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lichter

Am Montag war ich in Brüssel. Am Vormittag kam der Eurostar am Bahnhof an. Verspätet, so dass ich vier Stunden in Brüssel hätte bleiben können – mit der U-Bahn noch mal in die Stadt fahren, vielleicht über die Station Maelbeek.

Dienstag bin ich nicht mehr in Brüssel. Zwischen acht und neun Uhr sterben dort vierunddreißig Menschen. Ein Tag liegt zwischen mir und Brüssel und dem Terror. Es war eine zufällige Entscheidung, montags in Brüssel zu sein. Genauso gut hätte es Sonntag oder Dienstag sein können.

Es ist Willkür. Wo es passiert und wo ich gerade stehe und an was ich denke und wen ich interessiert oder misstrauisch mustere und trotz der höchsten Warnstufe, trotz Fahndungserfolgen, trotz der Soldaten mit den schussbereiten Maschinengewehren. Nichts schützt, alles ist möglich, jederzeit, die einzige Gewissheit ist die der fehlenden Sicherheit.

Ich hätte also panisch werden sollen. Zu wissen, dass mein Montag auch dieser Dienstag hätte sein können. Stattdessen laufen die üblichen Muster ab: Überschriften lesen, erfahren, dass etwas passiert ist. Sofort, ohne etwas Konkretes zu wissen, die ersten Bilder schon im Kopf haben. Liveticker durchscrollen, die Kopfbilder präzisieren. Spärliche Informationen zu spärlichen Informationen stapeln. Die ersten von Storchs und Lengsfelds lesen, die unmöglichen Äußerungen unmöglicher Leute. Deshalb empört sein. Empört sein über mich, dass ich darüber mehr empört bin als betroffen über die Tatsache, dass Menschen gerade ihre Körper zerfetzt haben, um andere Menschen zu zerfetzen. Weiterlesen