Coronamonate. Dezember

31. Dezember | ein Jahr zur Faust geballt

Das Ende eines jeden Jahres, besonders eines Jahres wie diesen, erfordert besondere Worte, denke ich, Worte, die die gepresste Zeit fassen und eine Art Klammer für das noch nicht verarbeitete Geschehene finden. Ich habe diese Worte gesucht, ich habe sie nicht gefunden.

Ich sage mir: Der letzte Tag im Jahr ist ein Tag, der einem anderen Tag folgt und einem vorausgeht. Er ist keine Zäsur, kein Bruch, morgen wird wie heute sein, gerade im Lockdown, was ist, verlängert sich, das Neue, das nach ihm kommen soll, ist imaginiert, ein anderes Morgen ist Wunschdenken. Dennoch ist ein Ende, so wenig Ende es auch ist, Symbol für etwas, es wäre Unsinn, das zu verneinen.

Der Abend wird klein, Wunderkerzen auf dem Balkon und Ofenkäse. Manche Freunde feiern mit 2+x Haushalten, manche fahren umher, manche haben einen ebenso kleinen Abend, andere treffen sich auf Zoom, stoßen dort an und singen gemeinsam Karaoke. Wenn es diesmal nach zwölf knallt, weiß ich: Dafür ist extra jemand nach Polen gefahren. Ich verspüre keinen Drang, Jahresrückblicke zu sehen und noch weniger Bedürfnis, in den Januar vorzuschauen. Alle Vorsätze beschränken sich vorerst darauf: Erstmal irgendwie durchkommen.

Dann gibt es doch etwas, was noch zu schreiben ist. Mehrmals in Coronamonaten habe ich nach dem Bild gefragt, was für diese Zeit stehen könnte, neben all den anderen Bildern: den gestapelten Särgen aus Zittau, den Armeefahrzeugen aus Bergamo, dem Absperrband vor den Spielplätzen, den überfüllten Skikabinen, den Treppen des Reichstags, Masken Masken Masken natürlich, den Abdrücken der Masken in den Gesichtern der erschöpften Krankenschwestern und Ärztinnen.

Und da ist eines, ich möchte, dass es so ist: Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung am Klinikum Favoriten in Wien, der beim Impfen den Arm hochreißt, die Hand zur Faust geballt, eine Siegerfaust.

Das ist das Bild, welches ich gern von 2020 behalten möchte: ein Infektiologe, der eine Siegerfaust macht.

Ansonsten: Großbritannien erteilt die Zulassung für den Impfstoff von AstraZeneca. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA fordert für die Zulassung weitere Daten von AstraZeneca. Die Gesundheitsministerinnen mehrerer Bundesländer reagieren verärgert wegen der Lieferengpässe des Biontech-Impfstoffes und kritisieren die Organisation des Impfstarts in Deutschland. Baden-Württemberg beschwert sich bei Rheinland-Pfalz über deren »Impftouristen«. Im November lagen in Deutschland die Todeszahlen elf Prozent über den Durchschnitt der letzten Jahre. Wegen des großen Besucherandrangs im Wintersportort Winterberg wird der Einsatz von Sicherheitsdiensten angekündigt. Aufgrund der hohen Infektionszahlen werden in Hollywood alle Dreharbeiten bis auf Weiteres unterbrochen. Laut einer Studie liegt die Zahl der Coronainfektionen in Wuhan zehnmal so hoch wie gemeldet.

30. Dezember | Wenn ich Feuerwehrmann wäre

Ich lese eine Zahl: In zwei Wochen sind 800.000 Britinnen geimpft. Ich bin beeindruckt. Wer hätte das Anfang November für möglich gehalten: fast eine Million vor dem Virus geschützt. Dann rechne ich hoch. Zwei Wochen, ein Monat, knapp 2 Millionen Impfungen. UK hat 66 Millionen Einwohnerinnen. Bei diesem Tempo wäre man in 2 ½ Jahren einmal durch, die Herdenimmunität dazu gedacht, sind es immer noch zwei Jahre.

Ich lese nicht, wie viele Impfungen die 440 deutschen Impfzentren im Monat ermöglichen können. In Bayern sind es bei 99 Zentren 30000 Impfungen am Tag, hochgerechnet wären das eine knappe Million Impfungen im Monat, wahrscheinlich wird die Zahl höher sein. Eine wahnsinnige Zahl; all die Vorgänge, Gespräche, Kanülen, Wattebäusche, die Hoffnungen, die Furcht, die einzelnen Minuten addiert zu hunderten Jahren an Arbeitszeit, dazu die notwendige Doppelinjektion. Deutschland hat über achtzig Millionen Einwohnerinnen.

Es sind Milchmädchenrechnungen, weil sich die Zahlen verschieben, weitere Impfstoffe dazukommen werden, Hausärztinnen werden impfen, viele werden sich dem Impfen verweigern. Aber, konfrontiert mit dem nun tatsächlichen Prozess des Impfens, bleibt die Überlegung: Es geht nichts von heut auf morgen, es ist eine langwierige Angelegenheit, die viele Ketten erfordert, die funktionieren müssen, eine logistische Herausforderung.

Bei einem Gespräch mit einem Freund beruhigt er mich: Wenn erst einmal die Hochrisikogruppen geimpft sind, werden die Todeszahlen deutlich nach unten gehen, dann sei das Gröbste geschafft. Ich lasse mich beruhigen, denke, ab April, vielleicht im Mai, werden die besonders Gefährdeten geschützt sein können.

Und ich denke: Dann wird Frühling sein und jeder wird wissen, die besonders Gefährdeten sind nun geschützt. Was wird das mit dem großen Rest machen? Was für ein Gefühl wird das nach einem langen Winter sein, nach den Lockdowns, welcher Drang wird bestehen, im April endlich das Seuchenjahr 2020 abzuschütteln? Wird es dann noch die Masken geben, den Abstand, werden sich zu viele dann sagen: Für mich ist die Wahrscheinlichkeit gering, ich brauche jetzt die Nähe, keine Prävention mehr? Was macht das Wissen – die besonders Gefährdeten sind geschützt – mit den Gefährdeten? Werden die Zahlen sinken, so bleiben, steigen, weil sich April 2021 wie April 2019 anfühlen wird, obwohl die Hälfte des Landes erst in der sechsten Gruppe der zu Impfenden gelistet ist?

Ich denke, eine Million im Monat ist beeindruckend und sehe die übervollen Skigondeln. Ich lese in den Berichten über die mittlerweile zahlreichen Erstimpfungen im jeweiligen Bundesland / der jeweiligen Stadt die auffallend ähnlichen Informationen: 2/3 der Bewohner ließen sich impfen, ein Viertel der Pflegekräfte stimmten einer Impfung zu, oder: »In Essen beispielsweise wollen sich am Sonntag nur 54 von 120 Mitarbeitern impfen lassen. Um keine der wertvollen Dosen wegwerfen zu müssen, die ohne extreme Kühlung nicht haltbar sind, werden kurzerhand 24 Feuerwehrleute bedacht.«

Den Impfstoff vor Augen wird sich gegen das Impfen entschieden. Ich denke an ein anderes Gespräch, über das Zögern beim Impfen, die Bedenken, die gemachten Erfahrungen mit Nebenwirkungen. Wäre ich Feuerwehrmann und käme unverhofft an eine Dosis, wie würde ich entscheiden? Würde ich mögliche, bis kaum aufgetretene Nebenwirkungen gegen einen 95% Schutz vor einem Virus stellen, der weltweit fast zwei Millionen Menschenleben gefordert hat? Wäre da nur der Luxus für nur eine Sekunde des Überlegens?

Ansonsten: Das Robert-Koch-Institut meldet – einschließlich der Nachmeldungen über die Weihnachtstage – 1129 in Zusammenhang mit dem Coronavirus Verstorbene.

29. Dezember | die persönlichen Geschichten

Es regnet. Und immer, wenn es jetzt regnet, denke ich: »Das könnte auch Schnee sein«, ich denke jetzt: »Das wird lange kein Schnee mehr sein.« In einigen Thüringer Landkreisen sind die Maßnahmen verschärft worden; Spielplätze geschlossen, Ausgangsbeschränkungen, der Aufenthalt draußen ist nur aus wenigen triftigen Gründen erlaubt. Ob es in Weimar, wo die Zahlen etwas niedriger liegen, soweit kommt? Dass der Lockdown über den 10. Januar hinausgehen wird, ist jedenfalls sicher.

Über die Feiertage vermehrt die persönlichen Geschichten. Die Nachbarin einer Bekannten in Weimar, sie war erst 62 Jahre. Er war Ehemann, Vater, Freund, Krankenpfleger, Mediziner (Pulmologe), Kollege und vieles mehr. Die Mutter meiner Frau ist gestern gestorben. Zum Jahresende noch mal alles: Nachdem letzte Woche meine Mutter gestorben, starb gestern mein Vater. Nach der Hoffnung stirbt ihr Mann, 31 Tage nach seinem positiven Corona-Test, einzige bekannte Vorerkrankung: Bluthochdruck. Meine Lebensgefährtin hatte vor mehr als 2.5 Monaten das #Coronavirus mit einem schweren Verlauf, seither ist kein Alltag möglich: u.a. Schwindel, Übelkeit, Ohnmacht.
„Corona ist Quatsch!“
„Reine Panikmache!“
„Ist wie eine Grippe!“
So dachten mein Schwiegervater und sein Bruder.
Bis letzte Woche der beste Freund mit 69 Jahren daran starb.

Ansonsten: Nach einer Weihnachtsparty in Sydney droht Australien britischen Backpackern mit Ausweisung. Mit 21000 Covid-19-Patienten in englischen Krankenhäusern ist dort ein Höchststand erreicht. In den Niederlanden und in Niedersachsen werden mehrere Infektionen mit dem mutierten Coronavirus nachgewiesen. Weil wegen Corona Operationen verschoben werden, werden deutsche Kliniken im ersten Jahresquartal keine Gehälter mehr zahlen können. Uno-Generalsekretär António Guterres ruft dazu auf, 2021 zum »Jahr der Heilung« zu machen. Covid-19 ist erst der Anfang.

28. Dezember | Ischgl 2

Es hat geschneit. Vor den Wintersportorten kilometerlange Staus. In den Aufstiegen, bei Lifts und Gondeln die Schlangen, auf den Rodelbergen, den Pisten. Das sind die Bilder vom späten Dezember, aus Österreich, wo der dritte Lockdown zeitgleich mit der Impfung begonnen hat, aus Sachsen, weiterhin das Bundesland mit den höchsten Zahlen, aus dem Schwarzwald, dem Sauerland, dem Harz. Die Bilder laufen unter dem Namen Ischgl 2 – wobei Ischgl diesmal selbst geschlossen hat. Ischgl 1 war einer der Katalysatoren der Pandemie in Europa; ein Barkeeper als Superspreader, der Gemeinderat Ischgl, der komplett aus Liftbetreibern bestand, Après-Ski am Morgen der Pandemie und einen Monat später die Ausbreitungskarten mit den Pfeilen, die die Reisen der Virenträgerinnen nachzeichneten, sie begannen in den Wintersportorten, in Ischgl.

Nun die Fortsetzung. Diesmal die Zahlen höher, diesmal möglicherweise ein mutierter, ansteckender Virenstamm dabei und vor allem: Wissen, das im Februar und März deutlich weniger war. Jetzt ist das Wissen da; zehn Monate Masken, zehn Monate Pandemie, zehn Monate die Geschichten, Spike-Proteine und Zahlen. Und es ist dann doch überraschend, wie gering die Lernkurve ist, bei den Betreibern, den Entscheidern, bei den Skifahrenden.

