Mesut oder nicht – Die große Samstagabendshow mit Markus Lanz

Markus Lanz ist zufrieden. Ihm und seinen Leuten ist es gelungen, innerhalb weniger Tage eine große, ach, die größte Samstagabendshow auf die Beine zu stellen. Das war wichtig. Immerhin geht es um das Thema, das die Nation wie kein zweites spaltet. Mesut Özil. Also Fußball. Also das Mitsingen der Nationalhymne. Also der Verlust von Fußball als gesellschaftlicher Konsens. Also Vorbildfunktion als sportlicher Repräsentant. Also eklige Medienkampagne. Also wie man mit freiheitsfeindlichen Meinungen in einer freien Gesellschaft umgehen soll. Also Leben zwischen verschiedenen Kulturen. Also wer welche Kultur wie begründet. Also wer für sich in Anspruch nimmt zu entscheiden, wer wo dazu gehört. Also Diskriminierungserfahrungen. Also wie ernst nichtdiskriminierte Deutsche Diskriminierungserfahrungen anderer Deutscher nehmen. Also systemische Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Also Deutschsein.

Es ist wahnsinnig kompliziert. Deshalb haben sich Markus Lanz und seine Leute überlegt, wie es ganz einfach wäre. Was wäre einfacher zu verstehen als eine Samstagabendshow? Ihre Idee: In Mesut oder nicht entscheidet sich jeder für eine von zwei Seiten. Mesut. Oder eben nicht. Das Besondere daran: Jeder Deutsche – gleich, aus welchem Land ihre Eltern kommen – nimmt daran teil. Zwei Hot Buttons, einer MUSS gedrückt werden. Damit ist die Sache dann erledigt. Weiterlesen

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Du wirst Mario Götze sein.

Du kannst es noch nicht wissen.

Gerade hast du die Flanke mit der Brust gestoppt. Gerade hast du den Ball auf deinen Fuß tropfen lassen und ihn dann, aus nahezu unmöglichem Winkel, ins Tor geschossen. Gerade eben ist das passiert. Du kannst nicht wissen, was das bedeuten wird.

Vielleicht wird Fußball in sechzig Jahren noch den gleichen Stellenwert wie heute haben. Falls ja, wirst du in sechzig Jahren immer diese zwei Sekunden sein – Flanke annehmen, Ball abtropfen lassen, ins Tor schieben. Zwei Sekunden für immer.

Von nun an wirst du der sein, der in der hundertdreizehnten Minute der »goldenen Generation« ihren verdienten Titel gewonnen hat. Sie werden dich in Gesprächsrunden einladen, zu Interviews, in Spielshows wirst du gehen, gefragt werden wirst zukünftig zu allem, was mit Fußball zu tun haben wird. Deinem Namen werden sie von nun an immer den Zusatz »Weltmeistertorschütze« anfügen.

Du wirst für Autos, Shampoo und Baumärkte werben und dabei immer eine Anspielung auf Flanke/abtropfen/Tor machen. Sie werden dich und dein Tor in unzählige Rückblicke auf die vermeintlich größten Momente dieses Landes schreiben und schneiden. Du wirst alt werden und du wirst immer zweiundzwanzig sein. Weiterlesen

Wie Deutschland 2012 Europameister wurde.


Hätte Deutschland gegen Italien verloren, wenn eine der großen Chancen der Anfangsviertelstunde genutzt worden wäre? Ziemlich sicher nicht. Aber so geht Hummels Schuss nach fünf Minuten eben NICHT rein und die italienische Hintermannschaft murmelt sich den Ball fünf Zentimeter neben das eigene Tor, und schon stellt man hilf- und phantasielos Dinge in Frage, die über Jahre großartig waren.

Offener Brief von Arnd Zeigler

Deutschland – Portugal 0:1

Die deutsche Mannschaft startet schlecht ins Turnier. In einem zähen Spiel tun sich die Deutschen mit einer starken portugiesischen Defensive sehr schwer. Khedira flankt in der 72. Minute auf Gomez, der den Ball allerdings nicht optimal erwischt und knapp am Tor vorbei köpft. Als sich Boateng kurz darauf von Cristiano Ronaldo täuschen lässt, trifft dieser zur Entscheidung.

Die BILD schreibt: Zwerg Gomez und die zehn Versager. Beginnt jetzt das große Zittern?

Niederlande – Deutschland 1:1
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Höwedes.

Wenn das Spiel an dir vorbeiläuft, musst du was tun. Da kannst du nicht ewig in der Defensive bleiben. Wenn du nur verteidigst, kannst du nicht gewinnen. Die anderen stürmen und irgendwann werden sie ein Tor schießen. Du wirst diesen einen Schritt zu spät gekommen sein, du wirst ein einziges Mal nicht hoch genug gesprungen sein, du wirst einmal nicht auf den Ball geschaut haben, sondern auf den Mann und dich dann von einem Übersteiger täuschen lassen. Dann wirst du dir nicht anders zu helfen wissen, als das Bein lang zu strecken und loszutreten. Jemand wird zu Boden gehen, die Arme theatralisch von sich gereckt, leidend, voller Schmerz wird sich jemand auf dem Rasen kugeln, minutenlang, bis der Freistoß, der Elfmeter, die gelbe Karte gegeben ist. Draußen von den Rängen werden sie pfeifen, deine Nebenspieler werden dich zur Rede stellen, du siehst deinen Trainer hektisch gestikulieren. Du wirst ganz unten sein.

