Horst Seehofer hält drauf


Horst Seehofer hält drauf. Der Zug fährt im Kreis und rast auf einen anderen zu. Wenn Horst wollte, könnte er das verhindern; Weiche umstellen, abbremsen, anhalten, aussteigen. Horst will das nicht. Der Zug kracht hinein. Frontalcrash. Horst verzieht keine Miene. Macht er nie. Wenn er lächelt, dann mit der Milz.

Es ist Samstag Abend. Gerade hat Kroatien Dänemark aus der WM geschossen. Horst hat sich in sein mobiles Modelleisenbahnzimmer zurückgezogen. Das hat er immer dabei, kann er jederzeit aufbauen. Seine Züge lässt er über ein Deutschland im kleinen Maßstab rollen. Dafür hat er sich ein eigenes Deutschland gebaut; fünfundneunzig Prozent der Fläche nimmt Bayern ein, der Osten und der Norden kommen gar nicht vor, ein kleiner Provinzbahnhof ist Berlin. Hier kann er schalten, wie er will.

Horst überlegt, was er eigentlich will. Im Grunde ging es immer darum, den größtmöglichen Schaden anzurichten; für die Parteien, das Land und Angela, vor allem für Angela. Im Finale hat er sie dort angegriffen, wo sie sowieso verwundbar ist. Ist bedingungslos Kontra gegangen und hat noch drei drauf gesetzt, sicherheitshalber zwei mehr als Kruzifixsöder und Asylindustriealex. Weiterlesen

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Über Spahn, Storch, Kollegah und den Hund von Jens Jessen

Jens Spahn

Ich weiß noch genau, wann ich Jens Spahn zum ersten Mal als Jens Spahn wahrnahm. Es war in einer dieser sogenannten politischen Gesprächsrunden, die ich seither nur noch anschaue, um den Kontext mancher Tweets zu verstehen. Das Thema hieß Rente und Jens Spahn war so jung wie ein Fußballprofi im besten Alter, jünger als Thomas Müller also, jünger als Toni Kroos, irgendwo zwischen Joshua Kimmich und Mario Götze. Ich dachte noch, warum CDU, warum schickst du einen so jungen Menschen in diese Gesprächsrunde, du musst doch von Haus aus für Rente sein.

Aber Jens Spahn war kritisch der Rente gegenüber, er wollte die Rente abschaffen, er wollte, dass alle Alten ihre bisher erhaltene Rente an Junge wie Kimmich (der damals noch in der Jugendmannschaft des VfB Bösingen gespielt haben musste) oder Jens Spahn zurückzahlen sollten. Ich dachte, was für ein pauschaler Unsinn, Jens Spahn, und hatte keine Ehrfurcht vor seiner Meinung, nicht mal Respekt vor seiner kühnen Aggressivität, weil mir Spahn schien wie einer, der aus Karrieregründen in die Haut eines strebsamen Trolls geschlüpft war, einer, der sagt, was niemand hören will, was alle aber ganz gern hören, weil einer muss es ja sagen, weil sich sonst alle einer Meinung sind – boring. Jens Spahn war einer, der badete darin, der verlangte sogar noch mehr von dem kopfschüttelnden Abscheu, mit dem man ihn übergoss. Und man goss bereitwillig.

Ebenfalls kam mir der Gedanke, dass man von dem Spahn noch was hören würde und war gespannt, ob seine Meinung irgendwann zählen würde, ob man seinen Aussagen tatsächlich einmal Bedeutung zuschreiben würde, dass aus seinem Widerspruch des Widerspruchs willen einmal Konsequenzen folgen würden. Anders gesagt, ich war gespannt, ob Jens Spahn eines Tages ein erfolgreicher Politiker werden würde, also einer mit Macht. Weiterlesen