Posted tagged ‘Lost’

Was für ein Drama.

September 24, 2012

[Dieser Text ist in der RP Plus erschienen und auch hier zu finden.]

Am Sonntag wurden in den USA die Emmys für die besten Serien vergeben. Viele der Favoriten wie „Mad Man“ oder „Homeland“ gehören zu einer neuen Art von Fernsehen: Die komplexen Serien haben sich fest etabliert. Der Weg dorthin war lang – ein Überblick.

Es gibt Musik, Bücher oder Filme, die zur kulturellen Grundausstattung des modernen Menschen gehören. Doch mittlerweile existiert ein ebensolcher Kanon auch von Fernsehserien. Dazu gehören „The Sopranos“, „The Wire“ oder „Lost“, Serien, über die sich wie über die großen Klassiker der Kulturgeschichte diskutieren lässt.

Da steht Don Draper („Mad Men“) ebenbürtig neben Jay Gatsby, Walter White („Breaking Bad“) übt die gleiche Faszination wie „Taxi Driver“ Travis Bickle aus und die Dialoge in „West Wing“ haben eine ähnliche Musikalität wie „Sgt. Pepper“. Denn auch wenn die komplexen Serien eine noch vergleichsweise junge Erscheinung in der Geschichte des Fernsehens sind, haben sie die Sehgewohnheiten verändert.

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LOST. Die Konstante.

Mai 28, 2010

Alles andere als leicht ist es, einen abschließenden Text über LOST zu schreiben. Zum einen, weil seit Tagen ja abschließende Texte zu LOST geschrieben werden, die im Prinzip alles zu LOST sagen, was ich schreiben würde (und viel mehr noch, was ich niemals schreiben würde). Zum anderen, weil knapp sechs Jahre eine lange Zeit sind, die man unmöglich schon in der Woche nach dem Finale auf dem Punkt bringen kann. Aber eine Wahl bleibt mir nicht. Denn wer hier im Blog ab und zu nachgeschaut hat, wird eine gewisse Verbundenheit zu dieser Serie festgestellt haben.

Eine Säule aus Licht (Staffel 1)

LOST also. Das war am Anfang die Serie, in der Menschen auf einer Insel strandeten. Mehr braucht es nicht, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Aus Gründen, die heute nicht mehr nachvollziehbar sind, warf ich zuerst einen Blick auf die RTL-Version von LOST. Und schloss von zehn Minuten Soap-Dramafiasko auf das amerikanische Vorbild. Etwas später dann doch „Pilot, Part 1“. Sagen wir mal so: Spätestens nach „Walkabout” WhatTheFuck. Und WTF bedeutet im Kontext der Serie: so schnell wie möglich alles sehen. Was zu diesem Zeitpunkt existierte. 3 Tage wach in der Folge und dann diese strahlende Lichtsäule aus dem Hatch. Hätte ich damals schon gewusst, dass ein ominöses Licht ein zentrales Thema von LOST und zum größten Knackpunkt der Geschichte werden sollte, hätte ich natürlich trotzdem weitergeschaut. Weil allein die Momente bis dahin. Ethan, der als überzähliger Passagier von Flug 815 enttarnt wird und einen Schnitt später vor Claire aus dem Dschungel tritt. Der genesene Locke. Hugo mit seinem im Flashback enthüllten Millionengewinn mithilfe DER Zahlen. Rousseaus Auftauchen. Die Black Rock. Lauter WTFs.

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Lost. Im Schatten der Statue.

Januar 21, 2010

Gibt es einen besseren Tag (außer dem 02. Februar) um diese alternativen Eröffnungssequenz zur spannendsten Serie der Gegenwart einzubetten? Immerhin beginnt Kabel1 heute mit der Ausstrahlung der 5. Staffel von LOST. Wer hier Großes erwartet, liegt vorkommen richtig, denn Antworten wird es geben. Schließlich legt sich die Geschichte fest: u.a. auf Zeitreisen. Was in den ersten Folgen zu etwa 10 WTF-Momenten pro 42 Minuten führen könnte. Konzentration ist natürlich erforderlich, um die komplexen Zusammenhänge auch nur ansatzweise begreifen zu können, aber dafür wird der aufmerksame Zuschauer mit dem Schatten der Statue belohnt. Und Jacob. Sowie Jughead. Alles Garanten für Cliffhanger, die besser wohl kaum zu schreiben und inszenieren sind.

