Mit Rechtspopulisten sprechen.

nicht füttern

Üblicherweise hat der Rechtspopulist nicht viel: schniekes Auftreten, schneidige Rhetorik und seinen Hass hauptsächlich. Dann hört es meistens schon auf.

Das reicht gerade so, um stabile ein bis zehn Prozent der Menschen eines Landes hinter sich zu scharren. Am Wochenende genügte es, um 49,7 Prozent der Österreicher einen rechtsnationalistischen Kandidaten wählen zu lassen, der Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft ist und sich in die Tradition von Faschisten stellt. Kleinigkeiten, Zufälle, Zungenschläge haben seinen Sieg verhindert. Es hätte auch anders kommen können.

In den letzten Jahren hat der Rechtspopulist eine steile Karriere hingelegt. Er sagt sich: Geht es so weiter, werde ich bei der nächsten Wahl gewinnen. Ich werde österreichischer Kanzler sein. Ich werde französische Präsidentin sein. Selbst in Deutschland wird ein Regieren ohne meine Partei nur mehr unter großen Anstrengungen möglich sein. Und ist es ausgeschlossen, dass ich nicht auch die amerikanische Präsidentschaftswahl gewinne?

Hat der Rechtspopulisten recht, wenn er das Regieren als zwangsläufige Konsequenz einer Entwicklung sähe? Und falls ja: Gäbe es Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

In einem Interview mit dem Philosophen und Informatiker David Gelernter fällt der bemerkenswerte Satz: »Populisten sind erfolgreich, nicht obwohl, sondern gerade weil sie sich der Rationalität widersetzen.«

Doch wie sich dann mit dem Rechtspopulisten auseinandersetzen? Sein wichtigstes Instrument ist die Kommunikation. Ihn von den klassischen Kommunikationswegen ausschließen, kümmert ihn wenig, denn er hat eigene Kanäle für seine Botschaften geschaffen; Blogs, Foren, soziale Medien. Dort konstruiert er eine in sich geschlossene Welt, in der er und seine Anhänger jede von der eigenen Perspektive abweichende Meinung als irrelevant, als ein Produkt einer Lügenpresse bezeichnet.

Wird der Rechtspopulist in die klassische Kommunikation eingebunden, wird er oft kritisch und direkt angegangen. Diese Konfrontation führt zu einer Polarisierung, die er in seinem Sinn interpretiert: auf der einen Seite die Parteien des etablierten, des herrschaftlichen Spektrums, auf der anderen Seite der selbsternannte Underdog. Einer gegen alle. Das Komplexe wird auf zwei Fronten reduziert. Der Rechtspopulist kann sich als einzige Alternative präsentieren.

Wird aber diese Konfrontation unterlassen, hat der Rechtspopulist Raum für seine rassistischen, nationalistische und menschenfeindlichen Positionen. Sie stehen nun unwidersprochen neben den guten Werten einer Gesellschaft, sie erscheinen gleichberechtigt.

Auch die sachliche, die faktische Auseinandersetzung läuft oft ins Leere. »Populisten sind erfolgreich, nicht obwohl, sondern gerade weil sie sich der Rationalität widersetzen.« Das Rationale, das Faktische besitzt keinen Wert für den Populisten und seine Anhänger, er kann unabhängig davon seine Logik entwickeln. (1)

Solange keine Sprache gefunden wird, die das Populistische des Rechtspopulisten entlarvt, wird sein Aufstieg weitergehen, solange, bis er in weiteren Ländern in Regierungsverantwortung gelangt ist. Vielleicht wird er sich mit seiner Realpolitik bloßstellen. Vielleicht aber wird er wie in Polen und Ungarn den Staat umzubauen und Strukturen zu schaffen(2), die seine Politik begünstigen und festschreiben, eine Entwicklung, die dazu führt, dass die Gesellschaft bald auf einem Fundament nur mehr ruhen wird: dem Hass.


[(1)] Ein aktuelles Beispiel ist das Verhalten von Heinz Strache, der während des Wahlabends ausschließlich auf die Prognosen des Innenministeriums verwies, die Hofer in Führung sahen, Prognosen, die im Gegensatz zu anderen Wahlvorhersagen, die van der Bellen vorn sahen, nicht die Briefwähler einbezogen. Die Diskrepanz zwischen zwei so unterschiedlichen Aussagen führte auf den entsprechenden Facebookseiten sogleich zu Verschwörungstheorien. Schon vor dem Ende der Wahl wurde so eine Erklärung für eine mögliche Niederlage gestrickt, die auf die erfolgreichste Erzählung der Populisten verwies: Das verkrustete System tut uns Unrecht.

[(2)] Überwachungstechnik in Extremistenhand: Nazis am Abzug

In höchsten Tönen – Entgleisung, Dementi, Alltagssprache: Die vermeintlich zufälligen Ausfälle der AfD folgen der erprobten rhetorischen Technik der Rechten – und einer Hundepfeife.

 

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