Alben 2014. Lauter goldene Tugenden.

1. Die Nerven – Fun

Auf ein solches Album habe ich lange gehofft: im besten Sinne so minimal, dass kein Ton zu viel ist und dennoch ätzend im Detail, die Texte kryptisch und gleichzeitig direkt, die Attitüde wissend, aber uneinsichtig. Dazu der beste Bandname seit den fiktiven Grindcorern »Dreschflegel«: Hier kulminiert alles, was Gitarren und Teenage Angst in den letzten sechzig Jahren gelernt haben.

2. Kate Tempest – Everybody Down

Würde ich gern als Serie auf HBO sehen: Kate Tempests Erzählungen über den Mensch im gegenwärtigen Großbritannien. Titelsong wäre natürlich »The Beigeness«, auch weil dessen Beat wäre noch einen Tick intensiver ist als der des Vorspanns bei »Mad Men«. Atemlos, furchtlos, genau.

3. Cold Specks – Neuroplasticity

Strenggenommen müsste hier auch mindestens das 2012er Album »I Predict a Graceful Expulsion« stehen. Selten wurde über die Hölle so betörend gesungen. Falls es eine Kategorisierung braucht, dann diese: Doomsoul. Nicht nur für die schönen Stunden des Tages.

4. FKA Twigs – LP1

Jaja, das porzellane Cover. Und ja, diese verquirlten Beats, die klingen, als wären sie durch ein Wurmloch aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Und klar, diese liquide Stimme, die nur ein Thema kennt und dazu nicht mehr sagt, als gesagt werden muss. Gesamtkunstwerk, müsste man schreiben.

5. Perfect Pussy – Say Yes To Love

Die goldenen Tugenden von Punk: Laut, kurz, angepisst. Und ein bisschen Style dazu.

6. No Jaws – Young Blood

Gesehen habe ich sie zuerst in Fraureuth, auf dem (ich schreibe »unserem«) MoshAIR. Damals coverten sie die Pixies, die Gitarren hatten mehr Feedback als die von Sonic Youth und der Gesang war so angenehm einen Halbton verschoben wie der von Pavement. Damals hießen »No Jaws« noch anders. Drei Jahre später dann das Album, das direkt zurück in die frühen 90er führt. Sehr schön wäre es, wenn Zwickau nun das Seattle der 10er Jahre werden würde.

7. Scraps of Tape – Sjaette Vansinnet

Diese schwedische Gitarren sind wieder Ausrufezeichen. Andere Bands würden aus den letzten 1:30 Minuten von »Hands in Hands« ganze Karrieren stricken. Doch Scraps of Tapes können es sich dank unzähliger, vielfältiger Details leisten, das Außergewöhnliche zu dosieren. Nahezu idealer Postrock, ganz auf der Höhe des überragenden Debüts.

8. Damon Albarn – Everyday Robots

Bisher hatte ich die Solosachen von Damon Alban interessiert zur Kenntnis genommen, aber im Zweifelsfall lieber doch noch mal »13« aufgelegt. Anders hier. Melancholische Betrachtungen der Gegenwart, der unhektische, abgeklärte, lebenserfahrene, detailgesättigte Gegenentwurf zu Kate Tempests rastlosen Spannungsbögen. Gern ebenfalls als HBO-Serie.

9. Dillon – The Unknown

Binärcodebeats essen Seelen auf. Weniger Lied als beim exzellenten Vorgänger, immer noch der flirrende Kampf zwischen Stimme und Elektroton. Anfangs fragmenthaft, bald unverzichtbar.

10. Mono – The Last Dawn / Rays Of Darkness

Gäbe es eine Steigerung für monumentalst, dann für diesen japanischen Postrock. Diesmal gleich zwei Alben mit zehn Stücken, die zweimal die zehn-Minuten-Länge überschreiten und alle in einem Feuersturm enden, gegen dessen Pathos »Interstellar« wie ein trockenes Sozialdrama wirkt.

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Ebenfalls gern gehört:

Cloud Nothings – Here and Nowhere Else

Nothing – Guilty of Nothing

Caribou – Our Love

PeterLicht – Lob der Realität

Spaceman Spiff – Endlich Nichts

Childbirth – It’s a Girl

Mirel Wagner – When the Cellar Children See the Light of Day

Mogwai – Music Industry 3.Fitness Industry 1.Ep

Die Sterne – Flucht in die Flucht

Interpol – El Pintor

Zola Jesus – Taiga

There will be Fireworks – The Dark Dark Bright

Crosses – Crosses

Warpaint – Warpaint

She keeps Bees – Eight Houses

We Were Promised Jetpacks – Unravelling

The Rural Alberta Advantage – Mended With Gold

Thurston Moore – The Best Day

Notwist – Close To The Glass

Alte Sau – Alte Sau

Azelia Banks – Broke with Expensive Taste

Beck – Morning Phase

The Antlers – Familiars

White Lungs – Deep Fantasy

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