Von der sechsten Staffel ist so gut wie nichts bekannt, was ein Novum darstellt und letztendlich nur konsequent ist. Denn bei dieser Serie zu spoilern hieße sich die Freude an – und ich wiederhole mich da gern – an WTF in Perfektion zu nehmen.

LOST. Die Konstante – 6 Jahre mit WTF.

Mediendingens.

Dezember 11, 2008

Nachdem mir “Flash Forward” als Buch schon gut gefiel, scheint die dazugehörige Serie ein echtes Highlight zu werden. Mit Joseph Fiennes und Sonya Walger (Penny | LOST) sind schon zwei vielverprechende Darsteller gecastet. Die Serie soll zusammen mit der 6. LOST-Staffel gestartet werden.

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Vor ist danach.

November 20, 2008

Edinet

So, bevor es losgeht, darauf freue ich mich, auch endlich das zu lesen, ich hoffe, dass Benjamin Button diesem eher mauen Kinojahr noch ein letztes Highlight abtrotzen kann, in Gedanken gehe ich schon die Toplisten des Jahres durch, verweise auf die TV-Tipps und bin gespannt auf den heftigsten Wintereinbruch der letzten zehntausend Jahre.

Lesen.

Oktober 30, 2008

Zur Abwechslung eine Auswahl von Büchern, die ich letztens las. Oder auch nicht.

Rocko Schamoni. Sternstunden der Bedeutungslosigkeit.

Mit dem besten Gewissen nach etwa 30 Seiten abgebrochen. Selten so viele belanglose Gedanken gelesen, die in pseudolakonische Sätze verpackt waren. Auch wenn ich es mit dieser Einstellung niemals zum Literaturressortredakteur der INTRO bringen werde behaupte ich: Titel passt. Und Humor ist nicht, nur weil Heinz Strunk in der gleichen Stadt wohnt.

James Robertson. Der Teufel und der Kirchenmann.

Ein Pfarrer trifft den Teufel, wird als verrückt erklärt und verschwindet dann spurlos. Diese Grundidee, in Großbuchstaben auf den Umschlag getackert haben mir gereicht. Und mir danach zwei große Enttäuschungen beschert. Zum einen: mich. Da ich es im Gegensatz zu Schamoni nicht geschafft habe, im richtigen Moment die Reißleine zu ziehen, sondern Seite um Seite weiter die Zeilen überflogen habe in der Erwartungshaltung: Wenn diese Geschichte so einen kolossalen Anlauf nimmt, um endlich auf den Punkt zu kommen, wird dieser Punkt schon unglaublich großartig werden. Stattdessen, so etwa fünf Seiten vor den Danksagungen dann das titelgebende Treffen zwischen den Protagonisten, das keinerlei Erkenntnisse, Überraschungen oder Folgen für die Geschichte mit sich brachte. Und da zweitens, der Weg bis zur zerplatzen Seifenblase die Beschreibung eines unglaublich trivialen und langweilen Lebens war (und ich die Vermutung habe, dass der Autor auch niemals zu mehr im Stande sein wird, als trivial und langweilig zu schreiben) bleibt die Erkenntnis: Bücher mit guten Grundideen kommen besser schnell zur Sache.

Robert J. Sawyer. Flashforward.

Wie dieses hier. Nach einem Experiment des CERN-Institutes wird die gesamte Menschheit für zwei Minuten zwanzig Jahre in die Zukunft versetzt. Und dann zurück in die Gegenwart. Das ist der Stoff, aus dem die Nachfolgeserien von LOST gemacht werden (siehe auch die Stichwörter: Sawyer, Flashforward) und mich in zwei Tagen durch 400 Seiten bringen. Großartiges Gedankenspiel, mit zukünftigen Mordfall, Liebe und jede Menge theoretischer Paradoxien, die Doc Brown die Haare zu Berge stehen lassen würden. Leider entscheidet sich Shaw am Ende für den üblichen verquarkten Quantenphysikneutriontechniksprech und scheut sich auch nicht davor, eine religiöse Allegorie einzubauen, die das bis dahin geerdete Szenario in windige Sphären bringt, die weit außerhalb meines Vorstellungsvermögen liegen.

Stieg Larsson. Verdammis.

