Stellvertreterdiskussion.

Posted Februar 8, 2010 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Vermutlich wäre es klüger, nichts darüber schreiben. Zum einen, weil ich es gerade eben schon tat und zum anderen, weil die Diskussion längst die Grenzen von Literaturkritik verlassen hat und hysterisch genug ist, als das irgendjemand als Gewinner daraus hervorgehen könnte. Anders gesagt: Bis zum ersten Nazivergleich dürften nur noch Minuten vergehen.

Letztens habe ich Lila, Lila von Martin Suter gelesen. Darin erzählt er von einem jungen Autoren, der aus dem Nichts kommt und einen vieldiskutierten Bestseller landet. Es stellt sich heraus, dass der Autor das Manuskript abgeschrieben und nur minimal variiert hat. Helene Hegemann hat für Axolotl Roadkill – und das ist der aktuelle Stand der Dinge – etwa eine Seite aus Strobo, einem Roman von Airen fast unverändert abgeschrieben sowie den Songtext von Fuck U der Band Archive als Brief in ihr Buch übernommen, ohne in der ersten Auflage auf die Quellen hinzuweisen. (alles nachzulesen auf Gefühlskonserve)

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Der beste Satz, verloren für alle Zeiten.

Posted Februar 6, 2010 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Deef Pirmasens hat Axolotl Roadkill von Helene Hegemann gelesen. Und dabei einige – er formuliert das vorsichtig – Gemeinsamkeiten mit einem anderen Buch festgestellt. Dazu vergleicht er entsprechende Textstellen. Ich kenne Axolotl Roadkill nur aus Texten über Axolotl Roadkill bzw. aus Texten über Texte über Axolotl Roadkill. Interessiert bin ich sehr am Roman. Der bisherigen Auszüge wegen und auch um mir ein Urteil bilden zu können, denn kaum etwas ist schlimmer, als aus Prinzip erstmal dagegen oder dafür zu sein oder keine Meinung zu haben.

Deef Pirmasens Beitrag erinnert mich an eine eigene Beobachtung. Man ist ja manchmal auf Lesungen. Oder liest Texte. Und manche sind manchmal ganz okay, aber vielleicht nichts, mit dem man sich unbedingt noch einmal beschäftigen möchte. Dann taucht allerdings in einigen Fällen ganz unvermutet und versteckt in einem späten Abschnitt ein Satz, eine Redewendung, eine Feststellung auf, die einen sofort elektrisiert. Die unglaublich gewandt einen Sachverhalt poetisch auf den Punkt bringt und in wenigen Worten eine ganze Welt beschreibt. Und dann überfällt mich oft ein zwiespältiges Gefühl von Trauer und seltsamen Tatendrang.

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Die Kardaschow-Skala, angewandt.

Posted Februar 6, 2010 by 3toastbrot
Categories: Leben

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Neill Blomkamp hat den guten District 9 gedreht. In diesem Video spricht er über die Zukunft der Menschheit. Warum wir eine Typ 0 – Zivilisation sind. Aber auf dem Weg zum Typ 1. Erklärt die Kardaschow-Skala. Bringt dabei aktuelle Situationen (Globalisierung, Kopenhagen, Kriege, Krisen) in diesen Zusammenhang. Spricht von künstlicher Intelligenz. Und weshalb Kontakte zu anderen Zivilisationen bisher ausblieben.

Am besten die ersten drei Minuten überspringen und dann schauen bzw. staunen. via

Alles. Außer Himmel und Erde.

Posted Februar 2, 2010 by 3toastbrot
Categories: Leben

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Froh bin ich weiterhin über jeden Tag, an dem keine Heizung ausfällt. Oder das Treppengeländer nicht mit dem höllenlautesten Werkzeug geschliffen wird, das jemals erfunden wurde. Dazu passt auch:

