Die Grippe. Die Gedanken. Die Nadel.

Posted November 9, 2009 by 3toastbrot
Categories: Leben

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fleischgrippe

Da sitzt man nun im Wartezimmer und hat nichts außer einer alten PM über Propheten und Gedanken zur Grippe. Die Gedanken sind verwirrend, nicht gerade furchtlos, nur verhalten optimistisch, aber im Grunde überzeugt davon, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Also heute. Sich impfen lassen gegen die zweite Welle der aktuellen Pandemie.

Zuvor gab es einen längeren Entscheidungsfindungsprozess. Von klar lass ich mich impfen zu Da gibt es ja doch unterschiedliche Ansichten zu Da gibt es ja nur unterschiedliche Ansichten zu Ignorieren zu Möglichkeiten zur Impfung verstreichen lassen zu: Eben heute. Im Wartezimmer. Da geht mir nochmal die pdf durch den Kopf, die ich letztens las. Verfasst von einem Frankokanadier, der von 800 in Amerika errichteten KZs schrieb, in die bald alle Impfunwilligen eingeliefert werden sollten, während der Staat mit der Hilfe von Tamiflu das eigentliche Virus aktiviert und so für Millionen von Toten sorgt.Dachte an die Dokumente, die auf die Ähnlichkeiten zur Golfkriegskrankheit hinweisen. Von dem Bekannten, der das Guillain-Barré-Syndroms bekam, das auch Nebenwirkung sein kann.

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Ich bin Graf von Monto Shizo und singe diesen Hit so.

Posted November 7, 2009 by 3toastbrot
Categories: Musik

Eure Liebe tötet mich Ein leiser Hauch von Terror Die Folter endet nie Das Blut an meinen Händen Macht es nicht selbst Bitte oszillieren Sie Schall und Wahn Im Zweifel für den Zweifel Keine Meisterwerke mehr Stürmt das Schloss Gesang des Tyrannen Gift

William Faulkner, Roman, 1929, Ende Januar als Musik.

Lesereise (4). In Weimar. Die Entscheidung.

Posted November 3, 2009 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Lesungstagebuch: Der Schlaf und das Flüstern.

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Aber interessant. Da fällt schon mal die Hälfte weg von dem, was man schreiben könnte. Weil man in Weimar liest. Quasi Haustür. Einmal kurz raus und dann schon da. So bleiben die staunenden Beobachtungen über eine Stadt aus, all die ethnologischen Beschreibungen von vermeintlich Skurrilem. Und auch Anfahrt. Da ist Alltag, da ist Lesung, da ist wieder Alltag. Innerhalb von zwei Stunden kann man so alles abhandeln. Das ist nicht verkehrt, aber auch nicht spannend.

Vermutlich. Denn dann sind knapp zehn Minuten bis zum Lesungsbeginn und knapp fünf Menschen sind schon anwesend, mich eingerechnet. Und einer sagt, hm, in Weimar, da kommen die Bürger immer schon mindestens eine Stunde vorher, um auch ganz sicher zu gehen und einer sagt, naja, aber in Weimar zählt das akademische Viertel doppelt, quasi Universitätsstadt. Und einer will schon die Kasse wieder wegschließen und ich sage vielleicht mal abwarten. Dabei ist das alles schön. Ein großes Buchgeschäft, zwei Etagen, oben nur antiquarisch. Hier bunte Stühle, dort eine integrierte Bar, an der auch Sekt ausgeschenkt wird und in der Mitte ein Tisch, auf dem eine Glaskaraffe mit stillem Wasser steht. Allein schon das Wort. Glaskaraffe. Genauso so bezaubernd wie vor zwei Tagen noch Glasfassade.

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Kino. Ein kompletter Film in Zeitlupe.

Posted Oktober 31, 2009 by 3toastbrot
Categories: Film

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Verblendung | Das weiße Band | Antichrist | (500) Days of Summer | Oben

antichrist

Verblendung

Da saß ich also im Kino und verspürte wie selten zuvor in meinem Leben das Bedürfnis, meine Meinung lautstark von mir zu geben. Zu rufen „Das können die doch jetzt nicht machen“, „Oh, man ist das doof“ und einfach entrüstes Aufzuschnaufen. Solche Sachen eben. Aber da ich Menschen, die so etwas im Kino tun, nicht besonders mag, habe ich mich zurückgehalten und nur am Anfang gesagt bzw. geraten „Bestimmt ist der Altnazi der Mörder“. Und das war ja dann auch fast richtig.

