Coronamonate. März.

31. März | der längste März von allen

Ich kaufe »Der Spiegel«. Am oberen Rand fast jeder Seite, dort, wo sonst das Ressort vermerkt ist, steht in einem roten Kästchen mit roter Schrift: Coronakrise. Bis auf vier Ausnahmen handeln alle Artikel aller Ressorts von der Pandemie, ein monothematisches Wochenmagazin. Die Ausnahmen sind: Woody Allen, Cum-Ex, der AfD-Flügel und der geheime Dienstkalender Heinrich Himmlers.

Ansonsten: In Nevada werden auf einem Parkplatz sogenannte Social-Distancing Boxes gemalt, in denen Obdachlose in dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zueinander schlafen können. Jena führt eine Mundschutzmaskenpflicht ein. In Sachsen droht ein Bußgeld in Höhe von 150€ beim Verlassen der Wohnung ohne triftigen Grund. Das Bundesgesundheitsministerium bittet darum, morgen auf Aprilscherze zu verzichten, weil Falschmeldungen zur Verunsicherung beitragen können. Die Bayreuther Festspiele 2020 werden abgesagt.

Heute geht der zweite Coronamonat vorbei, der längste März von allen. Die Tage verklumpen, die Welt schrumpft, es ist gut, schreiben zu können.

30. März | Abkürzung der Realität

Ein Bekannter, der ansonsten kaum aktiv auf FB ist, postet innerhalb weniger Minuten mehrere Links zu Texten und Videos, die alle eins zum Inhalt haben: Covid19 sei nicht gefährlicher als die übliche Grippewelle. »Die Angst vor dem Coronavirus ist weit überzogen.« & » Momentan sehe ich in der Öffentlichkeit eine große, weitgehend unkritische Einigkeit: Mach, was Mutti sagt.« & » Uns wird suggeriert, dass Opa tot umfällt, wenn wir nur die Haustür aufmachen, „Stay at home“, das neue Mantra, dem alle zu folgen haben« etc.

Es ist nicht viel, was ich dabei fühle, aber zumindest Irritation. Irritation darüber, dass diese Bewertung der Pandemie immer noch existiert, dass die vergangenen Wochen, die Bilder, Texte, Videos, Augenzeugenberichte tatsächlich ignoriert werden können, dass der Glaube besteht, es gäbe eine Wahrheit, die im Gegensatz zur Realität stehen könnte und diese »Wahrheit« zwingend vermittelt werden müsste.

Auch von anderen Seiten Fragen, wie man mit Freunden, Bekannten, Arbeitskolleginnen, Familienmitgliedern umgeht, die Wodrag-Videos teilen, die von zionistischen Entwicklern, Biowaffen, US-amerikanischen Militärlabors schreiben, davon, dass das Virus aus kommerziellen Gründen für angeblich patentierte Impfstoffe in Umlauf gebracht worden sei. Die schreiben: Der wahre Grund der Erkrankungen sei nicht etwa ein Virus, sondern 5G-Strahlung! Die, für die der Hashtag Coronavirustruth Berufung îst.

Verschwörungstheorien sind wie Abkürzungen für jene, denen die Realität zu mühsam ist. Vielleicht kann ich auch das Bedürfnis nachvollziehen, glauben zu wollen, es gäbe einen Plan hinter der Pandemie, weil die Pandemie alle gemachten Pläne egalisiert. Weil es so schlimm ist, glauben zu wollen, es wäre nicht so schlimm. Besonders schwer zu ertragen muss der Zustand für alle sein, die stets anti sind und die sich jetzt mit einer Realität konfrontiert sehen, in der anti keinen Platz mehr hat.

Und ist es nicht immer einfach, das zu erklären, die manchmal gar nicht so leicht zu erkennenden Trennlinien zu finden zwischen dem, was notwendig ist, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und dem, was die Gesellschaft auf andere Weise gefährdet. Die Unterschiede zwischen StayAtHome und einer möglichen Willkür der Polizei bei all den Beschränkungen, dem Mundschutzzwang und dem dauerhaften Tracken von Handydaten, einer Schließung von Geschäften und dem Erlassen von Gesetzen, die es einem Regierungschef ermöglichen, auf unbegrenzte Zeit und ohne parlamentarische Kontrolle mit Verordnungen zu regieren.

Ansonsten: Ungarn beschließt ein »Notgesetz«, dass dem Präsidenten nahezu uneingeschränkte Macht einräumt und Kritiker dauerhaft in Gefängnis bringen kann, natürlich die Blaupause einer Diktatur, in einem Staat der EU. Twitter löscht zwei Tweets des brasilianischen Präsidenten, weil sie die Gefahren durch die Pandemie leugnen.

Der amerikanische Präsident spricht von zwei Millionen möglichen Toten, hunderttausend wären ein Erfolg, es ist die einzige Exit-Strategie, die er hat. In einem Tweet lobt er sich, da seine täglichen Pressekonferenzen höhere Einschaltquoten als der Bachelor haben. In New York läuft ein Sanitärschiff des Militärs ein, der Bürgermeister sagt, dass es eigentlich 40 Schiffe dieser Größe bedürfe. Im Central Park werden Krankenhauszelte errichtet. Überraschend werden fünftausend Atemmasken in der Krypta der Washington National Cathedral gefunden.

Österreich verhängt eine Mundschutzpflicht für den Einkauf im Supermarkt. Eine im April in China startende Rakete wird auf der Außenhülle ein Bild tragen, das das medizinische Personal in Wuhan im Kampf gegen den Virus zeigt. Ab 1. April erhebt DHL einen Krisenzuschlag von 16€ pro Paket in die USA. Ein australischer Astrophysiker wird ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem Magnete in seiner Nase steckenblieben, als er versuchte, ein Gerät zu erfinden, das Menschen davon abhält, ihre Gesichter zu berühren.

Artikel spielen Geisteswissenschaften gegen Naturwissenschaften aus. Der Verein Deutsche Sprache e. V. schreibt: »In Deutschland werden Milliardenbeträge für den Genderunfug ausgegeben. Diese Gelder fehlen Krankenhäusern oder den naturwissenschaftlichen Uni-Fakultäten – zum Beispiel in der Virusforschung«. Armin Laschet setzt den Mundschutz falsch auf und korrigiert sich kurz darauf auf Twitter. Der Formel1-Rennstall Red Bull dachte darüber nach, Fahrer absichtlich zu infizieren. »Das ist nur im kleinen Kreis besprochen und nicht positiv aufgenommen worden«, sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. Unter Arbeitstitel Bachmannpreis digital soll eine Arbeitsgruppe in den nächsten Tagen ein Konzept eines »digitalen Bachmannpreises« ausarbeiten.

29. März | GLG

Heute ein erster, wirklicher Lagerkoller, ein Tief, dem Regen geschuldet, dem Ende der zweiten Woche erst, der Ahnung, dass viele folgen werden. Ich will wenig schreiben, wenig erfahren, von dem, was geschieht. Ich lese: »It’s a trauma response. Because you can’t fight the virus actively, and because you can’t run away from it, your body is going into “play dead” mode.«

Lese auch: »Falls ihr euch stresst, weil zB Homeoffice einfach nicht laufen will: Wir haben eine globale Pandemie. Beschränkung von Grundrechten. Wirtschaftsschmelze. All das vor dem Hintergrund der Klimakrise.«

Gegen Mittag wird der Tod des hessischen Finanzministers, des designierten hessischen Ministerpräsidenten, vermeldet. Im Abschiedsbrief soll die Rede sein von »Aussichtslosigkeit«, »bezogen auf die wirtschaftliche Lage des Landes« sehe, mit dem Vermerk: »Ob dies allerdings mit konkreten Ängsten in Bezug auf den Coronavirus zusammenhänge oder eher allgemeiner Art gewesen sei, das sei auch für die Ermittlungsbehörden derzeit nicht ersichtlich.« Fast augenblicklich drängt sich der Gedanke an den Werther-Effekt auf und ebenso augenblicklich fühlt es sich schäbig an, diese Verbindung gezogen zu haben.

In nahezu jeder Mail, die eintrifft, am Ende fast jeden Telefonats, anstatt Tschüss oder Bis bald steht nun, wird nun gesagt: Bleib gesund. Es ist das Mit freundlichen Grüßen, das Liebe Grüße, das GLG dieser Monate.

Ansonsten: In Indien ist eine Ausgangssperre für 1,3 Menschen verhängt. In Süditalien soll der Geheimdienst vor sozialen Unruhen warnen. Mobilfunkanbieter stellen kostenlos vergrößerte Datenpakete zur Verfügung. In der #BundesligaHomeChallenge duellieren sich Profifußballer auf der Konsole. In Aachen klagt ein Mann gegen die erlassenen Kontaktverbote. In der Weimarer Humboldstraße werden Briefe in die Briefkästen eingeworfen, die besagen, dass die Hausbewohner zwei Wochen in Quarantäne bleiben sollen.

28. März | Traurige Rekorde

Ich muss an ein Interview denken, dass ich Ende Januar mit der Besitzerin eines Trainingszentrums für Frauen und Mädchen geführt habe. Sie lehrt Selbstschutz und hat sich damit Anfang des Jahres selbstständig gemacht, eine Entscheidung, die lange überlegt und abgewogen war. Sie ist auf die Anwesenheit anderer angewiesen. Im Gespräch hatte sie so zuversichtlich und hoffnungsvoll von ihrer neuen Zukunft gesprochen. Nach nicht einmal drei Monaten muss sie die Stunden und Kurse einstellen, unklar, wann sie diese wieder aufnehmen kann.

Ich habe Bücher bestellt, einen Packen. Johannes, der Besitzer der Eckermann-Buchhandlung in Weimar, wird sie ausliefern. Mit dem Fahrrad fährt er zu den Häusern und bringt die georderten Bücher vorbei. Der Laden ist geschlossen, drinnen sitzen Katja und andere, nehmen die Bestellungen per Telefon an, auf den Tischen die Bücherstapel, die bald weggebracht werden.

Amazon hat Bücher als nicht essentiell eingestuft, sie werden momentan nicht oder verzögert ausgeliefert. Da Amazon eine solche Marktmacht innehat, ist das für Verlage eine Katastrophe. Jeder Buchladen hat geschlossen, viele versuchen, wie in Weimar zu handeln.

Freundinnen und Freunde haben Bücher geschrieben, es sind Debüts darunter. Alle sollten auf der Buchmesse in Leipzig präsentiert werden, anschließend sollten Lesungen folgen, Interviews, ein Rumreisen mit den Geschichten, an denen sie jahrelang arbeiteten. Das Fenster ist kurz, im Herbst in Frankfurt beginnt die nächste Saison, ein halbes Jahr bleibt für Aufmerksamkeit. Von diesem halben Jahr fehlen nun mindestens zwei Monate, die entscheidenden, weil hier die Flughöhe der Bücher bestimmt wird. Ob diese nachzuholen sind, ist unklar, jedes Buch wird nur einmal geschrieben, es hängen Jahre daran, an Wense, der Silbermeer-Saga, an 4 Uhr kommt der Hund, an final image.

Diese Zeit ist auch eine Krise der Literatur, wirtschaftlich, inhaltlich. Gefühlt schreiben eine Hälfte der Autorinnen etwas zu Corona und die andere Hälfte belustigt sich an dem Gedanken, dass andere etwas darüber schreiben könnten. Dabei ist es doch das, was getan werden kann: festzuhalten, was ist.