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Der Schönste, der Stärkste, der Allerbeste.

Alle vier Wochen trafen wir uns am Sandplatz bei der Flussbiegung: Javier, Dirk, Mathijs, Krzysztof, Harry, Giuseppe und die anderen. Ein Spiel sollte ermitteln, wer der Schönste, Klügste und Stärkste von uns sei. Dem Gewinner würde unsere kleine Welt gehören, jedenfalls für die nächsten Wochen.

Zuerst einigten wir uns auf die Mannschaften: Wie immer wollte niemand Eoin oder Vladyslav haben. Warum sie überhaupt dabei waren, wusste niemand so recht. Ein Münzwurf entschied die Seite. Dann begann der Kick.

Es dauerte eine Weile, bis sich alle zurechtgefunden hatten. Doch bald schon spielten sich Dirk und Javier in einen Rausch. Sie brillierten mit ausgeklügelten Spielzügen, hielten den Ball nie länger als eine Sekunde am Fuß und öffneten mit geschickten Laufwegen Räume. Sie hatten ein Konzept, das Ästhetik und Intelligenz vereinte. Mit offenen Mündern ließen wir sie gewähren, denn trotz aller Eleganz blieb ihnen vorerst ein Tor versagt.

Javier war über die Wochen satt geworden von seinem Erfolg. Dirk hingegen gab sich zuversichtlich, weil er glaubte, dass diesmal seine Zeit gekommen wäre. Die Zuschauer sahen das ähnlich. Sie trugen Shirts mit Dirk, Perücken mit Dirk und schwenkten Dirk-Fahnen. Selbst der Rektor hatte letztens bestätigt, dass es wieder okay wäre, auf Dirk stolz zu sein. Jeder erwartete einen fulminanten Sieg von Dirk. Eine Niederlage, soviel schien klar, war nicht vorgesehen.

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Aber naja.

Auch wichtig: Niedliches

Eigentlich wollte ich etwas schreiben. Zum Beispiel zu Gesundheit. Begonnen hätte ich meinem Verweis auf den Artikel Klammes Hessen pumpt Millionen in Privatuni, der ausführt, wie das Land Hessen die European Business School mit 24 Millionen Euro unterstützt. Also eine private Universität, keine staatliche. Ich hätte etwas über den freien Markt geschrieben und so zur Gesundheits(reform) übergeleitet, wo ja der freie Markt zukünftig für Gerechtigkeit sorgen wird, da der Zusatzbeitrag die Konkurrenz zwischen den Krankenkassen befeuern wird. Und vielleicht hätte ich auf folgenden Satz dieses Artikels hingewiesen:

„Damit die Ehrlichen nicht die Dummen sind, müssten gleichzeitig die Barrieren, das Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen, erhöht werden – etwa durch eine Praxisgebühr pro Arztbesuch und nicht pro Quartal.“

und gefragt, was eigentlich die aktuelle Definition von sozial ist.

Ein weiterer angefangener Text hätte die Volksabstimmung in Bayern zum Nichtrauchergesetz zum Thema gehabt. Ich hätte etwas Allgemeines über Volksabstimmungen geschrieben, vielleicht die grundsätzliche Frage angeschnitten, ob man an das Gute im Menschen glauben sollte und an seiner Position dazu seine Position zu Volksabstimmungen bestimmen sollte. Jedenfalls so irrational wie möglich. Hauptsächlich aber hätte ich geschrieben von den Argumenten für und gegen den Nichtraucherschutz, wobei ich vermutlich kaum ein Argument dagegen gefunden hätte. Ich hätte auf den Weltfrieden verlinkt, den ich sehr schätze, aber dessen Text zum Thema als Beispiel für etwas steht: die Diskussion. Und wie sie geführt wird.

Und gern hätte ich auch den Fußball erwähnt. Von Gewißheiten hätte ich geschrieben. Sich einer Sache gewiß sein und begründen können, warum das so ist. So sicher. Warum etwas genau so geschehen wird. Und hierher die Gründe benennen, warum es doch entgegen der Gewißheit eingetreten ist. Also hätte ich vom ersten Spiel geschrieben, nach dem klar war, dass die Mannschaft Favorit ist. Vom zweiten Spiel, das mit Ballack, der die Mannschaft in den Strafraum geprügelt hätte, gewonnen geworden wäre. Vom dritten, dass ein blauer Pullover über den Gewinn entscheidet. Nach dem vierten Spiel, dass ein Sieg in dieser Höhe nur eine einmalige Sache bleiben kann und vor allem nach dem fünften Spiel, nach dem der Titel nur Formsache schien. Sicher hätte ich Paul erwähnt und in der Folge etwas von Humor geschrieben und wie schnell das Haltbarkeitsdatum von Humor abläuft, wenn jeder auf die gleiche Pointe kommt und sie auch noch niedergeschreibt.

Aber naja. Stattdessen poste ich diesen, hier gefundenen und schon älteren Videoclip zu einem Thema, welches die aktuelle Wahrnehmung kaum bestimmt.