Vier Phasen waren das neulich am einzigen Ort, an dem Weimar nach Großstadt ausschaut: unter der Eisenbahnbrücke. Vier Phasen: Irritation, Belustigung, Zorn, Nachdenken. Unter der Eisenbahnbrücke hing ein Werbeplakat. Kein Bild, sondern nur Typographie. Am Anfang waren Himmel und Erde. Den ganzen Rest haben wir gemacht. stand dort. Die Frage stellte sich natürlich augenblicklich, wer Anspruch auf alles außer Himmel und Erde erhob. Die Antwort war weniger naheliegend als vermutet, dann aber doch Das Handwerk (mit MichaelSchumacherDaumen) und weniger groß Die Wirtschaftsmacht von nebenan. Das Handwerk hat den ganzen Rest gemacht, was irritiert, zum Lachen animiert, wütend macht angesichts dieser maßlosen Selbstüberschätzung und zum Nachdenken zwingt an die Zeiten, als Kunst und das Genie noch nicht erfunden waren.

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Tocotronic. Schall und Wahn.

Posted Januar 23, 2010 by 3toastbrot
Categories: Musik

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Es ist fatal, nach nur zweimaligem Hören über Musik urteilen zu wollen. Aber es ist auch sehr schön. Weil unmittelbar. Das aktuelle Werk in das Gesamtwerk einzuordnen kann man auch in einigen Jahren noch. Jetzt, am Tag nach dem Kauf, zählt nur der erste Eindruck, der ebenso sehr lügt wie er doch Wahrheiten enthüllen kann. Noch sind Sätze keine Slogans, Irritationen nicht liebgewonnen und trotz aller bekannter Versatzstücke ist die Musik mitsamt des Text neu und damit hauptsächlich fremd, fühlt sich noch nicht als Teil des eigenen Lebens an. Noch ist die Phrase „Bitte Oszillieren Sie“ kein „Der da drüben ist jetzt DJ in Berlin“. So gesehen ist dieser erste Eindruck die einzige Option, zumindestens ansatzweise objektiv einer Band gegenüber zu sein, die einen mittlerweile im 15. Jahr begleitet.

Um es auf den Punkt zu bringen: „Schall und Wahn“ ist die schematisierte Zeichnung eines Berges. Der tief im Tal beginnt, sich in ungeahnte Höhen reckt und später abflacht. Denn erstaunlicherweise packt die Band die jeweils schwächsten Stücke an Anfang und Ende, besonders an den Anfang. Da mäandern sie musikalisch wie auch textlich uninspiriert und unaufregend um den gleichen diffusen Kern, der „Pure Vernunft darf niemals siegen“ schon zu einem nur matt strahlenden Stern inmitten vieler Sonnen macht. Überhaupt kreist dieses Album wie auch die beiden vorherigen um ähnliche Themen, was den Begriff „Berliner Trilogie“ durchaus einen Sinn geben könnte. Wenn nicht der Verdacht aufkommen könnte, diese im Nachhinein so benannte Struktur wäre ebenso wie die Zeile “Ich bin der Graf von Monte Shizo und singe diesen Hit so“ (wie auch ein Dutzend andere) der Versuch herauszufinden, wie weit man sich textlich aus dem Fenster lehnen kann und dennoch vom Feuilleton mit heiligem Ernst interpretiert zu werden.

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Lost. Im Schatten der Statue.

Posted Januar 21, 2010 by 3toastbrot
Categories: Film

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Gibt es einen besseren Tag (außer dem 02. Februar) um diese alternativen Eröffnungssequenz zur spannendsten Serie der Gegenwart einzubetten? Immerhin beginnt Kabel1 heute mit der Ausstrahlung der 5. Staffel von LOST. Wer hier Großes erwartet, liegt vorkommen richtig, denn Antworten wird es geben. Schließlich legt sich die Geschichte fest: u.a. auf Zeitreisen. Was in den ersten Folgen zu etwa 10 WTF-Momenten pro 42 Minuten führen könnte. Konzentration ist natürlich erforderlich, um die komplexen Zusammenhänge auch nur ansatzweise begreifen zu können, aber dafür wird der aufmerksame Zuschauer mit dem Schatten der Statue belohnt. Und Jacob. Sowie Jughead. Alles Garanten für Cliffhanger, die besser wohl kaum zu schreiben und inszenieren sind.

Von der sechsten Staffel ist so gut wie nichts bekannt, was ein Novum darstellt und letztendlich nur konsequent ist. Denn bei dieser Serie zu spoilern hieße sich die Freude an – und ich wiederhole mich da gern – an WTF in Perfektion zu nehmen.