In nahezu allen Gesprächen über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie fällt der Satz: Das habe ich unterschätzt. Unterschätzt, wie schnell und drastisch ein Lockdown so vieles zum Stillstand bringt, ins Schlingern, zum Untergang. Rücklagen sind in Tagen aufgebraucht, Reserven kaum vorhanden, was alle ahnten, aber ignorierten, weil sonst ein Weitermachen nicht möglich gewesen wäre. Optimierte Abläufe lassen keinen Raum für Unerwartetes zu, Effizienz ist möglich, die Kosten werden jetzt beglichen. Es ist vollkommen ausgeschlossen sich zu vorstellen, was eine Absage aller (kulturellen) Veranstaltungen für die nächsten zwei / sechs /zehn Monate bedeuten würde, so lange, wie es aus Sicht der bestmöglichen Ausbreitungsverhinderung des Virus bedeuten würde.

Es ergeben sich unerwartete Zusammenhänge, Kreisläufe und Verschränkungen. Die Menschen sind zu Hause, produzieren so mehr Hausmüll. Die Müllabfuhr – auch krankheitsbedingt geschwächt – muss ihre Aufgaben beschränken und kann kein Altpapier mehr holen. Recylingfirmen brauchen Altpapier, um u.a. Firmen, die Toilettenpapier herstellen, zu beliefern. So könnte Toilettenpapier tatsächlich zu einem knappen Gut werden. Viele solcher Verknüpfungen ergeben sich so. Eine banale Erkenntnis, dass alles mit allem zusammenhängt, das Konkrete erstaunt.

Auch Gespräche über Mieten, Diskussionen über Mieterstreiks, über Adidas, H&M, große Ketten, die keine Ladenmiete mehr zahlen. Die einen sind auf Seiten der Vermieter, sagen, dass denen durch das Einfrieren der Mietschulden Handlungsmöglichkeiten genommen werden. Andere sind bei den Mietern, deren Einnahmen wegbrechen, während der größte Ausgabenposten von allen unbeirrt weiterläuft.

Ich lese Texte. Nach einer Weile stelle ich fest: Es sind keine Worte, die ich lese, keine Geschichten über Menschen. Es sind Zahlen, die ich wahrnehme, die meisten nicht einmal mehr genau, sondern gerundet. 5700, 832, 1500, 700, 50000, 10000, 120000. Es sind Nummern, Höhepunkte, sogenannte »traurige Rekorde«.

Das Lesen der Wirklichkeit in Zahlen und nicht in Worten ist ein schlimmes Gewöhnen, an Akzeptieren der Normalität und damit ein Resignieren. Ich muss niemanden mehr sagen: Unglaublich, dass diese Zeit eingetreten ist, das hätte man vor einem Monat nicht gedacht, oder?

Was ist, ist da, das ist jetzt, das passiert. Alles, was gerade geschieht, folgt dieser Logik und diese Logik ist auf furchtbar einleuchtende Weise nachvollziehbar. Kein Ausnahmezustand, die Zahlen bilden ab, was ist. Es sind erschreckende Gedanken und ich hoffe, dass mir zumindest in der Reflektion des Lesens noch lange das Wort »erschreckend« in den Sinn kommen wird.

Ansonsten: Von verschiedenen Betroffenen wird das Klatschen für Ärztinnen / Kassiererinnen / Pflegerinnen kritisiert, Euren Applaus könnt ihr euch sonstwohin stecken. Anstatt Applaus wird eine konkrete Verbesserung der Arbeitssituation gefordert, auch, gerade nach der Pandemie. Wegen des gestiegenen Datenaufkommens beschneidet Microsoft Funktionen seiner 365-Onlinedienste. Der amerikanische Präsident droht, einigen US-Staaten nicht in der Coronakrise zu helfen, weil sie seine Arbeit nicht genug wertschätzen würden. In Thüringen bleibt der Bratwurstverkauf unter strengen Auflagen erlaubt. Ein Teilnehmer der #Coronachallenge, der in einer öffentlichen Toilette über den Beckenrand leckte, wird angeblich mit Covid19 ins Krankenhaus eingeliefert.

27. März | Das Vergessen der Normalität

Ab wann wird man sich nicht mehr an die Normalität erinnern?

Es wird einen Tag geben, an dem die Pandemie für beendet erklärt werden kann. Von diesen Tag an wird es möglich sein, alle Maßnahmen, Beschränkungen und Veränderungen zu verwerfen und in den Dezember 2019 zurückkehren. Doch wird man sich an diese Zeit erinnern? Wird einem dann Social Distancing so vertraut sein, dass Nähe seltsam scheint? Wird man sich dann noch die Hände schütteln, in die Hand husten, Hände kürzer als eine Minute lang waschen, den Mundschutz wieder als Irritation verstehen? Wird man 2022 auf dem Highfield-Festival mit sechzigtausend Menschen zusammenstehen und niemand wird einen Coronawitz machen? Wird man ohne Unbehagen auf große Menschenmassen schauen können?

Wie selbstverständlich wird das Zurückkehren sein? Ich frage mich das, da verschiedene Sichten auf die langfristen Folgen jenseits der medizinischen Situation miteinander konkurrieren; die kleine und große Wirtschaft auf Jahre zerstört, Rezession, Inflation, Pleiten. Das Virus als Katalysator für eine zunehmende Polarisierung, als endgültiger Triumph der Giganten gegenüber der Vielfalt, Amazon, das noch schneller die kleinen Läden in der Innenstadt in die Knie zwingt, die Fluggesellschaften, denen mit Milliarden geholfen wird, während das viele Kleine nicht diese Unterstützung erhält. Andererseits jene, die von Chancen sprechen, dass die Pandemie die offensichtlichen Schwachstellen der Gesellschaft bloßstellt und so Gelegenheit gibt, eine Veränderung hin zum Guten zu bewirken.

So oder so wird von einer neuen Normalität ausgegangen, keine, die mit Dezember 2019 vergleichbar ist. Oder sagt sich dies so pathetisch aus der atemlosen Situation heraus? Denn auch wenn das Beisl heute geschlossen ist, 2022 wird dort wieder Bier getrunken und wir alle werden uns wieder zwei Küsse auf die Wange geben und wir werden an Supermarktkassen ohne Plexiglasscheiben stehen.

Im Park, auf dem Weg zum Markt sind wieder deutlich mehr Menschen unterwegs. Es scheint das Gefühl zu herrschen, dass eine allgemeine Entspannung eingetreten ist. Worauf diese Annahme beruht? Vielleicht aus den Andeutungen einiger Entscheider, die Ausgehverbote nach Ostern schon locker zu können. Die im Vergleich zu anderen Ländern verhältnismäßig geringe Todeszahl. Die Aussage, dass das deutsche Gesundheitssystem eines der besten sei. Der Eindruck, genug gemacht zu haben. Die schöne Sonne.

An der heimischen Fleischtheke findet die im Eintrag vom 23.3. erwähnte Lebensmittelrutsche Verwendung. Aus den Lautsprechern zwischen dem Konsumgeduddel eine Ansage, in der sich eine für Supermarktverhältnis bedeutungsschwangere Stimme bei den Mitarbeiterinnen bedankt, von einer schweren Zeit spricht, die alle durchmachen und verspricht, dass am Ende alles gut werden würde.

Freunde aus Straßburg sind in Quarantäne. Sie berichten davon, dass die Lage in der Stadt besonders schlimm sei, in Krankenhäusern Menschen über achtzig keine Beatmungsgeräte mehr erhalten. Freunde aus Österreich berichten, dass die Tagespflege ausgesetzt sei und mobile Krankenschwestern nur noch zu den besonders schweren Fällen fahren. Die Aussage: Tut etwas, solange noch Zeit ist.

Wie gestern schon erwähnt, ist New York ein Ort, an dem die Pandemie besonders wütet. Im Spanische-Grippe-Buch, das ich für einige Tage ausdrücklich aus der Hand gelegt hatte, wird beschrieben, welche Folgen der Virus vor hundert Jahren dort hatte: »…Krankenhäuser waren total überfüllt, chirurgische Abteilungen wurden zu Influenzaabteilungen umfunktioniert, Turnhallen… dienten mittlerweile als Notkrankenhäuser.« In einem Text über die Situation in New York heute heißt es: »Es mangelt an allem: Ausrüstung, Geräten, Betten. Das Javits Center, Manhattans gläsernes Kongresszentrum, wird in ein Feldlazarett mit 1000 Betten umgewandelt. Doch hundertmal so viele werden benötigt.« Und, was im Spanische-Grippe-Buch über New York noch steht: »…dass die Krankheit dazu missbraucht werden konnte, die ohnehin schon marginalisierten Gruppen noch weiter zu stigmatisieren, und damals schlug den Italienern sowieso oft Fremdenfeindlichkeit entgegen.«

Ansonsten: Wegen fehlender Krankenversicherung wird in den USA einem Siebzehnjährigen die Behandlung versagt, wenig später stirbt er an Covid19. Die USA sind nun das Land mit den meisten Infizierten. In Brasilien stellen sich die Gouverneure des Landes wegen seines schlechten Krisenmanagements gegen Präsident Bolsonaro. In den Favelas sorgen Drogen-Gangs für die Umsetzung des Social Distancing.

In einer Wahlumfrage gewinnt die CDU fast zehn Prozentpunkte hinzu und steht bei 36 Prozent. H&M, Adidas und andere großen Ketten beschließen ab April keine Miete für ihre geschlossenen Läden zu bezahlen. Am häufigsten kaufen Deutsche im Einzelhandel momentan Seife, Klopapier, Reis, passierte Tomate, Äpfel und Bier. In Tirol setzen Tourismusbetriebe Mitarbeiter vor die Tür, die aber aufgrund der Quarantänebestimmungen die Orte aber nicht verlassen können. Der Bachmannpreis wird abgesagt.

Der Papst lässt ein wundertätiges Pestkreuz in den Vatikan holen. Boris Johnson wird positiv getestet. Till Lindemann liegt auf der Intensivstation. Die Ärzte und Herbert Grönemeyer veröffentlichen Quarantänelieder, »Sing ein Lied für sie | Isoliere Dich für sie | Sie arzten, pflegen, transportieren, kassieren | bewachen, forschen, schützen, ziehen«.

Nachdem Frei.Wild Anfang März einen Coronasong aufnehmen, in dem sie vor Weltuntergangsstimmung, Panikmacherei und Hysterie warnen, wird ihr Tontechniker positiv getestet und die Band muss in Quarantäne. Nun haben sie haben einen zweiten Coronasong aufgenommen, in dem sie singen, dass es ihnen leid tue und sie C19 nun erstnehmen würden: »Verdammt, wir lagen so falsch | Wir lagen daneben | Dann ritt das Karma zu uns heim | Dieses Scheißding fraß an uns«.

26. März | Angst

Angst ist beides: Ratgeberin, um unnötige Risiken zu vermeiden und voller Gefahr, wenn sie der Blickwinkel wird, mit dem man die Welt um sich herum wahrnimmt. Ich habe am Anfang des Monats geschrieben, dass ich keine Angst verspüren würde. Das ist ebenso falsch wie richtig.

Natürlich habe ich Angst. Eine abstrakte Angst vor dem, was weltweit geschieht, die fernen Augenzeugenberichte und erschütternden Protokolle. Aber es ist – bei aller Tragik, bei allem Leid – aus zweiter Hand, weit weg. Wesentlich konkreter ist die Angst um jene meiner Familie und Freunde, die zur Risikogruppe gehören. Wenn sich zwei Drittel aller damit infizieren werden, dann werden zwei von Dreien in der Risikogruppe davon infiziert sein. Auch wenn ich mir sage, dass selbstgewählte Isolation, die Strategie einer Verseuchung der Nichtrisikogruppe und frühe Entwicklung eines Impfstoffs dieses Zahlen relativieren werden: Die Sorge bleibt dennoch, sie muss.

Die Angst um die Welt, die Angst um die Lieben. Am größten von allen wird die Angst um einen selbst sein, der unerhörte Angriff auf die eigene Existenz. Selbst Dan Patrick, Vize-Gouverneur von Texas, der sein Leben so selbstlos für den Neoliberalismus opfern würde, wird intubiert auf der Intensivstation seinen Altruismus möglicherweise überdenken. Soweit ich weiß, gehöre ich nicht zur Risikogruppe. Dieses Wissen war von Anfang an da. Statistisch gesehen muss ich wenig befürchten. Diese Information ist letztlich ausschlaggebend für meinen Blick auf diese Zeit. Die Zahlen sagen: Habe keine Angst.

