Posted tagged ‘Quentin Tarantino’

Django Unchained. Ist ja irre – Blutfontänen aus bösen Rassistenkörpern.

Januar 23, 2013

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, über Filme zu schreiben. Man kann sie beurteilen und über die bloße Meinungsäußerung hinaus erläutern, mit welchen Mitteln der Film arbeitet. Oder man beschreibt – unabhängig von der Qualität – was der Film erzählt, was für Bilder er verwendet, wie diese wirken. Nach dieser Methode steht Hobgoblins 2 gleichberechtigt neben Vertigo oder in diesem Fall, steht Django Unchained gleichberechtigt neben Pulp Fiction.

[Spoiler]
Was ich sehe. Ich sehe eine smarten, wortgewandten Kopfgeldjäger, der einem Sklaven die Freiheit schenkt und schließlich eine Partnerschaft mit ihm eingeht. Der Kopfgeldjäger ist in nahezu jeder Sekunde der Aktivere, der Präsentere des Duos. Dieses Verhältnis dreht sich erst am Ende. Erst mit dem Tod des Kopfgeldjägers wird Django wahrhaftig entfesselt.

Ich sehe Weiße, die bis auf ein, zwei Ausnahmen sadistisch oder idiotisch sind, oftmals beides. Ich sehe Schwarze, die bis auf ein, zwei Ausnahmen unterwürfig sind, denen keine Persönlichkeit zugeschrieben wird und die deshalb Objekte bleiben, welche in Fußketten dem Horizont entgegenlaufen oder in Herrschaftshäusern Saucieren reichen.

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Im Kino. Eine Sonne für das Paralleluniversum.

August 25, 2009

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Inglorious Basterds

Hätte ich ein Profil bei Twitter, würde ich schreiben: inglorious basterds – immer dann super, wenn die basterds nicht im bild sind. Ständen mir mehr als 140 Zeichen zur Verfügung, könnte ich diese pauschale Einschätzung ergänzen. Ich würde ausführen: Weil sich in mir eine Unruhe ausbreitet, viel eher noch das unangenehme Gefühl hier das Werk eines 12jährigen zu sehen, der sich ein Hakenkreuz in den Arm ritzt, um bei den 14jährigen mit Nonkonformismus zu punkten. Also das Gegenteil von cool. Beispielhaft stehen dafür Eli Roth und Til Schweiger. Einfach nur grimmig schauen und Nazis mit Baseballschlägern den Kopf einschlagen genügt nicht. Bleibt nur der schale Blick eines Regisseurs, der meint alles mit gelben Schriftarten und „Leck Mich“-Dialogen assimilieren zu können, dabei aber kräftig schludert und viel schlimmer noch, dabei so arrogant in seiner Coolness wirkt, dass Nazis in diesem Kontext zu Sympathieträgern werden.

Glücklicherweise spielen die Basterds in Inglorious Basterds nur eine untergeordnete Rolle. Übersprünge man das zweite Kapitel, wären sie nur unwichtige Randfiguren, die Posterboys dieses historischen Popkulturmischmaschs. Aber entscheidender im Film: Kino. Wie Kino Bösewichte darstellt. Also Nazis, die ultimativsten aller Bösewichte. Oder wie Kino überhaupt Dinge darstellt. Welche Macht darin liegt. 95% des Films bestehen aus (für Tarantino erstaunlich unverspielten) Dialogen. Trotzdem sagt das Bild von Hans Landa, der eine halbaufgerauchte Zigarette in einen halbaufgegessenen französischen Apfelstrudel ausdrückt mehr aus als jedes Wort, das seine Rolle genauso einprägsam macht wie Javier Bardem in No Country For Old Men. (Wobei Bösewichte gegen den Strich bürsten so einfach scheint wie Fische in einer Regentonne fangen). Trotzdem ist der Schluss des [Spoiler] lichterloh in Flammen stehenden Kinosaals, in dessen Rauch der Projektor das Gesicht der eben gestorbenen, dämonisch lachenden Melanie Laurent projiziert, gleichzeitig obszön wie eine spektakuläre Überhöhung des Kinos, gleichsam Feuerhölle wie Himmel, in dem die Toten ewig weiterleben. [/Spoiler]

Die ZEIT (in diesem Fall: Jens Jessen) stellt die These auf, dass der Filme diese These aufstellt: “Hätten sich die Juden nur beizeiten amerikanisiert und nach dem Vorbild der edlen Wilden verroht, dann wäre ihnen ihr Schicksal als Opfer erspart geblieben.” Und schreibt wenige Absätze später: “Ein Fest für intellektuelle Kinoliebhaber, denen die Würde des Gegenstandes gleichgültig ist, solange es nur ihrem Scharfsinn Bestätigung gibt.” Ein Film voller Widersprüche. Warum sollten die Reflexionen darüber anders sein?

