Mesut oder nicht – Die große Samstagabendshow mit Markus Lanz

Markus Lanz ist zufrieden. Ihm und seinen Leuten ist es gelungen, innerhalb weniger Tage eine große, ach, die größte Samstagabendshow auf die Beine zu stellen. Das war wichtig. Immerhin geht es um das Thema, das die Nation wie kein zweites spaltet. Mesut Özil. Also Fußball. Also das Mitsingen der Nationalhymne. Also der Verlust von Fußball als gesellschaftlicher Konsens. Also Vorbildfunktion als sportlicher Repräsentant. Also eklige Medienkampagne. Also wie man mit freiheitsfeindlichen Meinungen in einer freien Gesellschaft umgehen soll. Also Leben zwischen verschiedenen Kulturen. Also wer welche Kultur wie begründet. Also wer für sich in Anspruch nimmt zu entscheiden, wer wo dazu gehört. Also Diskriminierungserfahrungen. Also wie ernst nichtdiskriminierte Deutsche Diskriminierungserfahrungen anderer Deutscher nehmen. Also systemische Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Also Deutschsein.

Es ist wahnsinnig kompliziert. Deshalb haben sich Markus Lanz und seine Leute überlegt, wie es ganz einfach wäre. Was wäre einfacher zu verstehen als eine Samstagabendshow? Ihre Idee: In Mesut oder nicht entscheidet sich jeder für eine von zwei Seiten. Mesut. Oder eben nicht. Das Besondere daran: Jeder Deutsche – gleich, aus welchem Land ihre Eltern kommen – nimmt daran teil. Zwei Hot Buttons, einer MUSS gedrückt werden. Damit ist die Sache dann erledigt. Weiterlesen

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Der in Gold gegossene Moment

Diesen Donnerstag fuhr ein Truck zum Schiller-Goethe-Denkmal. Er hatte den WM Pokal von 2014 geladen. Der Deutsche Fußballbund hatte eine sogenannte »Ehrenrunde« organisiert und den Pokal, die »2014 FIFA World Cup Winner’s Trophy«, auf Deutschlandtour geschickt. Um den Pokal zu sehen, musste man sich ein grünes Bändchen holen und für fünfzehn bis fünfundvierzig Minuten in der sattprallen Sonne stehen. Dazu gab es Würstchen, Bier, Torwandschießen, Livemusik und zahlreiche Aufsteller, die rund um die WM in Brasilien informierten.

Eines dieser Schild fragte: »Wo warst Du in der 113. Minute?« In dieser Minute fiel ein Tor, das über Vize- und Weltmeisterschaft entschied. Ein eigentlich unmöglicher Moment: Flanke, Annahme mit Brust, Ablegen auf Fuß, Schuss, spitzer Winkel, dennoch am Torwart vorbei. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zusammenspiel solch komplexer Aktionen zum Erfolg führt, ist gering. Doch es gelang.

Der Pokal ist dieser in Gold gegossene unwahrscheinliche Moment. Dieser Moment hat dieses Danach ermöglicht: Die Ehrenrunde, die Trucks, die Aufsteller, die Vitrine, die grünen Bändchen, die Livemusik, die Fanfotos, auf denen Mütter mit Töchtern stolz den Daumen recken, die Fotos, auf denen sonnenrotgebrannte Väter schwarz-rot-goldene Papierketten tragen.

Aufgrund dieses einen Moments ist dieser Donnerstag auf dem Theaterplatz in Weimar genau so, wie er ist.

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