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Diesmal geht es darum, möglichst oft die Worte “System” und “klassisch” zu verwenden.
The International
Das ist so ein Film, dessen Urteil viele bestimmt in einem Wort fällen: sinnlos. Weil [Spoiler] der Zuschauer am Ende genauso verdattert über den Dächern von Istanbul steht wie Clive Owen. Mit nichts den Händen. Der Hydra einen Kopf abgeschlagen, der schon zwei während des Abspanns nachwachsen. [/Spoiler] Nicht Rache hat der Held nehmen können, nicht mal die Option gehabt, auf die Rache zu verzichten und damit zu beweisen, dass er seine Ideale über seinen Gerechtigkeitssinn stellt. Verdammt zur Untätigkeit, was vermutlich das schlimmste ist, was einem Helden im Film passieren kann, so als ob während des Showdown von James Bond plötzlich der Oberbösewicht ausrutscht und vom Dach fällt.
Dabei ist Clive Owen der ideale Held einem klassisch konstruierten Actionthriller: Ohne Familie, ohne Schärfe, ohne nachlässig konstruierte Hintergrundgeschichte folgt er einfach kompromisslos seiner Verpflichtung einer gerechteren Welt gegenüber. Tom Tywker inszeniert das, wie von ihm mittlerweile in Großproduktionen gewohnt, seltsam uninspiriert. Als wäre sein visueller und auch inhaltlicher Wille zur Grenzüberschreitung an Ketten gelegt. Nur hin und wieder gestattet er sich kleine Ausreißer, hält inne, versucht Konturen zu geben, baut Anspielungen auf die Funktionsweise von Thrillern/Filmen ein (“Der Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion? Fiktion muss Sinn ergeben”) und zeigt die Glasfassaden der Hochhäuser einen Tick länger, als das der vergleichbare und wesentlich hektischere Bourne das getan hätte. Aber unterhalb der Oberfläche agiert niemand. Nur Schemen sind dort zu ahnen.
Der fremde Sohn
Clint Eastwood hätte seinen Film auch komplett anders erzählen können. Angelina Jolies Sohn verschwindet und als ihr nach einem halben Jahr ein Junge zurückgebracht wird, ist das nicht ihr Kind. Eastwood lässt von Beginn an keinen Zweifel, dass Jolie nicht irrt. Sein Film hätte ihre Wahrnehmung in Frage stellen können und damit auch den Zuschauer zu einer Entscheidung zwingen können: Glaube ich der Hauptdarstellerin oder glaube ich ihr nicht? Stattdessen eine Geschichte, die einen klassischen Kampf zwischen Gut (Jolie, das Individuum) und Böse (das LAPD, das System) erzählt. Und weil Eastwood etwa 75 Jahre seines Lebens mit Geschichten verbracht hat, weiß er genau, wie Zuschauer reagieren. Und das funktioniert. Schnell ballt man Fäuste angesichts der Ungerechtigkeiten, die Angelina Jolie widerfahren, wünscht dem selbstgefälligen Ermittler die Pest an den Hals und erfährt am Ende jede Menge Genugtuung, [Spoiler] wenn die korrupten Beamten ihrer Strafe zugeführt werden.


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