Die Partei – Der Film

Chuzpe wäre das Wort, welches Die Partei – Der Film wohl am besten beschreibt. Chuzpe, im Bundestag das Büro eines FDP-Abgeordneten auszumessen und zu fragen, ob das Zimmer nach der Wahl besenrein übergeben wird. Chuzpe, einen Wahlwerbespot bei Ebay zu versteigern. Chuzpe, an der hessisch-thüringischen Grenze einige Steine übereinanderzustapeln und behaupten, man baue die Mauer aus Populismus wieder auf. Und natürlich die Chuzpe, als Vertreter des Deutschen Bundestages nach Georgien zu fliegen und dort bilaterale Verträge mit der georgischen Arbeiterpartei zu unterzeichnen. So dokumentiert der Film diese Chuzpe, die vor allem die Chuzpe von Martin Sonneborn ist, eine Sonne, um die sich alle Planeten in diesem Paralleluniversum drehen.

Drei Dinge haben mich an der Die Partei immer gestört. Diese, nie näher erklärte Fixierung auf den Osten Deutschlands. Den einfachsten aller Wege zu gehen und Punkte mit Scherzen über das Aussehen von Angela Merkel machen zu wollen. Der Missstand, nicht allen Mitgliedern vermitteln zu können, dass Die Partei alles sein kann – außer einer Spaßpartei. Denn sobald man versucht, Die Partei als Satire zu begreifen, löst sie sich im Nichts auf. Im Film finde ich einen vierten Punkt – das Frauenbild. Die Kanzlerin wird gecastet. Mit Hilfe einer Misswahl. Also enge bzw. wenig Kleidung und ein Laufsteg in einem Raum mit biergeschwängerter Luft. Ein Gefühl wird erzeugt, welches sich im Kinosaal fortsetzt. Dort wird gejohlt. Da ist mir das Frauenbild von Horst Schlämmer oder Edmund Stoiber fast noch lieber, weil dieses zumindestens nicht ironisch gebrochen ist. Ansonsten natürlich der wichtigste Film für die nächsten vier Wochen, der gern anstatt von Anne Wille, Sandra Maischberger und der mdr-Elefantenrunde ausgestrahlt werden sollte.

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weiter.weiter.weiter.

September 8, 2008

Wenn das Weltlall heute implodiert wäre, liebes CERN, dann wären wir möglicherweise morgen im Sporeuniversum aufgewacht. Das ist schon jetzt 10x größer als die Wirklichkeit und dreißtausendmal lsdfarbenfroher.

- Was Kreationisten nicht so gut finden: Gott spielen. Lieblingszitat vom Antispore – Blog: It seems Will has suddenly switched gears from evolution to creation and is trying to say that in 18 days, Spore users did what God did in 7. So all of spore users add up to 38% of God.

- Wer männlich, weiß, deutsch, wahlweise arm- oder beinamputiert und Ende September in Berlin ist, kann sich als Bastard casten lassen. Und neben Til Schweiger und Daniel Brühl Nazi spielen. Bzw. neben Brad Pitt und Quentin Tarantino: Einladung

- Toller Text über Will Ferrell: Ernst muss sein

- Finn geht auf Reisen: Heimat Huckepack

- Und am Ende wieder Vorschläge für den TV: 5 an der Zahl

Filme 2008.

Januar 15, 2008

Der goldene Kompass

Fantasie. Jedes Studio hat seine eigene Trilogie. Die Goldkuh heißt hier Nicole Kidmann und James Bond. Und viele sahen: Lieblose Geschichte, amateurhafte Spezialeffekte, massive Schlachtszenen, Brutalität und den Russe an sich als Untermenschen dargestellt. Ich unterschreibe keins davon. Sondern sehe: Luftschiffe, Kidman im goldenen Kleid, Bond im Tweedanzug, eine untypische Kinddarstellerin, erstaunlich wenige Schlachten. Ich wünsche mir: Teil 2 und Teil 3 und ich weiß, dass die Bücher noch viel tiefer gehen werden und sich nicht auf knappe Episoden wie Level von Computerspielen beschränken muss. Das hat dann doch manchmal gestört.

