Musik 2008. Die Kleinen.

1. Portishead – Machine Gun

Ein Lied wie das Ende der Welt. Nur dramatischer. Reduziert auf den titelgebenden Beat, der den Gefrierpunkt neu definiert. Gefangen in den unnachgiebigsten fünf Minuten deines Lebens. Bis zuletzt für etwa 30 Sekunden so etwas wie Erlösung einsetzt. Möglicherweise. Terminatorstyle.

2. Vicky Pollard – Tender Demand

Eine Band, die sich nach einer Figur aus Little Britain benennt, macht erstmal grundsätzlich nichts falsch. Ein Album kommt erst im nächsten Jahr, bisher existieren wohl drei Songs. Einer davon ist „Tender Demand“. Eine Stimme wie zu besten Sleater-Kinney-Zeiten, die richtige Balance aus Aggression und Bedauern und ein Refrain wie ein Faustschlag. Kein Video, nur eine Myspaceseite. 2009 dann auch in anderen Jahrespolls weit oben. myspace

3. Black Kids – I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You

Die schwarzen Jugendlichen mit dem Lied des Jahres was positive Energie angeht auch für Leute, die das sonst als Beleidigung ihrer Lebensweise empfinden. Dazu, ich schreibe es mal so, ein cheesy Keyboard, eine Strophe, dreimal wiederholt, DanceDanceDance. Das Lied, das „I Kissed A Girl“ gern gewesen wäre. Oder auch das Lied, dass jede andere Band einmal im Leben schreiben sollte. Video. Und.

4. Soko – I`ll Kill her

Soko ist erstmal negativ konnotiert. Weil es da zum Beispiel Soko Friedhof gibt. PlastikGothicRock, wie es damals in der Blockhütte in Greiz in den späten 90er Jahren gern gehört wurde. Und dann noch „Ich werde sie töten.“ Klarer könnten die Klischees nicht verteilt sein. Glücklicherweise bedeutet Soko in diesem Fall: Stéphanie Sokolinski aus Frankreich singt eine Stalkerhyme, die reinrein garnichts mit Goethes Erben zu tun hat.

5. Audrey – Pocket Arms

Im Prinzip hätten hier auch einer der anderen elf Titel von Audreys grandiosen „The Fierce and the Longing“ stehen können. „Pockey Arms“ vielleicht wegen dem Duett mit Per Tannergard. Oder als letztes Lied der Platte ein Ausblick auf das, was kommt. myspace

6. Donots – Stop the Clocks

Meine letzte Begegnung mit den Donots liegt gefühlte zehn Jahre zurück. Damals war es „Outshine the World“. Und ehrlicherweise war ich recht erstaunt, dass ehemaligen Visionslieblinge a, noch existieren und b, dieses so untypische Lied geschrieben haben. Pop ist das – und in Verbindung mit dem zuckersüßen BandmitHundimWaldVideo – Pop, für den man den Shufflemodus im mp3Player zugunsten des Repeatmodus aufgibt.


7. Maybeshewill – He films The Clouds Part 2

Ein Albumsong. Genauer gesagt das Stück, dass mich zum Album gebracht hat. Deshalb hier an dieser Stelle genau richtig. myspace

8. Polarkreis 18- Allein Allein

Ein Bekannter, der Polarkreis mochte, als es sie noch gar nicht gab, fragte im Oktober, ob ich schon die neue Single kennen würde. „Ein Ohrwurm“, sagte er, „aber einer von der unangenehmen Sorte. Geht nicht mehr weg. Außerdem viel zu poppig, von den Produzenten glattgelutscht wie ein Leckstein.“ Ich gebe viel auf seine Meinung. Dann hörte ich „Allein, Allein“ und mir war gleich bewusst, wie wenig ich ihm in diesem Fall recht geben konnte. Was danach geschah, jedes Radioairplay, jede weitere Woche auf dem ersten Platz in den Charts, jeder zusätzliche Download als Klingelton macht „Allein, Allein“ keinen Deut schlechter. Im Gegenteil. Die beste Nr.1 seit t.a.t.u. und wer „Allein, Allein“ in seinen persönlichen Jahreslisten der peinlichsten Lieblingslieder einordnet, hat nichts verstanden.

9. MGMT – Kids

Klar, MGMT. Der Konsens unter aufgeklärten Youtubeguckern, die sich nicht entscheiden können zwischen dem LSD-, dem Trash- und dem WahreGefühleChannel. Auf manchen Polls tauchen in den Top10 der besten Jahressongs fünf Mal MGMT auf. „Kids“ ist immer dabei. Die Grandaddy der Generation, die für New Rave zu spät geboren sind, aber gern bunt tragen und mit 18 Jahren abgeklärt über ihre Jugend reflektieren. In diesem Jahr war ich einer von ihnen.

10. Mogwai – The sun smells too loud

Mogwai haben es, ähnlich wie Sigur Ros auf dem vorzüglichen „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ geschafft, den eigenen Horizont geschmackssicher zu erweitern. Sei es die bratzige Gitarre auf „Batcat“. Oder, noch gelungener auf der zu laut riechenden Sonne. Geht los wie ein Westbamstück, ordnet sich dann brav der einprägsamen Melodielinie unter und wird somit zum vermutlichen einzigen Sommerhit, den Mogwai jemals haben werden.

Außerdem im Jahr:

September Malevolence – I shut doors and windows
Sigur Ros – Við spilum endalaust
Duffy – Sleeping Stone
Kanye West – American Boy
The Notwist – Good Lies
Rummesnuff – Sliwowitz
Santogold – L.E.S. Artistes
Lykke Li – I’m Good, I’m Gone
Soap & Skin – Secret
Snow White – Messages beyond control

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