Was für ein Drama.

[Dieser Text ist in der RP Plus erschienen und auch hier zu finden.]

Am Sonntag wurden in den USA die Emmys für die besten Serien vergeben. Viele der Favoriten wie „Mad Man“ oder „Homeland“ gehören zu einer neuen Art von Fernsehen: Die komplexen Serien haben sich fest etabliert. Der Weg dorthin war lang – ein Überblick.

Es gibt Musik, Bücher oder Filme, die zur kulturellen Grundausstattung des modernen Menschen gehören. Doch mittlerweile existiert ein ebensolcher Kanon auch von Fernsehserien. Dazu gehören „The Sopranos“, „The Wire“ oder „Lost“, Serien, über die sich wie über die großen Klassiker der Kulturgeschichte diskutieren lässt.

Da steht Don Draper („Mad Men“) ebenbürtig neben Jay Gatsby, Walter White („Breaking Bad“) übt die gleiche Faszination wie „Taxi Driver“ Travis Bickle aus und die Dialoge in „West Wing“ haben eine ähnliche Musikalität wie „Sgt. Pepper“. Denn auch wenn die komplexen Serien eine noch vergleichsweise junge Erscheinung in der Geschichte des Fernsehens sind, haben sie die Sehgewohnheiten verändert.

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What`s next. The West Wing.

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Nachdem ich die letzten Monate viel Zeit im Weißen Haus verbracht habe, einige Gedanken zu einer Serie, zu der viele schon absolut zu Recht viel und vor allem Lobeshymnen geschrieben haben. The West Wing erzählt von der Amtszeit eines demokratischen Präsidenten. Erzählt von seinen Mitarbeitern. Erzählt von Gesetzen, wie sie geschrieben und umgesetzt werden, Mit welchen Mitteln man dabei zum Ziel kommen kann. Erzählt also von Politik. Und von den Menschen, die sie machen. Sieben Jahre lang begleitet West Wing eine Regierung in Amerika und endet mit der Inauguration des neuen Präsidenten. Eine Serie, die nahezu ausnahmslos auf Action verzichtet. Und stattdessen auf Dialoge setzt. Dialoge, zu denen die Darsteller atemlos durch die Räume des Weißen Hauses hasten, Dialoge, die wie Maschinengewehrsalven auf den Zuseher einschlagen. Dialoge mit brillantem Timing, Wortwitz und einer beeindruckenden inhaltlichen Tiefe. Diese Dialoge sind das Herzstück von West Wing.

Gerade in den ersten Staffeln besteht die große Stärke der Serie darin, wie nachvollziehbar komplexe Probleme verhandelt werden. Zum einen auf einer moralischen, ethischen Ebene. Es gilt einen Standpunkt zu finden zur Todesstrafe, zum Waffenbesitz, zum Einsatz von Armeen, zu Entwicklungshilfe, zum Umweltschutz, zu Gewerkschaften. Und damit es sich niemand bequem machen kann mit seinen Ansichten, werden mindestens zwei Seiten vorgestellt, im günstigen Fall also der demokratische und der republikanische Blickwinkel. Und dadurch vermeidet West Wing ein zu einfaches Schwarz/Bildnis. Kein selbstgefälliges und altkluges Abwatschen von konservativen Ansichten also, auch wenn die Autoren nie ein Hehl aus ihrem liberalen Weltbild machen.

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In eigener Sache. nebenan.

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Erneut ein Hinweis in eigener Sache. Vor etwa zwei Jahren begannen die Überlegungen, meine Kurzgeschichte „Die Wicherts von nebenan“ zu verfilmen. Das geschah dann auch ein paar Monate später. Im Oktober hatte der fertige Film auf den Hofer Filmtagen Premiere. Danach ging es für „nebenan“ auf einige Festival, ein 40seitiges Begleitheft wurde zum Thema erstellt, damit der Film in Zukunft an Schulen gezeigt werden kann.

Davor wird „nebenan“ am Fernsehen gezeigt. Am 5.2., um 0:50 Uhr auf dem mdr. Weitere Informationen zur Ausstrahlung finden sich hier.

Pocher. SWRStauffenbergEklat

Ekel TV. Ich bin ein Star, holt mich hier raus. DSDS. Wetten, dung…?. Faasenachtliveübertragungen. Was der SWR unsagbar pietätlos und ehrabschneidend findet: Oliver Pocher als Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg.

