Posted tagged ‘Natalie Portman’

Black Swan. Schönheit, so flüchtig wie ein Tanz.

Februar 1, 2011

Dieser Text enthält Informationen zum Verlauf der Handlung.

Seitdem ich Black Swan gesehen habe, versuche ich einen Text darüber zu schreiben. Ich würde gern einen Text schreiben, der diesem Film gerecht wird. Ich würde versuchen, zahlreiche Themen anzusprechen. Die Bildsprache zu analysieren. Die Kameraarbeit würdigen. Würde versuchen, Black Swan in das Gesamtwerk von Darren Aronofsky einzuordnen und dabei Bezug nehmen auf sein Lieblingsthema, die Obsession und die dadurch notwendige Zerstörung des Körpers. Ich würde schreiben: Niemand als Darren Aronofsky könnte diese Geschichte in dieser Form erzählen. Denn ich müsste auch schreiben, dass Black Swan ein ultimativer Film wäre. Ein ultimativer Film übers Ballett. Über Schwanensee. Über Spiegel. Über Karrieren. Über Tochter-Mutter-Beziehungen. Über Qual, Versagensängste und Ohnmacht. Über Schönheit, Kunst und Perfektion.

Mein ultimativer Text würde kein Geheimnis daraus machen, dass sich der Verlauf der Handlung schnell abschätzen lässt: Die Geschichte einer ehrgeizigen Ballerina, die dabei ist, ihre dunkle Seite zu entdecken. Die von ihrer Mutter dominiert, ihrem Vorgesetzten bedrängt und einer Konkurrentin herausgefordert wird. Um auf die dunkle Seite zu gelangen, muss die Ballerina sich einer Ausschweifung hingeben, vorzugsweise in einem Nachtklub, sie muss sich von ihrer Mutter lösen und sie muss die Konkurrentin übertrumpfen. All das wird geschehen und all das wäre nur die Oberfläche von Black Swan.

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Kino. In diesem Film sitzt man und schlägt den Kopf gegen eine nicht vorhandene Wand.

Februar 10, 2010

Nokan – Die Kunst des Ausklangs | Mein zweites Ich | Sherlock Holmes | New York, I Love You

Nokan – Die Kunst des Ausklangs

Wer die Serie (und ich sollte hier DIE SERIE schreiben) Six Feet Under kennt, wird sich in diesem oscarprämierten Werk sofort zurechtfinden. Weil: Bestattungen. Wo in ZDF-Fernsehfilmen auf Beerdigungen Frauen nur schwarze Hüte tragen dürfen, wird hier Hand angelegt. An die Leiche. Und das wirkt in der Ausführlichkeit erst irritierend. Später aber rührend. Die Hingabe des Films zu einem Ritual, die unbedingte Bereitschaft, über dieses Ritual den Figuren nahe kommen zu wollen, ist bewundernswert und – da wiederhole ich mich gern – rührt. An. Anders wirken die Szenen, in denen die eben verstandenen Figuren plötzlich Grimassen schneiden und gnadenlos chargieren. Das wäre dann die Komödie in der Tragik und vermutlich Teil des japanisches Kino und wird als unpassend empfunden. Ebenso unpassend, ja fast schon überflüssig sind auch die konstruierten Konflikte. Der konstruierte alte Schulfreund, der die Hauptfigur als Aussätzigen behandelt. Der (nie erklärte) Konflikt mit der Ehefrau. Und der Vater-Sohn-Konflikt, bei dem sehr schnell klar ist: Der Vater ist alt, der Sohn Bestatter. Die Geschichte kann also nur einen Weg nehmen und den nimmt sie, inklusive Schwulst im Krematorium. So bleibt das Ritual. Aber dafür ist ein Oscar nicht genug.

