Hinter diesen leeren Augen brennt eine Mülltonne. Links.

But based on history we are due another period of destruction, and based on history all the indicators are that we are entering one.
History tells us what may happen next with Brexit & Trump

Der Frage, wie man es verhindert, dass eine signifikante Anzahl von Menschen sich nicht zugehörig fühlt und radikalen Religionspredigern lieber folgt, als Fußball zu spielen, ein Bier zum Feierabend zu trinken oder auf eine Party zu gehen. Sogar sosehr, dass manche diese Dinge zerstören wollen. Dann sprechen wir nicht mehr von 10.000 Soldaten, sondern von 10.000 Sozialarbeiter_innen.
Zwei Gedanken zu Nizza

Wilders ist am offensichtlichsten verhaltensgestört. Irgendwo hinter diesen leeren Augen brennt eine Mülltonne.
Im siebten Stock der Hölle

Wenn ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer versinkt, dann finde ich das eine gute Nachricht.
Der Hass im Netz Weiterlesen

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ich wir sie die anderen

Ich fahre in einem Zug. Den Gang gegenüber sitzt ein Paar. Sie sind vielleicht Mitte Zwanzig. Es gäbe viel, was ich an ihnen beschreiben könnte. Ich beschreibe: Sie hat ein Tuch um ihren Kopf geschlungen, es verhüllt Teile ihres Gesichts. Der Mann hält die Fahrkarte in den Händen. Als der Schaffner erscheint, spricht nur der Mann. Sie vermeidet jeden Blick.

Ich weiß nichts von ihnen. Jede Annahme ist falsch. Sie kommen nicht von hier. Ich denke: Was, wenn sie fünfundzwanzig Jahre in einem kleinen Dorf weit in den Bergen gelebt haben und mit den Vorstellungen, die die Menschen in dem Dorf haben, aufgewachsen sind? Wenn daher ihre Werte rühren, ihre Sicht auf die Welt. Und was, wenn sie jetzt hier sind und bleiben werden wollen müssen? Und wir und sie feststellen, dass es Gemeinsamkeiten gibt und Unterschiede?

Die, die ich sehe, sind die Anderen. Weiterlesen

Theater in Weimar.

dnt weimar - diskussion

Wir sitzen im Deutschen Nationaltheater Weimar. Das allein ist schon eine Sensation. Denn das DNT existiert, wie jemand später anmerken wird, seit den Kreuzzügen. Dann kam die Entdeckung Amerikas, dann Goethe, dann Friedrich Ebert, dann die Nazis, dann der Sozialismus, dann der Kapitalismus.

Heute kommen der Oberbürgermeister und der Intendant, der Kulturminister und die Staatssekretärin ins DNT. Sie sitzen auf der Bühne und sprechen vor vielen Weimarern über die Zukunft des Theaters. Oder anders: So gut wie alle sprechen über die Zukunft des Weimarer Theaters. Der Minister spricht über die Zukunft der Theater in Thüringen.

Auch in Zukunft wird es Geld geben. Für Theater. Aber weniger. Oder mehr. Auf jeden Fall anders. Dafür reist der Minister in Thüringens Theaterstädte und spricht in den Theatern über die Zukunft dieser Theater. Jede Theaterstadt wird zu Recht erklären, dass gerade dieses eine Theater unverzichtbar sei; Arbeitsplätze, Stadtidentität, Lebensmittelpunkt, über Jahre gewachsenes Kulturbiotop, Integrationsarbeit, Bildungsort. Für Weimar und die Weimarer, wird in Weimar gesagt, sei das Theater die Seele der Stadt.

Schnell werden zwei Dinge klar: Weiterlesen

Miteinander reden am Wielandplatz

wieland (4) Da ist ein Platz in einer Stadt. Und der Platz liegt mitten in dieser Stadt. Am Abend kommen Menschen dorthin. Sie holen Bier aus dem angrenzenden Supermarkt, sie sitzen auf Steinbänken und sie reden miteinander.

Da sind Anwohner. Sie wollen schlafen, wenn es dunkel wird, weil sie am nächsten Morgen früh aufstehen müssen. Sie können nicht schlafen, weil sie hören, wie auf dem Platz Menschen miteinander reden.

Da sind Geschäftsleute und eines der Geschäfte ist ein Hotel und einigen Hotelgästen geht es wie den Anwohnern, sie können nicht schlafen und vielleicht bewerten sie deshalb das Hotel auf Portalen mit wenigen Sternen, weshalb sich zukünftig Gäste gegen einen Aufenthalt in diesem Hotel entscheiden könnten.