Fall soft.

Posted Januar 12, 2010 by 3toastbrot
Categories: Film

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Musikalisch sind die ersten Monate dieses Jahres pure Freude. Man kommt aus dem Gutfinden gar nicht mehr heraus, jedenfalls was die Vorabveröffentlichungen betrifft. Keine Ausnahme sind die famosen Shout Out Louds, deren drittes Album Work Ende Februar erscheint. Laden kann man sich schon Walls. Die erste Single wird Fall Hard sein. Als Video oben zu sehen.

Und auch toll: Die Blood Red Shoes. Deren Zweitwerk Fire Like This erscheint etwa zu gleichen Zeit. Die Songs gibts – in Schüben – auch vorher zu hören. Genau hier.

Und dritte Vorfreude, die das sehr mäßige Vampire Weekend Album “Contra” vergessen macht, über diese Neuscheinungen im (englischen) Buchladen.

Kino. Ein Gefäß für visuelle Einfälle.

Posted Januar 11, 2010 by 3toastbrot
Categories: Leben

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Avatar

Wer diesen Film auf seine Schauwerte reduziert, tut ihm ein Gefallen. Und das ist das wirklich Ärgerliche. Denn Avatar ist ein Autorenfilm. Nachdem James Cameron den erfolgreichsten Film aller Zeiten gedreht hat, erhielt er ja eine Wildcard für sein nächstes Projekt. Das ist so üblich, deshalb darf Christopher Nolan auch Interception drehen und nur Michael Bay dreht eben Transformers 3. Jedenfalls hat sich Cameron für Avatar dreizehn Jahre Zeit genommen, eine halbe Milliarde Dollar bekommen und eine neue Kameratechologie erfunden, die das Kino der Zukunft zeigt, wie das im Vorfeld von vielen Seiten versprochen wurde. Was vermutlich auch der Hauptgrund für den überirdischen Erfolg sein könnte.

Zu den Zeiten von Titanic gab es ja genügend Spott, dass dieser gut wie alle Oscars gewann, nur eben den nicht für das beste Drehbuch und nicht einmal dafür nominiert war. Und ebenso wie Titanic erzählt Avatar keine eigene Geschichte, sondern den Archetypen einer Geschichte. Was interessant sein kann, denn mit wenigen Modifikationen kann so Grundlegendes fürs Heute adaptiert werden. Leider verzichtet Cameron auf jegliche Modifikationen und dekliniert brav durch, was nach fünf Minuten alles so erwartbar ist, inklusive Heldenläuterung, Liebesgeschichte und Ethnokitsch.

Selbst für die Konfliktlösung zieht er den unvermeidlichen Endkampf vor, der in seiner konventionellen Brutalität im Gegensatz zur sonstigen Botschaft des Filmes steht. Die einzige Überraschung da ist, dass Cameron auf jede Überraschung verzichtet und die Guten allein durch übermäßige Biomasse gewinnen lässt. Dabei hätte Cameron mit einigen wenigen Eingriffen in die Geschichte eine vielschichtige Parabel erzählen können. Zum Beispiel die Bösewichte. Deren einziges Motiv Gewinnmaximierung ist. Hätte Cameron erzählt, dass die zerstörte Erde Unobtainium zwingend zum Überleben braucht, wäre das Gut/Böse-Schema nicht allzu offensichtlich gewesen, vom fanatischen Colonel Miles Quaritch zu schweigen. Der Zuschauer hätte sich positionieren müssen. So muss einfach nur dreidimensional zuschauen.

Und danach ein Gespräch mit einem Freund, der Avatar aus der Sicht eines Kameramanns sah. Seine Meinung, dass 3D Kino dazu führt, dass man das aufgenommene Bild auf den räumlichen Effekt hin ausrichtet und nicht mehr komponiert. Was ja Kino zu Kino macht. Ein Bild komponieren und damit eine Aussage treffen anstatt einfach nur abbilden. Aber 1.4 Mrd. $. Tendenz steigend. Das Kino der Zukunft.

