeld. In der Schule. Schon mal anders als das meiste sonst.

Februar 9, 2012

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Krefeld, Schule, 8. Februar

Ich glaube oft zu wissen, wie etwas ist. Und dann ist es ganz anders. Krefeld beispielsweise. Ich dachte: eine eher dreckige Stadt im Ruhrpott. Da sind mindestens zwei Annahmen falsch. Ersetze Ruhrpott mit Niederrhein und dreckig mit „zweit grünste Stadt der Bundesrepublik Deutschland.“ Ansonsten statte ich sehr gern dem Petermannplatz einen Besuch ab und bestaune vor Fotoläden die penibel in deutsch und türkisch aufgeteilten Schaufenster.

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Lesereise (13). Hamburg. Tee mit Käse.

Januar 31, 2012

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Hamburg, Harburg, Uferbar, Kulturwerkstatt, 29., 30. Januar

Als ich losfahre, sind die Zahlen auf der Wetterkarte im Großraum Norden höher als die in der Landesmitte. Da denke ich noch: „Das ist ja ungewöhnlich, ansonsten ist es an der See so oft kälter als anderswo, das ist doch mal ein gutes Omen, da brauch ich die dicken Socken nicht extra einzupacken.“ Fünf Minuten später denke ich: „Sollte ich jemals über die Lesereise nach Hamburg schreiben, sollte ich keinesfalls darüber schreiben.“ Denn wer über Wetter schreibt, hat im Grunde genommen schon kapituliert.

In Hamburg angekommen kapituliert zuerst einmal mein Körper. Was ich bin, verfängt sich im Wind und das ist garantiert nicht poetisch gemeint. Der Westwind treibt den Geruch der Stadt in den Osten, weshalb die Stadtgebiete der Reichen auch im Westen liegen. Zudem verwandelt mich der Westwind prompt in ein Iglu, in dem eine Gefriertruhe offensteht. Kristalle bilden sich, Haar bricht, es sieht wunderschön aus und fühlt sich an wie die Amundsenexpedition, nur eben ohne Happy End. Da die Kälte bleibt und bleiben wird, beschließe ich, auf den beiden Lesungen dreimal Hager zu lesen, ein Vorhaben, welches ich später tatsächlich in die Tat umsetze.

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Lesereise (12). Frankfurt. Willst du glücklich sein? Oder normal?

Oktober 17, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Frankfurt, Buchmesse, 13. Oktober

Die Buchmesse beginnt in diesem Jahr an einem Montag im Thüringer Wirtschaftsministerium. Unten im Foyer sind in einer Glasvitrine verschiedene Bücher aufgestellt. Da steht Sarah Wagenknecht neben dem Ratgeber Gelassen bleiben und einem mehrere hundert Seiten dicken Bericht über die Kreativwirtschaft in Thüringen. Wegen letzterem bin ich hier. Ich wohne in Thüringen, bin ab und an kreativ und stehe damit prototypisch für einen wichtigen Standortfaktor des Freistaates. Um diesen Standortfaktor hinaus in die Welt zu tragen, wird seit kurzem Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die darüber informiert, was Thüringen alles ist – Erbauer der Brooklyn Bridge, Unterstützer von Raumfahrtmissionen, Eva Padberg. Als Teil dieser Kampagne sponsert das Wirtschaftsministerium einen blauen Stand auf der Buchmesse, auf dem sich Verlage präsentieren und zudem gelesen wird.

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Lesereise (11). Köln. Momente der Unvernunft an Orten in weiß.

September 11, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Köln, Microsoft, Cafè Duddel, 9. September, mit The Mount St. Helen Duet

Spannend ist die Frage, wie oft man eigentlich originell sein kann. Und ich meine keine Originalität, die „ansonsten“ mit „weiterhin“ ersetzt und deshalb schon zufrieden die Hände hinter dem Nacken verschränkt, sondern Worte, die mich selbst beim Schreiben überraschen und die vielleicht mal etwas vollkommen Neues probieren. Wobei es vollkommen neu natürlich längst nicht mehr geben kann. Aber es würde schon genügen, auf ein vertrautes System mit Insektenaugen zu schauen und allein dadurch das vertraute System bestenfalls gehörig zu erschüttern. Außerdem wäre es durch Abweichungen von sattsam Bekannten auch für Andere interessanter, sich ein weiteres Mal in die zu oft schon ausgeleuchete Troposphäre von Lesereisen zu begeben.

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Lesereise (10). Hamburg. In Zahlen.

September 7, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”



Hamburg, Literaturhaus, 5. September, mit Xóchil A. Schütz

Anzahl der Lesungen in Hamburg: 8
Anzahl der Lesungen in Weimar: 1
(einschließlich Der Schlaf und das Flüstern)

Lesungen, an denen Autoren beteiligt waren, die auch bei asphalt & anders veröffentlicht haben: 4
(einschließlich Der Schlaf und das Flüstern)

Anzahl der fotografierten Leseorte: 16
Anzahl der Eintragungen ins Lesetagebuch: 10

Anzahl der verbrachten Lesungszeit (in Stunden): 12
Anzahl der verbrachten Zeit im Zug: 75
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Schreiben des Lesetagebuchs: 10
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Hören von Beziehungsgesprächen Mitreisender per Handy : 5
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Hören von Aufforderungen das Bordbistro zu besuchen: 2
Anzahl der im Zug verbrachten Zeit mit dem Lesen von mobil: 0,2

Anzahl des verspäteten Erscheinens auf einer Lesung: 2
Anzahl der Lesungen mit Anfahrt per Auto: 2

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Lesereise (9). Hamburg. Zu viel ist auch nur eine Frage der Menge.

Juli 22, 2011

Lesungstagebuch: “Ausschau halten nach Tigern.”

Hamburg, BeLaMi, 20. Juli, Zwischenraum, 21. Juli

Es wäre schön, wenn jeder Text über eine Lesung nicht nur von der Lesung erzählt, sondern durch ein übergeordnetes Thema persönliche Erlebnisse für Außenstehende anhand eines roten Fadens greifbar macht. Das Thema könnte banal erscheinen (eine allgemeine Betrachtung von unterschiedlichen Wegen, Bühnen zu betreten), vermeintlich tiefschürfend (Kapitalismuskritik), vermeintlich unterhaltsam (kulinarische Abweichungen von Herkömmlichem) oder auch ein abstraktes Gedankenkonstrukt. Für Hamburg entscheide ich mich für das Gedankenkonstrukt. Ich entscheide mich für zu viel.

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