Posted tagged ‘Postrock’

Mogwai. Brennt.

August 23, 2010

Mogwai, möglicherweise die Band, vor der ich die besonders groß schreibe, haben ein Livealbum veröffentlicht. So weit, so fantastisch. Besser noch: Bei liegt in der entsprechenden Konstellation Burning, ein Film zu Konzerten in Brooklyn. Grobkörniges Schwarzweiß, Köpfe, die sich vor Lichter schieben, lange Einstellungen von Becken, auf die geschlagen wird und damit die ideale Umsetzung einer Musik, die dankeswerterweise Worte überflüssig machen – einen Satz, den ich eigentlich niemals schreiben wollte. Aber dann sind da I Love You, But I`M Going To Blow Up Your School oder I Know You Are But What Am I? oder das obige I’M Jim Morrison, I’M Dead. Wie schreibt jemand bei amazon: Für Fans ein Denkmal.

Auf ihrer Homepage kann man New Paths To Helicon Part 1 kostenlos laden. Sollte man tun.

Un.Stopp.Able.

April 23, 2009

65d

65daysofstatic – Escape From New York
Monotreme Records / Cargo

Samples aus Kinofilmen in Lieder einzuarbeiten ist eine Sache. Das gut zu machen eine andere. 65daysofstatic beherrschen diese Kunst. Nach dem flirrenden Intro von Retreat! Retreat! spricht Matt Dillon aus dem 92er Film Singles diesen Satz: „This negative energy just makes me stronger, we will not retreat“. Pause. „THIS BAND IS UNSTOPPABLE!“ Was in anderen Händen wie der müde Versuch geklungen hätte, mit fremden Federn zu protzen, bestätigt hier das Inferno, das im nächsten Moment hereinbricht.

Ihr Debüt The Fall Of Math erweiterte nicht zaghaft die Grenzen des Genres, sondern katapultierte es in eine vollkommen andere Sphäre. Wesentlicher Bestandteil dabei war ein Rhythmus, der irgendwann einmal entfernt an einen Breakbeat erinnerte, bevor er im Laptop zerstückelt wurde und dann in doppelter Geschwindigkeit aus dem Laptop jagte. Die Band jagte. Und die Band nahm die Herausforderung an und trieb sich und ihre Musik bis ans Äußerste. Man könnte eine Menge Metaphern finden für das, was die Briten spielen, Metaphern, die aber nicht annähernd wiedergeben könnten, warum sie wie ein explodiertes Sonnensystem klingen, dessen Bruchstücke in Lichtgeschwindigkeit mit anderen Himmelskörpern kollidieren.

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Angesammelt. (II)

April 18, 2009

spring1

Bat for Lashes, deren neues Album ausgesprochen katebushig klingt, hat Kings of Leon gecovert, die offenbar im Moment die größte Band der Welt sein sollen. “Use Someboy”

Sehr gern mag ich die neue Sachen von The Thermals. Normalerweise brauchen die maximal zwei Minuten, um mehr gesellschaftspolitische Aussagen zu treffen als deutsche Polittalkshows in zwei Monaten. Auf dem Titelsong ihres neuen Albums „Now We Can See“ geht die Band noch einen Schritt weiter und packt die Geschichte der Menschheit in drei Strophen, die man wahlweise mitpfeifen oder über deren Inhalt eine Dissertation schreiben kann. Hier hört man den Titelsong.

Auch bei The Calm Blue Sea erfreut mich das Genre Postrock wieder. Die haben für den Radiosender Woxy drei Lieder eingespielt, die anhören muss, wer es lang, intensiv und instrumental mag. Besonders das 617 Sekunden lange Stück „The Rivers That Run Beneath This City“ begeistert.

“Clarity”, das dritte Album von Jimmy Eat World, spielt in meiner Biographie keine unwesentliche Rolle. Um so besser, dass es dies jetzt auch live gibt. Zum (kostenpflichtigen) Download und mit dem überragenden “Just Watch The Fireworks”.

“!” steht auf der Myspaceseite von The Tallest Man on Earth. Außerdem noch Akustisch / Folk / Blues sowie Schweden. Anhören sollte man sich “Where do my bluebird fly”.

Das erweitert meine Leseliste um exakt 15 Romane. Alle aus dem Genre “Nach der Apokalypse“. “The Stand”, “The Road” und “Blindness” kenne und schätze ich schon länger.