Alle, die sich jetzt ärgern, dass ich so fast das Ende verraten habe und deshalb nicht mehr den Film sehen wollen: Glückwunsch. Zwei Stunden Lebenszeit, in denen man Fingernägel schneiden kann oder die Steuererklärung von 2006 kontrollieren. Macht mehr Spaß als dieses Machtwerk. Gelesen hatte ich den zweiten Teil der Trilogie. Und war spannend und interessant. Und gleichzeitig hatte ich das erst gefühlt und später geschrieben: „mit einem leicht sadistischem Hang, vornehmlich jüngeren Frau Demütigendes widerfahren zu lassen.“ Ersetze „leicht“ mit „übermäßig“ und du hast einen Film, der vorgibt Krimi zu sein. Und das nicht mal so sauber, wie man das von skandinavischen Krimis gewöhnt sein könnte. Da kommen die entscheidenden Informationen [Spoiler]über die Bibelstellen und das Überleben des gesuchten Opfers [/Spoiler] einfach mal so. Mal eben recherchiert. Oder da liegt ein Zettel auf den Tisch. Plot geht anders.

Aber: Lisbeth Salander. Eine bisexuelle, nymphomanische, machosistische veranlagte, superschlaue und tätowierte Cybernerdpunkerin. Konstrukt nennt man das. Helmut Karasek wirft man seine Sexfantasien vor und Stieg Larsson verkauft damit mehr Bücher als Frank Schätzing Unterhosen? Eine ungerechte Welt und diesem Filmfall eine schaulustige. Das hat nichts mit den Abgrund der menschlichen Existenz zu tun oder die klärende Kindheitsgeschichte wird in den nächsten Bücher erzählt, sondern damit, dass man Lisbeth gern mal als Opfer zeigt, gern auch nackt. Mindestens genauso ärgerlich wie die großen Plotlöcher. Aber weil nur Meckern auch nicht richtig ist, an dieser Stelle die Empfehlung von „1974“ (und den Rest der Yorkshire-Ripper-Saga) von David Peace. Ein spannender Krimi, der mit drastischen Bildern arbeitet, der sich in Abgründe hineinwagt und diese nicht nur als Vorwand nutzt, um sich halbseiden daran zu ergötzen.
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Lesereise (3). In Hamburg. Der Plan.

Posted Oktober 28, 2009 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Lesungstagebuch: Der Schlaf und das Flüstern.

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Man macht sich ja Gedanken. Über Hamburg zum Beispiel. Und plötzlich steht man selbst an den Landungsbrücken oder sitzt im Bus nach Bahrenfeld und was Lied war, wird plötzlich Hamburg. Staunend blickt man zu den Backsteinkontoren hinauf, die sich in den Glasfassaden spiegeln. In Hafencity sehen die frisch gepflanzten Bäume auf den Plätzen, die nach großen Entdeckern benannt sind, genauso aus, wie sich das die Praktikantinnen der Architekten so vorstellten, als sie das Modell von Hafencity optimierten. Die Menschen zwischen den Bäumen und Häusern und Superlativen sind dann lebendig gewordene Styroporfiguren. Bin also ich. In Kürze entsteht hier ein Viertel aus dem Nichts, das genausoviele Menschen beherbergen wird wie Weimar Einwohner hat. Da hat die Lobby der Glasfassadenindustrie exzellente Arbeit geleistet. Dass das Wort Glasfassaden allein im ersten Absatz schon zum dritten Mal auftaucht, ist kein Zufall, jedenfalls kein unbeabsichtigter.

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Musik: Sometimes I feel like throwing my hands up in the air.

Posted Oktober 26, 2009 by 3toastbrot
Categories: Musik

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The XX. Eine Menge ist dazu geschrieben wurden und wird in den Jahresendlisten vermutlich auch. Zum Beispiel in meiner. Jedenfalls haben sie jetzt You’ve Got The Love der tollen Florence + The Machine gemixt. Obwohl die Bearbeitung famoser Lieder eine delikate Angelegenheit ist. Denn leicht geht schief, was gut gemeint war. Hier allerdings: ein kleines Meisterwerk. Kann man großartig finden.

Auch Yukimi Nagano. Deren Vater kommt aus Amerika, die Mutter aus Japan und sie lebt im schwedischen Göteborg. Und macht als Little Dragons Musik. Blinking Pigs. Da schält sich aus einem nebulösen Soundgeflimmer einer der schrägsten, eigenwilligsten und eingängigsten Popsongs dieses Herbstes heraus. Anhören!

My Body Is A Cage von Arcade Fire kennt man. Neu in einer vorzüglichen Fassung von Sara Lov. Die reduziert und erinnert damit nicht zufällig an die besten Momente von Tori Amos.

Hook and the Twin kommen aus London. Warum nur klingt Bang Bang Cherry wie das Titellied eines noch nicht gedrehten Tarantinofilms? Was bedeutet „Here come the Pac Man And The Wolverines?“ Und weshalb explodieren im Video soviele Häuser?

Cassettes Won’t Listen heißt die Band, Quickly Approaching das Lied. 3:50 min instrumental.

Lesereise (2). In Frankfurt. Das Mikrophon.