Ich habe auch einen Larsson gelesen, ich glaub, den aus der Mitte, weil `s Twitter quasi nur aus sich überschlagenden Liebesbekundungen für dieses Buch bestanden hatte. Stieg ich also ein in eine Geschichte, die sich vornehmlich um ein literaturgewordenes Cyberpunkgirlierolemodel drehte, von denen es auf myspace möglicherweise tausende gibt. Ansonsten ein Krimifall, Serienmörderei, Menschenhandel und investigative Ermittlungen eines Journalisten, der offensichtlich im ersten Teil Hauptfigur war. Nicht unspannend, aber sehr unspektakulär, fast schon banal einfach geschrieben mit einem leicht sadistischem Hang, vornehmlich jüngeren Frau Demütigendes widerfahren zu lassen. Aber immer schön, wenn man sich einem Hype widersetzen und behaupten kann: Letztlich Ware von der Stange. Bis zur letzten Seite gelesen hab ich aber trotzdem.

Wolfgang Herrndorf. In Plüschgewittern.

Weder wusste ich etwas über Autoren noch Buch, als ich mich für dieses Buch entschied. Es war der Titel, der mich ansprach. Nicht nur ein „Plüschgewitter“. Sondern In! Mehreren! Und bald stellte ich fest: Ein klassisches Stück Popliteratur mit einem selbstzerstörisch veranlagten Helden, der alles, die Umwelt und vor allem sich permanent anzweifelt, getrieben von einer geradezu arroganten Hybris, alles mit Werten zu bemessen, die zwischen 1997 und 1998 mal angesagt waren. Quasi eine Art romangewordenes „Tristesse Royale“, das natürlich kein gutes Ende nehmen kann. Weil ja weder Holden Caulfield noch Dana Bönischs Puck überlebt haben. Warum also dieses namenlose Alter Ego? Etliche Sätze dabei, die man gerne selbst geschrieben und dann an einem trägen Sonntagnachmittag aus dem Fenster hinaus auf die Straße zu den kinderwagenschiebenden Kleinfamilien geschrieen hätte.

T. C. Boyle. Wassermusik.

Ich nehme alles zurück, was ich letztens hier auf diesen Seiten Schlechtes über T.C. verfasst habe. Weil er für ein „Wassermusik“ gerne zehn „Talk Talk“s schreiben kann. So virtuos bringt er vollkommen gegensätzliche Erzählstränge zusammen, erweckt dabei die dreckverschmierten, moskitozerstochenen Figuren derart plastisch zum Leben, traut sich die unmöglichsten aller möglichen Wendungen zu nehmen, dass -wie komm ich jetzt aus diesem Satz raus? Vielleicht mit einer Aufzählung von Adjektiven: „Wassermusik“ ist wahnsinnig, bizarr, lehrreich, lebendig, ungeheuer witzig, tragisch und entwirft sicher das realistischere Afrikabild als zum Beispiel „Far Cry 2“

Michael Chabon. Die Vereinigung jiddischer Polizisten.

Zum Schluss das Buch, das allem und jedem und ganz besonders diesem Jahr die Krone aufsetzt. Beginnt im Paralleluniversum (statt Israel zu gründen, wird ein jüdischer Staat in Alaska geschaffen), verwandelt sich in eine Mordgeschichte im Stil von Chandler und ist letztlich der Kampf eines Manns um die Liebe einer Frau, um das Überleben seines Volks und ein Plädoyer für Schach. Chabon mischt hier mindestens drei einander vollkommen fremde Genres gekonnt zusammen. Mit einer derartigen Sprachgewalt, mit gewagten Metaphern, für die ihn jeder Literaturwissenschaftler steinigen würde, mit Bildern und Vergleichen, Situationsbeschreibungen, die unmöglich scheinen, aber letztlich den unglaublichen Reiz dieser verzwickten Geschichte ausmachen. Ein gebrochener wortkarger Antiheld, der nur in einem scheitert: Siehe Seite 196.

Mein erstes Mal: House sehen.

Juni 4, 2008

Vorurteile reloaded.

Sehr wahrscheinlich kommt dieser Text etwa fünf Jahre zu spät und enthält nicht viele wissenswerte Informationen außer dieser: ich habe gestern bei Freunden meine erste Folge „House“ gesehen. „Dr. House“, der verlässliche Quotengigant, der in Amerika und Deutschland Woche für Woche Milliarden Menschen begeistert, weil der Hauptdarsteller Gregory House ein zynischer, gehbehinderter, medikamentenabhängiger Doktor ist, der seltene Erkrankungen errät. Der Erfolg der Serie, so las ich, lag am Verschmelzen zweier sehr erfolgreicher TV-Serien-Genres, der Kriminal- und der Krankenhausserie.