Zwei Formen von Medienkritik, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Was Medien berichten (dürfen) müssen & Wie ehrlich ist die „Süddeutsche Zeitung“?

It’s over — we’re officially, royally fucked. The Big Takeover – The global economic crisis isn’t about money – it’s about power. How Wall Street insiders are using the bailout to stage a revolution .

Und zum Schluss die beste Rammsteinparodie, die ich seit Jahrzehnten gesehen habe: Sounds Of The Universe.

Für danach.

April 13, 2009

jev

Jeniferever – Spring Tides

(Monotreme Records / Cargo)

Nach: dem Sommer. Der Liebe. Dem besten Augenblick eines Lebens. Dem Zorn. Der Enttäuschung. Dem Rausch. Danach ist der Zeitpunkt, um den es hier geht. Wenn alles schon passiert ist. Wenn sich alles geändert hat. Wenn in nur einer Sekunde geahnt wird, für was es sich lohnen könnte zu kämpfen.

Danach: Träge im Gras liegen. Sonnenstrahlen zerfließen in unzählige Lichtreflexe. Wellen brechen sich am Ufer. Eine Hand gleitet aus der eigenen, ein Schatten verschwindet in der Dunkelheit, ein Ära vergeht. Erinnerungen wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht um den Hals gelegt. Gesichter blitzen auf und verschwinden sofort wieder, Fetzen geführter Gespräche rauschen in den Ohren, alles, was jetzt ist, ist Gedächtnis. Was das mit Jeniferever zu tun hat? Jeniferever sind dieses Gefühl, sind dieser Augenblick, in dem man rekapituliert, was geschehen ist, vielleicht sogar mit einem selbst, wenn noch nicht deutlich scheint, was es für Folgen haben wird, ob es Folgen geben wird, wenn die Gegenwart die Erinnerung an die Vergangenheit ist

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Was so anfällt.

Oktober 17, 2008

Musik gehört die letzten Wochen. Zum Beispiel die überwältigenden September Malevolence. Oder God is an astronaut. Und nach Jahren wiederentdeckt: Vortex Surfer von Motorpsycho. Mag auch (im Gegensatz zu Meine Freunde vs. Die Objektivität.) das Neue von dieser Dresdner Band.

Vorfreude auf The Curious Case of Benjamin Button von David Fincher. Weil das Buch großartig war. Bis ich gemerkt habe: Las nicht das Original von F. Scott Fitzgerald, sondern Andrew Sean Greers Update „Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli“. Erstaunlich, wunderbar, unvergesslich sagt die NYTimes dazu.

Die gebrochenen Beine von Usain Bolt heißen Günther Beckstein: Auf jeden Sieger zehn Verlierer

Und zweimal in eigener Sache. Zum einen Wortlaut 08 von fm4. Da erscheint zum diesjährigen Wettbewerb ein Buch. Und dort ist ein Text von mir dabei.

Zum Schluß der fast schon obligatorische Verweis auf die TV Tipps vom Herzrasenmagazin.

Audrey. Six Yields.

September 15, 2008


Well nothing is real until it’s lost

Ohren auf.

Juni 12, 2008

Viel Pop gerade, den ich höre, in Vorbereitung auf die Zeit, die kommt.

(These New Puritans – Elvis)

(Sigur Ros – Gobbledigook)

(Soap & Skin – Spiracle)

(Donots – Stop the clocks)

(Coldplay – Viva La Vida)

(The Wuffs – Electro Ghetto (live))

Gitarren wie Ausrufezeichen

Mai 22, 2008

Scraps of Tape | Leipzig, Cafe Panam | 20. Mai 2008

Bevor das beste Konzert, was diese Band je gespielt hat, beginnt, läuft “Narrow Stairs”. “Von Death Cab for Cutie”. Im Café „Panam“ in Leipzig. Das ist eine Art altes 20-Jahre-Cabaret mit vielen verwunschenen Ecken, verschlissenen Lichtern, einem riesigen Schaufenster hinter der Bühne und einer Bühne, die gefühlte zehn Quadratzentimeter groß ist. Vor der Bühne noch mal zehn Quadratzentimeter Platz für die Zuhörer in der ersten Reihe. Nach der ersten Reihe eine Treppe und dahinter beginnt der eigentliche Zuhörerraum. Es macht Spaß, das Cafe an diesem warmen Spätfrühlingsabend zu erkunden, manche Gäste lösen vorsorglich schon vor dem Konzert Scraps of Tape-Plakate von der Wand.