Elizabeth – The Golden Age
Königinnen. Davon kann man nie genug bekommen. Auch Geschichte. Fließende Gewänder, leere Kathedralen, gigantische Armeen, das Schicksal einer Epoche in den Fingerspitzen einer Figur. Blöd nur, wenn diese verliebt ist. In Clive Owen. Und auch blöd, wann England dann angegriffen wird. Von der spanischen Armada. Mindestens zwanzigmal so stark wie das eigene Heer. Und genau in diesem Moment ergibt sich Cate Blanchett ihrem Liebeskummer und verstößt die Zofe. Glücklicherweise retten Brandschiffe das Reich und legen so den Grundstein für das Empire. Verstehen kann man das erst, wann man nachliest. Auch wie genau das mit Maria Stuart war. Bleiben also die Bilder. Wie geschrieben: Fließende Gewänder, leere Kathedralen, gigantische Armeen. Filme. Dafür ist Kino gemacht.

Death Proof
Die letzten Quenteein Taranteeinos waren ja nicht so meins. Also seit „Reservoir Dogs“. Oder doch? Keine Ahnung. Jedenfalls ist Rache und einen Film zweimal erzählen ja sein neues großes Ding. Hier wird in der Mitte einfach ein Schnitt gesetzt und dann startet der Loop. Wie bei „Lola rennt“ alles auf Start, diesmal aber mit gutem Ende. Und wie das bei Rachefilmen so ist: Die Rächer siegen. Und lynchen. In diesem Fall sind die Frauen der Mob, was man vielleicht als Feminismus oder „Tarantino dreht einen Frauenfilm“ verstehen kann. Oder mal massiv gähnt, weil ich als Zuschauer lange vor Kurt Russel gegen die Wand rassele, da der zweite Teil des Films wie eine deutlich missratene Kopie der ersten 50 Minuten wirken. Die waren aber unterhaltsam. Wirken aber nicht nach. Höchstens: Zu fassen kriegt man Tarateeino immer noch nicht. Was man ja von fast jedem Regisseur nicht behaupten kann.


I am Legend

Eine Metapher, die der Film auch so benutzt: Das Auto. Viele Geschichten sitzen in einem solchen und legen einen grandiosen Start hin. Blöderweise gabelt sich dann der Weg. Und die Geschichte muss sich entscheiden, welche Ausfahrten sie nimmt. Und jede neue Ausfahrt führt sie in eine neue Landschaft. Und jede neue Landschaft ändert den Ton. Und am Ende versandet die Geschichte – da sie immer die falscheste aller Ausfahrten genommen hat – in der üblichen 200 Millionen Dollar Film Wüste. „I AM LEGEND“ ist so eine Geschichte. Ein Mann allein auf der Welt! Allein in New York! Jagt Hirsche auf dem Broadway! Dann aber: Einige hundert Zombies jagen ihn. Und eine Schnalle, die den Mann zu Gott bekehrt. Und dieser Gott lässt den Mann ein Heilmittel finden. Und das Heilmittel erlöst die Menschheit. Und Gott lebt am Ende in Nordamerika. Und eine Offstimme sagt: Will Smith war eine Legende. Nach 120 Minuten plötzlich eine Offstimme. Ganz ehrlich: Wie kann man nur so falsch abbiegen?

The Darjeeling Limited
Klar. Erstmal skurril. Wes Anderson. Indien. Drei Brüder. Lädiert im Gesicht und in der Seele. Sanfte Kamerafahrten schwenken ausdruckslose Mienen ab. Ein Raunen geht durchs Publikum. Plötzlich ganz hektische Handlungen der Brüder und plötzlich skurrile Slapstick und seltsam komisch, bis alle Bewegungen in Zeitlupen erstarren, Blumen werden über tote Kinder und Väter geworfen, alles in weiß und der Film deutet viele Möglichkeiten an, wie er auch noch verlaufen könnte. Am Ende, im symbolträchtigsten Bild aller bedeutungsschwangeren Bilder sitzen alle Nebenfiguren in einem Zugabteil. Wieder der sanfte Kameraschwenk, horizontal. Leg dein Ohr auf die Geschichte dieser Schiene.


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