Mein zweites Ich

In diesem Film sitzt man und schlägt den Kopf gegen eine nicht vorhandene Wand. Dabei ist eigentlich alles okay bis gut. Sauber erzählte Geschichte, die Figuren glaubwürdig, genügend Action – aber nicht zuviel, elegantes Setdesign, überraschende Wendungen. Eine geglückte Weltenflucht also, die nur an einem krankt: das sie – und ich füge hier ein aus tiefsten Herzen kommendes verdammtnochmal ein – ihr Potentzial nicht ausschöpft. Ein Second-Life-Zukunftsentwurf, in dem jeder bequem auf dem Sofa liegt und draußen nur mit dem nach eigenen Vorstellungen gestalteten Robotor erkundet! Was ist da alles möglich an Reflexion über Idenität! Wie könnten da aktuelle Erscheinungen der Kommuniaktions- und Pimpszene einfließen! Was wäre das für ein visionäres Rollenspiel mit den Mitteln von Hollywood und dem angenehmen Anschein von Authentizität! Aber dann wird doch nur eine saubere Spannungsgeschichte mit Verschwörung und Konzern und Rebellen erzählt. Was natürlich mehr ist, als 95% aller Filme leisten. Aber trotzdem. Das (fast) finale Bild, wenn alle Menschenroboter anstandslos zu Boden sinken, entschädigt für vieles. Und macht deutlich, was hätte sein können. Verdammtnochmal.

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Film. Dafür ist Kino gemacht.

Mai 14, 2008

Juno

Ganz Indieland hat sich verliebt und Menschen, die mit den Moldy Peaches noch nie etwas anfingen konnten, auch. Und etliche Bekannte feierten relativ überschwänglich jede Sekunde dieses kleinen Filmwunders. Das ist durchaus okay, weil schon liebenswert und witzig und berührend und in den richtigen Momenten ernst, ansonsten kodderschnäuzig. Und weil alle Pluspunkte längst doppelt und dreifach aufgezählt sind, bleibt die undankbare Aufgabe, „Juno“ als kalkulierten Herzensbrecher zu entlarven. Nicht aus Protest, um mal wieder gegen den Strom schwimmen zu können, sondern vielmehr aus der ehrlichen Überzeugung in dem Augenblick, als der Abspann über die Leinwand lief.

Also: Juno McGaff ist eine ziemlich konstruierte Drehbuchphantasie, so wie der Ironmann, nur eben mit Herz statt Kraftwerk. Jeder Spruch jahrelang in Sarkasmusmarinade eingelegt und auf die Pointe hin dreifach geprüft, so dass Juno McGaff als Figur ab etwa einem Drittel des Films nur so liebenswert erscheint, wie Ellen Page sie spielt. Anders gesagt: Eine zutiefst unsympathische Filmfigur, besserwisserisch, nicht fähig Hilfe anzunehmen, was natürlich auch bis zur notwendigen Charakterentwicklung die raue Schale von Teenagern, hinter der sich Verletzlichkeit verbirgt usw. usw. Da hilft es auch nicht, wenn McGaff eine Wohnzimmereinrichtung in einen Vorgarten schleppt und theatralisch Pfeife raucht. Das ist so authentisch wie – und da wären wir wieder bei Iron Man. Fügt sich aber dennoch, was an den Nebenfiguren liegt. Und ich muss doch noch zwei Pluspunkte notieren. Jennifer Garner als Mutter (oder eben keine Mutter) und viel mehr noch Michael Cera als Junos Freund Paulie Bleeker. Für mich die wahre Juno McGaff.

Iron Man

Sicherlich einer der unglaub(würdig)lichsten Superhelden. Weil: kann alles dank schicker Rüstung. Zum Mond fliegen oder F16s ausweichen. Dreh- und Angelpunkt dieses Films ist das Herz, in diesem Fall ein faustgroßes Kraftwerk, das mehr Energie produziert als alle Atommeiler Deutschlands zusammen in zweihundert Jahren. Dieses Kraftwerk wurde in einer Höhle aus Eisen geschmiedet. Aber genug der Häme. Einen Superheldenfilm seinen Superhelden oder seine Fantasie vorzuwerfen bringt keine Punkte.