Jeder dachte vielleicht, er wäre der einzige, der auf die Piste will oder mit den Kindern rodeln und alle dachten, zu einem Superspreader-Barkeeper werden uns diesmal sicher nicht setzen, weil die Skihütten ja geschlossen haben und draußen in der Kälte gefrieren die Aerosole schon im Mund und vielleicht dachte das auch niemand, vielleicht dachten alle: Jetzt Skifahren weil es Spaß macht oder vielleicht gehören alle Skifahrenden zu den Schongeimpften und Schoneinmalerkrankten und vielleicht tut man ihnen unrecht, wie sie mit Skibrille und Skistöcken nach- und nebeneinander auf die Abfahrt warten und vielleicht sind sie sicher, vielleicht wissen sie etwas, dass die, die zehn Monate Kontakte auf ein Minimum beschränkten, nicht wissen, aber diese Bilder wirken so offensichtlich falsch und fehl, Ischgl2 ist wie das invertierte Foto der geimpften Edith Kwoizalla.

Und in ausreichend Sicherheitsabstand zu den Skifahrenden in Schlangen stehen händereibend die Liftbetreiber, für die eine verkorkste Saison so zumindest ein bisschen gerettet wird und in weiterem Sicherheitsabstand warten die Entscheider, denen die Betreiber zufrieden zuwinken, Hand in Hand in Hand die Fahrer, die Betreiber, die Entscheider an einem schönen, sonnigen Wintertag.

Ansonsten: Russland korrigiert die Todeszahl um das Dreifache nach oben, auf nun insgesamt 186000 Coronatote. In Deutschland sind 18000 Menschen geimpft, davon etwa 10000 Heimbewohnerinnen. Der Kanzleramtschef erwartet eine Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus, der Thüringer Ministerpräsident rechnet mit Einschränkungen bis März. Die Zahl der Coronatoten in Deutschland steigt über 30000. Eine chinesische Journalistin, die über den Coronaausbruch in Wuhan berichtet hatte, wird wegen ihrer Texte zu vier Jahren Haft verurteilt.

27. Dezember | Frau Kwoizalla aus Halberstadt

Gestern Abend begannen die Impfungen auch in Deutschland. Als erste Person wird in einem Altenpflegeheim in Halberstadt die 101-jährige Edith Kwoizalla geimpft.

Anders als bei der ersten Impfung in Großbritannien tanzen dabei keine Schwestern in einer Perfomance zu »Jerusalema«. Edith Kwoizalla trägt keinen Pinguinpullover, sie schaut eher skeptisch, denn erleichtert in die Kamera. Auf dem Pressefoto ist ein Tonmann mit Angel zu sehen, der Pflegeheimraum ist zu erahnen, rotbunt gestreift der Kissenbezug der Stühle, die braunen Tische im Essraum, darauf eine angebrochene Küchentuchrolle, ein Arzt, der an Peter Altmaier erinnert, beugt sich in seinem butterbrotdünnen Schutzumhang konzentriert über Frau Kwoizalla.

Inszeniert sieht anders aus. Der Impfauftakt als ein bürokratischer, freudloser Akt, keiner, der etwas feiert, sondern etwas, das abgeleistet werden muss. Anders als in Österreich, wo Sebastian Kurz bei den ersten Impfungen anwesend ist, schafft es kein Offizieller aufs Foto, keine historischen Worte werden gesagt, kein Arzt reckt die Faust. Ein Impfstoff wird verabreicht. In seiner Schlichtheit, vielleicht auch in seinem Realismus das, was vom Ende der Pandemie erzählt werden sollte.

Und zugleich zeigt sich in den Reaktionen darauf dieser Impfstart auf mehrfache Weise exemplarisch für das vergangene Pandemiejahr. Dieser Impfstart irritiert den Gesundheitsminister. Abgesprochen war ein gemeinsamer, bundesweiter Start, dann vielleicht auch mit einer symbolhaft gewählten Erstgeimpften, dem entsprechenden Bild dazu. Halberstadt begann, weil der Impfstoff schon geliefert war und jemand vom Pandemiestab Landkreis Harz sagt: »Es wurde immer gesagt: bei Corona zählt jeder Tag. Wir hatten den Impfstoff am Samstag und waren bereit – warum sollten wir dann bis Sonntag warten? Das versteht kein Mensch. Ich bin froh, dass wir sofort losgelegt haben.«

Da ist ein Bemühen um bundesweite Absprachen. Und dann doch Entscheidungen auf Landesebene. Zugleich die offensichtliche Frage: Warum sollte, wenn der Impfstoff einmal da ist, auf ein in Berlin beschlossenen Start gewartet werden?

Ein Wirtschaftsjournalist schreibt: »Sollte man nicht eher die erwartete Zahl der geretteten Lebensjahre (= verbleibende Lebenserwartung mal Sterberisiko im Falle einer Infektion) maximieren?« Ihm geht es um die 101, um die Frage, ob der Impfstoff an eine 101jährige nicht verschwendet sei. Und das ist eine Frage, die seit März, seitdem bekannt ist, dass Covid19 überdurchschnittlich oft Älteren gefährlich wird, in ähnlicher Form gestellt wird: Wie viel Sinn ergibt es, die Alten zu retten, die sowieso bald sterben werden? Ist es zu vertreten, für deren Rettung ein ganzes Land runterzufahren, dafür alle mit in die Verantwortung zu nehmen? Oder umgekehrt wird gefragt: Hilft das Virus nicht etwa auch, mittelfristig gesehen die Rentenkassen zu erleichtern?

So gesehen ist die Impfung Edith Kwoizallas dann doch wieder symbolhaft, vielleicht das Beste aller Symbole, einer 101jährigen das Kostbarste, das momentan verfügbar ist, zu geben.

Ansonsten: Eine/r von tausend Amerikaner/innen ist in an Covid19 gestorben. Wegen Überfüllung müssen mehrere Skigebiete in Österreich schließen. Wintertouristenansturm auf den Fichtelberg und im Schwarzwald. Nach der Einführung neuer Quarantäneregeln fliehen hunderte britische Skitouristen über Nacht heimlich aus der Schweiz. Wegen Neuinfektionen werden in Peking die Maßnahmen verschärft.

26. Dezember | Home Alone

Die Unwirklichkeit der Weihnachtsfilme, die Illusionen in diesem Jahr noch augenfälliger als sonst: Menschenmassen, die in New Yorker Kaufhäusern beutelweise Geschenke kaufen, überfüllte Züge, die die Großstädter zurück in die unschuldigen Kleinstadtorte bringen, Großfamilien um riesige Tafeln sitzend, ungelüftete Wohnzimmer, Weihnachtssängerinnen, die vor geöffneten Türen mit geöffneten Münder Lieder Aerosole in erwartungsvolle Gesichter singen, ein britischer Schriftsteller, der mit dutzenden Menschen durch portugiesische Gassen zieht und in einem überfüllten Restaurant einen Heiratsantrag macht, überhaupt ein ständiges Aneinanderdrücken, Umarmen und Herzen, die Abwesenheit der Newsticker, ein Ballsaal, in dem Hunderte miteinander tanzen, eine Hauptdarstellerin, die als einzige Krankenschwester zu Weihnachten Schicht hat, im Krankenhaus rührige Geschichten, die den Geist der Weihnacht widerspiegeln – die Diskrepanz zur Wirklichkeit ist immer groß gewesen, diesmal mehr als sonst und mehr als sonst die Bereitschaft, sich genau dieser Art von Filmen, die in genau dieser Form von dieser Wirklichkeit erzählen, hinzugeben.

Ansonsten: Die ersten zehntausend Impfdosen erreichen Thüringen.

25. Dezember | plus fünf

Die Stadtverwaltung teilt die aktuellen Informationen mit. Darunter die Zahl der Verstorbenen: plus 5. Weiter unten im Post folgt: »Bitte beachten Sie bei der Kommentierung, dass hinter den Zahlen Menschen stehen. Achten Sie auf Pietät und Würde für die Betroffenen und ihre Angehörigen.« Der erste Kommentar darunter: »Mh und was ist mit dem grippe Toten vom letzten Jahr? Wo sind die dieses Jahr?«

Ansonsten: Um Kräfte für den Frühling zu sammeln, erklärt Querdenken-Initiator Ballweg, bis dahin keine Großveranstaltungen mehr zu planen. »Sie sind nicht allein«, sagt die Queen in ihrer Weihnachtsansprache. Die Virusmutation wird in Irland, Japan und Deutschland nachgewiesen. Fast zeitgleich zum dritten Lockdown startet in Österreich die Skisaison, in Ischgl entscheiden die Verantwortlichen vorerst gegen eine Öffnung der Pisten und Lifts.

24. Dezember | Weihnachten/

Der 24. im Monat ist der Tag, an dem ich zurückschaue, zehn Monate Coronamonate, im Februar begonnen und heute ist Weihnachten, eine seltsame Überschneidung mit dem Tag, auf den seit Oktober zugearbeitet wird, der Tag, der Entlastung bringen sollte, ein Feiern zum Kräftesammeln. Vor zwei Wochen wusste ich, was ich heute schreiben würde: Von der unwirklich scheinenden Gleichzeitigkeit der weihnachtlichen Rituale, den verstörend hohen Zahlen und dem Hoffnung versprechenden Beginn der Impfungen.

Heute weiß ich das gar nicht mehr; das mutierte Virus, die gestrige Zahl von fast tausend Toten – gerechnet auf eine Million hat Deutschland mit Trump-Amerika gleichgezogen –, die Aussicht auf die kommenden Wochen, den geschlossenen Januar, wenig fühlt sich richtig an.

Das Schreiben hat sich verändert. Am Anfang das entgeisterte, auch neugierige Beiwohnen der Veränderungen, dann ein Austrudeln, fast ein Versiegen der Worte, ein verstärktes Finden von Themen im Herbst und seit einigen Wochen eine Form von hilflosen Fassen, dem Drängen ausgeliefert und dennoch weitermachen, das Ein- und Übertreffen der Vermutungen. Weiterhin passiert Skurriles, weiterhin passiert Tragisches, längst ist das Gleichgewicht verloren gegangen. Die Ankündigungen sind geschehen, jetzt sind die Tage lauter Rückzüge.

Auch Weimar ist nun dunkelrot eingefärbt, nimmt sich nicht mehr aus gegen irgendeinen Rest. Dennoch steht vor den dunkeln Schaufenstern der Einkaufsstraße ein Musiker und spielt eine mäßige Version von »Feliz Navidad«. Und die Familien mit den Kindern sammeln sich darum, alle mit Abstand und mit Abstand beginnen sie zu tanzen und schauen zu dem Lichterregen in den Bäumen und haben den Adventskalender jeden Morgen geleert und der Postbote bringt jeden Mittag mit der Schubkarre Pakete und vor die offenen Türen der Buchläden sind Tische geschoben und davor stehen die Menschen, um ihre bestellten Bücher abzuholen und der Weihnachtsbaumstand ist schon Tage vor dem 24. ausverkauft und trotzdem ist das Einkaufen weniger anstrengend als in den Jahren zuvor, weil in den Geschäften weniger Kunden zugelassen sind, die drängen könnten, und sowieso gibt es weniger Geschäfte, in denen man irgendwas holen müsste und Geschenke werden eingepackt, vor allem wieder ausgepackt, trotz allem ein Lichterregen, trotz allem wieder ein Rascheln und Knistern in den Momenten.

Und würde ich allein als private Person schreiben, wäre die Pandemie eine Störung, die einige Rituale aussetzt. Aber wie ist es möglich, in diesen Tagen nur privat zu sein? So ist es doch die Gleichzeitigkeit, das Gegeneinanderreiben der Absätze in diesem Eintrag, dieses nichtauflösbare Scharren und Kratzen

In Zittau, wo vor wenigen Wochen Coronaleugnerinnen in einer Performance schwarzvermummt auf der Suche nach den Coronatoten mit einem Sarg durch die Stadt zogen, lautet die Überschrift heute: »Zu viele Corona-Tote in Zittau: Leichen werden im Hochwasserstützpunkt gelagert« und es ist nicht mal mehr Wut, die ich nachträglich empfinde.