Narrow Stairs läuft einmal durch, dann spielen Iona aus Leipzig. Postrockprogessiveambientlautleise natürlich, mit all den Sachen, die man im gerne im Genre gut findet. Am besten dann, wenn sie laut und energisch spielen. In der Umbaupause wird “Narrow Stairs” auf Anfang gefahren und startet von vorn. Im Vorhof trinken Musikerfreunde, DLL-Studenten und Zugereiste Bier, drinnen quetschen sich vier Schweden in die Ecke auf die Bühne. Vom ersten Ton an wird klar: Ungerechter hat das Schicksal einer Band noch nie mitgespielt. Mindestens fünf von sechs Milliarden Menschen sollten diese Wahnsinnigen kennen. Wie selbstsicher sie ihre Gitarren wie Ausrufezeichen in die Luft recken. Wie schüchtern und gleichzeitig so überschwänglich ihre Ansagen auch ohne Verstärkung im Cafe ankommen. Wie souverän sie innerhalb von Sekunden Stimmung, Tonart und Rhythmus wechseln. Das ist so, als hätten sie aus dem Postrock der letzten Jahre all die langweilen weil langwierigen Stellen entfernt und nur das Gute mitgenommen und daraus eine Reise ins Herz der Finsternis gestartet. Wer jemals Since all the birds are moving, shouldn’t we gehört hat, weiß wovon die Rede ist.

Es passiert einiges innerhalb der nächsten Stunde. Papiertaschentücher wechseln den Besitzer. Jemand wird im ruhigen Teil eines Liedes auf dem Handy angerufen, geht in die Knie, um zu antworten, während Scraps of Tape genau in diesem Moment zum lautesten aller Gitarrenriffs ansetzen. Sänger und Schlagzeuger wechseln mehrmals die Position, es fällt schwer zu sagen, wer wo unglaublicher spielt. Eine Ansage über den am Tag zuvor stattgefunden Auftritt in Belgien — acht Gäste in einer 500er Halle. Heute 500 Gäste auf den bekannten zehn Quadratzentimetern. In jeder Sekunde ist zu merken, wie unerwartet die Begeisterungsbekundungen für die Schweden sind.

Sie spielen einige neue Lieder. Die sind hauptsächlich sehr eindringlich, das dazugehörige Album soll im August aufgenommen werden, es kann nur bestätigen, was alle an diesem Abend fühlen: Scraps of Tape sind nicht irgendwas, schon gar nicht noch eine LautLeise, Postband, sie sind Gegenwart und Zukunft. Selbst wenn man alle Gitarreneffektgeräte der Welt gleichzeitig treten würde, käme man ihrem Geheimnis keinen Schritt näher.

Nach dem Konzert sind kaum Fotos gemacht, dafür unzählige wertvolle Augenblicke im Langzeitgedächtnis gespeichert. Ein schüchterner, immer noch überwältigter Johan Gustavsson (mit Bart! mit Empathie!) signiert die (in Großbuchstaben: DIE) CD und sagt, die letzten sechzig Minuten wären das beste Konzert gewesen, das sie jemals gespielt hätten. Es klingt wie ein Versprechen, dessen Einlösung möglicherweise das richtungsweisende Großereignis in diesem Jahr sein wird.

Scraps of Tape

Top 10. (II)

Januar 1, 2008

Listen. Lang. 2007.

1. Scraps of Tape – This is a copy

Es ist ganz gut, dass Scraps of Tape hier stehen. In den ersten Jahren, in denen man, wie soll es bezeichnen werden – ??? Post, Progressive, Artrock ???- entdeckt, muss man sich an den Größen des Genres abarbeiten. Allein für GSY!BE, Sigur Ros und Mogwai reicht ja kaum die Zeit. Dann erst sollten sich die Blickwinkel verschieben. Explosions In The Sky, EF, Loney Dear, Condre SCR stehen nicht unter den ersten zehn, obwohl sie dazugehören sollten. Stattdessen Schweden. Schreib was von zuckersüßen Gitarrenwänden und verzwickten Bassfiguren, von Hardcore und Quiet is the new loud und sie werden dich alle auslachen. Allein schon „How your heart gets thrown“. Ein Motiv, kaum variiert und dennoch verliert sich darin die Welt. „Since all the birds are moving, shouldn’t we” möchte ich sehen, wenn Guillermo del Toro Cormac McCarthys “Die Straße” verfilmt . Und das morsche “Thirteenthousand”, zerstört und zusammengesetzt in Sekundenbruchteilen. Wenn jemals etwas in diesem Jahr alles war, dann „This Is A Copy“. Ein Fegefeuer.