Ich lese die Berichte über die Jüngeren, die 36jährigen, die Hochleistungssportler, die ohne Vorerkrankungen, jene, denen die Zahlen ebenso sagten: Habe keine Angst. Ich höre im Drostcast, dass medial die Ausnahmefälle überbewertet werden und die Gesamtzahlen die Einschätzung der Risikogruppen bestätigen. Ich lese in den Kurven und weiß, einige Punkte auf den Linien sind die Ausnahmen, alle Punkte auf den Linien sind Einzelfälle für die, die es betrifft. Die Zahlen sind abstrakt, sie beruhigen, das Konkrete beunruhigt.

Und ich weiß, wie privilegiert es ist, das schreiben zu können, den Luxus zu haben, überhaupt so denken zu können, keine Angst haben zu müssen. Zu dürfen schon, zu dürfen schon.

Was mache ich mit der Angst? Ich nutze sie, um Risiken für mich und andere zu minimieren. Die Dringlichkeit der Lage zu begreifen und ihre Konsequenzen anzunehmen.

Was mache ich mit dem Ausbleiben der Angst? Ich lese keine weiteren Berichte über Menschen, die zwei Wochen sediert auf dem Bauch liegen, um den Druck von der Lunge zu nehmen. Ich halte fest an den Zahlen, die mir etwas versprechen, lasse den Schrecken nur einzeln und in einem 1.50 Meter Sicherheitsabstand in den Lockdown eintreten, höre wieder verstärkt Musik mit Gitarren und koche Erbsenschoten in besonders viel Olivenöl. Angst ist gesund und vernünftig, ihr Fernbleiben ebenso.

Ansonsten: Die sächsische Polizei greift hart durch und spricht diverse Bußgelder rund um den Cospudener See aus. Verstärkt melden Bürger Verstöße anderer gegen die Ausgehregeln. Die Landwirtschaftsministerin hebt das Arbeitsverbot für Asylbewerber auf, damit diese als Hilfskräfte in der Landwirtschaft arbeiten können, Hashtag Spargel. Das System der amerikanischen Indiebuchläden bricht zusammen. New York entwickelt sich zu einem Hotspot der Pandemie. Ein US-Neonazi hat in Missouri einen Bombenanschlag auf ein Krankenhaus geplant; Corona sei eine Ausrede, um »unser Volk zu zerstören«.

Eine Tagebuchschreiberin aus Wuhan beendet ihr Coronatagebuch. Nach Aufhebung des Lockdowns in Wuhan lange Schlangen vor dem Friedhof, die Menschen holen die Asche ihrer verstorbenen Familienmitglieder. Bosch entwickelt einen Corona-Schnelltest. Dyson stellt nun Beatmungsgeräte her und nutzt dabei Erfahrungen im Bau von Luftreinigern. RTL setzt die Quarantäne-WG ab. Til Schweiger beschwert sich, dass die Menschen keinen Abstand halten. Aus Protest darüber, dass sie nur eine Rolle Klopapier kaufen darf, setzt sich eine 54jährige Frau in Bergneustadt auf das Kassenband; Polizisten führen sie in Handschellen ab.

25. März | eine Dystopie, romantisch gezeichnet

Heute erstmals seit mehreren Wochen nicht das Bedürfnis verspürt, am Abend meine Gedanken ordnen zu müssen. Ein Zeichen der Entspannung? Der Gewöhnung? Der Resignation? Der Überforderung? Morgen werde ich mehr wissen, möglicherweise. Dann schreibe ich über die Angst.

Ansonsten: Prinz Charles wird positiv getestet. Die Pestsäule am Wiener Graben wird zur Corona-Anlaufstelle; neben Kerzen steht dort auf einer Zeichnung: »Schütze uns vor dem Coronavirus.« Die Kultusministerkonferenz entscheidet, dass die Abiturprüfungen stattfinden werden. Der Rundfunk in Seattle veröffentlicht die Statements von Donald Trump nicht mehr live, weil dieser in seinen Reden derart viele falsche Informationen streut, dass man diese nicht mehr ohne die notwendigen Korrekturen senden könne. Auf einer Karte von Istanbul ist anhand der Verkehrsdaten zu erkennen, dass die Bewohner der reichen Viertel zuhause bleiben, während die der armen Viertel zur Arbeit fahren.

Denis Scheck präsentiert anstatt der aktuellen Bestsellerliste seine Top Ten zur Krise. Zitat Pressetext: »Verblüffend aktuell: „Die Pest“ von Albert Camus oder das „Decamerone“ von Bocaccio. Beklemmend und doch befreiend: „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Vergnüglich: die „Peanuts“ von Charles M. Schultz oder „Der Wind in den Weiden“ von Kenneth Grahame.« Medienpater Anselm Grün erklärt, was wir von Mönchen für die Quarantäne lernen können, Spoiler: Gerade jetzt brauche unser Alltag klare Strukturen wie im Kloster. Das Trolley-Problem in Zeiten von Covid-19.

Und, am Ende doch noch eine Bemerkung: Ich wurde darauf hingewiesen, dass das Video über Skaten in der Pandemie von 2014 ist, die Überschrift ein Clickbait. Es wäre leicht herauszufinden gewesen, schon der erste Kommentar weist darauf hin. Ich überlege, weshalb ich nicht überprüft habe. Vielleicht, weil das Video – ein Skateboarder in einer von Menschen verlassenen Stadtstruktur – genau das Bild zeichnet, welches ich gern (auch) sehen will: eine Dystopie, romantisch gezeichnet. Bereitwillig geglaubt habe ich, weil sich in den letzten Wochen sowieso schon viel zu viele popkulturelle Referenzen in die Realität übertragen haben. Warum nicht auch diese Vorstellung? Und – dieser Glaube wird wieder passieren, kein Zweifel daran.

24. März | Rückblick

Vor einem Monat beginne ich zu schreiben. Zuerst still, für mich soll es sein, auch, weil ich nicht ertappt werden will bei einer Überreaktion. Was, wenn es doch vorbeigehen wird wie die Waldbrände in Australien; ein kurzer Aufreger, bevor ab Mitte März jeder von … sprechen wird?

Es ist ein Sammeln von Eindrücken, auch ein neugieriges Beiwohnen beim Verändern einer Realität, ein Auflisten von Fundstücken, ein Festhalten von Momenten, die Tage später längst überholt sind, zuzuschauen, wie sich die Ausnahme verstetigt, auch Irrtümer und Fehlinformationen stehenzulassen, weil sie dazugehören, die Gerüchte und falschen Fährten, die Irrwege und Sackgassen, die oft nur aus dem Augenblick heraus zu verstehen sind und im Rückblick entblößend und entlarvend wirken, aber notwendig sind, um sich dem anzunähern, was geschieht. Was es ist? Vielleicht eine allmähliche Verfertigung von Gedanken bei einem langen Schreiben.

Irgendwann merke ich: Diese Stunde am Abend hilft mir beim Ordnen der Eindrücke von innen und außen. Das Schreiben schafft ein Gefühl von Kontrolle, lässt mich glauben, dass das, was geschieht, sich in ein Datum tippen ließe, fein säuberlich durch Tage getrennt. Mir ist bewusst, dass es viele solcher Auseinandersetzungen dazu gibt; Aufzeichnungen, Tagebücher, Eintragungen, Podcasts, TikToks, Videotagebücher. Jedes einzelne davon ist notwendig und sei es nur für diejenige, die es verfasst. Mehr soll es auch nicht sein, jederzeit soll diese Form abgebrochen, erweitert und verändert werden können. Es gibt keine Regel dafür, nur diese eine müde Stunde am Abend.

Damit sollte ich es belassen, wenn heute nicht erstmals der Gedanke in aller Deutlichkeit ausgesprochen wurde, von dem klar war, dass er kommen würde: Warum nicht einen Teil der Alten und sonstigen Risikogruppen opfern zugunsten einer weiterhin funktionierenden Welt für die anderen? Bezeichnenderweise wurde dies öffentlich nicht in China oder Europa geäußert, sondern in den USA, vorgetragen von der neoliberalen Rechten, ein erster Vorstoß, ein neues Narrativ in die Diskussion zu geben, weil klar ist: Ist dieser Blick einmal in der Welt, wird er auch nicht mehr gehen. Mit jedem Prozentpunktverlust mehr wird dieser Blick an Bedeutung gewinnen, wird das Abwägen und Aufrechnen für viele eine relevante Frage sein.

Und vielleicht ist das, neben dem medizinischen Kampf, die wichtigste Auseinandersetzung: die über Solidarität. Diese Pandemie ist die erste, in der man dem unbekannten Virus von Anfang an wissend etwas entgegenstellen kann. Die Frage: Unter welchen Umständen ist der Preis dafür verhandelbar?

Ansonsten: Neustadt am Rennsteig steht komplett unter Quarantäne. Deutschlandfunk stellt sein Programm um. Das IOC entscheidet nach großem Druck, die Olympischen Spiele um ein Jahr zu verschieben. Auf einem Hackathon schreiben 42000 Programmerinnen Codes für Anwendungen, die gegen den Virus helfen sollen. Texas verbietet mit Verweis auf den Virus Abtreibungen. Spammails, die für eine Umfrage zu »THEMA DES TAGES: virus Corona !« Einkaufsgutscheine im Wert von 500€ für Penny und Netto versprechen. In Weimar wird vor Betrügern gewarnt, die Coronatests anbieten und dafür Kontodaten erfragen.  Ursula von der Leyen wäscht die Hände zu »Freude schöner Götterfunken.«

23. März | Polizisten und Passanten

Heute erstmals die Exekutive in dieser neuen Realität wahrgenommen. In einer doch recht engen Vierergruppe laufen zwei Polizisten und zwei Ordnungsamtler die Straße entlang. Ihre Blicke messen kritisch die Passanten und die Passanten strecken automatisch ihre Rücken durch und legen lieber noch einmal fünfzig Zentimeter auf die 1.50 Meter Sicherheitsabstand drauf. Nicht, dass es etwas zu beanstanden gäbe – weder bei Polizisten noch bei Passanten – fühlt es sich kontrolliert an, auf eine Weise, die unter diesen Umständen korrekt erscheint. Wie werden diese Blicke in zwei Wochen geworfen sein, werden sie nach der Pandemie wie selbstverständlich weiter messen?

Weggefegt hat der Virus die anderen Themen: den Terror von Hanau, die Amokfahrt von Volkmarsen, Hannibalnetzwerk, Erderwärmung. Das scheint weiter weg als sonstige Ereignisse, die vor einem Monat diskutiert wurden. Was aktuell noch geschieht – der aufgelöste Flügel, Cum Ex – wirkt wie eine Störung im einzigen Strom, in dem nun alle treiben. Es scheint nicht relevant, auch anstößig, über anderes zu berichten, absurd und respektlos die Vorstellung, es könne neben der Pandemie noch anderes geben.

Zugleich stellt sich ein gewisser Sättigungseffekt an Informationen ein. War das Bild in den ersten Wochen sehr unklar, wuchs das Wissen über das Unerwartete exponentiell. Auch wenn die Situation im Gegensatz zu den Anfangstagen erst jetzt in aller Unrealität wirkt, ist ein Grundbedarf an Wissen mittlerweile gedeckt: Händewaschen, Flatten The Curve, Herdenimmunität, Atemschutzmasken, Inkubationszeit, was gehört zum Lockdown etc. Es ist auch nicht mehr so, dass eine einzelne Info alles ändern könnte. Vieles im Strom sind Wiederholungen, alle sind betroffen und machen in vielem ähnliche Erfahrungen, was bedeutet, dass dieses Viele oft ausgesprochen werden muss.