Ich nehme mir vor, zwischen den Jahren das Schreiben zurückzufahren, auch für mich selbst, es muss nicht ständig notiert werden, dabei sind das die Tage, das ist die Zeit, die sogenannte zweite Welle, das sind die Worte und Bilder, zwischen den Jahren, heute, hier und jetzt, Teer, über den sich Lichterketten spannen.

Ansonsten: Das Klinikum Passau lässt 3000 von Andreas Scheuer geschickte Kekse mit den Worten »Plätzchen helfen den überlasteten Pflegekräften nicht« an den Minister zurückgehen. In Großbritannien wird eine weitere Virus-Mutation gefunden. Als Unterstützung bei der Lebensmittelversorgung fliegt die Lufthansa 80 Tonnen Obst und Gemüse nach Großbritannien. In Südengland beginnen die Tests für die dort gestrandeten LKW-Fahrer. Der britische Gesundheitsdienst bittet um einen Aufschub des Brexit. Amtsärzte fordern ein bundesweites Verbot der Weihnachtsgottesdienste.

23. Dezember | Das sieht leider nicht gut aus

Nach dem Lesen eines Dokuments mit Daten über VUI-202012/01 schreibt Christian Drosten: »Das sieht leider nicht gut aus« und ich denke, dass das kein Satz ist, den ich momentan aus dem Mund eines Virologen hören möchte.

Die wenigen Worte entfalten Schlagkraft, sie werden diskutiert, geteilt, über sie wird geschrieben. Geknickt, trübe, defätistisch sind die Reaktionen. So, als verstehe man erst jetzt, was die Mutation von Sars-Cov-2 bedeuten könnte. So, als braucht es jemanden, der die bisher verfügbaren Daten interpretieren kann, diese Interpretation in einfache Worte (das sieht leider nicht gut aus) übersetzt und der zugleich eine mindestens dreifache Reputation hat – als Wissenschaftler, als Kommunikator und als jemand, der nicht so leicht übertreibt, jemanden, dem Vertrauen entgegenbracht wird, dem man zugesteht, die Lage objektiv einzuschätzen.

Deswegen wirken die Worte, wie sie wirken, ein Faustschlag in den Magen vor Weihnachten, vor dem Jahreswechsel, zum Beginn der Impfungen, das sieht nicht leider gut aus, obwohl es gerade gelegen kommen könnte, dass etwas gut aussieht, irgendwie war es ja abgemacht, dass es Weihnachten mal gut aussieht.

Einige Stunden später schreibt Christian Drosten: »Mit der Formulierung „Das sieht nicht gut aus“ habe ich ja was losgetreten…« und verweist auf einen früheren Text, in dem er erklärt, dass er von der Mutation nicht beunruhigt sei. Dem Text ist seit heute ein Update vorangestellt, in dem es heißt, dass er »angesichts neuer Daten nun doch besorgt über die Coronavirus-Mutation in Großbritannien« sei. Und das wiederrum ist eine Spiegelung, eine Umdrehung zu viel, am Ende bleibt dann doch »Das sieht leider nicht gut aus« als ein Satz, der sich über die kommenden Tage legt.

Ansonsten: Mit 36 Infektionen auf einer Forschungsstation in der Antarktis erreicht das Virus den letzten bisher noch virenfreien Kontinent. In Taiwan wird die erste Infektion seit April gemeldet. Streit in der Landesregierung NRW über eine mögliche Absage von Präsenz-Weihnachtsgottesdiensten. Der sächsische Ministerpräsident sagt: »Vor uns liegen die zehn härtesten Wochen der Pandemie«. In Thüringen wird eine Webseite freigeschalten, über die man sich fürs Impfen anmelden kann. Mehrere Länder verschärfen die Maßnahmen. Den Toten der Coronapandemie. Nach dem Schließen der britischen Grenzen sitzen hunderte LKW-Fahrer dort fest.

22. Dezember | BNT162b2 vs. VUI-202012/01

Was sind die relevantesten Nachrichten in einer Pandemie? Alle, die mit dem Virus zusammenhängen, weil das Virus Zentrum der Pandemie ist? Eine relevanteste Nachricht wäre die von der Existenz des Virus, von der Funktionsweise, wären die biologischen Daten. Eine weitere relevanteste Nachricht wäre die von einem Impfstoff, weil ein Impfstoff das Virus unschädlich macht und damit die Pandemie beendet. Und, noch eine relevanteste Nachricht wäre, wenn sich das Virus verändert und damit das bisherige Handeln in Frage stellt.

Die Nachricht, dass nicht nur ein, sondern zwei, offensichtlich auf ähnliche Weise mutierte Virenstämme an unterschiedlichen Orten aufgetreten sind, ist einige Tage alt. Erst seit gestern Abend scheint sie die zentrale Nachricht zu sein. Es geht um die Aussagen von Wissenschaftlerinnen, die die Mutation wissenschaftlich einordnen und bewerten. Es geht um konkrete Folgen, die Abschottung der britischen Inseln in der Hoffnung, damit ein Übergreifen der ansteckenderen Mutation auf Europa zu verhindern, zumindest hinauszuzögern.

Die Bilder dazu sind Menschen, gestrandet auf Flughäfen, es ist das Foto von Boris Johnson, verbunden mit seinem Zitat vom Jahresanfang: »This is going to be a fantastic year for britain.« Zugleich die Meldungen, dass aufgrund der Grenzschließungen und der überlasteten Häfen zu Weihnachten eine Lebensmittelknappheit in Großbritannien drohen könnte.

Es ist nachzuvollziehen, weshalb die Nachricht von der Mutation nicht sofort relevanteste Nachricht ist. Mutationen gab es zuvor, sie hatten kaum Auswirkung. Die Nachricht allein, dass es eine Mutation gibt, ist nicht viel mehr als eine Information. Um daraus Folgen abzuleiten, braucht es zumindest etwas Zeit, um Wissen zu schaffen, um nicht beim Wort »Mutation« sofort den Panikknopf drücken zu müssen, um nicht von einer Apokalypsenwarnung in die nächste zu stolpern. Auch bei VUI-202012/01 gibt es auf Grundlage des wenigen Wissens unterschiedliche Bewertungen, die Zahl 70 steht da wie Granit, aber sie steht erst einmal nur.

Nähme man sie ernst, rückte sie vielleicht auf eine erhöhte Infektionsrate von 50% zurecht, also eine Verdopplung, würde das, auf die aktuellen Zahlen gerechnet bedeuten, 50000 Neuinfektionen am Tag, 1200 Tote täglich, auch wenn gewiss ist, einfach etwas mal zwei zu nehmen, bildet niemals die Realität ab, so sollte es nicht sein.

Während VUI-202012/01 relevanteste Nachricht ist, machen weitere Bilder die Runde. Sie zeigen Prominente, vor allem Politikerinnen bei der Impfung, Joe Biden, Alexandria Ocasio-Cortez, auch Republikanerinnen, die sich bisher nicht damit hervortaten, die Gefährlichkeit des Virus zu betonen. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Geimpften über die Impfung kommunizieren – und es ist Kommunikation, denn das Bild von der eigenen Impfung trägt eine Botschaft in sich.

So oder so arbeiten die Erzählstränge gegeneinander: Dort die, die schon ans vermeintlich sichere Ufer gelangt sind, da der riesengroße Rest, der sich währenddessen mit einer neuen, möglicherweise viel gefährlicheren Bedrohung konfrontiert sieht, BNT162b2 vs. VUI-202012/01.

Ansonsten: Die EU-Kommission erteilt die Zulassung für den Impfstoff von Biontech. Nach der Virusmutation bei Nerzen wird in Dänemark die Nerzzucht für ein Jahr verboten. Wegen des geschlossenen Eurotunnels stoppt die Deutsche Post Paketsendungen nach Großbritannien. Weitere Länder verhängen Einreiseverbote für aus Großbritannien Einreisende. Um weitere Intensivkapazitäten aufbauen zu können, stellt die Berliner Charité auf ein Notfallprogramm um.

21. Dezember | Zero Covid

Im Laufe des Jahres schon mehrere Strategien in den Coronamonaten – Flatten The Curve, The Hammer And The Dance, Das schwedische Modell / Durchseuchung. Vor einigen Tagen tauchte ein neuer Begriff auf, vorgestern forderten dreihundert europäische Wissenschaftlerinnen diese Strategie ein: Zero Covid, Null Covid.

Ziel ist, die Neuinfektionen mit 830 pro Tag so niedrig zu halten, dass Einzelverfolgungen möglich sind. Das Niedrighalten muss konsequent durchgeführt werden, alles, auch die Wirtschaft, muss dem untergeordnet werden, keine Ausnahmen dürfen gelten, also kein 50er Inzidenz-Wert, den jeder Landkreis irgendwie anders interpretieren darf. Auf Neuseeland, Taiwan, Australien, auch China wird verwiesen, diesen Ländern ist das erfolgreich gelungen.

Und, weil drei dieser Länder Inseln sind, wird auch darauf verwiesen, dass eine solche Strategie nur im Zusammenschluss funktionieren kann, die erfordert, dass die europäischen Länder gemeinsam Zero Covid verfolgen. Mir erscheint die Vorstellung, dass die Werte in den nächsten Wochen auf die notwendigen Größen gesenkt werden, weit weg, ebenso die Annahme, dass das Eindämmen dann in aller Konsequenz durchgesetzt wird, auch der Gedanke, dass die europäischen Länder in dieser Form zusammenarbeiten.

Zero Covid kommt fast zeitgleich mit dem Auftauchen eines mutierten, um zwei Drittel ansteckenden Virusstammes, von dem noch nicht klar ist, ob er sich verbreiten wird und für welche Verschiebungen in der Pandemie er sorgen wird. In einem Interview darauf angesprochen, sagt ein Wissenschaftler, dass für die Auslöschung des Erregers in Europa der Zug wohl »abgefahren« sei und ich habe keine Ahnung, was ich mit diesem angelesenen Wissen machen soll, diesen sich gegenüberstehenden Entwicklungen – Zero vs. größere Verbreitungsrate – in welche Richtung mein innerer Pegel deshalb ausschlagen sollte.

Ansonsten: Um die Ausbreitung von VUI-202012/01, des mutierten Virus zu verhindern, beschränken mehrere europäische Länder den Flugverkehr nach England, der Eurotunnel und die Fährverbindungen werden geschlossen. Der Landkreis Oder-Spree ruft das Großschadenereignis »Massenanfall von Erkrankten« aus, wodurch die Kräfte des Katastrophenschutzes gezielter gesteuert werden können. Der brasilianische Präsident Bolsonaro hält Eile beim Impfen für unbegründet, denn man mische sich damit in das Leben der Menschen ein. Wegen eines Coronaausbruchs wird Sydney vom Rest des Landes abgeschottet. Laut einer Studie erkranken Pflegekräfte besonders häufig an Covid19. Während der Coronazeit verkauft die Gitarremarke Fender mehr Instrumente als jemals zuvor. Der Virologe Anthony Fauci erklärt Kindern gegenüber, dass er zum Nordpol gereist sei und persönlich den Weihnachtsmann geimpft habe, damit dieser problemlos reisen könne.

