Kino. Quentin Tarantinos Die Hochzeit meines besten Freundes.

Weil das Jahr sich dem Ende zuneigt und ich etwa soundsovielen Filmen ungerechtfertigterweise keinen Platz in diesem Blog einräumte, einige schnelle Zusammenfassungen, der Vollständigkeit halber.

Whip it

Eigentlich sollte hier alles stimmen: Thema (Rollergirl wird findet eigenen Weg ins Leben), Musik (Peaches, The Breeders, Jens Lekman), Darstellerinnen (Ellen Page, Kristen Wiig, Drew Barrymore, Juliette Lewis, Marcia Gay Harden,), Attitüde (albern, engagiert, ernsthaft interessiert). Und vielleicht ist genau dies ein Problem: Den Whip It weiß exakt, was sie sein will und wem sie ein Denkmal setzen will und wem sie was gegenübersetzen will (all den Coming-of-Age-Filmen, in denen die Frauen entweder nur Mutter sein dürfen oder Manic Pixie Dream Girl). Deshalb die Empfehlung mit einigen Einschränkungen.

Super 8

Einige Filme brauchen ja zwei Stunden oder mehr, um eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht gar nicht mal so herzzerreißend ist. Super 8 benötigt dafür genau ein Bild, die Eröffnungsszene. Da möchte man schon in Tränen ausbrechen und fühlt sich später wohlig aufgefangen in einer Umgebung, die man auch Kindheit nennen könnte. Also die guten Seiten, die E.T. ähnlich beschrieben hat. (Jeder ist übrigens vertraglich verpflichtet, in Texten über Super 8 E.T. zu erwähnen.) So sind die ersten 2/3 des Films wunderbar – und weil mir kein besseres Wort einfällt, schreibe ich es noch einmal – wunderbar. Kleine große Momente, die in der Summe mehr Wärme erzeugen als alle HollywoodBlockbuster der letzten zehn Jahre und die meisten Independentfilme dazu. Dann kommt leider das Monster und damit die Armee und so verliert sich Super 8 schließlich in einer unnötigen, aufgeblasenen Materialschlacht und gibt die kleinen großen Momente aus der Hand, um statt dessen in der Größe nur das Unwichtige zu zeigen.

Nader und Simin – eine Trennung

Manchmal ist es sinnvoll, nach einem Film über den Film zu sprechen. Mit jemanden, der möglicherweise aus dem Land stammt, aus dem der Film stammt, jemanden, der den Film gesehen hat und so hilft, eine sowieso schon deprimierende (Familien)Geschichte zu decodieren und Figuren und deren Handlungen auf das aktuelle Gesellschaftssystem des Irans zu übertragen. Denn seltsamerweise war dies meine einzige Intention beim Schauen. Selbstverständlich nimmt der allmähliche Zusammenbruch gefangen und man möchte gar nicht wissen, wie schlimm sich alles weiterentwickelt für die Beteiligten, von denen niemand wirklich Täter ist und alle Opfer sein könnten. Gleichzeitig hauptsächlich die Vermutung, dass Regisseur Jafar Panahi in jeder Geste, in jedem Erscheinen auf der Polizeiwache ein Symbol für bzw. gegen das Regime versteckt hat. Gut später zu wissen, dass dem so ist und Nader und Simin damit auf mindestens zwei Ebenen das Unbehagen erreicht, was es will.

Midnight in Paris

Midnight in Paris ist Woody Allens erfolgreichster Film seit Transformers. Denn er nutzt eine clevere Taktik: Er appelliert an die Intelligenz der Zuschauer. Oder die gefühlte Intelligenz. Denn alle zwei Minuten tritt im Rahmen der Zeitreisegeschichte eine historische Person auf, von der man schon mal gehört hat. Und das Tolle: Midnight in Paris zeigt nicht, was ich nicht weiß. Sondern es reicht zu wissen: dieser amerikanische Romancier hatte doch eine anstrengende Beziehung mit einer Frau namens Zelda. Dieser Maler hat doch schräg gemalt. Und dieser Reporterautor hat getrunken. Das sind lauter 500-Euro-Fragen, die Woody Allen präsentiert, eingepackt in eine angenehm mühelos schwerelose Geschichte. An einigen Stellen zu mühelos, denn man denkt schon: ein wenig mehr Mühe hätte sich Allen doch geben können, denn in der Ab-Match Point-macht-Woody-Allen-wieder-Spaß-Liste rangiert Midnight in Paris in Sachen Unbeschwertheit, aber doch nicht belanglos erstaunlich weit hinter Vicky, Cristina, Barcelona.