2. Bloc Party – A Weekend In The City

Am Anfang maßlose Enttäuschung. DAS soll der Nachfolger zu „Silent Alarm“ sein? Klar, „The Prayer“ schlägt mutig neue Wege ein auf und „Kreuzberg“ hat diese tolle Melodie. Aber ansonsten? Überproduziert, angestrengt, weniger eingängig. Und es spricht nicht unbedingt für Musik, wenn die sich mühsam erarbeitet werden muss. Doch irgendwann legt sich ein Schalter um. Plötzlich wird klar, „Hunting For Witches“ ein kleines Meisterwerk. Plus Aussage! „On“. Und schließlich „SRXT“ der vielleicht erhabenste Song dieses Jahres. Und am Ende desselben legt sich der Schalter erneut um, in einem öffentlichen Nahverkehrsmittel, nachts, überlagert sich das Konzept von „A Weekend In The City“ plötzlich mit dem eigenen Leben. Ein großer Moment. Das und die musikalischen Fertigkeiten der Band, der Wille, Neues zu probieren (aktuelles Beispiel „Flux“) und ein ungeduldiger Blick über den Tellerrand hinaus lassen mich glauben, dass das bedeutendste Werk von Bloc Party noch vor mir liegt.

3. The National – Boxer

Es ist „Fake Empire“, der Eröffnungssong. Keine Ahnung, wie oft ich den gehört habe. Und wie ich ihm noch immer nicht auf die Schliche gekommen bin. Wie überhaupt diesem Album. Keines, welches offensichtlich um Aufmerksamkeit buhlt, „Slow Show“, ein anderer Höhepunkt erinnert an die besten Momente von Sophia. Ein Beispiel von vielen. Vor allem ist es Matt Berningers Stimme, die neben den ausgefeilten, ruhigen, sicheren Arrangements, alles zusammenhält und so etwas vagem wie Zuversicht Konturen verleiht.

4. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever.

Aus Trotz vielleicht dieser vierte Platz. Da sind drei Brüder, gleichzeitig wahnsinnig, wenn es darum geht, schroff und jähzornig ihre Instrumente zu bearbeiten. Jede Harmonie wird bis zum Äußersten getrieben. Doch gleichzeitig handeln sie dabei vollkommen konzentriert. Schälen aus der Dissonanz elegant Schönheit. Kein anderes Album 2007 hat mich beim ersten Hören schon derart an die Hand genommen und gesagt „Hey, eigentlich bin ich ja ein Best-of. Ich bestehe nur aus Hits. Du wirst nicht umhinkommen, sie alle bis zum Jahresende mitzupfeifen. Freiwillig und sehr sehr oft.“ Und so geschah es dann ja auch.

5. PJ Harvey – White Chalk

Ihr “To Bring You My Love” hat meine musikalische Sozialisierung nicht unwesentlich beeinflusst. Danach war dann erst mal längere Zeit freundliches Zurkenntnisnehmen angesagt. Bis September dieses Jahres. Das ging mir wirklich ans Herz. Diese kargen Töne, dieses Piano, diese freudlose Texte voller Verzweiflung. In Kombination mit dem Coverbild. Gegen „White Chalk“ wirkt der Film “The Hours” wie ein ausgelassenes Lustspiel.

6. Tocotronic – Kapitulation

In der anderen Liste haben Tocotronic die prominentesten Plätze besetzt. Und so ist dieser sechste Platz natürlich auch eine Aussage. Weil: Ganz klar verirren sich hier einige Aussetzer ins Konzept, die absolute Niederlage zum Sieg umzudeuten. Der große Rest allerdings wiederholt nicht die Fehler von „Pure Vernunft darf niemals siegen“, sondern hat mehr Lust am Lied und auch an der Variation. Die Kapitulation als roter Faden hilft auch die abstrakten Textebenen zu vererden. Nur „Luft“ widersetzt sich dem wehrhaft, so dass als Fazit ein Drittel Scheitern zwei Drittel Kleinod gegenübersteht. Aber auch das kann ja Teil des Konzepts sein.

