Alben 2014. Lauter goldene Tugenden.

Verfasst Dezember 30, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Leben

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1. Die Nerven – Fun

Auf ein solches Album habe ich lange gehofft: im besten Sinne so minimal, dass kein Ton zu viel ist und dennoch ätzend im Detail, die Texte kryptisch und gleichzeitig direkt, die Attitüde wissend, aber uneinsichtig. Dazu der beste Bandname seit den fiktiven Grindcorern »Dreschflegel«: Hier kulminiert alles, was Gitarren und Teenage Angst in den letzten sechzig Jahren gelernt haben.

2. Kate Tempest – Everybody Down

Würde ich gern als Serie auf HBO sehen: Kate Tempests Erzählungen über den Mensch im gegenwärtigen Großbritannien. Titelsong wäre natürlich »The Beigeness«, auch weil dessen Beat wäre noch einen Tick intensiver ist als der des Vorspanns bei »Mad Man«. Atemlos, furchtlos, genau.

3. Cold Specks – Neuroplasticity

Strenggenommen müsste hier auch mindestens das 2012er Album »I Predict a Graceful Expulsion« stehen. Selten wurde über die Hölle so betörend gesungen. Falls es eine Kategorisierung braucht, dann diese: Doomsoul. Nicht nur für die schönen Stunden des Tages.

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Lieder 2014. Objektiv die ganz großartigen Fünfzig.

Verfasst Dezember 28, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Musik

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Nach 365  Tagen Musik die abhängige, vollkommen subjektive Auswahl der fünfzig intensivsten, verstörendsten, mitreißendsten Stücke des launischen Jahres 2014. Am Ende auch noch einmal als Spotify-Playliste.

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Die Nerven – Angst

Versteckst du dich? / Oder drehst du dich weg?

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 Kate Tempest – The Beigeness
I know this space exists / so do you if your hearts beats

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Mogwai – Teenage Exorcists

I tried to want it back / I tried to turn it back

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Perfect Pussy – I

i am full of light / i am filled with joy / i am full of peace

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Karen O – The Moon Song

It’s a dark and shiny place / but with you my dear / I’m safe / and we’re a million miles away

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Männer mit Zöpfen in Filmen mit Untertiteln. Dok Leipzig 57.

Verfasst Oktober 30, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Film

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Dokfilm Leipzig 2014

Im Museum der bildenden Künste das Akkreditierungspaket inklusive des roten Jutebeutels abholen und sich vornehmen, beim nächsten Mal für den Pass einen möglichst absurden Schnappschuss als visuellen Identifikationsbeweis zu wählen. Danach den Programmplan überfliegen und hastig einen Ablauf der nächsten Tage zu erstellen, der interessante Filme mit einem guten Zeitmanagement verbindet. Fünf Karten pro Tag dürfen geholt werden, fünf hole ich. Der Snowdenfilm ist da schon längst ausverkauft.

#Harvest (Frankreich, 2014)

Jährlich trifft sich ein bunter Haufen unterschiedlichster Typen zur Weinernte in Toulouse.

Bunt ist hier nicht viel, unterschiedlich wenig. Eher ein Haufen von nichts. Denn dem Film gelingt kaum etwas. Weder stellt er Spannung her, noch hat er Wissenswertes über die Weinernte zu berichten oder begeistert sich für ein besonderes ästhetisches Konzept. Lieber stellt er wahllos Gesprächsfetzen nebeneinander und glaubt, dadurch etwas über seine Figuren zu erzählen. So gibt #Harvest nur bruchstückhaft deren Geschichten preis, viel zu wenig allerdings, um ihnen damit näher kommen zu können. Am Ende geradezu mit null Erkenntnis den Wintergarten im Passagekino verlassen. Außer: Männer mit Zöpfen sollten niemals in Filmen mit Untertiteln in der Reihe vor einem sitzen dürfen.

Dokfilm Leipzig 2014

Durch die Höfe am Brühl schlendern und endlich verstehen, warum dieser Ort der perfekte Schauplatz einer postapokalyptischen Konsumdystopie wäre: da ist also Leipzig, sogar die Innenstadt (an deren Historie mit gigantischem Banner gerade erinnert wird) und jemand beschließt dennoch, dass dieser öffentliche Raum keinem Anspruch genügt, weshalb dieser Mensch – nennen wir ihn verallgemeinernd Investor – denkt, er müsse einen Ort schaffen, der sich offenkundig feindlich gegen dieses Außen abschirmen sollte, einen Ort, in dem der Investor verfügen kann, welche Farben die Sitzbänke haben sollten und wie groß Papierkörbe maximal sein könnten.