Dann eher so etwas wie: Wie widerlich, in dem Ironman-Universium den Afghanistankrieg unterzubringen. Weil Afghanen da nur turbantragende Tablibanmonster oder wehrlose Flüchtlinge sein können. Und Ironman trotz allem Pazifismusgeschwülst unangenehm militaristisch bleibt. Unabhängig davon die Erkenntnis dass der Film im Kern reinster Schund ist, ein erneuter Männertraum mit Rennwagen in der Garage und einer kurzberockten Assistentin (Pepper Potts), die Champagnergläser in kritischen Situationen reicht. Wenn Robert Downey Jr. nicht grundsätzlich ein Sympathieträger wäre und Jeff Brigdes nicht er selbst mit Glatzkopf, dann wäre „Iron Man“ vermutlich der 600 Millionen$ ertragreiche Totengräber des Superheldenfilms. Aber Höhepunkt dieses Genres war sowieso „Hulk“ von Ang Lee.

Die Schwester der Königin

Die Tudors, vom Ende her gesehen. Erst „The Golden Age“, dann „Elizabeth“ und schließlich dieser Kostümfilm. Sicherlich der zugänglichste. Und wenn jetzt alle ahnen, dass dies schon ein Qualitätsurteil sein könnte, dann behaupte ich selbiges. Ruhig wird die Geschichte entwickelt und nehmen sich die Charaktere für den Zuschauer Zeit. Das ist nicht zwangsläufig innovativ oder möchte riesige Kathedralen mit winzigen Königinnen in der Mitte zeigen, sondern wahlweise die Sympathien verteilen. Auf die beiden Schwestern natürlich, für die wir je nach Filmminute Partei ergreifen. Spannend und dramatisch, was auch am Drehbuch von Peter „The Queen“ Morgan liegt und natürlich am Ensemble. Was kann man mit Eric Bana, Scarlett Johanssen und Natalie Portman schon viel falsch machen? Dazu die Kostüme, viele Szenen auf Pferde, Tänze, Intrigen, Kerker, Köpfungen, Schlösser. Langweile sieht anders aus.

Abgedreht

Verrückt. Ich weiß noch genau, wie vor einiger Zeit der deutsche Verleiher in Zusammenarbeit mit einer bekannten deutschen Musikseite einen deutschen Titel für „Be Kind Rewind“ suchte. Mein Vorschlag wäre gewesen: „Voll verspult“. Aber „Abgedreht“ ist auch nicht schlecht. Dies denkt sich das Publikum, welches sich an diesem Samstagabend hauptsächlich aus Menschen zusammensetzt, die man als Kommilitonen kennt und kannte. Michel Gondry liebt übrigens Mensch und Kino. Das passt wunderbar zusammen und um ein drittes Mal die Herzmetapher zu bringen: „Abgedreht“ hat das Herz an der richtigen Stelle. Nämlich auf der Leinwand. Da kann Jack Black noch so verrückt gegen anspielen, im Grunde ist „Abgedreht“ eine einzige Liebeserklärung, möglicherweise für alles, was uns wichtig sein könnte. Und gar nicht mal so gefällig von Anfang an und am Ende wateten alle Kommilitonen knietief im Tränenmeer aus dem Kinosaal. Dazwischen ist nicht zwingend die Geschichte als vielmehr die Liebe zum Detail ausschlagendgebend. Allein schon wie Gondry „Men in Black“ schwedet. Mit Matchboxautos und einer Waschmaschinentrommel. Das hat mehr Stil als jeder einzelne Pixel von z.B. „Speed Racer“. Klar, als Underdog fühlen, aber letztlich auch nur ein Mensch sein. Welcher Film hat das schon besser drauf?

I`m not there

Nach „I`m not there“ hab ich mehr Dylan gehört als zuvor in meinem Leben. Das war nicht viel, aber wenn ein Film dies schafft und mich außerdem dazu bringt, ein zweites Mal „Don`t look back“ von Pennebaker zu sehen, spricht das für den Film. Wobei: Was heißt in diesem Fall schon Film? Vielmehr eine Kaleidoskop aus allem, was Dylan mit der Popkultur gemacht hat. Wer will, kann jede Szene bis zu seinem Lebensende auf Ebenen hin entschlüsseln und kommt dennoch nur bis 8:40 min. Weil im Hintergrund die Beatles gejagt werden und Allen Ginsberg auf einem Golfmobil fährt und das nur zwei von zehn Millionen Gründen sind, Dylans Wikipediaeintrag einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Wolfgang Niedecken wird darüber nur herzlich lachen, klar, der kennt alles und jeden im Leben von Bob. Mein Lieblingsdylan war Christian Bale, gefürchtet hab ich mich vor den Stellen gefürchtet, in denen Richard Gere Dylan spielt. War aber okay und am Ende schwirrt der Kopf von soviel Referenzen und Bezügen, so dass man „Ballad of a Thin Man“ auf Dauerrotation im blogeigenen Radio laufen läßt.