20. Dezember | querdenken $$$

Eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks macht einen Beitrag über Querdenken und das Geld. Sie zeigt, wie der Gründer der Bewegung sich die Namensrechte an querdenken gesichert hat und mit Merchandising Geld verdient und zudem um Spenden bittet, die als Schenkungen ausgewiesen sein sollen, weil dafür nur bedingt Rechenschaft besteht. Sie zeigt einen Anwalt, der im Namen der Querdenkerinnen Klage beim WHO einreichen will, jede/r kann sich beteiligen, sofern dem Anwalt zuvor ein hoher dreistelliger Betrag überwiesen wird, Dokumente legen nahe, dass der Anwalt damit schon über eine Million Euro eingenommen hat. Ein anderer Querdenker ruft zu Querdenken-Demos auf und organisiert zugleich Busfahrten dahin – mit dem eigenen Busunternehmen. Eine Rednerin bei Querdenken-Demonstrationen verkauft Querdenken-Yogakurse bzw. verkauft nicht, sondern bittet um Schenkungen dafür usw. usf.

Es wäre eine weitere seltsame Pointe dieses Jahres, wenn sich herausstellen sollte, dass Querdenken keinen ideologischen Ursprung hat, sondern aus finanziellen Gründen entstanden ist und protegiert wurde. Es wäre eine Pointe, die mich zum Mittäter machen würde – jedes Mal, wenn ich Querdenken schreibe, wenn ich darüber nachdenke, wenn ich davon lese und mich getriggert daran abarbeite, stärke ich eine Marke und mache so ein paar Schwaben reicher. Und ich weiß nicht, was verhängnisvoller ist – querdenken als menschenkalte Weltensicht oder querdenken als konsequente Besetzung einer Nische im kapitalistischen System. Beides ist schnöde und scheußlich und wahrscheinlich wird querdenken beides sein und damit letztlich keine Pointe, sondern ein weiteres Brennglas, ein weiteres Kontrastmittel der Gegenwart.

Ich habe nach Alternativen zum Wort Coronaleugner gesucht, weil es unpräzise ist und auch zu einfach. Coronawütende habe ich eine Zeit lang geschrieben, es wirkte konstruiert. Ich landete immer wieder bei querdenken, auch, weil die Eigenzuschreibung in ihrer selbstbewussten Breitbeinigkeit so schön bescheuert klingt, weil das Wort ohnehin vorerst verloren ist für jede weitere Bedeutung.

Jetzt geht das nicht mehr. Ich fühle mich naiv, auch vorgeführt, meine Beschäftigung mit querdenken war deren Treibstoff, meine Empörung einkalkuliert und trieb die Verkaufszahlen im T-Shirt-Shop hoch. Querdenken = $$$ und ich hoffe, dass dies vielleicht die effizienteste Möglichkeit sein könnte, das Thema mit dem Jahresrückblick zu beenden. Was natürlich nicht geschehen wird.

Ansonsten: VUI-202012/01, die in Großbritannien entdeckte Mutation des Sars-CoV-2-Virus, ist um siebzig Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und nach Meinung von Experten auf dem Weg, sich gegen die anderen Varianten durchzusetzen.

19. Dezember | eingereiht

Die Reihe reicht aus der Post heraus die Treppen hinab bis vor die Apotheke. Alle Anstehenden im ausreichenden Abstand voneinander, draußen an der Luft, dennoch mit Maske, ein Warten darauf, der Postangestellten die Briefe und Päckchen an jene zu übergeben, die wir über Weihnachten nicht sehen werden können. An der Litfaßsäule hängt ein Plakat des Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie als Ausrufezeichen, »Feiertage, aber sicher!« steht dort, darunter der Slogan »Stündlich gründlich Lüften«. Währenddessen geben alle Krankenhäuser Thüringens eine Anzeige in den drei großen Regionalzeitschriften auf: »Alarmstufe Rot! Ihre Kliniken in Thüringen sind am Limit.«

Ansonsten: Hotelzimmer. Mythen.

18. Dezember | Impfung 21

Es erscheint mir irreal, die letzten Einträge geschrieben zu haben, vermessen, mich damit zu beschäftigen, diese übergroßen, unendlich komplexen, nicht zu bewältigenden Themen. Viel lieber notierte ich Beobachtungen des Unscheinbaren, banale Alltagserlebnisse, in die sich irgendetwas hineinlesen ließe oder auch nicht, maximal Innenansichten, die routinierte Beschäftigung mit mir selbst.

Stattdessen das Große, das Weltweite, alles. Es sind Informationen, die ich als relevant wahrnehme und irgendwie verarbeiten muss, einmal durchlaufen lasse, damit als Satz ein brauchbarer Gedanke steht, mit dem die nächsten Tage, Wochen und Monate zu bewältigen sind. Zum Beispiel die Impfung. Seitdem der Termin für den sehr wahrscheinlichen Start der Impfung bekannt geben ist, drängen sich damit verbundene Aspekte in die Corona-Diskussion.

Die Empfehlung einer Impfreihenfolge ist eine Prioritätenliste; über 80jährige in Pflegeheimen zuerst, Krankenhauspersonal, danach die hohe Priorität, die moderate, am Ende, die Mehrheit, die niedrige Priorität, ich werde dazuzählen.

Ein Artikel spricht über die Wichtigkeit der Kommunikation vor dem Impfen, gerade, da die die Impfbereitschaft unter 50% gesunken ist, nur die Hälfte aller geimpft wäre zu wenig. Der Text fordert, die Nachfrage nach Risiken ernstzunehmen, nicht jedes Zögern automatisch als Covidiotum abzutun.

Ich denke an ein Gespräch vor wenigen Tagen. Wir sprachen übers Impfen. Mein Gegenüber erzählte, dass er vor wenigen Jahren nach einer Impfung mit deutlichen Nebenwirkungen zu kämpfen hatte. Die Zeit prägt heute seinen Blick aufs Impfen – weit davon entfernt, Impfgegner zu sein, aber doch, mit der Erinnerung an das Geschehene vorsichtig, vielleicht auch abwägend. Er fragt nach Nebenwirkungen, nach Langzeitfolgen, wie das Dilemma, diese nicht kennen zu können, sich aber gegen das Virus schützen zu müssen, zu lösen sei, ein Tasten nach einer Antwort in all den Unsicherheiten mit dem vorläufigen Entschluss, das Impfen erst einmal abzuwarten.

Ich verstehe das Zögern, ich sehe es anders. Wir reden darüber, über unsere Erfahrungen, das angelesene Wissen über die Wirkungsweise der Impfstoffe, die Sorge beim Stich, über Wahrscheinlichkeiten, natürlich das Abwägen Impfschaden gegen Covid19-Erkrankung. Ich habe einen Standpunkt dazu, momentan ist er theoretischer Natur, die niedrige Priorität wird im Herbst, vielleicht erst im nächsten Winter geimpft. Erst dann wird sich die konkrete Frage stellen, für mich ist sie heute schon beantwortet.

Heute macht eine Meldung die Runde, dass es bei einigen Impfungen zu Nebenwirkungen kam, dazu auch gleich die Erklärung dafür. In den nächsten Wochen und Monaten wird es weitere solcher Meldungen geben. Wenn Milliarden Menschen geimpft werden, werden tragische Begebenheiten nicht ausbleiben. Die Frage ist, was sich davon in den Köpfen festsetzt, welche Geschichten das Handeln beeinflussen werden, was gegen was gestellt wird: nicht die Zahl der Nebenwirkungen gegen die Zahl der Erkrankungen, sondern die Bilder.

Mit dem Beginn der Impfung beginnt auch der Kampf um die Deutungshoheit. Ich glaube, schon in diesen Tagen werden die Bilder vom Impfen geprägt. Der Pinguin-Pullover von Margaret Keenan, die vor Glück weinende Krankenschwester, der geimpfte Gandalf, der sagt: »Anyone who has lived as long as I have is alive because they have had previous vaccinations… you’re having it not just for yourself but for people who you are close to – you’re doing your bit for society.«

Und dann die Bilder, die in den WhatsApp-Gruppen wandern, die geteilten Erklärungen besorgter Mütter und Väter auf Facebook, Ärzte a.D, mRNA-Horror, der ausgetauschte Corona-Impfschaden-Small-Talk am Bratwurststand – sie alle werden antreten, das Zögern, das Fragen beeinflussen. Und ich frage, wie ich dagegenhalten kann, wie die Gespräche über das Impfen 21 verlaufen werden.

Ansonsten: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz, der mit Einkaufsnetz als Maske gegen die Coronaauflagen protestierte, liegt mit Coronabefund im Krankenhaus. Berliner Gaga-Hedonistinnen singen ohne Maske in einem Supermarkt »Ein bisschen SARS muss sein«. Weil in Hanau die Kühlkapazitäten für Verstorbene erschöpft sind, müssen auf dem Friedhof eigens angeschaffte Container genutzt werden. Der sächsische Ministerpräsident verteidigt den sächsischen Weg; durch die Entscheidung für einen Lockdown vor den anderen Bundesländern sei bundesweit eine große Dynamik entstanden. Emmanuel Macron wird positiv getestet. Karl Gustav XVI. erklärt die Corona-Strategie der schwedischen Regierung für gescheitert. Wladimir Putin ist zu alt für den Impfstoff Sputnik V. Künftig will Twitter Falschmeldungen zu Impfungen löschen. Höchstwerte in den USA: Knapp 4000 Tote, eine viertel Million Neuinfektionen an einem Tag.

17. Dezember | 952

Für das aktuelle Buch bin ich zusammen mit Yvonne Andrä in zehn kleine Dörfer gefahren. Fast ein Jahr waren wir unterwegs, sprachen mit über hundert Menschen, hörten ihre Lebensläufe, sahen ihre Kinder, waren auf ihren Höfen, saßen in ihren Gemeindehäusern, waren bei ihren Festen dabei, machten viele viele Fotos, erfuhren noch mehr Geschichten, ein kleines Universum, das wir bereisten. Zehn Dörfer, die Einwohnerzahl summiert ergibt 751.

Am 15.12. sterben über 800 Menschen an Covid-19.

Ich zögere, diesen Eintrag so zu beginnen, die Zahl – die ungefähr ist, weil sie eine Nachmeldung enthält – zu verknüpfen mit der Reise, die nichts zu tun hat mit dem Thema dieser Notizen, die Begegnungen damit zu benutzen, vielleicht auf unrechtmäßige Weise zu instrumentalisieren. Aber ich brauche dieses Bild für mich, dieses Ausmaß, was über 800 bedeutet, was damit verloren geht. Über 800 sind diese zehn Dörfer, sind diese Lebensläufe, ist dieses kleine Universum.

952 Tote ist die offizielle, die gemeldete Zahl für den 15.12., Sachsen meldet für zwei Tage 153. Es klingt kompliziert, aber da steht eine Zahl, die mich trifft: die unerwartete, viel zu hohe Größe, der Zeitpunkt. Das ist der Beginn des Lockdowns. Am Tag nach dieser Zahl werden die Maßnahmen geändert. Was bisher geschehen ist, wird erst ab morgen korrigiert werden.

Im Fall der Pandemie bedeutet das: in vier-sechs Wochen werden wir heute sehen. Die Zahl, die 952, abzüglich der nachgereichten Meldungen, wird nicht allein bleiben. Sie steht am Anfang dieses Lockdowns, schwer und schwarz und unumstößlich, der Schatten, den sie wirft, ist lang, er reicht weit in den Januar hinein.

Heute sind Stationen nahe am Limit, sie werden es die nächsten Wochen sein, was gäbe Anlass zur Annahme, die Zahl würde sich nicht wiederholen, nicht steigen? Die Zittauer Triage wird zum Hilferuf umgedeutet, weil es nicht sein kann, dass jetzt schon das Limit erreicht ist. Was soll da noch kommen, wie wäre das auszuhalten?

Die Weihnachstage werden normal sein; ein normaler Weihnachtsbaum mit normaler Behängung und normale Geschenke und normales Neuerlei. In einer Minuten von den vielen Weihnachtsminuten wird es normal sein, es wird Lametta sein und jemand wird singen und jemand wird sich aufrichtig über ein Geschenk freuen, dann, wenn nicht mit den Großeltern geskypt wird und das Krippenspiel gestreamt und die Cousine Doppelschicht im Klinikum schiebt und anstatt »3 Haselnüsse für Aschenbrödel« ein Brennpunkt Corona läuft und das schönste Präsent ein negativer Antigen-Schnelltest ist.