2012

Wer behauptet, 2012 hätte eine dünne Story, hat möglicherweise nur diesen Roland-Emmerich-Film gesehen. Denn gewissermaßen ist das dickste Story aller Zeiten, weil alles, was es über den Weltuntergang bisher gab, hier versammelt wird. Abzüglich jedenfalls interessanter Figuren. Und inklusive der ersten Stunde von “The Day After Tomorrow” inklusive Vater-Sohn-Beziehung. Dafür hat Emmerich ein Faible bzw. sieht darin eine dramaturgische Notwendigkeit, um den Implosionen von Kontinenten etwas mit menschlichen Antlitz entgegenzusetzen. Und erstaunlicherweise fügt sich dieser Ansatz in seiner grandiosen Übertreibung nahtlos ins Gesamtkonzept ein, in dem nicht ein Vulkan ausbricht, sondern DER Supervulkan und nicht ein Tsunami über Washington hereinbricht, sondern DER Supertsunami und nicht eine [Spoiler] Arche gebaut wird, sondern vier Archen. [/Spoiler] Deshalb sollte man nicht schreiben, dass 2012 so schlecht ist, dass er wieder gut ist, sondern dass 2012 genauso gut ist wie alle Katastrophenfilme zuvor, nur dass man die alle auf einmal sehen kann, weshalb sich das Gute wahlweise addiert, subtrahiert oder – wie in meinem Fall – potenziert.

Und so endet der Film konsequenterweise mit dem schauerlichsten Schlusssatz, der jemals nach der Rettung der Welt gesprochen wurde. Und dieser führt, ebenso konsequent, einen Handlungsbogen zu Ende, den Emmerich in Ermangelung von Ideen zwei Stunden zuvor leichtsinnig spannte.
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Warum ich kein Vampir mehr bin.

Posted Januar 4, 2010 by 3toastbrot
Categories: Leben

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Und keine Serien mehr in Boxen bestellen werde. Und niemals wieder New Britpop hören werde. Und Filme von Christopher Nolan mit Nostalgie sehe. Und der Brenner endgültig gestorben ist. Keine Schweinegrippe wird mehr mir jemals wieder etwas anhaben, weil die Dekade sauber trennt und der Rückblick die Türen hinter sich schließt. Ich warte auf Oliver Geißen – oder wer auch immer das Gesicht der 00er Jahre werden wird (Markus Lanz? Markus Maria Profitlich?) – und hoffe, dass er meine Erinnerungen in Formen gießt, die ich voller Leidenschaft ablehnen kann. Dafür die Polls der Seiten und Magazine studieren, denen ich vertraue und dabei feststellen, dass sich sowieso die meisten Bands, die mir wichtig waren, getrennt haben oder immens an Bedeutung verloren haben. Und wissen, dass sie mit MitteEndeDreißig sowieso zurückkehren und für immer bleiben werden. Und ich weiß: Ich habe niemals ein neonfarbenes Stirnband getragen, es jetzt zu tragen, wäre verfrüht.

Ich habe ein Buch geschrieben, aber das war im letzten Jahrzehnt und auch Musik gemacht, auch diese stammt aus dem letzten Jahrzehnt. Was ich nun tun kann, ist ein neues Buch schreiben oder neue Musik machen, mir neue Helden suchen und neue Trends und neue Kommunikationsmöglichkeiten. Alles, was seit vier Tagen geschieht ist so neu wie zwischen dem ersten und vierten Januar 2000. Schon speichern die ersten Chronisten die in diesen 96 Stunden geschehenen Ereignisse um zu registrieren, was nach BisS zur Morgenstunde und Terror kommt. Terror jedenfalls hat sich herübergeschleppt ins neue Jahrzehnt und 3DKino sowieso und vermutlich auch das Kürzel App und Von-der-Leyen-Väter.

Selbst diese Erkenntnis wird in der Rückschau als Irrtum irgendwie charmant erscheinen.

Sinnvoller Rückblick: 69 favourite Canadian songs of the ’00s

Auf Musik freuen.

Posted Januar 4, 2010 by 3toastbrot
Categories: Musik

These New Puritans – Hidden (15.01.)

Sonic Youth – Silver Session (15.01.)

Tocotronic – Schall & Wahn (22.01.)

Eels – End Times (22.01.)

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