Planet der Affen: Prevolution

Ähnlich wie X-Men will Prevolution kein dummer Blockbuster sein. Er ist interessiert an Zusammenhängen und möchte Anteilnahme für die Figuren wecken, die Figuren auch widersprüchlich zeichnen, Effekte nicht nur zum Selbstzweck einsetzen und zudem noch eine größere Botschaft unterbringen. Weil diese Ambitionen schwer in die Tat umzusetzen sind, braucht es ärgerlich viele Ungereimtheiten, um am Ende alles unter einen Hut zu bekommen. Diesse Plotlöcher aufzuzählen würde jedoch die Kapazität dieses Blogs sprengen. Außerdem werden sie beim Schauen sowieso offensichtlich. Und schauen lohnt sich, denn abgesehen von den Ungereimtheiten, ist Prevolution eine spannende, mitunter philosophische Utopie mit getricksten Affen, die in jeder Sekunde intelligenter agieren als beispielsweise Adam Sandler.

Cowboys & Aliens

Letztes war ich auf einer LOST-Tagung. Einer der Vorträge beschäftigte sich mit dem Genrebegriff, in diesem Fall mit Mystery und was man dem Genre zuordnen kann und was nicht und was deshalb möglicherweise Erwartungen weckt und später enttäuscht. Cowboys & Aliens trägt seine Grenzüberschreitung schon deutlich im Namen und führt zusammen, was eigentlich nicht zusammengehören kann. Anders gesagt: Wer nur anhand des Titels schon beschließt, dass es doof ist, wenn Cowboys gegen Aliens kämpfen, der braucht den Film sowieso nicht zu sehen. Dem entgeht allerdings auch ein konventionell, klassisch erzählter Spaß, der bis zum Ende erstaunlich viel aus dem grandiosen Konzept, Cowboys gegen Aliens kämpfen zu lassen herausholt und deshalb eine der positiven Überraschung des Sommers ist. Da freue ich mich schon auf ähnliche Genreüberschreitungen wie „James Bond jagt Poltergeist“ oder „Quentin Tarantinos Die Hochzeit meines besten Freundes.“

Brautalarm

Lach ich eigentlich leichter über Fäkalhumor, nur weil er nicht von bärtigen Männern gemacht wird, sondern beispielsweise von Kristen Wiig? Glücklicherweise schreibe ich nein, aber auch Kristen Wiig. Ohne sie und mit beispielsweise Katherine Heigl wäre das ein Debakel geworden. So aber ein Film wie Superbad: man schämt sich an etlichen Stellen, weiß aber auch, dass das Herz hier am richtigen Fleck schlägt. Und wenn man die blöden und banalen Momente weglässt, bleiben immer noch etwa zwanzig Minuten einer Geschichte, die sich wahrhaftig interessiert zeigt an Menschlichem. Im Film. Und teilweise auch im Kinosaal.

X-Men: Erste Entscheidung

Einmal bewegt hier Magneto eine riesige Satellitenschüssel dank seiner Superheldenfähigkeit. Die Sache ist: man glaubt das nicht. Einmal zu viel hinter den Vorhang geblickt und gesehen, wie der Zauberer den Hasen in den Hut steckt. Zu viele Making-Of gesehen, in denen CGI-Designer detailgetreu erklären, wie sie Bilder verändern, um eine neue Realität zu schaffen. Da bleibt das Erstaunen aus, da fragt man sich nur, ob im Abspann hundert oder zweihundert Mitarbeiter der CGI-Abteilung auftauchen. Diese Art von Filmen haben ihre Magie verspielt, wenn sie sich nur auf Effekte verlassen und nicht auf die Geschichte. Dabei gibt sich X-Men mehr Mühe als Teil 1 und 3 und erzählt von Anfang an und damit die Motivationen von Professor Picard und Magneto. Was bei Letzterem ein seltsames Gefühl des Unwohlseins erzeugt, denn Superkräfte im KZ wirken anmaßend und fehl am Platz. Weiterhin folgen weitere Überschneidungen mit historischen Ereignissen, die jedoch so plump erzählt werden, dass man dafür lieber zehnmal die Mad-Men-Episode über die Kennedy-Ermordung anschaut. Und trotz aller Schwächen bleibt der Wunsch: Besser solche Comicverfilmungen als keine Comicverfilmungen. Oder zumindest: Besser solche Comicverfilmungen als Green Lantern.