Wie auch immer. Serien schau ich grundsätzlich nur von der ersten Folge an an, wenn sie noch niemand kennt und ich später behaupten kann: „Super Serie, musste du sehen, Hammer“. Wenn allerdings andere kommen und zu mir sagen: „Super Serie, musste du sehen, Hammer“, blocke ich meistens automatisch ab und erfinde viele Gründe, warum mich diese Serie gerade nicht interessiert. Dieser Reflex rührt noch aus den 90er mit all ihren Alternativerockbands her. Bei „House“ war das so, dass ich „Scrubs“ sehr mag und Gregory House sehr offensichtlich eine Kopie des zynischen Dr, Cox ist. Das war so offensichtlich, dass „Scrubs“ selbst darauf Bezug nahm und in der Folge „My House“ Dr, Dox als eine Dr. House-Parodie auftreten ließ. Und da es nie gut ist, vor dem Original die Parodie zu sehen, stand spätestens ab diesem Zeitpunkt meine Entscheidung fest, dass „House“ alles, nur nicht eine Chance verdient.

Gestern dann aber doch. Zuerst ein seltsames Gefühl: Nach den langen „Lost“, „Heros“, „Jericho“, „Nemesis“, „Six Feet Under“, „Twin Peaks“, „E.R“, „Brothers & Sisters“ etc. Sitzungen eine dramatische Serie, die keinen größeren Handlungsbogen aufbaut und sauber alle Angelegenheiten innerhalb von 42 Minuten klärt. Mit dem tragischen Patienten der Woche und dem lustigen Nebenpatienten der Woche, der keine weitere Funktion hat, außer lustig zu sein. Wie auch immer. Meine erste „House“-Folge begann mit einem Anfangsklassiker: Finger greifen nach einer Uhr, Finger gehören zu jemanden, der aufsteht. Darüber sentimentale Indiekrammusik. Nach und nach setzt sich die Geschichte zusammen – Model bricht auf dem Catwalk zusammen, zwielichtiger Vater/Manager, Drogenverdacht, Missbrauchsverdacht, Fragezeichen Krebs. Was schnell auffällt: Der Doktor darf eine Menge unkonkreter, lakonischer, sarkastischer Sprüche ablassen, die alle eines gemeinsam haben – sie sprechen die Wahrheit aus. Zum Beispiel über die Sexualisierung von Minderjährigen. Deshalb dürfen sie drastisch sein. Viel wichtiger allerdings; sie dürfen drastisch sein, weil die Nebenbesetzung, das junge, hübsche Ärzteteam um Dr. House immer wieder lenkend eingreifend, vorwurfsvoll die Köpfe schüttelt und damit Gregory Hose wie ein exotisches Tier erscheinen lassen, welches seltsame Sachen macht, diese aber machen darf, weil jeder weiß, dass dieses Tier nun mal exotisch ist. House hat damit die Rolle des Narren inne und der darf alles. Ansonsten bleiben die Nebenfiguren blass, die sich im Ärztezimmer auf Bürostühlen fläzen und Dr. House Stichworte für die Lösung des medizinischen Kriminalfalls geben.

Komplex geht anders, gerade bei Charakteren. Vielleicht war die Folge gestern eine der ersten, vielleicht aus der fünften Staffel, jedenfalls ließ sich nicht gerade viel Leben hinter allen Figuren außer dem Doktor spüren. Trotzdem und natürlich sah ich die Folge bis ans Ende. Weil: Bei Kriminalfällen zählt ja meist die Auflösung. Die war in diesem Fall erstaunlich, weil Hoden dabei eine Rolle spielten. Der Fall war gelöst, der Doktor nicht morphinsüchtig und in der nächsten Woche würden alle Geschichten zurück auf Null gefahren werden. Wie das bei Serien oft so ist. Ein abschließendes Fazit kann es nicht geben, gerade weil Serien niemals nur an einer Folge bemessen werden können. Vielleicht sehe ich in naher Zukunft „CSI“ an, denn es gibt noch eine Menge sinnvoller Vorurteile, die es zu pflegen gilt.


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