Weihnachten wird festlich sein und zugleich werden auf den Stationen die Betten belegt sein und viel zu oft freiwerden und zugleich wird um Weihnachten herum mit der Impfung begonnen werden, es wird normal sein, es wird das Limit sein und das langwierige Ende des Furchtbaren wird eingeleitet werden.

Ansonsten: Am 27.12. soll in Deutschland mit den Impfungen begonnen werden. Bei einer Befragung im Bundestag lehnt die Bundeskanzlerin eine Vermögensabgabe zur Finanzierung der Pandemie-Kosten ab, Spitzenverdiener und Wohlhabende sollten nicht zusätzlich belastet werden. Amazon bittet die amerikanische Regierung um eine Impfpriorität für wichtige Mitarbeiter. Der Bundesverband Deutscher Bestatter fordert, seine Mitglieder als systemrelevante Berufsgruppe anzuerkennen. Der Koordinator für die Verteilung von Covid-19-Patienten in Sachsen teilt »mit Nachdruck« mit, dass es noch freie Intensivbetten in Sachsen gibt und Patienten verteilt werden können. In Großbritannien werden in der ersten Woche knapp 140000 Menschen geimpft. Zum Start des Lockdowns fällt in Bayern die Lernplattform Mebis aus.

16. Dezember | Aerosoldampfwolken

Die lange Schlange steht vor der Apotheke. Ab heute werden die kostenlosen FFP2-Masken ausgegeben. Ein Schild informiert über den Ablauf; gegen Vorzeigen des Personalausweises können drei Masken an einem separaten Eingang geholt werden. Später ist das Ausgabeschild bei einer anderen Apotheke überklebt: »Maskenvorrat für heute erschöpft. Übermorgen sollen neue Maske eintreffen.«

Auf den Theaterplatz hat ein Musiker ein Klavier geschoben und spielt »Another Day in Paradise«. Die Stadtbibliothek, die morgen schließt, fordert die Ausleihenden expliziert zum »Hamstern« von Büchern auf. Der Buchladen weist beim Einkauf daraufhin, dass weiterhin Bücher bestellt werden können, von 11.-16.00 Uhr erfolgt die Ausgabe an der Tür.

In der Einkaufsstraße steigen aus den Mündern der Einkaufenden die Aerosole, im kühlen November sie sind glücklicherweise als sich rasch verflüchtigende Dampfwölkchen zu erkennen, man kann ihnen ausweichen, sie wie bei einem Slalom geschickt umkurven. Gedränge ist keines zu sehen, kaum Menschen, die vor Geschäften darauf warten, dass desinfizierte Einkaufskörbe freiwerden. Fast wirkt der Dienstag in der City … normal.

Nur später, beim Kindergarten, wird den Eltern ein Plastiksack mit Kleidung mitgegeben, die nächsten Wochen wird diese im Haus nicht gebraucht werden. Nach knapp zwei Monaten in der zweiten Welle beginnt der harte Lockdown.

Ansonsten: Die EU-Arzneimittelbehörde will am 21. Dezember über die Zulassung des Impfstoffes entscheiden, mit einer Impfung wird ab Weihnachten gerechnet. Die EU will fast 200 Millionen Impfdosen zusätzlich kaufen. Die WHO bestätigt, dass der Weihnachtsmann immun gegen das Virus ist. In Italien wird bei einem Labortest das Sars-Cov-2-Virus schon für November nachgewiesen, drei Monate früher als bisher angenommen. Britische Behörden informieren über eine Mutation des Sars-CoV-2-Virus. Weil nicht genügend Beamtungsbetten zur Verfügung stehen, wird im Krankenhaus Zittau Triage angewendet. Flixbus sagt alle Fahrten bis 11.1.2021 ab. Mehr als 300.000 Corona-Tote in den USA. Eine Studie zeigt, dass in Amerika Republikaner während der Pandemie ihre Mobilität deutlich weniger einschränken. Demokratieferne lokale Raumkultur & Corona.

15. Dezember | Schuld und Bühne

Ist man nicht in Sachsen, ist der harte Lockdown noch einen Tag entfernt. Es gibt Kritik an den politischen Akteuren. Ich teile sie, hier, die Kritik an handwerklichen Fehlern, am Zögern, am Schaulaufen und Präsentieren, so, als wäre die Pandemie eine Bühne, am Laschsein, am Auf- und Gegenrechnen, am Hin- und Her, am Lobbyismus, an widersprüchlichen Entscheidungen, am Föderalismus, an der Aushebelung des Parlaments, auf ein zu-viel-Zuhören auf Querdenker, darauf, dass manche Bereiche Hilfe mit vielen Nullen bekommen und andere Nullrunden, ich teile den Rant auf die Festanstellung als deutsche Religion, am unzureichenden Informationsfluss, an unzureichender Vorbereitung, an Versäumnissen, die im Sommer, im Herbst, schon vor zwanzig Jahren gemacht wurden, an fehlenden Konzepten, Streit um Kompetenzen, um zu wenig Autorität, zu viel Autorität, am Schielen auf Umfragewerte, vielleicht grundsätzlich, dass, anders als im März, als die Politik noch das »Primat der Medizin« im politischen Handeln ausgerufen hatte, dieses Primat im Herbst nur einer von vielen Faktoren war.

Manche dieser Vorwürfe sind haltlos, viele machen wütend, andere fassungslos, manche überraschen nicht, einige sind nachvollziehbar, andere logisch nicht aufzulösen. Am Vorabend des harten und düsteren Lockdowns werden Schuldige gesucht. Die Politik ist schuld, die Politiker und Politikerinnen sind schuld, das stimmt so, das ist ein Konsens. Aber ist es das allein, trägt das Politische allein Schuld an den Zahlen? Könnte es so einfach sein?

Der sächsische Ministerpräsident hat vor wenigen Tagen gesagt, dass es jetzt »ganz andere, ganz klare, autoritäre Maßnahmen des Staats« brauche. Ich habe das als Drohung gelesen. Dabei ist es auch Rettung.

Ich frage mich: Warum braucht es das – nicht nur in Sachsen – warum braucht es solche »autoritären« Maßnahmen? Warum braucht es den 16.12. dafür, um ins Home Office zu gehen, um die Kinder aus den Kindergärten zu nehmen, um das große Familienweihnachtsfest abzusagen? Warum braucht es das absolut ausgesprochene Verbot, warum reicht vorher nicht ein Einschätzen der Situation und daraus abgeleitet ein vernünftiges Verhalten? Und wenn das Verbot kommt, weil die Vernunft nicht genug war oder die Bequemlichkeit zu viel oder was auch immer, wie ist dann eine mögliche Schuldfrage zu stellen? Weil: Schuld tragen muss jemand.

In einem Artikel heißt es: Wir alle sind schuld. Ich kenne nicht wenige, die seit März sehr sehr vieles versuchen, um sich der Situation angemessen zu verhalten, zum Teil unter großen Opfern. Ich kenne viele, ich zähle mich dazu, die einigermaßen okay ihr Handeln der Zeit anpassen. Ich kenne welche, denen die Zeit egal ist. Sie alle sind nicht alle in diesem Wir alle sind Schuld. Dieses alle würde ihnen nicht gerecht werden. Das alle kommt in vielen Gestalten daher, jedes alle ist letztlich ein Punkt auf einer aus lauter Punkten bestehenden Kurve.

Und in der Summe ist doch nur eine Kurve zu sehen, steht doch nur eine einzige Zahl, anhand welcher sich ablesen lässt, wie die Zeit ist. Und die Zeit, dieser Dezember braucht jemanden, der Schuld auf sich geladen hat. Sonst wären wir nicht hier, sonst müssten wir nicht morgen noch alle einmal zum Friseur, weil uns das die Politik ab Mittwoch verboten haben wird.

Ansonsten: In Schweden wird für den November die höchste Zahl an Todesfällen seit der Spanischen Grippe vor über hundert Jahren gemeldet. Ab morgen werden FFP2-Masken für 27 Millionen Deutsche kostenlos verteilt. Thüringen weist deutschlandweit die zweithöchste Sieben-Tage-Inzidenz auf. Im sächsischen Riesa löst die Polizei einen illegalen Weihnachtsmarkt auf. Niederlande geht für fünf Wochen in den Lockdown. In Berlin bleiben die Buchläden während des harten Lockdowns geöffnet, denn sie seien »geistige Tankstellen«. Mindestnähe: Widerspruch.

14. Dezember | Harter Lockdown

Heute wird der harte Lockdown verkündet. »Durchgesickert« ist das Wesentliche schon gestern, schon gestern stehen wir zusammen und sprechen über die Geschäfte, Schulen, Kindergärten, die Gesellschaft, die ab Mittwoch geschlossen sein soll.

Ich sage, man wollte ein frohes Weihnachtsfest, eine wenig geschundene Wirtschaft und niedrige Zahlen, jetzt sind die Zahlen hoch, eine Woche vor Weihnachten wird der Einzelhandel außer Betrieb gesetzt und Weihnachten ist auf zwei Haushalte beschränkt, mit der düsteren Aussicht, dass dieser Zustand bis zur Hälfte des ersten Monats des neuen Jahres so bleiben wird.

Vielleicht, weil mein Ton bei diesen Worten ein klein wenig neunmalklug klingt, fragt mein Gegenüber, ob denn Ende Oktober schon ein »harter Lockdown« durchsetzbar gewesen wäre. Ich bestätige das, damals gab es schon das Wissen und die Ahnung, es wäre notwendig und möglich gewesen.

Am Abend lese ich die Eintragungen aus dieser Zeit. An keiner Stelle schreibe ich in der Oktober-November-Passage von der Notwendigkeit einschränkender Maßnahmen, davon, dass das Beschlossene nicht ausreichen können. Ich schreibe von den widersprüchlichen Unterlassungen, von den geöffneten Kirchen und den geschlossenen Kultureinrichtungen, ich schreibe über die US-Wahl, ein Thema, das vor sechs Wochen tagelang fast alles war und mir heute außerordentlich weit weg scheint.

Später sagt mein schlauer und Ambivalenzen aushalten könnendes Gegenüber: Im März war Lehrzeit, jetzt ist Leidenszeit. Wir sprechen darüber, dass sich die Situation nun anders anfühlt. Aus den Märzerfahrungen gibt es keinen Grund zur Sorge, dass die Regale leer werden könnten, dass die Welt zusammenbrechen könnte. Viele haben sich notgedrungen einen Umgang mit den heruntergefahrenen Tagen zurechtgelegt, eine Strategie, auf die sie, auf die wir nun zugreifen können. In den zweiten Lockdown gehen wir gelassener.

Gleich darauf stutzen wir, so, als könnten wir die Worte nicht stehenlassen, nicht gesagt haben. Wer ein Geschäft hat oder seit Monaten keinen Auftritt, wer Krankenschwester auf den überlaufenden Intensivstationen ist, wen das Geschlossene im März ins Dunkle stieß; wie nimmt sich da eine Formulierung wie gelassen aus? In Weimar gab es vorgestern 36 neue Fälle, die meisten davon in einem Pflegeheim, wie wird Weihnachten für die Angestellten dort sein, die Angehörigen, die Kranken?

Und etwas gegen das andere aufrechnen muss ein Unding sein und dennoch wird ab Mittwoch bei Amazon bestellt, das für das Glück, das es versendet, vom Staat eine Steuerrückzahlung erhalten wird und Jeff Bezos wird sich davon eine Millionen Impfdosen kaufen, einfach, weil er es kann.