Thor

Besser solche Comicverfilmungen als keine Comicverfilmungen. Denn bei Thor stand zu befürchten, dass hier vieles schief gehen könnte: die Optik bestenfalls cheesy, ein Held, der unfreiwillig komisch agiert und eine Batterie hochklassiger SchauspielerInnen, die unter Wert verkauft werden. Letzteres geschieht auch zwangsweise. Dafür passen Optik und Geschichte perfekt zueinander, ist diese in der ersten Hälfte flott und nicht so erzählt, dass man als Zuschauer an tausend ähnliche Comicverfilmungen erinnert wird oder sich allzu unterschätzt fühlt. Und das ist durchaus eine Leistung in einem Genre, das im nächsten Jahr möglicherweise seine größten (und vorerst letzten) Höhepunkte erleben wird.

Harry Potter und die tödlichen Heiligen Teil 2

Zum ersten 7. Teil schrieb ich: „Da bin ich wirklich mal glücklich, dass ein Filmstudio so geldgierig war und zwei statt einem Teil wollte.“ Aber auch: „So aber weiß ich, dass im finalen Finale maximal die typische Fantasyfinalschlacht vieles von dem zurechtrücken wird, was 7.1. angenehmerweise so aus dem Konzept gebrochen hat.“ Quasi genauso kam es, nur mit unangenehmen Untertönen wie „Dein Tod wird einen Sinn haben“ und „Du musst dein Leben opfern für die große gerechte Sache“, Untertöne, auf die die Harry-Potter-Reihe bisher dankenswerterweise verzichtete. Schade auch, dass nahezu allen Charakteren aus zeitlichen Gründen am Ende jeweils maximal ein Frame zugestanden wurde. Auch das EndeEnde, das, was die Helden in eine möglichst genormte Zukunft überführt und schon im Buch extrem unangenehm aus dem Rahmen fiel, gewinnt im Film keine Pluspunkte. Und da schreibe ich noch einmal, was ich schon einmal schrieb: „Und vielleicht gibt es ja in zwanzig Jahren ein Potterremake fürs Fernsehen (falls Fernsehen dann noch existiert) und man kann die Saga in 7 Staffeln a 5 Folgen pro Buch angemessen erzählen.“

Source Code

Das Spannende an Filmen, in denen Helden die Vergangenheit ändern können, ist die Logik. Die ist ja per se bei Zeitreisen nicht möglich. Und doch, wenn innerhalb der erzählten Welt eine Logik gefunden wird, die auch bei näherer Betrachtung logisch bleibt. Source Code hält da geschickt die Waage und entlässt den Zuschauer sogar mit einem guten Gefühl, den Sinn des Lebens gefunden haben zu können. Mit Jake Gyllenhaal kann sowieso fast nichts schiefgehen und Regisseur Duncan Jones geht routinierter zu Werke, als man das nach Moon gehofft hatte. Was in dieser angenehm unspektakulären Geschichte von einigem Nutzen ist.

Bad Teacher

Angenommen, es wäre Samstag Abend und man möchte gern ins Kino gehen und hat die Wahl zwischen einem Film mit Matthew McConaughey und Bad Teacher. Da fällt die Entscheidung trotz aller Vorbehalte nicht so schwer. Immerhin zeigte der Trailer mindestens drei Pointen und so schon mal mehr als das Gesamtwerk von (und hier bitte den Namen eines Komödianten einsetzen, den man nicht mag). Leider wird schnell deutlich, dass der Trailer alle Pointen verraten hat und den großen Rest mit zotigen Anspielungen füllt. Da stellt sich wieder das Brautalarm-Gefühl ein, allerdings ohne die Sache mit dem Herzen. Außerdem die Erkenntnis, dass die Konstellation der Geschichte allein schon an Cameron Diaz scheitert. Cameron Diaz als Lehrerin? Da könnte man auch Til Schweiger als Tatort-Kommissaren besetzen.

Your Highness

Einer dieser Filme, bei denen die Outtakes amüsanter waren als die hundert Minuten Film. Kein Vorwurf an niemanden. Aber auch kaum Lob.

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