Trypophobia. Das Unbehagen beim Anblick von Insektenhotels.

Am Strand von St. Pete finde ich eine Muschel, deren Gehäuse mit vielen kleinen Muscheln besetzt ist. Wie leere Augen starren sie zurück. Ein Schaudern überkommt mich, wenn ich eine Metapher verwenden wollte, dann die einer Gänsehaut, die sich innen kräuselt, mehr noch ein Gänsehauttier, das mit weichem Flaum langsam meinen Körper entlangwandert und sich in meinem Kopf einnistet und auf jede Nervenzelle eine Hand mit kaltem Pelz legt.

Keine Augen sind es, die mich anstarren, ich starre in Löcher, winzige Löcher. Ich google »Angst von kleinen Löchern« und finde das Wort Trypophobia: die Angst von unregelmäßigen Löchern in natürlichem Gewebe, asymmetrische Cluster, Einzelteilchen, die als ein Ganzes betrachtet werden könnten, Waben, Poren, Schwämme. Ursache des Ekels könnte die Urangst vor giftigen Tieren sein, die durch bunte Farbmuster warnen – der blaugeringelte Kraken – oder die Furcht vor Parasiten und Krankheiten, welche die Haut befallen und sie durchlöchern, pockenartige Objekte, vielleicht das Internet, wenn das Sprechen über die Bilder erst die unangenehmen Assoziationen weckt, eine Art Priming.

Am stärksten reagiere ich auf das Bild einer Kapsel mit Lotussamen, eine Erdbeere, deren Kerne grün sprießen, die Suranim Kröte, auch bekannt als Wabenkröte, aus deren Rücken Krötenbabys schlüpfen. Ich schaue und schaudere, empfinde intensive Abscheu, die mich zwingt, weiter zu starren, weitere Bilder zu suchen, später Videos von Wasserkäfern, Maden aus Löchern kriechend, verkrusteter Schlamm, Bienenwaben, immer wieder Pflanzen mit Lochmustern.

Das Unwohlsein ist umfassend und doch genieße ich die schauderhafte Empfindung, flüchte nur widerwillig davor, selbst wenn ich weiß, dass das Fokussieren darauf erst recht die Phobie wachsen lässt und ich bald in allem, was mich umgibt, diese Muster finden werde, in harmloser Raufasertapete, Regentropfen an Fenstern, dem Querschnitt eines Brokkoli, Granatäpfeln, Insektenhotels, wenn ich voll und ganz ein Trypophobiker geworden bin.

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