[…] Selbst wenn Pocher womöglich das Ziel gehabt habe, mit seinem Auftritt die Rolle von Schauspieler Tom Cruise in dem Stauffenberg-Film „Operation Wallküre“ zu parodieren, sei dies letztendlich gründlich misslungen. „In diesem Moment identifiziert man das doch nicht mit dem Schauspieler, sondern mit der historischen Figur. Und es ist nicht hinnehmbar, dass man den Helden des deutschen Widerstandes so ins Lächerliche zieht.“ […] sagt der SWR Rundfunkrat über Oliver Pochers Auftritt als Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg in „Schmidt & Pocher.“

Als Video und als Video kann man das ansehen. Dazu: Die besten Bildergalerien zu „Eklat: SWR findet Oliver Pocher als Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg pietätlos und ehrabschneidend.“

UPDATE: Falls hier eine Meinung vermißt wird; Oliver Stauffenberg ist Nazometer 2.0. Also eine durchaus vielversprechende Vorlage (Scientologymitglied! Tom Cruise! spielt Widerstandshelden! und dient damit laut Florian Henckel von Donnersmarck! dem Ansehen Deutschlands! mehr als zehn Fussballweltmeisterschaften!) wird pointenlos versemmelt, während die Eklatreflexe der üblichen Verdächtigungen einwandfrei funktionieren.

Damals sagte ein Funktionär des SWR übrigens: „Wir müssen das thematisieren. Eine solche Überschreitung der Grenzen will ich kein zweites Mal erleben“. Jetzt ist es zum zweiten Mal geschehen. Mal sehen, was passiert. Wahrscheinlich nichts. Ist ja nichts gewesen. Weder Eklat noch Humor. Schlimm genug, dass dies überhaupt zum Thema in diesem Blog gemacht wird.

Die Känguruhodenlobby.

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Der Känguruhoden kann nichts dafür. Er ist einfach nur das Körperteil eines in Europa exotisch wirkenden Tieres, das zufällig zum Symbol einer Fernsehshow geworden ist. Diese Fernsehshow geht gerade in die vierte Staffel, jedenfalls in Deutschland und es wäre nicht schwer, gegen sie moralisch zu argumentieren, Beispiele dafür zu finden, wie egal den Machern Menschen sind. Aber darum geht es nicht. Das ist längst bekannt, beschrieben und abgehakt.

Denn die Hauptfiguren in der Sendung sind Menschen, die Erfahrung im Umgang mit Medien haben. Deshalb ist es okay, sie zu behandeln, als besäßen sie keine Würde. Man kann sagen, sie haben sich selbst in dem Moment ihrer Würde beraubt, als sie in das Flugzeug nach Australien gestiegen sind. Weil sie aus der Ausstrahlung der bisherigen Staffeln von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ und der nachfolgenden Berichterstattung nur eine Lehre gezogen haben: Diese Sendung ist genau richtig für mich.

Und vielleicht haben sie damit recht. Vielleicht genügt einem ___ (hier einen Buchstaben außer A einsetzen) Prominenten vierzehn Tage Negativwerbung, vielleicht häuft das genügend Popularität an, um die nächsten zehn Jahre erfolgreich auf kleineren Dorffesten Geld zu verdienen. Wichtig im Wort Negativwerbung ist Werbung, das ist eine einfache Kostennutzenrechnung, ein simples Abwägen der Vor- und Nachteile, die zum Entschluss führen, Teil des Konzepts Känguruhoden zu werden.

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2009. Was gelernt.

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Das neue Jahr beginnt, weil das alte Jahr vorbei ist. Und wäre 2009 ein Film, dann hätte jeder schon den Trailer gesehen und würde mit den denkbar schlechtesten Erwartungen (nicht) ins Kino gehen und sehen: einen C-Movie Horrorstreifen, dem in letzter Minute das Buget radikal gekürzt wurde, gedreht von einem mitleidslosen Regisseur, dessen größten Erfolge fast auf den Tag genau 80 Jahre zurückliegen, ein dilettantisches Machwerk besetzt mit einem gesichtslosen Bösewicht namens Angst, dessen Hoffnungsträger zynischerweise von einem unmöglichen Helden gegeben wird, der, soviel ist klar, als Held nur scheitern kann, wenn er eine Welt retten will, deren größtes Problem die Pendlerpauschale ist.

Ein Streifen wie gemacht für alle Fatalisten, die gern mit diebischer Freund den untersten Stein aus dem Jengaturm ziehen und dabei genau den Ausdruck im Gesicht der Mitspieler im Blick haben. Die nächsten 365 Tage sitzt jeder gebannt im Kinosaal und wartet mit einer seltsamen Unruhe darauf, ob es wirklich so schlimm kommen wird, wie man spekuliert. Ein Gefühl, welches man auch aus Adam-Sandler-Filmen kennt. Nur, dass in diesem Fall Josef Ackermann die Witze unterhalb der Gürtellinie macht und über den Credits beim Abspann Musik von dem Mann mit der Mundharmonika läuft.

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Sack Lunch. Besser als der englische Patient.

sf

Liste ausgewählter fiktionaler Filme in der immer noch [superlativ] Sitcom aller Zeiten. Also Seinfeld.

Prognosis Negative
Sack Lunch
Blimp: The Hindenburg Story
CheckMate
Mountain High
Blame it on the Rain
Chunnel
Agent Zero
Cry, Cry Again
Death Blow
The Pain and the Yearning
Ponce De Leon
Flaming Globes of Sigmund

und, später auch als Broawaymusical mit Barbara Streisand

Rochelle Rochelle
– A young girl’s strange, erotic journey from Milan to Minsk.

Und hier komplett mit Erklärung.