Berlin Festival 2013. Der Unterschied zwischen Feuer und Licht.

  Berlin Festival - Dillon

Angenommen, eine gigantische Kuppel würde sich über das Berlin-Festival stülpen. Vielleicht genau dann, wenn Damon Albarn „Beetlebum“ singt, an der Stelle von „Because you’re young“. Unter dieser Kuppel wäre dieses Festival festgehalten, mit all seinen Menschen, seiner Musik, seinen kleinen Dramen, Widersprüchen und Glücksmomenten. Was geschieht, wäre dreifach, vierfach intensiver, das Großartige ebenso wie das Banale. Wie wäre das dann?

Berlin Festival

Zuerst einmal das Gelände. Berlin Tempelhof. Ausrangierte Flugzeugtypen. Angestrahlte Fassaden. In den Hangars die Bühnen. Überall Buden, die verkaufen, was das Zeug hält. Die Dienstleistungsunternehmen, die hier die Möglichkeit haben, direkt mit der Zielgruppe zu kommunizieren. Die Katzenmasken verschenken und 30 Tage freien Internetzugang. Lauter gutgemeinte Angebote, die der interessierte Festivalbesucher nutzen kann, wenn im Zeitplan gerade drei Minuten Pause bleiben oder Fritz Kalkbrenner auflegt.

Die Festivalbesucher. Eher urbane Gestalten, die, so ist das Festival angelegt, nicht zelten werden, sondern per Fahrrad oder U-Bahn am frühen Abend eintrudeln, optimal oder bewusst weniger optimal gestylt sind, schaulaufen, schnattern, sich treffen, abhängen, konsumieren, oftmals auch Musik.

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Jahresliste: Alben 2011. Hyperrealitäten im Zehnerpack.

1. Dillon – This Silence Kills

25. November 2011. Lese diesen Tweet. Beginne gleich darauf die Suche nach legalen Möglichkeiten, mehr von Dillon zu hören. Breche nach der Textzeile „You don’t like Sonic Youth? / So fuck off and die too!“ in die Stadt auf. Stöbere in den beiden verbleibenden Geschäften der Stadt, die noch Tonträger verkaufen, nach This Silence Kills. Finde nichts. Kehre zurück nach Hause. Kaufe das mp3-Album. Höre This Silence Kills drei Wochen am Stück. Glaube, kratze immer noch nur an der Oberfläche. Suche nach Superlativen, welche angemessene Worte sein könnten. Finde bisher keine.

2. Yuck – Yuck

Yuck sind Speerspitze des ersten Revivals, von dem ich gern behaupte, das Original hätte ich schon einigermaßen mitbekommen. Und im Gegensatz zu Eurodance oder Roxette finde ich das heute mindestens genauso gut. Warpaint haben ja im letzten Jahr schon einmal vorgemacht, wie es klingen kann, wenn der 90er Jahre College-Alternative-Postgrunge-wasauchimmer neu interpretiert wird. Auch J. Mascis hat 2011 ein fantastisches Album veröffentlicht und Wet Paint zitieren auf Woe außerordentlich gelungen die großen Vorbilder. So leichtfüßig wie Yuck schafft das allerdings niemand. Jedes Stück klingt wie ein Klassiker, der schon zwanzig Jahre auf dem Buckel haben müsste und den man deshalb um so lieber hat. Was unbedingt als Kompliment zu verstehen ist.


3. Low Vertical – I Saw a Landscape Once

Es ist natürlich unangemessen, eine Band gegen die andere auszuspielen. Trotzdem muss ich schreiben, dass mich Radioheads The King of Limbs komplett kaltgelassen hat. Ganz im Gegenteil zu Low Vertical. Deren Importalbum I Saw a Landscape Once ist, polemisch verkürzt, die beste Radiohead-Platte seit Amnesiac. Denn hier steht trotz aller elektronischen Experimentierfreude immer das Lied im Mittelpunkt. Wächst und wächst und wächst, bis es unverzichtbar wird.

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Jahreslisten: Lieder 2011. Fünfundsiebzig außerkörperliche Erfahrungen.

Jede Liste ist ein Ausdruck von Scheitern. Deshalb könnte hier auch die Top 4, 8, 15, 16, 23 oder 42 stehen. Würde genausoviel Sinn ergeben und ebenso wenig. Sind aber 75 Lieder geworden, von denen ich hoffe, dass sie mich weit über 2011 hinaus begleiten werden.

1. Adele – Rolling In The Deep

Wie schrieb ich vor knapp einem Jahr: Kaum sind jedoch meine Die besten Lieder 2010 gewählt, ist mir klar, was „Rolling in the Deep“ ist: ein Klassiker. Jetzt schon unverzichtbar. Anders gesagt: Ich möchte, dass die kommenden Tage nur aus diesen drei Minuten dreiundfünfzig Sekunden bestehen. Ersetze „die kommenden Tage“ durch „2011“ und es ist das Lied, was ich etwa 200+ mal gehört habe (und davon etwa die Hälfte im Supermarkt). Aber egal. Denn spätestens ab There’s a fire starting in my heart sind alle eventuellen Übersättigungsgefühle auf Null gesetzt.

And you played it to the beat

2. Heather Nova – Everything Changes


Even the pain hurts like it should

3. Street Chant – Less Chat More Sewing

Wenn man von Musik begeistert ist, dann spricht man oft davon, dass sie einen direkt erwischt. Ohne Vorwarnung, aus dem Nichts taucht etwas auf und krallt sich fest. Im Kopf, im Körper, womit man Musik eben erfassen kann. Erst viel später wird klar, was eigentlich passiert ist. Oder auch nicht. Was meistens auch besser so ist. Musik nicht verstehen, sondern eine Hand zur Faust und mit der anderen sich die Gegenwart krallen. Und weil man ich ist, schreibe ich: Ich habe nichts verstanden. Möchte aber, dass die nächste Revolution von diesem Lied angeführt wird.

There’s no point in hating / but`ll do it anyway

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