Im Kino.

Februar 10, 2008

My Blueberry Nights

Neonröhren glühen farbig, U-Bahnlichterschlangen zittern durch die Nacht und Menschen bewegen sich in Zeitlupe aufeinander zu. So weit könnte das schon mal jeder Film von Wong Kar-Wei sein. Dann aber: Norah Jones singt „The Story“ und wird sofort selbst zu einer. Also Selbstfindung in drei Episoden mit anschließender Rückkehr zu Jude Law. Ein Roadmovie, zersplittert in unterschiedlich starke Kurzfilme. Schaulaufen für die durchweg sympathischen Sympathieträger, die jedoch verschieden stark chargieren. Rachel Weisz zum Beispiel sitzt bedeutungsschwanger auf Bordsteinkanten und Norah Jones sitzt betroffen daneben. Norah Jones ist überhaupt immer betroffen, außer wenn sie kellnert. Dann aber zum Ende hin die Szene, die der Film hätte werden können: Die zum ersten nicht Mal nicht betroffene Norah Jones neben einer schnippischen Natalie Portman beim Autohändler. So werden Gegensätze erzählt. So wird überhaupt erzählt. Nur Neonröhren in Zeitlupe anzuschauen reicht auf Dauer leider nicht.

4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage

Allzu flapsig sollte man nicht über ein rumänisches Abtreibungsdrama schreiben. Schließlich lassen Film und Thema kaum Fluchtmöglichkeiten offen außer der, sich dem Thema zu stellen. Frontal kracht der Film in den Zuschauer hinein, meist mit langen Plansequenzen. Während „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ in poetischer Distanz zum Thema verharrt, scheut sich hier die Kamera nicht, auf einen abgetriebenen Fötus zu schwenken, genau in dem Moment, in dem man hofft, die Kamera schwenkt nicht darauf. Und um gleich zum eigentlichen Thema zu kommen: Quentin Tarantino. Wenn jemand glaubt, er dreht „Frauen“filme oder schreibt starke „Frauen“rollen, der hat diesen Film nicht gesehen. Wie beiläufig Stärke gezeigt werden muss, weil es keine Alternativen gibt, wie schauerlich eine Geburtstagsfeier bei Schwiegereltern sein muss. Blöd nur, dass dann Tarantino doch eingreift. In Form des quacksalbenden Abtreibungsarztes. Zuvor nur das Nötigste gezeigt und gesprochen, erhält dieser im entscheidenden Augenblick Raum für endlose Monologe, die eine Sprache zitieren, die sich nur eines ist: Nicht rumänisch. Und nicht echt. Da bricht der Film und braucht eine Weile, um sich wieder zu fangen. Am Ende aber, so abrupt und überraschend unüberraschend es kommt, der kracht der Film wieder. In den Zuschauer. Und als Fluchmöglichkeit bleibt danach nur die Wirklichkeit.

Das Vermächtnis des geheimen Buches

Was schrieb ich damals über den ersten Teil: „Alle sind gelangweilt.“ Und: „Harrison Fords Peitsche war in jeder Sekunde gespannter.“ Trailer sei dank auch für den zweiten Teil Geld ausgegeben. Am Kinotag zwar, aber trotzdem dürfte sich dadurch der Abschluss der Trilogie finanzieren lassen. Dass dieser ganz sicher kommt, liegt am mittlerweile so aufeinandereingespielten Team, welches sich nicht zu schade ist, auch in höchst lebensbedrohenden Situationen Scherze zu reißen. Und ebenso weiß: Nach dem lockeren Spruch muss die goldene Stadt gefunden werden. Das wird sich später mal super an einem Fernsehsonntag machen, wenn die privaten Sender dennoch um mehrere Millionen gegenüber einem Sozialtatort verlieren. Auch wenn hier der Tatort der unmöglichste aller Spielstätten ist: die amerikanische Geschichte. Sämtliche Mythen helfen, den größten Schatz der Welt zu finden. Und der ist nicht Diane Krüger.