Ansonsten: Man schaut auf die Social-Distancing-Gemälde Edward Hoppers. In Großstädten gelangen ungewöhnlich viele Wohnungen auf den Mietmarkt, die nun und auf längere Sicht ungebuchtem AirBnB-Wohnungen. Die Meldung, dass in Tschechien und Polen LKWs mit Schutzmasken und Beatmungsgeräten aus China konfisziert wurden, stellt sich als falsch heraus. Kuba schickt zu Unterstützung Ärzte nach Italien. Dort sinkt erstmalig die Infektionsrate und Totenzahl, etwa zwei Wochen nach Einführung des Lockdowns. In Deutschland wird es dafür noch sieben Tage brauchen. In Supermärkten werden Lebensmittelrutschen gebaut, um den Abstand von Verkaufsstand zu Kundin so groß wie möglich zu halten. In den USA werden Crowdfundings gestartet, um die eigenen medizinischen Kosten im Zusammenhang mit Corona finanzieren zu können. Noch einmal stellt sich heraus, welche gewaltige Rolle Bad Ischgl bei der Virusverbreitung in Europa gespielt hat. RTL startet eine Quarantäne-WG mit Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Oliver Pocher. Ein angeblich mit Coronavirus infizierter Mann leckt eine Rolltreppe ab. Skaten in der Pandemie.

22. März | Bewusstseinswandel

Vor einer Woche hätte ich auf der Leipziger Buchmesse lesen sollen. Heute, da Ansammlungen von mehr als zwei Personen grundsätzlich verboten wurden, erschrickt die Vorstellung, auf einer Veranstaltung, auf der dreihunderttausend Menschen zusammengekommen wären, gewesen zu sein.

In den erleuchteten Fenstern der gegenüberliegenden Wohnungen Blicke in die verschiedenen Wohnzimmer. Sie eint, dass die Teppiche und Dielen mit Spielzeug, Legosteinen und Kinderbüchern bedeckt sind. Am Abend das erste Balkonkonzert miterlebt. Jemand spielt »Careless Whisper« auf dem Saxophon. Niemand filmt, der Moment wird nur als Erinnerung gespeichert sein.

Die Straßen und Plätze weiterhin unvollkommen leer. Auch wenn die Temperatur bei null lag, schien die Sonne freundlich. Wer nicht im Schatten stand, konnte zufrieden sein. Das taten nicht wenige, doch bis auf seltene Ausnahmen exakt so, wie es nachdrücklich gefordert wurde. Es scheint ein Bewusstseinswandel stattgefunden zu haben, eine Erkenntnis, die die Mehrheit erreicht hat und der nun gemeinschaftlich Folge geleistet wird, ohne Sanktionen, ohne Geldstrafen oder Polizisten. Vernunft, könnte man das nennen. Fast vier Wochen hat es bis zu diesem Punkt gebraucht

Und das war es ja, was in der Ansprache der Kanzlerin vor wenigen Tagen gefragt wurde: Ist die Einsicht groß genug, um einen noch tiefgehenden Eingriff in die Rechte aller zu vermeiden? Ja, ist die noch leise vorgetragene Antwort. Jetzt scheinen diese Handlungsweisen angekommen und akzeptiert. Schutzmasken werden akzeptiert sein und Plexiglasscheiben im Supermarkt und Lücken zwischen Redenden und Gruppen, die offensichtlich keine Familien sind, werden böse Blicke bekommen.

Und zugleich die Frage: Wird sich das einmal rückgängig machen lassen? Was von den Einschränkungen wird bleiben? Markus Söder soll laut Umfrage aktuell der beliebteste Politiker des Landes sein. Er ist der, der stets zuerst entscheidet und stets die eindringlichsten Maßnahmen ergreift, einer, der stark ist und Führung zeigt und »Flatten The Curve« schneller als viele andere verstanden hat. Wie lang soll er so stark bleiben, wie wird das Starksein nach dem Virus gewichtet? Die Kanzlerin selbst befindet sich nun in Quarantäne, nachdem ein Arzt, der sie gegen Pneumokokken impfte, positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Zahlreiche Berichte machen Runde: Jugendliche, die Älteren ins Gesicht husten und dazu lachend »Ich habe Corona« rufen. Ob die Geschichten wahr sind, vielleicht so wahr sind, wie vor vierzig Jahren die Geschichten über die mit HIV-infizierten Blut gefüllten Impfnadeln, die auf Kinosessel liegen sollen?

Vermehrt werden nun Videos gezeigt, die zwei, drei Wochen alt sind und Politikerinnen zeigen, die sich zu Corona äußern; stets die Gefahr ignorierend, herunterspielend. Vermehrt ebenfalls die Verbreitung von Gebrauchsanleitungen zur Herstellung von Atemschutzmasken. In vielen Varianten die Handlungsanweisungen, bunt die Stoffe, vielfältig die Formen. Vielleicht wird die Akzeptanz von Atemschutzmasken hierzulande einhergehen mit sehr individualisierten Modellen; alle tragen das gleiche, aber anders.

Ansonsten: Der Preis für bestimmte Medikamente explodiert, der Preis einer Ampulle des Narkosemittels Propofol steigt von einem auf zwanzig Euro. Auch der Preis für Hefe geht in die Höhe, auf Ebay werden Packungen für zwölf Euro gehandelt. In England arbeiten verschiedene Industrien – McLaren, Nissan, Airbus – gemeinsam an einer schnellen Herstellung von Beatmungsgeräten. »Kreativ wie in Kriegszeiten« lautet der Titel des Artikels. In Connewitz werden für Obdachlos Nahrungsmittel in Plastiktüten an einen sogenannten Gabenzaun gehängt. In Kraftwerken werden Mitarbeiter in Quarantäne gesetzt, sie sollen die Stromversorgung sicherstellen. Der erste prominente Coronatote ist der ehemalige Präsident von Real Madrid. Geflüchtete in Moira stellen Schutzmasken in Akkordarbeit her. In Tschechien und Polen werden angeblich LKWs mit Schutzmasken und Beatmungsgeräten, die China nach Italien schickte, konfisziert, um sie der eigenen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

21. März | unvollständige Leere

Heute, am Welttag der Poesie, der zugleich Welt-Down-Syndrom-Tag ist, schreibe ich: Die noch unvollständige Leere ist jetzt schon gewaltig. Eine kaum begangene Karl-Liebknecht-Straße am späten Nachmittag, auf den Plätzen eine einsame Skateboarderin. Liefe dazu Godspeed You! Black Emperor, wäre das die Entnahme des Lebens der ersten Minuten von 28 Days Later. So ist das die Gegenwart, von der man sich fragt, wann genau sie eigentlich falsch abgebogen ist. Das ist der Anfang eines Jahrzehnts, vielleicht der Beginn einer Epoche. Was gerade geschieht, wird viele Jahrhunderte rotunterstrichen in den elektronischen Geschichtsbüchern stehen.

Weiterhin eine der größten Fragen: Wie lange hält dieses Rotunterstrichene noch an? Zwei Extremszenarien herrschen und werden, anders als noch vor einigen Tagen, sehr sichtbar diskutiert. Szenario 1: Die unkontrollierte Ausbreitung des Virus mit einer Todeszahl hierzulande im oberen sechsstelligen Bereich. Szenario 2: Ein Lockdown bis zur Entdeckung und Nutzbarmachung eines Impfstoffes, Dauer mindestens ein Jahr. Sofern es nicht zu einem Deus ex machina kommen sollte, einen »göttlichen« Eingriff wie z.B. Sommer und damit UV-Licht, das dem Virus schadet – scheinen beide Szenarien in ihren Konsequenzen unvorstellbar. Trotz dessen, dass sie die wahrscheinlichen Zukünfte sind momentan.

Die Hoffnung liegt wie so oft auf einem Mittelweg, einem Mix verschiedener Strategien und Maßnahmen, die einzeln nicht wirken, sich aber ergänzen und gemeinsam verstärken könnten. Wenn man so will, eine bürokatische Rettung. Vielleicht wird es ein kontrolliertes Lösen der Anordnungen beim Fall der Infiziertenzahlen geben und einem Wiedereinsetzen bei einem erneuten Anstieg. Dies würde eine Normalität im Extremen schaffen, ein permanentes Achten auf die Zahlen, ein routiniertes Einschränken des Bewegungsradius; zwei Wochen Grillen mit Freunden, vier Wochen Zurückziehen in den kleinsten Kreis, ein Gewöhnen an das Außergewöhnliche, der Virus als ein Bestandteil des Alltags, über den man so eine Art Kontrolle behalten könnte.

In einem Thread beschreibt jemand diesen Alltag, in dem er die Rückreise in die Heimat, nach China beschreibt. Alle Menschen mit Atemschutzmasken, viele in Schutzanzügen und mit Brillen, wie Astronauten auf einem fremden Planeten, ein Abschotten von allem, ein kontrolliertes Führen. Vielleicht wird das die Realität sein für die nächsten Monate, es wäre … und hier lässt sich eine beliebige dystopische Zukunftsversion einsetzen, natürlich nur für die Länder, die sich das leisten können.

Und nein, es fühlt sich nicht seltsam an, so etwas zu schreiben, so pathetisch wie es sollte. Schlüsselworte wie »Epoche«, »Hoffnung« oder »dystopisch« schaffen eine Distanz zu der Realität, die zugleich vor der Haustür liegt, in den Streams aus aller Welt und in den Vorstellungen, die es einmal von der Zukunft gab. All das zugleich zu erleben ist eine kognitive Überforderung, der ich nur entkomme, in dem ich mir Teile davon zurechtbiege und andere geflissentlich ignoriere.

Ansonsten: Trigema stellt nun die Produktion auf Schutzmasken um. Ein Bäcker weckt mit einer emotionalen Videoansprache deutschlandweit Mitgefühl. Ein Tag später wird das Bild erweitert. Und weil der Horxtext immer noch verlinkt wird, lese ich in Faserland nach. Und denke: Was eigentlich, wenn man feststellt, dass Kniffeln per Skype letztlich einen ebenbürtigen sozialen Kontakt bedeutet, wenn social distancing eben doch eine attraktive Form des Zusammenlebens sein könnte?

20. März | Privilegiert oder systemrelevant

Ein banaler, für alle unbedeutender und für mich doch wichtiger Gedanke: wie groß die Freude, kurz vor Schließung aller nicht systemrelevanter Verkaufsstellen (Lebensmittel, Tierfutter, Baumarkt) in einem Schuhladen neue, gutsitzende Pantoffel gekauft zu haben. Bei den alten hatten sich die Sohle gelöst. Die Vorstellung, ansonsten die nächsten Monate mit schlappenden Schuhen an den Füßen verbringen zu müssen, jagt mir Schauer über den Rücken.

Im Supermarkt stehen zwei Männer am Eingang. Die Griffflächen eines jeden zurückgegebenen Wagen desinfizieren sie gründlich. Will ein Kunde in den Markt, MUSS er einen Wagen nehmen. 150 Wagen stehen zur Verfügung, maximal 150 Kunden dürfen sich gleichzeitig im Markt aufhalten. Über die Wagenzahl wird nun die Kundenzahl gemessen. Auf dem Boden vor den Kassen und Theken sind Markierungen angebracht, der Abstand ein Meter fünfzig. Die meisten halten sich daran.

Ansonsten ist die Stimmung gedämpft, kein Supermarktradio spielt »Walking On Sunshine«. Nicht wenige tragen Masken, kein irritierter Blick fällt darauf. Im Drostcast einmal die Aussage, dass Masken einen nicht vor einer Infektion schützen, aber eine Maske unter Umständen verhindern kann, dass ich andere anstecke. Angesichts der vermutet zehnmal so hohen Infiziertenzahl eine lohnenswerte Sache. Wenn alle Masken trügen, würde das helfen. Vielleicht gehört das ja in wenigen Wochen wie selbstverständig zu unserer Kultur.