Und in der Innenstadt hängen zwischen den Zweigen der Bäume funkelnde Lichtketten, die Nummer Eins in den deutschen Charts ist Mariah Carey mit »All I Want For Christmas Is You« und wer am Montag in diese Innenstadt eilt und sich anstellt, vom Security einen desinfizierten Einkaufskorb in die Hand gedrückt bekommt und sich in die Gänge drängt, der tut etwas Gutes, der rettet potentiell Existenzen und zerstört sie noch potentieller. Es gibt nichts Gutes in diesen Tagen und dabei hat die Zukunft noch nicht einmal angefangen.

Bis zum 10. Januar ist der Lockdown hart. Dann soll ein Wert unter 50 gefallen sein. Wie alle wissen, laufen die Todeszahlen nach, sie sind der längste Blick in den Morgen, 400/500, kein Grund zur Annahme, dass sie, die nachlaufen, in den nächsten Tagen und Wochen sinken werden, diese nächsten Tage und Wochen mit diesen Zahlen hochgerechnet, wenn die Lichtketten abmontiert sind, mein Geburtsort voller Tote.

Ansonsten: Der Handelsverband rechnet in den kommenden Tagen nicht mit Hamsterkäufen. Nach Bekanntwerden des harten Lockdowns demonstrieren in Düsseldorf Gegner der Maßnahmen mit einem Autokorso. Nach dem Verbot von Feuerwerk zu Silvester fordert der Verband der pyrotechnischen Industrie einen vollen Ausgleich für die Umsatzverluste im dreistelligen Millionenbereich. Der Profisport wird im harten Lockdown fortgesetzt. Aus China werden 24 Neuinfektionen gemeldet. In Russland wird ein Coronaimpfstoff für Tiere entwickelt. Einer der Mitorganisatoren der Leipziger Querdenken-Demonstration von November wird nach einer Covid19 Erkrankung auf der Intensivstation künstlich beatmet.

13. Dezember | Querdenken

Was momentan absurd scheint: querzudenken. Doch träfe ich einen Querdenker, fürchte ich, würde er selbstsicher sagen: Die Zahlen müssen so sein, das ist die saisonale Grippe.

12. Dezember | Angst VI

Die Berichte häufen sich: »Der junge Kollege hat es nicht geschafft«, »Er hat sich an die Auflagen gehalten, er hat vor 6 Monaten noch ein Kind mit seiner Frau bekommen. Er hielt 14 Tage durch.«, »Meine Azubi…« etc. Die Zeilen jeweils mit Zusätzen versehen wie: keine Vorerkrankungen, unter 30, sportlich. Logisch ließe sich bemerken: Bei mehr Todesfällen tritt eben auch eine Häufung solcher Fälle auf, sie ist nicht typisch für das Virus.

Aber kann es darum gehen? Kann es um das Typische gehen, das Wahrscheinliche, den Zufall, das Unbekannte?

Ich nehme die Fälle und lege sie über meine Situation. Ich gleiche ab, ich finde Gemeinsamkeiten. Dann werde ich getroffen, dann kommt die Angst. Das Sterben an Covid19 ist einsam, wird gesagt. Die Krankenschwester hält das Handy zum Skypen. Wer ins Krankenhaus geht, darf zum Abschied nicht umarmen. Bei der letzten Umarmung wusste niemand, dass es die letzte Umarmung war.

Heute liegen die Zahlen bei 30000 Neuinfektionen, fast 600 Tote. Freitag war in den letzten Wochen der Tag mit den Höchstständen. Doch dieser Anstieg, so deutlich über den bisherigen Zahlen, kommt unerwartet. Sechs Wochen dauert der Lockdown Light schon, sechs Wochen die Warnungen, sechs Wochen das Einsickern der sich veränderten Wirklichkeit, sechs Wochen das von allen wahrgenommene nicht abnehmende Anschwellen der zweiten Welle und dennoch dieser Anstieg.

Worin liegt der Unterschied zum März-Lockdown, warum scheitert, was damals gelang? Eine gleichmäßigere Verteilung des Virus im Land? Die geöffneten Schulen und Geschäfte? Eine größere Gelassenheit? Die Summe aller großen und kleinen Faktoren?

Ich lese einen Satz: »Eine Inzidenz von 50 wäre dann bis Ende Januar erreicht. Laut der Berechnung würde sich bis dahin die Gesamtzahl der Corona-Toten von derzeit gut 20.000 mehr als verdoppeln: auf über 40.000 Todesfälle.« Einige Absätze später wird gegengerechnet, welche Umsatzeinbußen jeweils drohen, wenn Geschäfte wann wie schließen. Die Gegenrechnung als weiterer Faktor. Ein Gegenrechnen seit Oktober, damit Weihnachten ein schönes Fest werden kann.

Die Berichte, die Zahlen, die Faktoren. Die Angst.

Ansonsten: Thüringen beschließt, nach dem 18. Dezember einige Geschäfte zu schließen. Der sächsische Ministerpräsident sagt in Aue: »Es ist nicht mehr damit getan, dass wir mahnen«, nötig seien nun »ganz andere, ganz klare, autoritäre Maßnahmen des Staats.« Für Anfang November steigt die Übersterblichkeit auf 8%, in Sachsen liegen die Zahlen höher. Mehrere Politiker fordern einen »sofortigen, bundesweiten« Lockdown. Seit Beginn der Pandemie hat sich laut einer Studie das Vermögen der 650 amerikanischen Milliardäre um mehr als eine Billion Dollar erhöht.

11. Dezember | irrelevant

Heute ein Tag, an dem mir Schreiben so irrelevant vorkommt, so bedeutungslos im Vergleich zu dem, was geschieht. Die einzige Funktion der Worte liegt darin, sie in einem Jahr zu lesen und zu verstehen, wie zugespitzt die Lage damals war, nicht nur war, weil sie es aktuell ist, sondern weil klar ist, dass das Zugespitzte von heute das Katastrophale in vier Wochen sein wird.

Nichts von dem, über das ich schreiben wollte – eine weitere polemische Betrachtung des Glühweintrinken als Sinnbild dieser Zeit, eine kritische Betrachtung der gestrigen Kanzlerinnenrede, das Herbeischreiben eines Lockdowns als puritanischen Akt – scheint mir gerade angemessen, angesichts der Zahlen, der Prognosen, den Berichten aus den Kliniken, den ungewöhnlichen Häufungen von Todesfallberichten aus dem näheren Umfeld. Ich lese einen Thread. Darin heißt es, dass Deutschland den schlechtmöglichsten aller Lockdowns macht; einer, der nicht funktioniert, in dem ein moralisierend Glühweintrinken und die feiernde Jugend verdammt werden und nicht das Arbeiten in Großraumbüros und die offenen Schulen: »Just: work, spend, stay home, and if you take a walk with someone you’re antisocial. This is all a machine for deaths«.

Den gesamten Tag über lag feuchter Nebel über der Stadt, er verschluckte den Blick und er verschluckte mich. Jetzt ist da, was kommen sollte und wird bleiben, die Zeit der Warnungen und Prognosen ist vorbei, jetzt sind die Prognosen von gerade eben noch der Monat.

Ansonsten: Laut einer Umfrage finden 13% der Befragten die aktuellen Coronamaßnahmen übertrieben, 49% sprechen sich für härtere Maßnahmen aus. Spanien revidiert die Corona-Todesfälle der ersten Welle um 18000 nach oben. In Österreich soll es der Polizei erlaubt sein, in Wohnungen die Einhaltung von Quarantänemaßnahmen zu kontrollieren. München spricht ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum aus. Mit 23.679 Neuinfektionen wird ein Höchststand vermeldet, die Zahl der Todesfälle steigt über 20000.

10. Dezember | Schwerkraft und Lichtgeschwindigkeit

Im Bundestag spricht die Bundeskanzlerin. Später wird geschrieben, es sei ihre emotionalste Rede in fünfzehn Jahren Regierungszeit gewesen. Angela Merkel sagt: »Ich weiß, wie viel Liebe dahintersteckt, wenn Glühweinstände aufgebaut werden … Es tut mir leid, es tut mir wirklich im Herzen leid, aber wenn wir dafür den Preis zahlen, dass wir Todeszahlen am Tag von 590 Menschen haben, dann ist das nicht akzeptabel. … Was wird man denn im Rückblick auf solch ein Jahrhundertereignis mal sagen, wenn man für diese Tage keine Lösung findet?«

Alice Weidel schüttelt dazu den Kopf. Danach erfolgt ein Zwischenruf aus der blauen Fraktion, der besagt, dass Abstandhalten nicht als Schutz gegen das Virus erwiesen sei. Darauf entgegnet die Kanzlerin: »Ich glaube an die Kraft der Aufklärung … den Glauben, dass es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die real sind … Ich habe mich in der DDR für ein Physikstudium entschieden … Weil man vieles außer Kraft setzen kann. Aber die Schwerkraft nicht und die Lichtgeschwindigkeit nicht.«

An dieser Stelle ein Verweis auf ein kürzlich ausgestrahltes Interview mit der Wissenschaftlerin Maja Göpel. Am Ende des Gesprächs sagt sie, ebenso genervt wie entsetzt von den Fragen ihres Gegenübers: »Möchten wir das jetzt ernstnehmen mit der Umweltkrise? Haben Sie den Eindruck, uns Wissenschaftlern macht das Spaß … Ich frage mich immer, was ist das Motiv, das Sie uns unterstellen wollen? Es ist doch einfach erstmal Naturwissenschaften ernstnehmen und dann zu fragen: Was mache ich mit diesem Befund? … Sie tun immer so, als wollte ich den Leuten den Spaß verderben. Hier geht es darum, dass, was die Wissenschaft uns sagt, das sich verändert, [zu sehen] … und dann Lösungen zu formulieren.«

Ich frage mich, ob es im Jahr 2020 ernsthaft noch einen Konflikt zwischen Aufklärung und Unwissen, von Wissenschaft und Glauben geben kann, ob die Zwischenruferinnen tatsächlich ihre Infragestellung der Wissenschaft für vollnehmen? Oder ist es Bequemlichkeit, die zu einer solchen Ignoranz der Wissenschaft gegenüber führt, die Unfähigkeit, sich der Realität zu stellen und damit einer permanenten Veränderung? Folgt allein daraus die Infragestellung als ein politisch eingesetztes Instrument, um sich nicht bewegen zu müssen?

Ich weiß, »die Wissenschaft« gibt es ebenso wenig wie »die Wahrheit«. Ich weiß, eine der großen Fragen dieses Jahres war die, wie sich komplexe Inhalte vermitteln lassen, wie naturwissenschaftliche Erkenntnis so erklärt werden können, dass das Wesentliche von uns Laien verstanden wird. Und ich weiß, dass eine der großen Herausforderungen dieses Jahres es war, einer Wissenschaft zu vertrauen, die ständig ergänzt und sich dabei mehrmals korrigiert.

Das zu wissen und das hinzunehmen, ist Schwerkraft und Lichtgeschwindigkeit zugleich.

Ansonsten: Bei einem Cyberangriff auf Biontech erlangen Hacker unrechtmäßigen Zugriff auf Impfstoffdokumente. Durch die von den USA verhängten Sanktionen kann Iran nur erschwert Impfstoffe importieren. Über 60-Jährige sollen für Weihnachten drei kostenlose FFP2-Masken erhalten. Um eine Verbreitung des Virus auf der Raumstation ISS zu verhindern, werden Kosmonauten zu den ersten gehören, die die russischen Vakzine Sputnik V erhalten. Marvel veröffentlicht ein Comic, in dem die Superheldinnen Ärtzinnen und Krankenschwestern sind.

