Kino. Ein Film wie ein Diagramm an einer Weißwandtafel.

Melancholia | Restless | Tim & Struppi | Margin Call | Contagion | Über uns das All

Melancholia

Zu Antichrist schrieb ich, dass ich gern einmal einen kompletten Film in Zeitlupe sehen würde. Das war keine launige Bemerkung, sondern voller Ernst gemeint. Und die ersten, so unglaublichen Minuten von Melancholia verstärken diesen Wunsch ungemein. Weil: Jedes Frame hier ist spannender als das Gesamtwerk von Stieg Larsson. Und düsterer sowieso. Ansonsten teilt sich Melancholia in zwei Teile. Teil Eins ist ein Best-of von von Trier. Also: Beziehungen, die in lauter Fremdschämmomenten voreinander kapitulieren und dabei auf nichts und niemand Rücksicht nehmen, am wenigsten auf die Zuschauer. Wobei sich Trier dabei seltsam lustlos zeigt und sich fast ausschließlich auf Effekte beschränkt, wo er sonst stets darüber hinausgeht. Hat zur Folge, dass alle Abgründe nur angerissen werden und mir deshalb die Figuren auch seltsam egal bleiben.

Im zweiten Teil hingegen verzichtet er auf alles bis auf drei Figuren plus Weltuntergang. Der wird morbide und gelassen auf einem herrschaftlichen Anwesen abgewartet. Plötzlich entsteht eine seltsame, schmerzhafte Klarheit – wer was will und wozu wie steht und vor allem wofür. Der rationale Kiefer Sutherland vs. die mütterliche Charlotte Gainsbourg vs. Emo Kirsten Dunst. Von diesem zweiten Teil könnte ich keinesfalls die Geschichte nacherzählen, möchte aber dennoch keine Sekunde und kein Bild missen. Besonders am Ende. [Spoiler] Inmitten einer magischen Höhle warten die letzten Menschen, dass ein gigantischer Planet voller Traurigkeit sie überrollt und in einem Feuerball verschlingt. [/Spoiler] Gemeinsam mit Tree of Life dürfte Melancholia damit den diesjährigen Spitzenplatz im „Von Mikro zu Makro und dabei an Maximum an Leben erzählen mit phänomenalen Bildern, die sich einen Dreck um Pathosvorwürfe scheren“ – Wettbewerb einnehmen. Weiterlesen