Die Angestellten tragen noch keine Masken, dafür Handschuhe. Zwei unterhalten sich über eine kommende Ausgangssperre. »Der Chef hat mir schon einen Passierschein ausgestellt. Mit dem komme ich auf jeden Fall raus. Ich habe mir den Schein schon laminieren lassen.« Keine zwei Stunden verkündet der bayrische Ministerpräsident, der mit allen Maßnahmen immer der erste ist, eine Ausgangsbeschränkung. Kein Verbot, sondern eine lockere Variante davon, ein langsames Rantasten an die absolut ausgeübte Autorität des Staates. Für zwei Wochen soll diese Beschränkung gelten, sicher werden die anderen Länder nachziehen.

Einige ungeordnete Überlegungen. Mittlerweile erscheint es mir derb und vulgär, das Wort »Corona« auszusprechen oder zu schreiben. »Virus« scheint mir angemessener, warum auch immer. Privilegiert ist, wer Homeoffice machen kann. Wer systemrelevant ist, muss sich der Gefahr aussetzen, kann den guten Verhaltensregeln nur zum Teil nachkommen. Das schöne Wetter der letzten Tage war Fluch und Segen zugleich; gut für das Gemüt, schlecht für die Infiziertenzahlen. Menschen auf der Straße zu sehen, bekommt etwas Ungehöriges. Allein ihre Anwesenheit erregt Argwohn, ein Gefühl allerdings, das ich nicht erst seit dem Virus hatte, an manchen Tagen.

Ein Fernsehsender schickt ein Paper rum, in dem es Filmemacherinnen um kurze, in den nächsten Wochen zu produzierende Filme über das Virus bittet. Zuerst, um die eingetretenen Verdienstausfälle zumindest an einer Stelle aufzufangen. Mindestens genauso wichtig: Der Gedanke daran setzt einen kreativen Schub frei. Es geht darum, das, was einen beschäftigt, in eine Erzählung zu überführen. Das ist es ja, was Autorinnen, Filmemacherinnen, Musikerinnen, Malerinnen machen. Das ist, was sie können und was in diesen Tagen als nicht systemrelevant scheint. Und das nagt am Selbstbewusstsein, weil jeder Teil der Situation ist und jede etwas beitragen möchte, muss vielleicht.

Ein Gedicht scheint so privilegiert im Vergleich zu der Tätigkeit des Einräumens von Nudeln in Regale, von Sitzen an Kassen, von Pflege und Gesundheit zu schweigen. Deshalb die Masse an Coronatagebüchern, die Coronafortsetzungsgeschichten, die Memes und Musikstücke, das Vorlesen und Spielen. Und auch, wenn gefühlt jeder aus dem Literaturzirkel mindestens einmal den Witz gebracht hat, dass es nächstes Jahr zur Leipziger Buchmesse eine Schwemme an Coronaromanen geben wird: Was wäre daran verwerflich? Es wird grandiose, gute, mittelmäßige, schlechte, sehr viele überflüssige, peinliche Bücher dazu geben, so, wie zu jedem Thema.

Ansonsten: In Wien werden Bußgelder von 600€ für das Sitzen im Park verhängt. Das gestern hier erwähnte saubere Wasser in den Kanälen von Venedig ist wohl nicht unbedingt sauberer. Sondern wird nun nicht mehr der Schlamm von den Gondolieren aufgewirbelt und kann sich so setzen. Anleitungen zum Bau von Atemschutzmasken kursieren. Wahnsinnig viele Rezepte zum Backen von Broten kursieren. Olympia ist weiterhin noch nicht gesagt, Cannes schon. Thomas Brezina schrieb in drei Tagen einen Ratgeber für Corona: Auch das geht vorbei- Glücklich bleiben in schweren Zeiten.
Bei einem Starkbierfest, das am 6. März als »Schluckimpfung« gegen Corona beworben wurde, kam es wohl zu sechzig Infektionen.

19. März | StayTheFuckHome

Nach dem gestrigen Eintrag die Ansprache der Kanzlerin gesehen. Ihre Hände spiegeln sich im glattpolierten Tisch, leicht versetzt zur Mitte sitzt sie und gibt der Deutschlandfahne damit viel Raum, die blaue Flagge der EU an den Rand gedrängt, zwei Sterne sind zu sehen. Die Kanzlerin spricht nicht von Krieg, nicht von einem chinesischen Virus, sie sagt: »Wir sind eine Demokratie. Wir leben nicht von Zwang, sondern von geteiltem Wissen und Mitwirkung.« »Herzlich und vernünftig« sollen wir sein und »Solche Einschränkungen [sind] nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen. Sie sollten in einer Demokratie nie leichtfertig und nur temporär beschlossen werden – aber sie sind im Moment unverzichtbar.« Und sie spricht von einer »dynamischen Situation«, was bedeutet: Wenn in den nächsten Tagen noch Aperol Spritz gemeinsam in den Parks getrunken wird, kommt die Ausgangssperre.

Also wird sie kommen.

Beim Hören des Drostcasts ambivalente Gefühle. Einerseits Erleichterung, als er sagt: Es könnte sein, dass wir mit allen bisherigen Maßnahmen und dem Zustand unseres Gesundheitssystems gerade so die Kurve bekommen könnten. Andererseits die Bewertung einer Studie, deren Zahlen deutlich sagen: um den Tod vieler zu verhindern, müsste der aktuelle Zustand sehr lange andauern. Gravierende Zahlen, nennt er das. Die einzige Möglichkeit, das zu umgehen, wäre das schnelle Finden eines Impfstoffes, zur Not eben ohne Test, mit dem Risiko von Nebenrisiken.

Zwei Gedanken dazu: Wie begierig ich doch bin, von einer Person, von der ich vor wenigen Tagen noch nie gehört hatte und der ich mittlerweile große Autorität zuschreibe, nicht nur eine Einordnung der Lage zu erhalten, sondern damit Zuversicht / keine Zuversicht verbinde. Und: mit dem »wir« und »unser«, von denen ich oben schrieb, ist Deutschland gemeint. Es berührt mich sehr unangenehm, wie weit weg alles andere außerhalb dieser Begrenzung ist.

Anschließend Ausschnitte der Big-Brother-Folge gesehen, in der die Kandidaten erstmals von der Pandemie erfahren. In wenigen Minuten gerafft die Ereignisse der letzten Wochen, erinnert es in seiner Absurdität an Dead Set. Kann es sein, dass wir vieles, was gerade geschieht oder geschehen wird, popkulturell schon einmal geprobt haben? Davon abgesehen unerwartet vernünftige Reaktionen der Kandidaten; die erste Frage einer Altenpflegerin, was nun mit den Heimen sei. Einer fragt, wie viele Tote es gegeben habe. Vorsichtig schiebt er hinterher: Falls es denn welche gab. Die Zahl – 28 – erscheint in diesem Kontext gering, viel zu gering für das, was daraus erwachsen ist.

StayTheFuckHome heißt es und zuhausebleiben und StayAtHome. Und das ist richtig, das ist, was ich tue. Und zugleich finde ich die Verknappung irritierend, weil es Quarantäne meint, wo es doch auch anderes ebenfalls beinhalten sollte. StayAtHome sollte auch den verantwortungsvollen Gang ins Grüne, den distanzierten Spaziergang meinen. Das ist leicht gesagt in einer Stadt, in der man mit dem Fahrrad in fünf Minuten auf den Feldern oder im Wald ist.

Überhaupt ist StayAtHome leicht gesagt. Für manche ist StayAtHome, dass sie nach zwei Tagen schon die Vorräte für zwei Wochen verbraucht haben und darüber ironisch schreiben können. Andere streamen Konzerte oder Lesungen. Andere sind auf dem Land auf einem Bauernhof, andere in einem Einfamilienhaus mit angeschlossen Garten, viele in Städten, in denen das einzige Grün die geschlossenen Parks und Spielplätze sind. Viele sind zu viele in viel zu kleinen Wohnungen. Auf jedes »Dann gibt es in neun Monaten viele Coronababys« kommen drei Anmerkungen, dass in Wuhan in der Quarantänezeit die häusliche Gewalt rapide stieg.

StayAtHome ist eine Frage des Wer und Wo: die 15jährigen, die nun für Wochen im Haus ihrer Eltern im Kinderzimmer bleiben sollen, die Studenten-WGs, die kinderlosen Anfangdreißigjährigen in Lofts, die jungen Familien, die etwas älteren Familien, die Paare, deren Kinder aus dem Haus sind, Rentner, es gibt die Sozialwohnungen, dem Whirpool, aus dem Arnold Schwarzenegger alle auffordert: StayTheFuckHome, es gibt die Flüchtlingsunterkünfte in alten Schulen. Jedes StayAtHome ist ein anderes und jedes ungerecht, unfair, unzulänglich anderen gegenüber, jedes StayTheFuckHome ist auch eine soziale Frage.

Ansonsten: Greys Anatomy spendet Mundschutz und Handschuhe an reale Krankenhäuser. Während in Wuhan in der Zeit der Quarantäne die Luft besser wurde, wird in den Kanälen von Venedig das Wasser wieder klar. In Israel führt ein Mann in Quarantäne seinen Hund mithilfe einer Drohne nach draußen. Italien ist nun das Land mit den meisten Toten, Bilder von einem Militärkonvoi in Bergamo, der die Leichen vor die Stadt bringt, weil in der Stadt die Krematorien überlastet sind, machen die Runde. Der ESC ist abgesagt. Florian Silbereisen, der den geschassten Xavier Naidoo in der Jury von DSDS ersetzen wird, sagt: »Dieter hat angefragt, ob ich kurzfristig einspringen könnte und ich habe selbstverständlich zugesagt. In Zeiten wie diesen muss man einfach zusammenhalten und aushelfen, wo man gebraucht wird.«

18. März | Direkte Verbindung

Fahrradfahrer, unterwegs in einer Vierergruppe. »Das sind keine zwei Meter«, rufen sie sich beim Fahren lachend zu, »Wir brauchen mehr Abstand voneinander.« »Nein, wir müssen nur schneller als die Tröpfchen fahren«, ruft einer von ihnen. Ansonsten das Verhalten im weiten Grün vorbildlich; weiterhin kleinste Ansammlungen, der Abstand beim Reden wie selbstverständlich zwei Meter. Nur wenn Bluetoothboxen Beats droppen, ist die Wahrscheinlichkeit von Social Distancing sehr gering, Coronaferien am Ufer der Ilm.

Wäre das anders, wenn es von Anfang an geheißen hätte: Der Virus trifft alle gleichermaßen? Und was, wenn der Virus besonders gefährlich für Kinder wäre? Wären dann die Spielplätze trotzdem voll? Würden Großeltern dann ihre Enkel betreuen? Wann wären Schulen und Kindergärten geschlossen wurden? Würde eine höhere Sterblichkeit das Verhalten aller ändern? Veränderte Übertragungswege, wie in »The Happening« durch den Wind? Würde man dann noch über die Aperol-Spritz-Trinker im Straßencafé diskutieren, über Ausgangssperren?

Vermutlich. Vermutlich braucht es die konkrete Erfahrung. Es braucht die Cousine, die im Krankenhaus arbeitet und davon berichtet, es braucht den Onkel des Nachbarn, der auf der Intensivstation liegt, es braucht bei denen, denen es ironisch nach Coronapartys verlangt, die direkte Verbindung, die schmerzhafte Folge, um Konsequenzen zu ziehen.

Im Drostcast eine Hypothese: Die lange Inkubationszeit hat zwar eine hohe Infektionsgefahr zur Folge. Zugleich aber gibt die Zeit, in der das Virus den Rachen hinabwandert, dem Körper Gelegenheit, Antikörper zu entwickeln. Ist das Virus in der Lunge angekommen, hat der Körper schon genügend Abwehrkräfte gebildet, weshalb die meisten Erkrankungen so glimpflich verlaufen. Bei den Fällen, in denen Jüngere stark betroffen waren, gab es dieses Wandern nicht, da ging das Virus direkt in die Lunge, traf das Immunsystem nur unvorbereitet.

