Die KADYA-Girls. Jaffa / Weimar.

Der Kadyachor. Fünfundzwanzig Mädchen aus Israel und Deutschland kommen in Israel und Weimar zusammen, um in achtzehn Tagen zwölf Lieder der jiddischen Dichterin Kadya Molodowsky einzusingen. Die Texte sind in Jiddisch, eine Sprache, die sie nicht sprechen, zu Teilen aber verstehen können. Ihre Sprachen sind Arabisch, Hebräisch, Deutsch und Englisch. Proben stehen an, zwei Konzerte, ein Besuch in Jerusalem, Flüge in andere Länder, ein Leben in der Ferne. Eine Reise, in vielerlei Hinsicht.

Jaffa, Jafo. Die viele tausend Jahre alte, mehrheitlich arabische Hafenstadt, die in den 1950er Jahren mit Tel Aviv vereint wurde. Wer auf der Straße läuft, dem tropft Wasser von den Klimaanlagen in den Nacken. Auf der Sderot Yerushalayim alle drei Häuser ein Kiosk, darin gekühlte Getränke, Auberginen so groß wie Wassermelonen und Wassermelonen so groß wie zwei Wassermelonen. Das wahnsinnigste Fortbewegungsmittel sind die E-Bikes, die auf Straßen und zwischen Passanten wie in einem GTA Jaffa agieren, oft mit Beifahrer stehend auf dem Gepäckträger. Die wichtigste Information in Städten ist: Halten Autos an Zebrastreifen? Hier tun sie das.

Weiterlesen

Advertisements

Israel. Geradeaus und dann rechts.

Abflug

Wasser auf dem Dach

Eines wird von Anfang an klar: Zum Wohlfühlen fährt man nicht nach Israel. Das beginnt schon am Flughafen. Auf zehn Pulte verteilt stehen freundliche, aber energische Sicherheitsbeamte und wollen alles wissen. Warum man fliegt. Wohin. Wo man wohnt. Ob man dort jemanden kennt. Was man vorhat. Wohin man im Land reisen will. Ob man in Deutschland Israelis kennt. Oder Araber. Ob man schon mal in arabischen Ländern war. Jeder Antwort wird eine Gegenfrage entgegengesetzt, die nachhakt und Unstimmigkeiten entlarven soll. Das Seniorenpärchen braucht nur ein Bruchteil dieser Fragen zu beantworten, ich bin zwischen 20-30, männlich, trage einen Bart und ein Kapuzenshirt und habe etliche technische Geräte bei mir, die unter dem Röntgengerät wie Waffen aussehen könnten. Zusammen mit den maschinengewehrtragenden Polizisten und dem Panzerwagen auf dem Rollfeld ergibt sich ein Gefühl, welches die nächste Woche andauern soll. Einerseits. Anderseits: Besser zehn Minuten länger gefragt und dafür ein Gefühl von Sicherheit, so ungewiss wie möglich.

Weiterlesen