Etwas zu schreiben gäbe es immer. Gerade aber besonders viel. Da lohnt es sich, kurz durchatmen und zu überlegen, was wohl geschehen wäre, wenn der Duke und die Duchess of Cambridge ihre Hochzeit um einen Tag verschoben und Barack Obama den Einsatzbefehl für Operation „Geronimo“ einen Tag früher erteilt hätte. Zumindest die Sonntagszeitungen hätten mit drei Titelseiten erscheinen müssen.
Alle drei Ereignisse ließen sich vermutlich sowohl als auch deuten. Eigentlich wollte ich von guten und schlechten Nachrichten schreiben und vor allem der Klage darüber, dass alle Nachrichten immer nur das Elend der Welt zum Thema haben und eine Hochzeit eine gute Nachricht wäre, wenn sie nicht soviel kosten würde oder trivial wäre oder ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen oder doch eine Manifestation eines Gefühls, das die meisten schon gern wollen oder weiterhin die angenehme Gewissheit, dass in so unbeständigen Zeiten wie heute gewisse Rituale immer noch bestehen bleiben können. So liegt man im Union Jack gewickelt auf der Couch und hört auf Sybille Weischenberger bzw. Rolf Seelmann-Eggebert oder rechnet die aktuellen Kürzungen der britischen Sozialausgaben gegen die Kosten der Hochzeit und hat außerdem noch die Worte Fukushima und Nordafrika auf den Lippen.
Sowohl als auch ist auch die erfolgreiche Beendigung der Operation „Geronimo.“ Man kann sich freuen und man kann bei Wikipedia unter Tyrannenmord nachschauen. Weil es gibt schon ein Spannungsfeld zwischen „Hauptsache, er ist tot“ und was-wäre-ansonsten-noch-möglich gewesen. Stichwort Prozess und dessen Umsetzung in die Wirklichkeit. In Filmen ist es ja oft so: wenn es gegen einen Aggressor geht, wird an einer Stelle gesagt: Wir dürfen nicht die gleichen Methoden wie unsere Feinde anwenden, sonst werden wir wie sie. Und da stimmen dann meistens alle kopfnickend ein und weil der kluge Plan, der das Problem ohne Gewalt löst, vorerst fehlt, gibt es glücklicherweise einen Mann fürs Grobe, der allein eine Entscheidung trifft und so das Problem beseitigt, ohne dass dadurch die Moral der anderen befleckt wäre. Vielleicht ist das so auch hier. Außer dem Elitesoldaten mit dem tödlichen Schuss ist im Prinzip niemand befleckt. Im Prinzip aber ist das wesentlich komplizierter und deshalb wie LOST: eine Frage ist geklärt, aber dafür sind zehn neue Fragen aufgeworfen. Um das Spannungsfeld ansatzweise zu erahnen empfehle ich dazu folgende Links in beliebiger Reihenfolge anzuklicken:
- TV News Taiwan
- Oh, ihr seid auf einen gemeinen Fake reingefallen, weil ihr das Bild einer Leiche getwittert habt? Das tut mir aber leid. #not
- There were no openings for a man in a fetal position under his desk.
- Burn that motherfucker
- Obsama
- Es gilt das Grundgesetz
- We got him
- in Pakistan
- Ding Dong
- Deutsche Rapper twittern zu Bin Ladens Tod
- Internationale Musiker twittern zu Bin Ladens Tod








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