Den vorherigen Absatz so zu schreiben, ist natürlich vermessen und ist nur möglich, weil nach dreißig Minuten über Proteine und Helferzellen der Glaube da ist, etwas über die Art, wie Viren funktionieren, verstanden zu haben, es möglich wäre, die Welt durch die Augen von Corona sehen zu können.

In Texten heute wird sehr deutlich ausgedrückt, dass die momentane Strategie der Einschränkungen unter keinen Umständen im April schon beendet sein wird. Es ist von Monaten die Rede, eine Zahl, die fällt, ist die 18. Dann wäre September 2021 die Rückkehr in die bisherige Normalität. Eine Simulation.

Ein dänischer Supermarkt versucht die Hamsterkäufe mit Handdesinfektionsmittel zu unterbinden, indem als Preis für die erste Flasche 5,50€ angesetzt wird, als Preis für die zweite 134€. SAT1 informiert die Big-Brother-Bewohner über die Pandemie. In Weimar wird ein Mann, der hustet, zusammengeschlagen.

17. März | Primat der Medizin

Zum ersten Mal im Supermarkt eines dieser leeren Regale gesehen; Nudelabteilung natürlich. Nur einige Packungen der »verrückten« Sorten sind noch vorhanden, darunter Rotelle, die Wagenräder. Beim Scannen an der Selbstbedienungskasse, die einen Kontakt zu Menschen noch einmal minimiert, werde ich zum Zuhörer eines Gesprächs zweier Angestellter: »Die Ärzte kriegen alles Lob ab und das ist auch richtig so. Aber zu dem, was wir hier leisten, sagt niemand was.« Beim Rausgehen sage ich anstatt Tschüss Danke, die Angestellte ist da längst wieder bei der Arbeit, prüft, bei welchen Einkaufvorgängen ihre Hilfe gebraucht wird.

Die leeren Regale kommen durch den Liefermodus der Supermärkte zustande; nichtverderbliche Waren werden in der Regel nur zwei Mal die Woche geliefert, die Liefermenge anhand von Prognosen bestimmt. Momentan befinden sich die Märkte im Weihnachtsmodus, also erhöhte Liefermengen. Allerdings müssen die Angaben händisch an die Realität angepasst werden, da in der Simulation erwartet wird, dass der Kunde nur die Menge Toilettenpapier kauft, die er in naher Zeit auch tatsächlich verbrauchen kann.

Klar wird, auch aus einigen Gesprächen, dass Corona in mehreren Etappen verlaufen wird. Momentan herrscht, wie Markus Söder es genannt hat, das Primat der Medizin. Doch wird – wann immer dieser Zustand für aufgehoben erklärt wird – ein Primat der Wirtschaft erfolgen. Das wird bürokratisch und langwierig werden, von Gerichtsurteilen und Betrugsversuchen begleitet sein. In dritter Etappe werden bestimmte Handlungen, Maßnahmen, Regeln und Erkenntnisse der Ausnahmesituation in den neuen Alltag übernommen, die Chancen dann ebenso groß wie die Risiken, dass Einschränkungen bestehen bleiben.

Trumps Coronatest war negativ, eine unwichtige Meldung. Wie auch die vom an das Coronavirus angepassten Enkeltrick. Das Böse ist eine nichtrelevante Information in diesen Tagen. Es muss protokolliert sein und später müssen daraus Folgen erwachsen. Aber momentan muss das Helfende, das Konstruktive, das Gemeinschaftliche im Vordergrund stehen, müssen die Gedanken, die Kräfte dahinfließen.

Doch noch ein Wort dazu. Trump bezeichnet Covid-19 mit der ihm eigenen Penetranz als »chinesisches Virus«. In Europa ist von Essgewohnheiten »des Chinesen« die Rede, die Schuld trügen an der Situation. In China ändert sich die Erzählung zu C19, in Südkorea oder Bergamo werden Schuldige vermutet. Eine sogenannte »Schuld« wird auf andere übertragen, selbst, wenn in Europa nicht »die Chinesen«, sondern ein Barkeeper im Wintersportort Bad Ischgl für eine massive Verbreitung des Virus sorgte.

Im Spanischen-Grippe-Buch ein längerer Absatz über die Entstehung des Namens. Im Senegal hieß sie »Brasilianische Grippe«, in Brasilien »deutsche Grippe«, in Polen »Bolschewikenkrankheit«, in Japan »Sumogrippe«. Dabei trat die Spanische Grippe zuerst in Kansas, USA auf. Von dort aus verbreitete sich das Virus um die Welt. Als die Epidemie längst in Amerika und Frankreich grassierte, wusste man in Spanien (und auch sonstwo) wenig davon, da aufgrund des Kriegszustands eine Nachrichtensperre verhängt war. Die Berichte von den Erkrankungen in Spanien hingegen gingen in die bereits betroffenen Länder, weshalb sich letztlich diese Bezeichnung durchsetzte.

Auch bei anderen Epidemien führt der Name des Virus in die Irre. AIDS hieß erst GRID, Gay-related immune deficiency. Die Schweinegrippe wird nicht von Menschen übertragen. Ebola ist nach einem Fluss in Zentralafrika benannt, 2014 löste es eine Epidemie in Westafrika aus. Das Zika-Virus ist nach einem Wald in Uganda benannt, stellte aber eine besondere Gefahr für den amerikanischen Kontinent dar etc. 2015 legte die WHO fest, dass Krankheitsbezeichnungen sich nicht auf Orte, Menschen, Tiere oder Nahrungsmittel beziehen sollen. Sie sollen auch keine Worte enthalten, die Furcht erzeugen. Stattdessen soll der Name Beschreibungen der Symptome enthalten.

Ansonsten: Großbritannien ändert seine Strategie. Nun sollen sich nicht mehr so viele infizieren, bis eine Herdenimmunität erreicht ist, eine Vorgehensweise, die einen geringeren Schaden für Wirtschaft und Tote im mittleren sechsstelligen Bereich zur Folge hätte. Stattdessen doch »Flatten The Curve«. Die Fußball-Europameisterschaft wird um ein Jahr verschoben. #StayAtHomeChallenge. Friedrich Merz ist infiziert. Jemand regt an, zukünftig Krankenhäuser mit 3D-Druckern auszustatten, damit fehlendes medizinisches Gerät reproduziert werden kann. Im Informationsschreiben der Stadt Weimar findet sich der Satz: » Für den Sportbetrieb von Kaderathleten in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 können Ausnahmen durch die zuständige Behörde zugelassen werden sofern dies im Einzelfall unerlässlich ist.«

16. März | Kleine Cluster

Ausflug ins Grüne. Auf den Feldwegen, den Wiesen, zwischen den Bäumen verhalten sich die meisten vorbildlich: in deutlichem Abstand voneinander, kleine Cluster von nicht mehr als drei Personen, Familieneinheiten zumeist. Eine entspannte, friedliche Atmosphäre, Entspannung, Qualitytime. Wäre man nur hier, würde man sagen: Die zwangsweise Auszeit von denen, die in nicht notwendigen Berufen arbeiten, tut Gutes.

Das Bild ändert sich schon am Stadtrand, dort, wo die Einkaufszentren beginnen. Autokolonen schieben sich auf die und von den Parkplätzen. Die Menschen auf den Gehwegen sind wesentlich enger miteinander unterwegs. Und, ein drittes Ändern, abends bei der Pressekonferenz: Der erwartete Shutdown als neue Realität. Einrichtungen des öffentlichen Lebens schließen, dazu die meisten Geschäfte. Die Versicherung, dass Lebensmittel weiterhin jederzeit verfügbar sein werden. Wer auf die Länder schaut, die uns Tage, Wochen oder Monate voraus sind, muss diese Versicherung ernst nehmen. Und bei allen Hashtags zu #Klopapier, diesen Clips mit den kleinlichen Fights in Supermärkten über Klopapierpackungen, für die sich die Gezeigten sehr bald sehr schämen werden: anders als in Filmen und Serien brechen keine Straßenkämpfe und Plünderungen aus, keine eingeschlagenen Fensterscheiben und umgeworfenen Autos. Der Notstand als Normalfall.

Weiterhin in den unterschiedlichen Echoräumen unterschiedliche Bewertungen der Situation. Die, die seit Wochen warnen, sind die, die jetzt #Haushaltshilfe teilen oder Lesungen und Konzerte streamen, die sich als Gemeinschaft sehen, die konstruktive Vorschläge machen. Woanders Verschwörungstheorien, sehr absurde oder unkonkrete Vorstellungen, wer »dahinter« steckt oder zumindest Zweifel, ob alles wirklich so schlimm ist und wirklich so stimmt, wie »uns« das von »denen« gesagt wird.

Vielleicht erfassen jene, die empathischer sind, diese Situation anders/ernster als andere, vielleicht, weil der Virus – Stand jetzt – nur einen kleinen Teil der Menschen treffen wird und es eben darum geht, ob man diesen Schutz gemeinschaftlich angeht oder nicht. Wer sagt, ich bin nicht gefährdet, weshalb soll ich deshalb die Folgen mittragen, der wird die Situation anders bewerten als jene, die sich das Leid anderer vorstellen können. Sich dem zu stellen, ist eine grundlegende Frage an die Gesellschaft, an die Menschen überhaupt.

In den geschlossenen Wasserzoos laufen Pinguine durch die Besucherzonen. Für das erfolgreiche Bestehen einer CoronaVirusChallenge auf tiktok müssen Toilettenschüsseln abgeleckt werden. Idris Elba ist infiziert. Heute soll den unwissenden Big-Brother-Teilnehmern mitgeteilt werden, dass während ihrer Isolation eine Pandemie ausgebrochen ist. Im Horoskop einer Boulevardzeitung wird allen Steinzeichen empfohlen, zuhause zu bleiben. In Oberwiesenthal findet das Nacktrodeln wie geplant statt. Veranstalter Joachim Nöske begründete das Festhalten an der Veranstaltung gegenüber der Zeitung damit, dass das Virus keinen Alkohol vertrage – man habe es sozusagen bekämpft.

15. März | Bogen schlagen

Spaziergang im Park. Angesprochen werden von einem älteren Paar. Beim Reden steter Sicherheitsabstand, eine deutliche Lücke zwischen den Körpern. Es fühlt zugleich unsozial, falsch und verantwortungsvoll an. Sie erzählen von ihrer ersten Quarantäne, viele Jahrzehnte ist das her, Gelbsucht war es. Die Enkel und Urenkel sehen sie vorerst nicht mehr.

Im Park überhaupt Beklommenheit. Sonnenschein, Kinder spielen Fußball auf der Wiese, Gruppen schlendern. Ich fühle mich befremdet, wenn ich Menschen sehe, die sich nahe gegenüberstehen, Menschen zusammen auf ausgelegten Decken sitzend, Menschen in Gruppen größer als zwei. Um Menschen, die mich in viel zu nahem Abstand zu passieren drohen, schlage ich einen deutlichen Bogen, geben ihnen so zu verstehen, dass ich sie verdächtige, dass ich verdächtig bin.

Es sind keine guten Gefühle, diese ersten Gedanken beim Anblick von Menschen. Es sind notwendige Unterstellungen, ich hoffe, sie werden sich nach dem Ende dieser Zeit verflüchtigen und nicht bleiben, diese permanenten Anschuldigungen. Im Laufe des Tages flattern dutzende Fotos aus deutschen Großstädten, die Menschen in Straßencafés, beim engen Flanieren, beim Coronasaufen zeigen. Jedes Foto lässt die Kurve ansteigen und ich weiß, dass ich unbedingt lernen muss, den eigenen Informationszugang zu beschränken, dass ich nicht zu lange in dem stetigen Fluss von Eindrücken, Entwicklungen, Mutmaßungen und Prognosen eintauchen darf, um nicht darin unterzugehen.

