Alben 2021. Die guten Momente dieses Winters.

Black Country, New Road – For the First Time

Ungewohnt, wenn nach wenigen Wochen im Jahr schon das Album feststeht, welches mich das Jahr über begleiten wird. Eine Mischung aus allem, was mich an Musik begeistert, ein unfassbares Zusammenspiel so unterschiedlicher Elemente, so viel wunderbare Dissonanz, so viel Kraft, so viel Musikalität, so, als würde die Band seit Dekaden zusammenspielen und doch erst in dieser Minute das unberechenbare Neue schaffen. Was für eine Reise. Wenn ich nur ein Konzert frei hätte für den Rest meines Lebens, es wäre diese Band. Im Zentrum das irre, wahnwitzige Sunglasses, zehn Minuten Spoken Word, für die Jonathan Franzen drei Romanzyklen braucht.

Fritzi Ernst – Keine Termine

Zufall, dass es erst einen Zeitungsartikel braucht, damit ich das Album verstehen kann. Davor war es das gute Album der Melancholischen von Schnipo Schranke. Dann verstand ich: Keine Termine erzählt von Depression. Das Verkriechen in Höhlen, das Verstreichenlassen von Tagen, und kurz vor dem Ende Den Rubin, ein Abgrund. Ein Album, das mich erdrückt.

Emma Ruth Rundle – Engine Of Hell

Erwartbar, dass es in jeder Jahresliste (mindestens) ein Album benötigt, das klingt, als wäre es in der Mitte der 90er Alternative-Jahre entstanden. Die einfachen und effizienten Akkordwechsel, die klagende Gitarre und die Last des Seins ohne jede ironische Brechung. Und im Zentrum, ganz am Anfang The Return, von solch unfassbarer Ewigkeit.

Mogwai – As The Love Continues

Dankbar bin ich, dass Mogwai einfach nicht aufhören, sondern jedes Jahr ein Album oder einen Soundtrack in den Orbit schießen, der ähnlich klingt und in den ich mich dennoch wochenlang fallen lassen kann. Ihr 13. Album ist ihr erfolgreichstes und das mit allem Recht. Im Zentrum der beste Teenage-Angst-Popsong des Jahres Ritchie Sacramento.

Aeon Station – Observatory

Verspätet ist dieses Album in meinen Kanon gerutscht. Vor 18 Jahren hörte ich The Wrens und The Meadowlands wochenlang, diese Melodien, diese Wucht, dieses beglückende Rumpeln. Dass Aeon Station eine Art Nachfolgeband sind, glücklicherweise entging mir diese relevante Information nicht. Und was höre ich Observatory seither. Lauter vorwärts eilende Stücke, voller Mut und Blick für das Wesentliche. Im Zentrum Fade, ein Lied, das mich immer an die guten Momente dieses Winters erinnern wird.

Billie Eilish – Happier Than Ever

Verschämt fast nehme ich dieses Album in den Jahreskanon auf, weil: Ist diese Musik überhaupt für mich gedacht? Und wenn: Mag ich das überhaupt, diesen viel zu verfrüht erscheinenden Wechsel von Teenage Angst zu Glamour? Nach dem vier oder zehnten Hören verstehe ich, dass es – neben der Vielzahl reifer und toller Kompositionen und dem punktgenauen Minimalismus – genau dieser Wechsel ist, der das Album besonders macht und auch noch in Jahren strahlen lassen wird. Im Zentrum das lakonische Everybody Dies.

Smerz – Believer

Erstaunt bin ich zuallererst über mich, dass ich dieses Album, das auf dem Papier wie artifizielle Skizzen aus einer um Experimente bemühten Hipstervorhölle anmutet, wieder und wieder höre, bis die Brüche und Versuche sich ihrer eigentümlichen Kälte entledigen und darunter ein pulsierender Stern zum Vorschein kommt. Im Zentrum nichts und damit alles, kein Kreis, sondern ein Neben- und Nacheinander von Kometenschweifen.

Auch gern gehört

The Notwist – Vertigo Days

Weezer – OK Human

Snail Mail – Valentine

The Linda Lindas – The Linda Lindas EP

Godspeed You! Black Emperor – G_d’s Pee at State’s End!

Maybeshewill – No Feeling Is Final

Little Simz – Sometimes I Might Be Introvert

Dinosaur Jr. –     Sweep It into Space

Low – Hey What

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