Cloverfield

Virales Marketing. Fluch und Segen zugleich. In diesem Fall Segen weil Ausschmückung alles ist, was der Zuschauer hat. Der Film selbst zeigt ja kaum etwas. Also Monster oder Geschichte oder Figuren. Weil die Figuren ohne Geschichte auf das Monster zu rennen / vor dem Monster weg rennen. Das ist die Geschichte. Kann man gut finden oder nach dreißig Minuten den Kinosaal verlassen. Darum geht es aber nicht. Sondern 3DKino. Das Gefühl, man wäre mittendrin. Man halte selbst die Kamera, denen kleingeistige Kritiker eine bemerkenswerte Akkulaufzeit und ein superstabiles Gehäuse unterstellen. Und dem Kameramann den Mut, „zu filmen“ über „zu überleben“ zu stellen. Aber so ist der Film. Und wackelt gar nicht mal so viel und ist gar nicht mal so unlogisch, dass man sich jede Sekunde daran stören müsste. Sicher nichts für das Sonntagabendfernsehen, dafür ein respektabler Blick in die Kristallkugel für die Generation StudiVZ, damit wir wissen, was wir tun werden, wenn die Apokalypse beginnt.

Der Krieg des Charlie Wilson

In den ersten fünf Minuten zu sehen: Tom Hanks nackter Po. Kino. Dafür sind Filme gemacht. Aber so? Jedenfalls zu Erkenntnis gelangt, hier lieber ein anderes Hinterteil sehen zu wollen. Und auch nicht das von Julia Roberts. Was nicht am Po liegt. Sondern am Star. Hanks als aufgekratzter Frauenschwarm? Roberts als konservative Südstaaten Milliardärin? Was soll als nächstes kommen? Edward Norton als Hulk? So bleibt der Film ein 1/3 Drittel Film. Weil PS Hoffman als Spion zielgenau passt. Und 1/3 der Geschichte auch. Der verlorene Afghanistankrieg der UdSSR die Folge eines einzelnen Kongressabgeordneten. Das will sein / ist aber nicht so surreal kulissenhaft wie „Wag the Dog“, das will sein / ist aber nicht so zynisch wie „Lord of War“ und will sein / ist nicht so moralisch wie „Hotel Ruanda“. Von allem etwas, am besten im Minutentakt. Afghanische Bauern werden mit starwarsliken Helikopterlasern umgenietet und plötzlich findet Tom Hanks im Flüchtlingslager zurück zur Moral. Wie auch am Ende. 1 Mrd $ für Krieg, keine eine Million für den Aufbau für Schulen. Mehr Erkenntnis müsste ein Anti/Kriegsfilm gar nicht bringen. Dumm nur, dass man da längst dem Gezeigten nur noch 1/3 glaubt.

Filme 2008.

Januar 15, 2008

Der goldene Kompass

Fantasie. Jedes Studio hat seine eigene Trilogie. Die Goldkuh heißt hier Nicole Kidmann und James Bond. Und viele sahen: Lieblose Geschichte, amateurhafte Spezialeffekte, massive Schlachtszenen, Brutalität und den Russe an sich als Untermenschen dargestellt. Ich unterschreibe keins davon. Sondern sehe: Luftschiffe, Kidman im goldenen Kleid, Bond im Tweedanzug, eine untypische Kinddarstellerin, erstaunlich wenige Schlachten. Ich wünsche mir: Teil 2 und Teil 3 und ich weiß, dass die Bücher noch viel tiefer gehen werden und sich nicht auf knappe Episoden wie Level von Computerspielen beschränken muss. Das hat dann doch manchmal gestört.