Verabredung zu einer kleinen, privaten Hortgruppe, drei Kinder nach der losen Quarantäne. Das würde helfen. Homeoffice mit Kind ist natürlich nicht denkbar. Den Luxus, »sich jetzt mal an alle ungelesenen Bücher zu machen«, gibt es mit Kind nicht. Das Schreiben wird sich in den müden Abend verschieben.

Was sonst noch war: Aus italienischen Hospitals die Berichte über das einsame Sterben der Infizierten und wie Ärztinnen und Krankenschwestern ihre eigenen Handys den Patienten für ein letztes Skype mit den Angehörigen zur Verfügung stellen. Eine deutsche Firma, in die Dietmar Hopp investiert hat, macht Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes, so erfolgreich, dass angeblich der amerikanische Präsident das lukrative Angebot gemacht hat, dass die Wissenschaftler das Serum exklusiv für den amerikanischen Markt herstellen soll. Am anderen Ende weigert sich eine amerikanische Firma, ihre Fortschritte mit China zu teilen, weil man später einmal auf 50$-100$ pro Impfeinheit hofft. IS spricht für ihre Terroristen angeblich eine Reisewarnung für Europa aus. Mithilfe einer fliegenden Drohne wird in einer kuwaitischen Stadt ein Versammlungsverbot verkündet, weshalb sich die Menschen unter der Drohne versammeln, um der Verkündung zu lauschen, die vor einer Versammlung warnt.

Die ersten Satiren auf italienischen Balkonvideos machen die Runde. Igor Levit spielt weiterhin jeden Abend ein Konzert im Stream. Im Stream finden Lesungen statt. Österreichische Boulevardzeitungen drucken auf der Titelseite Zettel für die #Haushaltshilfe; jüngere Hausbewohner bieten an, für die Risikogruppe einzukaufen. Deutschland schließt die Grenzen zu den umliegenden Ländern, der Shutdown, der in Österreich schon gilt, ist hier wohl nur wenige Tage entfernt. Und klar ist: all diese Maßnahmen werden frühestens in einer Woche Wirkung zeigen. Bis dahin werden sich die Zahlen der Infizierten alle 2,5 Tage verdoppeln, die der Toten…?

 

14. März | Was notwendiger ist

Gestern Mittag die Nachricht, dass alle Schulen und Kindergärten geschlossen werden. Im Kindergarten stehen dutzende blaue Müllsäcke, die Habseligkeiten der Kinder darin verstaut. Es herrscht eine Mischung aus notwendigem Reagieren und ungläubigen Staunen, passiert uns das jetzt wirklich? Die Erzieherinnen werden in den nächsten Wochen in der Pflege eingesetzt, um dort den Ausfall der Pflegerinnen mit Kindern zu kompensieren.

Später wird das diskutiert. Wer bleibt zuhause und kümmert sich um die Kinder? Der besserverdienende Vater? Die Mutter im notwendigerem Beruf? Was ist notwendiger? Was ist wie bezahlt? Weshalb ist das so? Möglicherweise gibt C19 die Gelegenheit, sich diesen Fragen nicht nur bewusst zu werden, sondern zukünftig anders zu beantworten.

In Eltern-WhatsApp-Gruppen werden Videos geteilt, die erklären, weshalb C19 eine Lüge sei und wer davon profitiere. Die Videos aus Italien, in denen Leute auf Balkonen stehend miteinander singen, sind Zeichen der Hoffnung, ich schaue sie so gern, wie ich Texte über Achtsamkeit und Entschleunigung lese. Ein anderes Video aus Italien zeigt eine Hand, die eine aktuelle Ausgabe der L’Eco di Bergamo umschlägt; nahezu jede Seite ist mit Todesanzeigen gefüllt.

Die britische Regierung will eine andere Strategie als die meisten anderen Länder fahren; kein »Flatten The Curve«, sondern eine Verbreitung forcieren, die andauern soll, bis eine britische Herdenimmunität erreicht ist. Fatal scheint eine Untertreibung. Ischgl und das Lokal Kitzloch entpuppt sich Ort vieler Ansteckungen. Informationen verbreiten sich, nach denen sich der brasilianische Präsident Bolsonaro infiziert haben soll. Zu dieser Info wird das Foto gepackt, das ihn und den amerikanischen Präsidenten beim Handschlag vor wenigen Tagen sehen, gewissermaßen dem Gegenteil des Wuhan Shake. Und: Shakespeare soll in Quarantäne König Lear geschrieben haben.

13. März | Angemessen ändert sich täglich

Weiterhin ein Nebeneinander von Sicht- und Unsichtbarkeit der Pandemie. Beim Einsammeln der Informationen vor den Screens ein weltumspannendes Bild sich verstärkender Ereignisse, das beim Eintritt vor die Haustür sofort abgelöst wird durch: ein Mann schiebt einen Kinderwagen durch den Park. Zwei Frauen laufen bei Rot über die Straße. Das DHL-Auto parkt auf dem Radweg. Ein Hund zerrt an einer Leine. Alles so wie immer.

Das Virus ist dabei nicht sichtbar. An sich wird es auch nicht sichtbar werden. Neunzig Prozent der Menschen werden wahrscheinlich davon körperlich nicht betroffen sein. Doch geht es um die zehn Prozent, auf die das nicht zutrifft. Und damit geht es um Solidarität. Halten die neunzig Prozent die Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen für die zehn Prozent nicht nur aus, sondern beschränken sie sich freiwillig, ohne Murren, werden aktiv, helfen?

Parallel zum Virus verbreitet sich das Wissen über den Virus. An dem, was schneller die Menschen erreicht, entscheidet sich Erfolg und Misserfolg. Ein Wettstreit zwischen denen, die »Panikmache, Hört doch mal auf mit dem Unsinn, Ich kanns net mehr hören« rufen und »Schließt die Schulen«. Erst wenn die Äußerungen der Zauderer mehrheitlich nicht mehr als akzeptabel gelten, ist klar, dass das Wissen schneller als der Virus war.

Eine Pressekonferenz der Kanzlerin zusammen mit dem bayrischen Ministerpräsidenten. Beide sitzen vor einem Hintergrund, der so blau wie ein unbespielter Blue Screen ist. Der Bundesadler ist nur in weißen Schemen zu erkennen. Eine solche Konferenz dient mehreren Zwecken: zu zeigen, dass die höchsten gewählten Vertreter des Staats sich einer Krise bewusst sind, das Vertrauen zu vermitteln, sie hätten die Fähigkeit, aktiv zu handeln, bestenfalls Kontrolle über die Situation, Informationen zu teilen und gemäß ihrer Autorität einen allgemeinen, aktuellen Konsens über die Bewertung der Situation abzubilden.

Angekündigt wird, dass die aktuellen bzw. in Kürze zu treffenden Maßnahmen bis Ende der Osterferien anhalten werden. Dann erst folgt die Entscheidung, ob das Runterfahren der Gesellschaft bestehen bleibt oder allmählich aufgelöst wird. So oder so: ab jetzt ist das Land auf Eis gelegt. Minimum ein Monat, im Podcast ist die Rede von September, davon, dass die Ausbreitung des Virus auch zwei Jahre dauern könnte. Angemessen ändert sich täglich, wird an einer Stelle gesagt.

Ein Monat, mehrere Monate auf Eis. Man wird ein neues Leben probieren müssen, eine andere Art von Zusammensein. Das muss nicht zwangsläufig Schlechtes bringen. Es kann auch eine Chance sein. Alternativen zum gegenwärtigen Handeln lassen sich so probieren und in der irgendwann wieder zurückkehrenden Normalität als Standards durchsetzen. Vielleicht folgt aus den Coronamonaten eine veränderte Einstellung zu Arbeit, Mobilität, Globalisierung, Ökonomie, Kommunikation, öffentlicher Diskussion, zu Medien und wie diese Informationen vermitteln sollten.

Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, zeigt die erste Pressefrage. Diese zielt auf das Oktoberfest, ist von der Sorge getragen, ob es stattfinden kann. Dadurch wird deutlich: Vielen wird der Ernst der Lage nicht durch eine Pressekonferenz der Kanzlerin bewusst, sondern vermutlich erst durch die Absage der Bundesliga.

Hilfreich auch, dass die Führungsperson nicht aus, sagen wir mal, dem Immobiliengeschäft kommt oder Aufsichtsratsvorsitzender einer Investmentgesellschaft war, sondern aus der Wissenschaft stammt und daher mit wissenschaftlichem Denken vertraut ist. Und, ein weiterer Gedanke: Bei all den verkündeten Absichten, den Plänen, den Verweisen auf das verhältnismäßig gut vorbereitete deutsche Gesundheitssystem wird deutlich, dass man sich im Zweifelsfall auf die vermeintlich eigene Gruppe zurückzieht. Staat, Stadt, Freunde, Familie – am Ende wird die Gruppe immer kleiner, man sammelt sich um wenige.

Was sonst noch ist: Hier in der Stadt dürfen Fahrgäste nicht mehr vorn im Bus einsteigen. Es gibt grünes Licht, bestimmte öffentliche Einrichtungen zu schließen. Noch halten sich die Verantwortlichen mit einer Entscheidung zurück. Doch wird sehr wahrscheinlich ab nächster Woche flächendeckend die Schließung von Schulen und Kindergärten stattfinden.

In Thailand rebellieren hungrige Affen, weil die Touristen, die die Tiere sonst gefüttert haben, ausbleiben. Ein Fernsehpfarrer versucht Corona mit einem Telegottesdienst zu heilen. Trump verhängt einen Einreisestopp für Europa, dennoch kommen bis zur Umsetzung Reisende aus Europa ohne Kontrollen ins Land. Eine amerikanische Politikerin trotzt einem Entscheidungsträger kostenlose Tests für alle Amerikaner ab. Die Insassen der aktuellen Big-Brother-Staffel wissen nichts von der Pandemie. Tom Hanks und Rita Wilson sind die ersten prominenten Coronapatienten. Trudeau geht in Quarantäne, Bolsonaro trägt eine Atemschutzmaske. Die Information, dass Isaac Newton 1665 während des Homeoffices wegen der Pest die Gravitationskräfte entdeckt hat.

12. März | Frühling

Nach Tagen des Regens Sonnenschein. Verliebt gurren Tauben in den Baumkronen. So ist Frühling und so fühlt es sich an, jedenfalls so lange, bis die Gedanken vorwärtspreschen zu dem, was sehr erwartbar ab nächster Woche an diesen Orten sein wird. Es ist von zukünftiger Quarantäne und ähnlichen Krankenhaussituationen wie in Italien auszugehen, von den Protokollen, nach denen die Verteilung der Beatmungsgeräte stattfinden wird.

Im Podcast der erschreckende Satz: Die Infizierten von heute sind die Toten von morgen. Eine Naturkatastrophe in Zeitlupe. Damit gibt uns die Natur – im Gegensatz zu Italien – die Chance zu handeln. Sag alles ab. Aber kein Lockdown in Schulen, weil Kitas/Schulen im Gegensatz zu der »normalen« Grippe keine Hot-Spots sind, weil wir bei Corona alle Kinder sind d.h. nicht immun dagegen. Und, durchaus überraschend: Es wird wohl gerade ein bestehendes Medikament getestet, das anscheinend in bestimmten Maßen schon mal helfen könnte.

Im Spanische-Grippe-Buch lese ich von entsetzlichen Szenen, von Leichen, die aus Fenstern geworfen worden, von »hinabgesprungenen« Kindern, von Max Weber, der an der Grippe starb, von C.G. Jung und einem Lager für britische Offiziere in einem Schweizer Bergdorf, von Kafka, der Veränderung der Hautfarbe bei Sterbenden, vom Truppentransporter Leviathan und Decks glitschig von Blut.