9. Dezember | V-Day im Pinguinpullover

Wieder ein Tag, an dem sich die Zeiten überlagern. Vor einem Jahr wurden in Wuhan die ersten Fälle einer neuen Lungenkrankheit bekannt. Heute, ein knappes Jahr später, findet in Großbritannien die erste Impfung gegen diese Krankheit statt. Margaret Keenan aus Coventry, neunzig Jahre, trägt ein blaues Pinguin-T-Shirt, als sie den mRNA-Impfstoff BNT162b2, der das Spike-Protein von SARS-CoV-2 kodiert, injiziert bekommt. Der nächste Geimpfte ist William Shakespeare, 81 Jahre aus Warwickshire, ein anderer Geimpfter sagt: »Well, there’s no point dying now when I’ve lived this long.«

Die Bilder sind große Bilder, historisch, das Empire impft zuerst, weil es zuerst zuließ, die Erfolgswahrscheinlichkeit liegt bei 95%, V-Day, Vaccine Day soll dieser 9.12.2020 genannt werden. Ich kann mich dieser Inszenierung nicht entziehen: das Spalier der Ärztinnen, die existenzielle Erleichterung in den Augen der Geimpften, die überschwänglichen Fragen der Reporter an die Geimpften. Auf seltsame Weise wirkt das Präsentierte rein und unverfälscht, vielleicht weil es das ist, unverfälschte Erleichterung, etwas, wonach sich alle, die keinen Telegram-Channel betreiben, sehnen: zwei Stiche und eine damit verbundene Sicherheit, zwei Stiche und ein Jahr, das sich wie ein Jahrzehnt angefühlt hat, ist beendet, zwei Stiche und SARS-CoV-2 ist nur noch ein Eintrag in wikipedia, Corona nur ein Wort des Jahres, die Pandemie schrumpft auf ein paar Fotos aus dem März zusammen, als man mit den Kindern draußen oft im Grünen war.

Da war ein Anfang, da ist ein Ende und dazwischen liegt dieser Dezember, fett und unverrückbar, wie ein alter, nasser, stinkender Lappen im Weg. Jede Form von Weihnachtslockerung ist deswegen vom Tisch. Dafür soll ein harter Lockdown unmittelbar nach den drei Festtagen folgen, Geschäfte und sonstige verzichtbare Einrichtungen geschlossen werden. Bis Mitte Januar soll das Leben stillstehen, öffentlich und privat, damit die Zahlen vom Plateau geholt werden können.

Und wieder der Widerspruch; genau wissen, dass die Zahlen zu hoch sind, aber erst in zwei Wochen Maßnahmen dagegen ergreifen mit all den daraus erwachsenden Folgen. Es ist schwer, dagegen zu argumentieren, Weihnachten soll ein Fest des Lichtes sein, ist ein Versuch. Mit jedem Tag, an dem der 24. Dezember näher rückt, wirkt dieser unglaubhafter, so, als säßen wir alle morgen schon im blauen Pinguinpullover in einem Impfzentrum.

Ansonsten: Gegen die Kälte in den gelüfteten Klassenzimmern empfiehlt die Kanzlerin den Schülerinnen Kniebeugen. Hamburg plant ein stadtweites Glühweinverbot. Die Nationalakademie Leopoldina spricht sich für einen harten Lockdown aus. Die Büromöbelhersteller vermelden wegen Corona und Homeoffice Verluste. Wegen geschlossener Schulen müssen weltweit mehr als 300 Millionen Schülerinnen zuhause bleiben.

8. Dezember | Glühweinpulks & FLUR

Ich habe eine Liste von Themen, zu denen ich gern Einträge geschrieben hätte: das Gespräch von Jörg Thadeusz mit Maja Göpel, in dem es um die Klimakatastrophe geht, das sich aber auch auf Corona legen ließe; Anmerkungen zu einem Artikel von Kathrin Schmidt, über die Bubbles auf einem Konzert der Flamming Lips, wie in Österreich das dortige Pandemie-Krisenmanagement mit der deutschen Coronapolitik verglichen wird etc.

Aus verschiedenen Gründen blieben die Einträge halb geschrieben, die Zeit hat die Themen überholt und jetzt liegen sie in Stichpunkten auf ewig versehrt im Dokument. Dabei geht es momentan nur um eines; um das gespannte Luftanhalten, das nervöse Warten, das Aushalten der Dezemberzahlen, das bockige Ausharren auf dem Plateau der im Sieben-Tage-Durchschnitt dreihundertzweiundachtzig täglichen Toten.

Die Zahlen bleiben seit Wochen, wie sie sind, pendeln sich ein, dort stagnieren sie, gehen da leicht zurück, hier explodieren sie, rot ist die vorherrschende Farbe auf den Landkarten und die Krankenhäuser erbitten Unterstützung. Frankreich, das vor Wochen noch das Dreifache der deutschen Zahlen hatte, fällt nun hinter Deutschland zurück, vor das einstmals leuchtende Vorbild schiebt sich ein Monument, die in Stein geschlagene 20000.

Ich schreibe über das Gewöhnen an das Trudeln im Lockdownlight. Die 382 täglichen Toten sind Bestandteil dieser Zeit, man nimmt das hin. Man ist eine unklare Größe, sächsisches Wir weiterhin, man ist eine Schnittmenge aus Entscheider und Ausführenden. Die Entscheider tasten sich allmählich an die klaren Worte heran. Einen harten Lockdown fordert Karl Lauterbach, der sächsische Ministerpräsident stellt diesen ab nächster Woche in Aussicht, der bayrische Ministerpräsident ruft den Katastrophenfall aus, die Kanzlerin sagt: »Wir werden den Winter nicht ohne zusätzliche Maßnahmen durchstehen können« sowie »gegenwärtig werde ihr zu viel über Glühweinstände gesprochen und zu wenig über die Krankenschwestern und Pflegekräfte«. Die geplanten Lockerungen zu Weihnachten – gedacht als Belohnung für den entbehrungsreichen November – sind so gut wie vom Tisch.

Dagegen steht der »Schlendrian«, ein fehlendes Maß an »notwendiger Eigenverantwortung«. Dieses Maß ist eng verbunden mit Glühwein. Glühwein ist Metapher dieser Dezemberzahlen, das letzte Glück, das geblieben ist, ein kleines bisschen Normalität, den Henkel der mit einem Sinnspruch bedruckten Tasse in der Hand, den Duft von Nelken, Zimt und Sternanis in der Nase, jeder Schluck spült süß und heiß die Pandemie die Kehle hinab, jede geleerte Tasse ein Trotzen dem Virus.

Das Wort Glühweinpulk wird umstandslos in den Duden aufgenommen, deutschlandweit löst die Polizei Glühweinspaziergänge auf, zweihundert trinkend Teilnehmende in Heidelberg, Glühwein to go als Geschäftsmodell gegen den Verdienstausfall, ein Weihnachtsmarktersatz im Kleinen, ein »Glühwein-Strich« im Prenzelberg. Wenn das deutsche Coronaplateau einen Geschmack hat, dann den von Glühwein.

Und weil es darum geht, darum, den Glühwein in Bezug zum Jetzt zu setzen, schreibe ich davon und nichts anderem, weiterhin ratlos und routiniert. Und dann, ganz am Ende, in all der Ernsthaftigkeit und den Zahlen und dem Ringen um das Notwendige einige Sätze, die von einer Normalität erzählen, die mich kurz durchatmen lassen. Christian Drosten schreibt über FLUR, das neue Album von Martin Kohlstedt, er ordnet ein, fügt hinzu: »Ich höre mich da gerade rein«, so, als würde er sich die nächsten Tage zuhause zurückziehen können, das orange FLUR-Vinyl auflegen, die Kopfhörer aufsetzen und sich in aller Ruhe Zeit nehmen für Stücke wie PAN, XEO oder AJA, das wäre mein gewünschter Dezember, Christian Drosten würde keine Studien schreiben, sondern eine Rezension zu FLUR.

Ansonsten: Mindestnähe Die Toten

7. Dezember | Gerechtigkeit

Ein Freund fragt nach Gerechtigkeit. Niemand trage Schuld an der Pandemie, dennoch betreffe sie unterschiedlich. Man müsse den Schaden gleichmäßig teilen, sagt er, die, die weniger getroffen seien, müssten Solidarität zeigen.

Ein Vorschlag, einer, den er schon zu Beginn des Lockdown Lights machte: Die Schließungen sollten wechseln: zwei Wochen schließen Kultureinrichtungen, Kinos und Gaststätten, zwei Wochen schließen Kirchen, Geschäfte, Friseure, Baumärkte. Im Wechsel werden so unterschiedliche Einrichtungen geöffnet, natürlich mit entsprechendem Gesundheitskonzept, so, dass es für alle mit Einschränkungen weitergeht, aber immerhin weitergeht und nicht ein Teil die größte Last trägt.

Ein anderer Vorschlag: Jene, die vom Staat festangestellt sind und die keine finanziellen Einbußen durch die Pandemie befürchten müssen, verzichten auf ein Monatsgehalt / das Weihnachtsgeld, mit dem die Hilfen für jene bezahlt werden, die viele Monate Verdienstausfall haben. Bei der weiteren Gerechtigkeit geht es um Steuern, um Hilfszahlungen, es geht um das Gesundheitswesen und die vielen, vielen Leerstellen, um das Reicherwerden der Allerreichsten im Pandemiejahr, um Aufmerksamkeitsökonomie und weshalb der kleinen Gruppe der Querdenkenden so viel Platz eingeräumt wird (z.B. in diesen Eintragungen), welche gesellschaftlichen Gruppen sich aus welchen Gründen öfter infizieren, um das Schulsystem, all die offensichtlichen Fragen.

Ich frage mich, weshalb ich zögere, diesen Eintrag zu schreiben, warum ich fürchte, es könnte naiv wirken, über Gerechtigkeit zu schreiben. Von Anfang war ein Blick auf die Pandemie einer, der sagt: Das Virus ist ein Brennglas. Es macht die tieferliegenden Probleme der Gesellschaft deutlich. Manche davon sind komplex, manche himmelschreiend ungerecht, einige ließen sich mit einem Satz lösen, andere nicht mit zehn tausendseitigen Buchbänden, manche Probleme sind eine Schande, jeder sollte sie ständig wütend auf der Zunge tragen, auf manche Fragen gibt es nur eine mögliche anständige Reaktion und manche Fragen haben viele Antworten, auch solche, die mir nicht gefallen würden.

Gerechtigkeit zu üben ist nicht einfach. Einfach aber sollte es aber zumindest sein, danach zu fragen und das immer immer wieder.

Ansonsten: Heute ist der erste bundesweite Aktionstag zur Kontrolle und Einhaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Prinz William und Herzogin Catherine beginnen eine mehrtägige Zugreise durch Großbritannien, auf der sie Heldeninnen der Coronakrise treffen wollen. In Heidelberg löst die Polizei einen aus zweihundert Teilnehmerinnen bestehenden »Glühweinspaziergang« auf. Wegen der steigenden Zahlen soll es in Thüringen zu Weihnachten und Silvester keine Lockerungen geben. Die Teststationen bei den Corona-Massentests in Österreich sind nicht ausgelastet. Mitglieder des Königshauses wollen ihre Impfung öffentlich machen, um so Menschen darin zu bestärken, sich ebenfalls impfen zu lassen. Rudy Giuliani infiziert sich mit SARS-CoV-2.

6. Dezember | Große Erwartungen

Was irritiert: Geschäfte, in denen ich ansonsten maximal zwei Kunden sehe, an deren Eingangstür ein Schild hängt »Für maximal 24 Kunden«.

5. Dezember | Die Zukunft von Begriffen

Ich frage mich, ob man jemals wieder unbefangen den Begriff querdenken benutzen werden kann, querdenken im ursprünglichen Sinn von »unkonventionell, originell denken«, wie lange es braucht, bis sich das Jahr 2020 aus dem Wort abgeschält haben wird oder ob querdenken zukünftig für jene stehen wird, die an der B86 Fahnen schwenken, ob die neue Bedeutung des Begriffs die alte für immer überschrieben haben wird, so wie das Dresdner Wir sind das Volk das Leipziger Wir sind das Volk ausgelöscht hat.