7. 65daysofstatic – The Destruction of Small Ideals

Im Prinzip könnte an dieser Stelle jedes Album von 65daysofstatic stehen. Jedes Jahr wieder. Wo Post oftmals ein ehrwürdiges Gefühl verbreitet, herrscht bei 65daysofstatic hauptsächlich pure Euphorie vor. Die Beats. Die übersteigerten Flächen. Die angezerrten Gitarren. Nervös, unruhig, zuckend. Warum ändern, wenn man die Spitze schon erreicht hat.

8. ILIKETRAINS – THE iNDiCTMENT

Darf Musik, die man erst vor weniger als vier Wochen entdeckte, in eine solche Liste aufgenommen werden? Muss sie nicht reifen, muss sie nicht einem Dauertest unterzogen werden, muss sich sie sich nicht erst in den Alltag mischen?. Im Fall von Iliketrains bin ich gewillt, dieses Riskio einzugehen. Und es ist nicht das famose „Elegies To Lessons Learnt“, sondern das Bootleg „The Indictment“, welches mich massiv beeindruckte. Quasi die Schnittmenge der Musik, die ich in diesem Jahr ausdauernd hörte. Ein Album in warmen Rottönen, umarmend und erhaben. Ausdrücklich erwähnt sei die anschwellende Spannung in „Before The Curtains Close – Part II“.

9. Radiohead – In Rainbows

Die große Dechiffrierungsaufgabe des Jahres. Radiohead veröffentlichen ein neues Album. In fünf Tagen? Aber wo? Und wie erhalte ich es? Wieviel sind mir die letzten 12 Jahre wert? Nach den ersten Hörvorgängen wird klar: „In Rainbows“ gibt mehr als „Hail To The Thief“. Einfachere Strukturen, schlichtere Arrangements, weniger Experimente. Doch letztlich erschließt sich die Qualität der zehn Lieder erst über die Texte, am besten Wort für Wort zur Musik mitlesend. Von „Bodysnatchers“ hin zum grandiosen Finale „Videotape“ ist es ein langer Weg, der ungewohnt klar scheint und gleichzeitig berührend geheimnisvoll bleibt.

10. Marilyn Manson – Eat Me, Drink Me

Damals zu “Antichrist Superstar”-Zeiten schwor ich mir, niemals eine Platte von Manson in meine Wohnung zu lassen. Zu suspekt die Geste, mit der Manson die absolute Hässlichkeit zelebrierte. Und scheußlich sah er auch noch aus. Dann wurde er ja im Laufe der Zeit egaler und auch dank Bands wie den Beatsteaks wurde Hässlichkeit als solche zum gern gesehenen Istzustand in der Postspaßgesellschaft. Jedenfalls hörte ich Mitte des Jahres „Heart-Shaped Glasses“. Ein wesentlicher Grund, sich genauer mit „Eat Me, Drink Me“ zu beschäftigen. Und hinter all der Künstlichkeit, all den Effekten und der ganzen Show jede Menge Melodien. In „Evidence“ genauso wie in „The Red Carpet Grave“ , vom Titelsong ganz abgesehen. Und „They Said Hell’s Not Hot” beginnt wie ein altes Tocotronic Lied! Der Überraschungsmoment wird sich möglicherweise im Laufe meines Lebens abnutzen. Bis dahin allerdings vollkommen zurecht dieser Platz für „Eat Me, Drink Me“.

Auch unbedingt oft und laut hören

Cuba Missouri – Our Lovers Leap
Shout Out Louds – Out Ill Wills
Polarkreis 18 – Polarkreis 18
Naked Lunch – The Atom Hearts Of Ours
A Whisper in the Noise – Dry Land
The Klaxons – Myths of the Near Future
Amy Winehouse – Back To Black
Escapado – Initiale
Die Fantastischen Vier – Fornika
EF – Give Me Beauty… Or Give Me Death!
Explosions In The Sky – All of a Sudden I Miss..
Condre SCR – jar marsen E.P.
Turbostaat – Vormann Leiss
You Say Party! We Say Die! – Lose All Time
Jose Gonzalez – In Our Nature
M83 – Digital Shades Vol. 1
Sigur Ros – Hvlarf
Gravenhurst – The Western Lands 2007
Lonley Dear – Loney, Noir
Kommando Sonne-Nmilch – Jamaica


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