Oscar 2014. Das Selfie der Stars.

Nach dem roten Teppich

Nicht viel passiert auf der Oscarverleihung in diesem Jahr. Nach dem Totalausfall von Seth MacFarlane sollte die Verleihung 2014 möglichst unauffällig, risikolos und damit überraschungsarm ablaufen. Was geschehen sollte, geschah, die erwartbaren Filme wurden ausgezeichnet und die Dankesredenredner hielten sich vorbildlich an die 0:45 Minuten Redezeitvorgabe.

Interessanter schien diesmal die Rolle, die den Stars zugeteilt wurde. Denn es ist unwahrscheinlich, eine Oscarverleihung hauptsächlich mit der Erwartung zu schauen, dass dort tatsächlich der »beste« Film ausgezeichnet werden könnte. Oder die Verleihung in der Annahme schauen, das Kino als solches würde gefeiert werden. Spätestens, seitdem aus Zeit- und Quotengründen die Veranstaltung auf die Sekunde hin getaktet ist, beschränkt sich das Feiern von Kino in lieblosen Zusammenschnitten von Filmszenen, die überwiegend aus Blockbustern der letzten fünfzehn Jahren bestehen.

Nein. Oscar heißt doch, Stars zu schauen. Auf Twitter schreiben zu können: Botox! Mager! Fett! Haarteil! Kleid! Schuhe! Schwanger! Überbewertet! Hach! Cumberbatch! Scientologe! Kollektives Ausflippen! Urgh! Und 2014 musste das Anliegen sein, dem entrückten Star menschliche Züge zu verleihen, ihn gewissermaßen als potentiellen Follower zu zeichnen.

So moderierte Ellen DeGeneres größtenteils nicht von der Bühne aus, sondern lief dafür ins Auditorium hinein, sprach, hinter, teilweise neben den Stars stehend, über möglichst Banales. Nahm Pizzaabestellungen auf, verteilte Pizza, die es den spindeldürren, den millionenschweren Stars ermöglichte, Fast Food von Papptellern zu essen und reichhaltiges Trinkgeld in Pharrells Hut zu geben.

Als Höhepunkt inszeniert und später auch so wahrgenommen aber war das Starselfie – oder für die, die es genauer mögen, Starussie. Ein Rudel von Stars (Meryl Streep, Julia Roberts, Kevin Spacey, Brad Pitt, Angelina Jolie, Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Jared Leto, Lupita Nyong’o und Lupita Nyong’os Bruder) versammelte sich vor dem gesponserten Handy von Ellen DeGeneres, die das entstandene Bild sofort twitterte, mit der Ansage, heute Abend einen Rekord brechen zu wollen, den Rekord für das meist getwitterte Foto.

Die Situation war: die teuersten Filmstars der Welt hatten sich in Hollywood vor vielen hundert Millionen Fernsehzuschauern versammeln, um in einer teuer produzierten Show die Filme des Jahres zu feiern. Und der Höhepunkt sollten einhundertvierzig Zeilen in einem sozialen Netzwerk sein. Ein Bild sollte Ausdruck dieses Abends sein, ein Bild, gemacht in einer Sekunde, sollte dem Wert aller Filme eines Jahres entsprechen, Filme, an denen lange, im Fall des großen Gewinners »Gravity« über sieben Jahre gearbeitet wurde.

Eine Sekunde gegen sieben Jahre. Die Improvisation gegen die Absicht. Die Feier des Unperfekten gegen die Detailbesessenheit. Das Meme gegen den Businessplan. Die Kommunikation, an der jeder durch einen Retweet teilhaben haben, gegenüber dem exklusiven Kreis des Dolby Theatre in Los Angeles. Vielleicht war in diesem Moment Hollywood, war die Filmindustrie, waren die Oscar tatsächlich eins mit dem Zeitgeist.

Am Ende – und wie am nächsten Tag oft zu lesen war – wurde der Rekord gebrochen. Nach zwei Stunden schon waren die Zahlen des Obamafotos von 2012 überrundet. Breaking News.

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Links

Selfie

Selfiegif

Be a star

The ugly true story of that Oscar®selfie

Der Abend in Fakten

Über den Abend

Hach, Cumberbatch

Urgh, Seth MacFarlane

The Adele Dazeem Name Generator

Lehren aus dem Oscarselfie

Obamatweet

lupitanyongo

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