Ansonsten: Wen die Querdenkerinnen wählen.

4. Dezember | das sächsische wir

Ich schaue auf die Deutschlandkarte und ich sehe mein Sachsen dunkelrot eingefärbt; unter den sieben Landkreisen mit den höchsten Zahlen haben sich fünf sächsische Landkreise eingeordnet, der Landkreis, in dem mein Geburtsort liegt, ist ebenfalls dabei.

Ich denke an den Frühsommer, als der östliche Teil des Landes nur schwach eingefärbt war. Ich denke an Sachsen, wo es zeitweise verboten war, von Leipzig aus an den Cospudener See zu fahren, wo die Bestimmungen streng waren und wo es wieder hieß, das Virus betrifft uns nicht, wo dieses Foto entstand, der sächsische Ministerpräsident im interessierten Austausch mit einem Aluhuträger, der das Grundgesetz in der Hand hält, hoffentlich eines der bleibenden Bilder dieses Jahres, Günter Jauch soll es in seinem Jahresrückblick zeigen und die Freie Presse es als Starschnitt der Donnerstagausgabe beilegen.

Heute sagt der sächsische Ministerpräsident: »Wir haben dieses Virus unterschätzt« und plötzlich sind alle wir, plötzlich sind alle Sachsen und schon immer gewesen. Und irgendwie sind auch alle Sachsen, Bayern ist auf jeden Fall Sachsen und die Tönnies-Betriebe sowieso immer noch, Hildburghausen, auch Weimar.

Die Zahlen bleiben und damit auch die Farben und damit auch der Glaube, irgendwie durchzukommen bis Weihnachten, ohne vorher gezwungen zu sein, hart runterzufahren und damit das Weihnachtsgeschäft komplett dem steuerbefreiten amazon überlassen zu müssen, die Hoffnung, die vor Weihnachten schließenden Schulen und Kindergärten gleichen die Weihnachtsfestbewegungen aus, + und – könnten am Ende Null ergeben, also weiterhin roundabout 20000 Infektionen und roundabout 400 Tote.

In dieser Annahme ist lockdownlight verlängert auf Mitte Januar, Mitte Januar, wenn die Zahlen von Weihnachten in den Statistiken eintrudeln und dann wird der lockdownlight in Spiegelschrift geschrieben werden, das neue Jahr könnte beginnen, wie das alte nicht aufhörte.

Und es klingt so furchtbar zynisch, das so leichthin aufzuschreiben, das Offensichtliche zu benennen und die Hilflosigkeit zu sehen, das verständliche Zaudern und die daraus erwachsenen verständlichen Folgen. Heute sind es 448 Tote. Und wäre jemand von Familie Hoppenstedts darunter, würde das niemanden vom Kurs abbringen.

Die Mathematik sagt, mit diesem Vorgehen wäre man – und dieses man ist das sächsische wir – im April erfolgreich, dann wäre ein halbes Jahr Lockdownlight, ein halbes Jahr kein Sushi, ein halbes Jahr kein Konzert, ein halbes Jahr zwei Familien stehen im Park zusammen, kommt eine dritte hinzu, kommt das Ordnungsamt hinzu, so, wie das Sachsen mal temporär war und dann lange nicht mehr. (Und wie gern würde ich, anstatt ständig von Sachsen zu schreiben, und damit einer von vielen zu sein, der bereitwillig sächsisch als Synonym für wasauchimmer verwendet, auch mal vom Münsterland oder Schleswig-Holstein schreiben. Bei der nächsten Welle dann.)

Und niemand will die Schulen schließen und die Baumärkte schon gar nicht und alle hatten Zeit, sich im Sommer etwas zu überlegen, alle hatten Zeit, in drei Monaten die Schulen in das Jahr 2020 zu führen, damit, wenn dort von Digitalisierung gesprochen wird, nicht mehr das Geräusch eines Modems zu hören ist und alle öffnen die Fenster und lassen frische, saubere, aerosolreine Luft in die Münder der Schülerinnen strömen, die sich in ihren Daunenjacken über drei Klassenarbeit pro Unterrichtsstunde beugen müssen, weil es die Vorgaben eben so wollen, die Vorgebenden wissen weder ein noch aus, wollen irgendwie aufwachen aus diesem Alptraum und die Schülerinnen malen sich gegenseitig das Anarchie-A auf ihre Mundschutzmasken, die sie beim Lesen von Kafka tragen müssen und weil die Schülerinnen lesen, können sich die Eltern abrackern und wegen des Rackerns können die Eltern online was bestellen oder sich in die Thalia quetschen (120 Kunden gleichzeitig), damit 2020 zumindest etwas Schönes haben kann, nämlich Weihnachten, das ist das sächsische wir, wir haben dieses Virus unterschätzt, sagen wir.

Ansonsten: Das Filmstudio Warner Bros kündigt an, aufgrund der Situation im nächsten Jahr Filme zeitgleich mit ihren Kinostarts zu streamen. In Österreich starten die Massentests. Joe Biden schlägt vor, dass die Amerikaner die nächsten hundert Tage Masken tragen sollen. Mit 217664 neu bestätigten Fälle wird in Amerika die Höchstzahl vermeldet, dazu 2900 Tote. Das meistgesehene youtube-Video 2020 stammt von der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, »Corona geht gerade erst los«.

3. Dezember | die Zeit trägt mich an Land

Ich erinnere mich an März, den ersten Lockdown, wie ungeheuerlich die Vorstellung war, dieser Zustand könnte länger als ein paar Wochen anhalten. Ich erinnere mich an »Corona geht gerade erst los«, das Video von maiLab, die am 2. April erklärte, dass die Pandemie lange Zeit Normalzustand bleiben würde und wie es war, diese zu diesem Zeitpunkt schon angelesene Ahnung noch einmal unmissverständlich als das Geschehende übermittelt zu bekommen, die Erkenntnis, dass diese bisherige Veränderung nicht temporär, sondern fundamental ist, das Jahr 2020 unausweichlich ein Coronajahr sein wird, das Offenbaren einer Zukunft, irgendwie definitiv, jeder einzelne Tag eine zähe Masse, der März ein ewiger Zustand, heute nicht der 3. Dezember, sondern der 276. März, diese Ungeheuerlichkeit, diese kommende verlorengehende Zeit.

Gestern erklärt der Bundesgesundheitsminister, dass er mit Impfungen in Arztpraxen ab Frühsommer 2021 rechnet. Frühsommer ist fünf, eher sechs Monate entfernt. Und doch erscheint mir heute – im elften Monat der Pandemie – diese Entfernung wie ein Fingerschnippen. Ein Leuchtturmlicht und wenn Fuß an Land gesetzt wird, pendelt alles wieder zurück zur pandemielosen Normalität, alle Lesungen, Veranstaltungen, Sommerfeste wieder möglich, ab Frühsommer keine Coronamonate mehr, nur einmal kurz Luftholen, nur einmal noch die Augen geschlossen, nur drei Mal den Lockdown Light verlängert und ich brauche kein Wort mehr darüber zu schreiben, eine so andere Zeitentfernung als noch im März, obwohl die Monate sich ähneln, die Zeit, sie wird diesmal eilen, nicht verlorengehen, jeder vergehende Tag wird mich vom Strudel wegtragen, mich näher ans Land bringen.

Ansonsten: Der Chef der Ständigen Impfkommission warnt vor einer »Impfeuphorie«: Die Impfung der gesamten Bevölkerung werde Ende 2021 noch nicht abgeschlossen sein. Ab der nächsten Woche finden in Russland eine Millionen Impfungen mit Sputnik V statt. Die WHO empfiehlt das Tragen einer Maske bei Besuch von Gästen zuhause. Zu Weihnachten will die Bahn doppelt so viele Extrazüge wie in den vergangenen Jahren fahren lassen. Der Lockdown Light wird bis zum 10. Januar 2021 verlängert.

2. Dezember | Kettenverfolgung

Ich erfahre: Im lokal ansässigen Freundes- und Bekanntenkreis gibt es einen Quarantänefall. Sofort beginnt in meinen Gedanken ein Rattern, das Vervollständigen und Verfolgen einer möglichen Infektionskette: Wer hat wen wann unter welchen Umständen getroffen, könnten diese Umstände eine Infektion begünstigt haben, wann bin ich welcher Person wie begegnet, wie haben wir uns zueinander verhalten?

Ich muss abschätzen: Ist die gedachte Kette lückenlos? Und, falls die Wahrscheinlichkeit dafür hoch ist: Was mache ich jetzt? Warne ich sofort andere, die ich traf? Lasse ich mich testen? Begebe ich mich weiterhin unter Menschen?

Noch bevor die Überlegungen gerinnen können, kommt eine halbe Entwarnung: Ganz am Anfang schon ist die Kette brüchig. Kein Test schlug an. Das Virus hätte mehrere Pirouetten drehen müssen, um eine Hauptrolle in den nächsten Tagen der Coronamonate zu erhalten.

Bei aller Erleichterung bleibt die Zeit des Ratterns. Die Unsicherheit, die Unentschlossenheit, auch die Trägheit, sofort zu reagieren, das Ausharren in Erwartung eines glimpflichen, letztlich eingetretenen Endes erscheint im Nachhinein wie ein Testlauf für die kommenden Monate.

Eine Million Deutsche (eine Zahl, die seltsamerweise bisher nicht hier auftauchte) sind infiziert (gewesen), jede 82., den ich treffe, muss das Virus in sich getragen haben, wahrscheinlich sind es mehr. Und für jeden dieser 82 gab es eine Infektionskette, gab es von den Menschen in deren Umgebung dieses Rattern, Abwägen und Vervollständigen, es ist weniger Ausnahme, als ich annehmen sollte.

Ansonsten: Weil im Londoner Sea Life Aquarium wegen Corona keine Besucherinnen kommen, werden den Pinguinen gegen die Einsamkeit Weihnachtsfilme gezeigt. Der Berliner Nachtclub KitKat wird zum Corona-Testzentrum umfunktioniert. Biontech und Moderna beantragen die Zulassung ihrer jeweiligen Impfstoffe in der EU.

1. Dezember | Stufe gelb

Der Kindergarten schaltet um auf Stufe gelb: verkürzte Öffnungszeiten, verkleinerte Gruppen, Gebäude-Betretungsverbot. Dazu wird sich bedankt für die »entspannte Atmosphäre, mit der nicht änderbaren Situation professionell umzugehen.«

So routiniert erfolgt der Stufenwechsel, so wenig Grund gibt es, mit der nicht änderbaren Situation unprofessionell umzugehen, dass es keine weiteren Worte der Beschreibung dessen braucht. Ich bin froh, dass reagiert wird. Stufe gelb ist länger schon Normalzustand und die Situation in den Schulen und Kindergärten sowieso eine, in der viele der Widersprüche, die in dieser Pandemie auszuhalten sind, aufeinandertreffen, besser ineinanderkrachen.

Draußen auf dem Theaterplatz spielt inzwischen das Orchester. Wirsindda, zusammenhalten für die Kultur, fast deutschlandweit Aktionen. Ein Mediziner erklärt in dem Video, weshalb sie Notfallpatientinnen abweisen müssen und der erste Schnee in diesem Jahr bleibt liegen.

Ansonsten: Als Wort des Jahres wird Corona-Pandemie gekürt, nur zwei der Begriffe auf der 10er-Liste haben nichts mit Corona zu tun. In einem Videochat mit der Kanzlerin fordern Polizistinnen klarere Corona-Vorgaben. Deutschlands neuer Corona-Hotspot ist Passau. Mindestnähe: Maske

————

November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | komplett

Sag etwas dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s