 

11. März | Plot Twist Amerika

Vorwahl in Amerika. Der aktuelle Präsident reagiert auf erwartbare Weise auf die kommende Krise: Leugnen eines Sachverhalts, Lügen, Beschuldigung anderer zu lügen, maximale Überhöhung der eigenen Kompetenz. Das ist wie so vieles bei Trump sehr unterhaltsam und wie das meiste bei Trump ist es fatal.

Sehr wahrscheinlich ist, dass der Ausbruch die Vereinigten Staaten auch aufgrund des desolaten Krankenversicherungssystems, welches Erkrankte zum Weiterarbeiten zwingt, stark treffen wird. Gleichzeitig wird der Präsident, wenn er denn erst einmal Gefallen an der Rolle des Krisenmanagers gefunden hat, sehr radikale Maßnahmen verhängen, nicht unbedingt die besten, aber eben solche, die ihn als Akteur präsentieren.

Ein ambivalentes Gefühl: Einerseits die heimliche Hoffnung, dass der Präsident scheitern wird mit seinem Krisenmanagement und der Virus ihn damit bei dem entscheidenden Prozentsatz der Wähler als den inkompetenten, schrecklichen Menschen entlarvt, der er ist und damit seine Wiederwahl verhindert. Zugleich natürlich das Wissen um die Katastrophe, die ein solches Versagen um ein Vielfaches schrecklicher machen würde.

Und – auch noch so ein unschicklicher Gedanke – die drei Bewerber um das Amt des Präsidenten gehören zur Hochrisikogruppe, teils mit Vorerkrankungen, haben Kontakt mit vielen Menschen. Was, wenn es dahingehend noch einen weiteren Plot Twist geben sollte, zusätzlich zu dem gravierenden Einfluss, den das Virus auf den Wahlkampf ohnehin haben wird?

10. März | Drosten

Der Podcast mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten wird zu einem täglichen Ritual. Üblicherweise höre ich keine Podcasts, stillliegen kann ich nur, wenn ich schlafe oder die neue Platte von Soccer Mommy höre. Hier ist es anders: die halbe Stunde, in der der Virologe unterschiedliche Aspekte einer Pandemie erläutert, dient der Vermehrung des Wissens und das scheint – neben dem Händewaschen (und Quarantäne) – der effizienteste persönliche Schutz zu sein. Die Verbreitung eines Virus folgt einer eigenen Logik (siehe auch: Plague Inc.). Und diese zu verstehen, hilft zu verstehen, was geschehen ist und – wichtiger noch – geschehen wird. Es geht um das Lesen von Zahlen und Graphen, um behördliche Abläufe, um die Art, wie Mediziner arbeiten, wie Informationen von Experten eingeschätzt und gewichtet werden. Und eben geht es auch darum, welche Informationen wie verbreitet werden, um eine Verhaltensveränderung in der Bevölkerung hervorzurufen.

Das Format ist ein gutes, dreißig Minuten Konzentration auf eine Sache, trotz mancher Wiederholung jedes Mal einen Aspekt gezeigt bekommen, der den Verlauf in ein neues Licht rückt. Interessant auch, dass der Podcast zu einer Standardquelle zu werden scheint, Dr. Drosten durch Ruhe und Nüchternheit eine Autorität zukommt, von der es scheint, dass niemand anders die gerade so ausfüllen könnte. Wem anders als einem Virologen sollte in der drohenden Pandemie besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden?

Es gibt Übersteigerungen, Drosten wird zu einer popkulturellen Figur (nicht dass Popkultur bei einer Pandemie eine besondere Relevanz hätte). Dax Werner twittert: Es gibt nur einen Gott: Wieler Drosten Spahn. Ein Video von einem Treffen mehrerer Menschen, die sich als Schlümpfe verkleidet haben, geht rund.

09. März | Flatten the Curve

Jetzt verstehe ich: Es geht nicht darum, die Ausbreitung zu verhindern – diese wird sehr wahrscheinlich geschehen und sehr viele werden sich anstecken – sondern die Ausbreitung zu verlangsamen, damit die Anzahl der Infizierten das Krankensystem nicht lahmlegt. Eigentlich eine sehr logische Überlegung und erstaunlich, dass sie bisher nicht präsent war. Flatten the curve, halte den Ausschlag der Kurve niedrig, ist das Schlagwort.

Im Spanische-Grippe-Buch lese ich von der Keimtheorie und dass diese für viele lange nicht überzeugend war, weil man annahm, Götter verursachen Krankheiten. Das Händewaschenmeme, eine Handlungsanweisung zum Waschen unterlegt mit einem individuell ausgewählten Liedtext, wird vielfach geteilt.

Eine Twitterin schreibt: »Wirklich erschütternd fand ich jetzt bei Corona auch die allgemeine Empörung darüber, dass alte Menschen sterben. Einer der natürlichsten und für die Population gesündestens Vorgänge der Welt, das Sterben alter Individuen, wird plötzlich zu einer Ungeheuerlichkeit.« und »Die Überbevölkerung der Welt ist übrigens die nächste Müllschwemme. Die Menschen in 100 Jahren werden sich fragen, wie wir es so weit haben kommen lassen. Wir wir nur alles daran gesetzt haben, dass immer alle überleben, obwohl heute schon die Kapazitätsgrenze absehbar war.«

Umgehend die Gegenrede, zurecht der Verweis auf Biologismus und zugleich die übliche Dynamik im öffentlichen Gespräch; maßlos überzogene Reaktionen, ab einem bestimmten Punkt eine klar gesteuerte, instrumentalisierte Diskursführung. Um bei der Metapher im Thema zu bleiben: Dabei gesund zu bleiben, bedeutet, in Quarantäne zu gehen.

 

08. März | Ausbreitungskarte

Immer noch weit weg von Panik. Aber der anfängliche Gedanke, das nicht der Virus die Dystopie ist, sondern überzogene Panik in Gesellschaft die eigentliche Gefahr ist, korrigiert sich durch die Geschehnisse. Der Virus hat Auswirkungen und wird sie haben und dass auf alle Bereiche des Lebens. Natürlich bedeutet das massive Veränderungen.

Seit einigen Tagen täglich ein Klick auf die Ausbreitungskarte. Und damit allmählich auch ein klareres, fundierteres Bild. Heute ist der aktuelle Stand: Vermutlich wird es keine Abschwächung im Sommer geben. Die »Durchseuchung« der Bevölkerung ist nicht wirklich aufzuhalten. Vorrangig gilt es jetzt die Risikogruppen vor Ansteckung zu schützen – Vorerkrankte und Ältere. Empfohlen wird Absage aller großen Veranstaltungen. Und – auch familiären Kontakt zu älteren Familienmitgliedern stark zu beschränken, Stichwort Kinderbetreuung. Bis September.

Dazu Italien im Lockdown. Es ist klar, dass ähnliches, plus minus tragischer-dramatischer, auch hier geschehen wird. Eine unwirkliche Vorstellung. Alles geht seinen Gang, in den Talkshows wird gesessen und im Markt gibt es tiefgekühlte Ravioli zu kaufen. Zu wissen, dass nächste Woche schon Quarantäne verordnet sein könnte, ist eine anderer Realität.

7. März | Spanische Grippe

Dem Gutes abgewinnen. Der Virus bringt mich dazu, endlich 1918. Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte von Laura Spinney zu lesen, ich schiebe die Lektüre seit zwei Jahren vor mir hier. Das Buch beschreibt Verlauf und Auswirkung der Influenza, die bis zu hundert Millionen Menschenleben kostete und in der öffentlichen Wahrnehmung eher Fußnote als Katastrophe ist. Natürlich lässt sich beides – Corona und Spanische Grippe – nicht einfach so nebeneinanderstellen, ebenso wenig wie man die Verhältnisse der Weimarer Republik auf heute übertragen kann. Aber sicher wird es Parallelen geben, ähnliche Dynamiken und Muster, die für beides gilt.

Ich lerne, dass das Wort EPIDEMIE zuerst von Hippokrates im medizinischen Sinn verwendet wurde, »im ganzen Volk« bedeutet es. Davor galt der Begriff für Phänomene, die sich im gesamten Land ausbreiten; Nebel, Gerüchte, Bürgerkriege. Seit 412 v. Chr. eben auch Viren.

6. März | Wuhan Shake

Besuch einer Ausstellungseröffnung. Erstmals ein gemeinschaftlicher Konsens darüber, sich nicht die Hände zu schütteln. War das Verweigern des Handschlags davor mit Irritationen beim Gegenüber verbunden bzw. habe ich dann doch nach einigem Zögern die Hand gegeben, um sozial zu erscheinen, ist das jetzt anders: Wir halten Abstand. Begleitet von ironischen Kommentaren, man lacht darüber, verweist auf den Ellbow Bump oder den Wuhan Shake und tätschelt sich zärtlich mit Schuhspitzen oder kreuzt die Arme vor der Brust und deutet eine höfliche Verbeugung an. Damit überspielen wir das Unbehagen, einer sozialen Gepflogenheit nicht zu entsprechen, auch die Unsicherheit, ob es wirklich schon so weit ist, solch radikale Schritte gehen zu müssen. Ich erinnere mich an die Diskussion von 2015/2016 über den Handschlag als notwendige Kriterium, um als »Deutscher« gelten zu dürfen.

5. März | Horten

Ich lese einen Artikel über einen Jungunternehmer aus Sandhausen, der Anfang Januar für einen fünfstelligen Betrag Atemschutzmasken aufkaufte und heute für das zigfache des Preises an Krankenhäuser und Privatpersonen verkauft. Ökonomisch ist das vollkommen akzeptabel, moralisch eine Bankrotterklärung. Ich frage, ob er im Rückblick das Gesicht sein wird für den Widerspruch Kapitalismus –> Gesellschaft.

4. März | Buchmesse

Im Briefkasten liegt die Eintrittskarte für die Leipziger Buchmesse. »Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen« steht dort. Nächsten Sonntag habe ich auf der Leseinsel Religion eine Veranstaltung; Lesung, Gespräch, Dorffotos zeigen. Bzw. hätte. Eben wurde die Messe komplett abgesagt. Eine vollkommen korrekte Entscheidung natürlich, eine, die auch zu ahnen war.

Tage vorher schon die Überlegung, ob ich überhaupt hinfahren möchte. Nach jeder Messe bisher die Rückkehr mit Schnupfen, 300000 Menschen aus aller Welt drängen durch mäßig belüftete Hallen, what could possibly go wrong. Nach der KNV-Insolvenz im letzten Jahr der nächste gravierende Einschnitt für die Verlage, gerade für die kleineren. Einige Bekannte haben gerade Bücher veröffentlich, darunter Debüts. Die geringere Sichtbarkeit wird Folgen haben. Für das Perlenkettenbuch stehen ab Mitte März einige Lesungen an. Sie sind vorwiegend im ländlichen Raum, ich gehe davon aus, dass sie stattfinden. Eine Absage würde einen finanziellen Verlust bedeuten.

Gut auch, dass heute in Thüringen ein Ministerpräsident gewählt wurde. Damit wäre das Land im Krisenfall handlungsfähig.

02. März | DAX

Man muss natürlich lustig machen /entsetzt sein über die Leute, die bei einer Virusepidemie zuerst an den DAX denken. Wie hoch ist der Kursverlust vs. Wie viele Menschen werden sich infizieren/sterben. Natürlich kann es da nur eine Seite geben. Und natürlich wäre es naiv anzunehmen, die Auswirkungen eine Epidemie auf die Wirtschaft hätten keine Auswirkungen auf das Leben aller. Die Frage wird sein: Wo liegt die Priorisierung? Oder besser: Ab welchem Zeitpunkt wechselt diese?

 

01. März | Frage

Habe ich Angst? Die Frage kann ich recht klar beantworten: Nein.
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