Posted Oktober 19, 2009 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Lesungstagebuch: Der Schlaf und das Flüstern.
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Das könnte ein Text sein über empörende Backstagegeschichten, skandalöse Offenbarungen und Ausrutscher Prominenter. Das ist ein Text über die Magie der korrekten Mikrophonierung. Weil kaum etwas entscheidender ist auf einer Lesung: Die richtige Position des Lesenden zum Mikrophon. Es gibt ja nicht viel, auf das man in den Minuten der Lesung Einfluss üben kann. Die Textstellen sind gewählt, das Erklärende schon mehrmals gesagt, die Bedürfnisse des Publikums kann man sowieso nur ahnen. Deshalb macht es auch keinen Sinn, sie erfüllen zu wollen. Aber ich kann mich setzen. Und eine Körperhaltung finden, die mir bequem scheint. Mich so drehen, dass ich nicht verspanne. Das Mikrophon befindet in der Mehrzahl der Fälle direkt vor mir. Dort würde ich auch gewohnheitsmäßig das Buch halten, aus dem ich lese.

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Also muss ich einen Kompromiss finden; einerseits so sitzen, dass meine Stimme die Membranen des Mikrophons erreicht, andererseits mich so drehen, dass das Buch nicht ans Mikrophon stößt und ich dennoch die Worte im Text erkennen kann. Meistens versucht man das ja vor der Veranstaltung zu testen. Das klappt öfter als man denkt, aber nicht immer. Nicht immer ist an diesem Abend in Frankfurt. Gelesen wird im Kunstverein am Römer, Veranstalter sind die Jungen Verlagsmenschen, die anschließend einen Film über sich zeigen.

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UME. Sunshower.

Posted Oktober 14, 2009 by 3toastbrot
Categories: Musik

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Obwohl die Rückkehr der Ponyfrisuren (neben dem exzessiven Gebrauch von Laubbläsern) zu den großen Tragödien dieses Jahrtausends zählt, muss der Name dieser Band laut und deutlich geschrien werden: UME. UME kommen aus Austin/Texas, sind zu dritt, noch ohne größeren Plattenvertrag und haben jetzt eine EP veröffentlicht: Sunshower heißt diese. Fünf Lieder, zehn Hits und das ist noch untertrieben. Im nächsten Jahr dann in den Jahreslisten auf den einstelligen Plätzen.

Kann Muss man auf ihrer Myspaceseite anhören. Und Interview. Und Review.

Lesereise (I). In Werdau. Die Anspannung.

Posted Oktober 9, 2009 by 3toastbrot
Categories: Buch

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Lesungstagebuch: Der Schlaf und das Flüstern.

plakat

Es ist furchtbar. Dieses Gefühl. Manche sagen Lampenfieber dazu. Vielleicht fünfzig Zentimeter sind es bis zum Schrank. Dort ist ein Armaturenbrett eingelassen. Mit den Knöpfen auf dem Brett kann man das Licht im Festsaal löschen. Das ist meine Aufgabe. Das Licht löschen. Jemand wird sagen: „Und nun viel Freude bei der Premiere dieses Films“ und dann werde ich aufstehen, die fünfzig Zentimeter bis zum Schrank zurücklegen, den Schrank öffnen, zwei Knöpfe drücken und sofort wird sich der Raum verdunkeln. Schweiß tritt auf meine Stirn und die Luft schnürt es ab, sekundenlang setzt das Herz aus, wenn ich daran denke. Daran denke, was alles passieren könnte. Ich könnte stolpern, ich könnte daran scheitern, die Tür zum Schrank zu öffnen, ich könnte die falschen Knöpfe drücken, ich könnte in einem Anfall von Verzweiflung versuchen zu erklären, warum ich versage. Und dann wären diese Blicke, alle im Saal würden mich anstarren, sie würden sich jede meiner Bewegungen einprägen und in ihren Köpfen eine unsichtbare Notiz anlegen, auf der sie mich skizzieren und in eine Schublade stecken, die Er-hat-nicht-geliefert-Schublade.

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Artensterben. Weltweit.

Posted Oktober 3, 2009 by 3toastbrot
Categories: Medien

gellendes Gelaechter

Zwei Hinweise auf Seiten von Menschen, die gerade jeweils Großes unternehmen.

Zum einen Xtinct. Xtinct will auf das rasante weltweite Artensterben hinweisen. Mit Kleidung. Die kann man im kampagneeigenen Geschäft kaufen. Jeweils vier Euro davon werden gespendet. Also Gutes tun und schick aussehen mit Dodo und Nasenbeutler. Weitere Designs folgen in den nächsten Wochen. www.xtinct.info

Außerdem: Weltenbummler, das Blog von Christoph. Der reist um die Welt, zwei Wochen oder zwei Jahre, je nachdem. Beginnt in Thailand, lässt Bangkok hinter sich und ist gerade in Koh Pha Ngan. Das kann sich aber jeden Tag ändern. Und nahezu jeden Tag schreibt er davon. Interessant, gerade hier im Oktober. Auch mit Fotos! weltenbummler.xtown.net