Da ist das Zitat einer Hoteldirektorin:

»Wer aber Weimar besucht, glaubt, eine Kleinstadt zu besuchen. Man erwartet keine belebte Piazza, in der auch nachts das Leben tobt. Gäste, die Weimar besuchen, kommen mit einer ganz anderen Vorstellung.« Weiterlesen

Ich und meine Selfiestange.

analoge selfiestangenIch will an einem Ort sein. Dieser Ort ist mir fremd und ich bin dort allein. Aber ich werde diesen Ort besichtigen. Ich überlege, was ich dafür brauche: Geld natürlich, eine 0,5 Liter-Flasche Mineralwasser vielleicht, einen Regenschirm zum Schutz, eine Packung Papiertaschentücher, mein Smartphone. Und einen Stock. Eine Stange. Einen Selfiestick.

Die Stange ist bis zu einem Meter lang. Sie wiegt zweihundert Gramm. An die Spitze schraube oder klemme ich mein Smartphone. Meine Hand führe ich durch die Sicherheitshandgelenkschlaufe. Per Bluetooth sind Smartphone und Auslöser miteinander verbunden.Die Aufgabe meiner Selfiestange ist es, den Abstand zwischen Kamera und meinem Gesicht zu vergrößern; denn zu nah abgelichtet verzerrt es Augen, Nase, Mund – also mein Gesicht.

Mit meiner Selfiestange gehe ich nun zu diesem Ort. Denn ich weiß:

Es genügt nicht, irgendwo zu sein.

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Beisitzer der Demokratie.

7:30 Uhr kommen die Beisitzer. Da liegt die Demokratie noch in einem silbernen Koffer: die dokumentensicheren Stifte, das Klebeband, Flachsband aus Naturfaser. Auf der Wahlliste sind noch keine Haken hinter Namen gesetzt, die Wahlzettel sind in einer Plastikbox verwahrt. Alles ist möglich und damit das so sein kann, ist jeder Augenblick einer Wahl genau geregelt.

Die meisten Beisitzer kennen sich von anderen Wahlen – Europa, Kommunal, Bundestag. Sie wissen, was zu tun ist. Verrücken die Tische. Klappen drei Wahlkabinen auf. Binden mit dem Flachsgarn Stifte daran fest. Hängen Muster der Wahlzettel aus. Der Vorstand ist zufrieden. So kann er die Einsatzfähigkeit seiner Wahlgruppe melden.

Schon 7:59 Uhr erscheint die erste Wählerin. Frühschicht. Eine Minute wird gewartet, denn erst um acht darf die Wahl beginnen. Sie zeigt ihre Wahlbenachrichtigung vor. Darauf steht eine Nummer. Diese wird in der Wahlliste gesucht. So wird der Name gefunden, das Geburtsdatum, die Adresse. Die Beisitzer vergleichen diese Daten mit dem Ausweis. Alles korrekt. Die erste Wählerin erhält einen Wahlschein, geht damit zur Kabine, setzt zwei Kreuze. Vielleicht auch zehn und macht so den Schein ungültig. Davon dürfen die Beisitzer aber nichts wissen.

Anschließend wird ihr die leere, offene Urne gezeigt. Sie bezeugt, dass bisher keine Wahlscheine darin liegen. Der stellvertretende Wahlvorstand verschließt die Urne und versiegelt sie. Die Wählerin wirft ihren Schein ein. Die erste Stimme dieses Tages.

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Glätten von Wogen. Das neue Bauhaus-Museum in Weimar.

Neues Bauhaus-Museum Weimar - Plan

In Weimar soll ein neues Bauhaus-Museum entstehen. Ein Großprojekt, lange angekündigt, lange geplant, lange diskutiert. Und es ist ja immer spannend zu sehen, wie Dynamiken entstehen. Wann wer aus welchem Grund sich dafür oder dagegen ausspricht, was geschehen muss, damit die Diskussion vom kleinen Kreis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit springt und sich möglicherweise sogar zu einer Kontroverse auswächst.

Beim Bauhaus-Museum geschah das vor zwei Wochen. Die »Initiative Stadtforum« hatte in der Zeitung eine Simulation mit falschen Größenangaben veröffentlichen lassen, welche den Eindruck erweckte, das Gebäude wäre ein monströser, den Park verschandelnder Betonklotz. Dass direkt nach der Veröffentlichung eine maßstabsgetreue Ansicht dagegen gesetzt wurde, half nicht mehr viel.

Ein Bild war in der Welt, ein Streit entbrannt – über mangelhafte Kommunikation, fehlende Einbeziehung der Bürger, die ewige Frage von Kosten und Nutzen gestellt. Weiterlesen