Elizabeth – The Golden Age
Königinnen. Davon kann man nie genug bekommen. Auch Geschichte. Fließende Gewänder, leere Kathedralen, gigantische Armeen, das Schicksal einer Epoche in den Fingerspitzen einer Figur. Blöd nur, wenn diese verliebt ist. In Clive Owen. Und auch blöd, wann England dann angegriffen wird. Von der spanischen Armada. Mindestens zwanzigmal so stark wie das eigene Heer. Und genau in diesem Moment ergibt sich Cate Blanchett ihrem Liebeskummer und verstößt die Zofe. Glücklicherweise retten Brandschiffe das Reich und legen so den Grundstein für das Empire. Verstehen kann man das erst, wann man nachliest. Auch wie genau das mit Maria Stuart war. Bleiben also die Bilder. Wie geschrieben: Fließende Gewänder, leere Kathedralen, gigantische Armeen. Filme. Dafür ist Kino gemacht.

Death Proof
Die letzten Quenteein Taranteeinos waren ja nicht so meins. Also seit „Reservoir Dogs“. Oder doch? Keine Ahnung. Jedenfalls ist Rache und einen Film zweimal erzählen ja sein neues großes Ding. Hier wird in der Mitte einfach ein Schnitt gesetzt und dann startet der Loop. Wie bei „Lola rennt“ alles auf Start, diesmal aber mit gutem Ende. Und wie das bei Rachefilmen so ist: Die Rächer siegen. Und lynchen. In diesem Fall sind die Frauen der Mob, was man vielleicht als Feminismus oder „Tarantino dreht einen Frauenfilm“ verstehen kann. Oder mal massiv gähnt, weil ich als Zuschauer lange vor Kurt Russel gegen die Wand rassele, da der zweite Teil des Films wie eine deutlich missratene Kopie der ersten 50 Minuten wirken. Die waren aber unterhaltsam. Wirken aber nicht nach. Höchstens: Zu fassen kriegt man Tarateeino immer noch nicht. Was man ja von fast jedem Regisseur nicht behaupten kann.


I am Legend

Eine Metapher, die der Film auch so benutzt: Das Auto. Viele Geschichten sitzen in einem solchen und legen einen grandiosen Start hin. Blöderweise gabelt sich dann der Weg. Und die Geschichte muss sich entscheiden, welche Ausfahrten sie nimmt. Und jede neue Ausfahrt führt sie in eine neue Landschaft. Und jede neue Landschaft ändert den Ton. Und am Ende versandet die Geschichte – da sie immer die falscheste aller Ausfahrten genommen hat – in der üblichen 200 Millionen Dollar Film Wüste. „I AM LEGEND“ ist so eine Geschichte. Ein Mann allein auf der Welt! Allein in New York! Jagt Hirsche auf dem Broadway! Dann aber: Einige hundert Zombies jagen ihn. Und eine Schnalle, die den Mann zu Gott bekehrt. Und dieser Gott lässt den Mann ein Heilmittel finden. Und das Heilmittel erlöst die Menschheit. Und Gott lebt am Ende in Nordamerika. Und eine Offstimme sagt: Will Smith war eine Legende. Nach 120 Minuten plötzlich eine Offstimme. Ganz ehrlich: Wie kann man nur so falsch abbiegen?

The Darjeeling Limited
Klar. Erstmal skurril. Wes Anderson. Indien. Drei Brüder. Lädiert im Gesicht und in der Seele. Sanfte Kamerafahrten schwenken ausdruckslose Mienen ab. Ein Raunen geht durchs Publikum. Plötzlich ganz hektische Handlungen der Brüder und plötzlich skurrile Slapstick und seltsam komisch, bis alle Bewegungen in Zeitlupen erstarren, Blumen werden über tote Kinder und Väter geworfen, alles in weiß und der Film deutet viele Möglichkeiten an, wie er auch noch verlaufen könnte. Am Ende, im symbolträchtigsten Bild aller bedeutungsschwangeren Bilder sitzen alle Nebenfiguren in einem Zugabteil. Wieder der sanfte Kameraschwenk, horizontal. Leg dein Ohr auf die Geschichte dieser Schiene.


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