Letzte Nacht in Dortmund.


Eins
Kurz nachdem die Bomben explodiert sind, wird entschieden, dass sich die Männer, die den Bomben knapp entgangen sind, wenige Stunden später auf dem Spielfeld einzufinden haben. Die Verantwortlichen des BVB – nicht die Mannschaft, nicht der Trainer – heißen diese Vorgehen gut. Sie legen keine Beschwerde ein, verlangen keine Pause, zumindest, bis die Umstände geklärt sind, der Täter gefasst ist, das Motiv geklärt ist, geklärt ist, ob weitere Anschläge zu erwarten sind.

Nichts davon. Vielmehr verkünden die Verantwortlichen des börsennotierten Fußballvereins, dass bei einem Spielabbruch die Terroristen gewonnen hätten. Für die Freiheit, unsere Werte, unsere Gesellschaft etc. müssen die Männer nun antreten. Würden sie nicht antreten, würden sie nicht für die Freiheit, unsere Werte etc. einstehen, wären unehrenhaft, wären Feiglinge. Die Mannschaft, elf Männer, ein Trainer, tritt also an, damit der börsennotierte Fußballverein ein Halbfinale erreichen kann.

Zwei
Vor dem Rückspiel, das sieben Tage später stattfindet, sitzen die Männer erneut im Mannschaftsbus. Vor dem Station wird dieser von Sicherheitskräften aus Sicherheitsbedenken gestoppt. Die Männer dürfen den Bus nicht verlassen, ein Bus, ähnlich wie der, auf den eine Woche zuvor ein Bombenanschlag verübt wurde. Siebzehn Minuten sitzen die Männer in diesem Bus, während Sicherheitskräfte Sicherheitsbedenken nachgehen. Eine reichliche Stunde später steht die Mannschaft des börsennotierten Fußballvereins (echte Liebe) auf dem Spielfeld, damit der börsennotierte Fußballverein ein Halbfinale erreichen kann.

Drei
Meinungen werden geäußert. Die Männer im Bus seien allesamt Profis, Millionäre dazu. Sie müssten es aushalten, wenige Stunden nach einem Bombenanschlag ihrer überdurchschnittlich gut bezahlten Arbeit nachzugehen. Geld, so die Annahme, kauft die Angst weg.

Vier
Nach Bekanntgabe des Tatmotivs (Profit durch Kursverlust der Vereinsaktie durch des Sterben der Mannschaft) kursieren Tweets, werden auf Facebook Bilder geteilt. Darauf steht:

Krieg gegen den Terror: Börsenverbot jetzt.

Radikaler Kapitalist ist für den Anschlag verantwortlich. Wann distanzieren sich die: Spekulanten, Turbokapitalisten und Hedgefondmanager?

Ist das Tragen von teuren Maßanzügen wie von radikalen Kapitalisten praktiziert eigentlich mit dem Grundgesetz vereinbar?

An dieser Stelle muss ich schreiben, dass mich diese Sätze irritieren. Sicher sind sie als witzig zu verstehen und klar ist auch die gute Intention zu erkennen, wollen sie der Pauschalisierung (Alle Anschläge werden immer von Muslimen begannen. Alle Muslime sind immer potentielle Terroristen!!!111) etwas entgegenstellen.

Zugleich meine ich eine grundsätzliche Freunde aus diesen Sätzen herauszulesen, klammheimliche Freude darüber, dass der Täter kein Muslime ist. Vielleicht irre ich mich, vielleicht muss jedem gehässigen AfD-»Danke, Merkel«, jedem hämischen PI-News »Die Religion des Friedens« nach einem Anschlag explizit etwas entgegensetzt werden.

Mich erinnern diese Art des Umgangs mit Gewalt an die Trumpanhänger, die nach dem Anschlag in Stockholm auf Trumps Last Night in Sweden-Rede hinwiesen und sich schadenfroh bestätigt fühlten, dass Schweden selbstverständlich ein Land sei, das unter islamistischem Terror leide.

Vielleicht wäre »Instrumentalisierung« oder ein anderes ein passendes Wort, um einen Grund für meine Irritation zu nennen, von beiden Seiten eine höhnische Vereinnahmung der Schrecklichen für die eigenen Zwecke.

Fünf
Am Sonntag, fünf Tage nach dem Anschlag, fünf Tage vor dem Bekanntwerden des Motivs, läuft der Dortmunder Tatort. Ursprünglich sollte dieser schon am Neujahrstag gezeigt werden, wurde aber aufgrund des Berliner Anschlags verschoben.

Im Dortmunder Tatort geschieht in Dortmund ein vermeintlicher islamistischer Anschlag, der in Wahrheit von einem Deutschen als solcher inszeniert wurde, um das eigentliche Motiv zu verschleiern: Profitgier.

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