Ein Ort im Ort wird geschaffen, um maximale Kontrolle erlangen zu können. Und maximale Kontrolle bedeutet verständlicherweise maximalen Ertrag. All die gegrillte Biohähnchen und veganen Frozen-Yogurth-Toppings sind nur schwache Tröste dagegen. Dennoch etwas gekauft in diesen Höfen, was sich letztlich erstaunlich clean angefühlt hat.

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Beisitzer der Demokratie.

Verfasst September 16, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Leben

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7:30 Uhr kommen die Beisitzer. Da liegt die Demokratie noch in einem silbernen Koffer: die dokumentensicheren Stifte, das Klebeband, Flachsband aus Naturfaser. Auf der Wahlliste sind noch keine Haken hinter Namen gesetzt, die Wahlzettel sind in einer Plastikbox verwahrt. Alles ist möglich und damit das so sein kann, ist jeder Augenblick einer Wahl genau geregelt.

Die meisten Beisitzer kennen sich von anderen Wahlen – Europa, Kommunal, Bundestag. Sie wissen, was zu tun ist. Verrücken die Tische. Klappen drei Wahlkabinen auf. Binden mit dem Flachsgarn Stifte daran fest. Hängen Muster der Wahlzettel aus. Der Vorstand ist zufrieden. So kann er die Einsatzfähigkeit seiner Wahlgruppe melden.

Schon 7:59 Uhr erscheint die erste Wählerin. Frühschicht. Eine Minute wird gewartet, denn erst um acht darf die Wahl beginnen. Sie zeigt ihre Wahlbenachrichtigung vor. Darauf steht eine Nummer. Diese wird in der Wahlliste gesucht. So wird der Name gefunden, das Geburtsdatum, die Adresse. Die Beisitzer vergleichen diese Daten mit dem Ausweis. Alles korrekt. Die erste Wählerin erhält einen Wahlschein, geht damit zur Kabine, setzt zwei Kreuze. Vielleicht auch zehn und macht so den Schein ungültig. Davon dürfen die Beisitzer aber nichts wissen.

Anschließend wird ihr die leere, offene Urne gezeigt. Sie bezeugt, dass bisher keine Wahlscheine darin liegen. Der stellvertretende Wahlvorstand verschließt die Urne und versiegelt sie. Die Wählerin wirft ihren Schein ein. Die erste Stimme dieses Tages.

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Kino. Der Autor als Gott, ein herzloses Wesen.

Verfasst September 3, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Film

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When Animals dream
So geht das also. Einen Film komplett als Metapher erzählen und dennoch nur selten in bedeutungsschwangeren Pathos verfallen. Die Parabel ist hier, dass sich ein junges Mädchen in eine Werwölfin verwandelt und dafür von ihrer Umwelt – ein gottverlassenes dänisches Fischerdorf – geächtet wird. Mit der Transformation von Körper und Geist ist sehr offensichtlich das Erwachsenwerden gemeint.

Ähnlich wie der grandiose, ebenfalls aus Skandinavien stammende »So finster die Nacht« werden Blut und Horror ebenso wie Worte nur sparsam und sehr überlegt eingesetzt. Viel wichtiger sind verrostete Kutterwände, Bottiche mit toten Fischköpfen, verwaschener Strandhafer und Haare auf Körpern. Details eben, wo andere die Totale auffahren. Hat zudem mit 84 Minuten genau die richtige Länge, um all die wunderbare Symbolik nicht überzustrapazieren.

Her

Alles, was man über Liebe, Verlust, Sehnsucht, Einsamkeit, die Zukunft und Schnauzbärte wissen muss. Man könnte Lobeshymnen singen auf die Ausstattung, das dezente Design, natürlich wie immer auf Joaquín Phoenix, auf Spike Jonze, die Fähigkeit, sich sehr gegenwärtiger Fragen durch eine leichte Überhöhung intelligent anzunehmen, auf das finale »Moon Song« von Karen O. Stattdessen lieber »Her« ein nächstes Mal sehen und staunen. Read the rest of this post »

Lesungstagebuch Henry Sy (7). Sitzplatzreservierungsanzeigedefekt.

Verfasst August 25, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Buch

Hamburg 2014

Datum: 22. August 2014

Anreise: Im Zug vorbei an im Abernteprozess befindlichen Feldern. Spreu stäubt, Spelzenstaubwolken hängen über grüngelben Mähdreschern.

Lesungsort: Filmraum, Hamburg Eimsbüttel. Ist sowohl Caférestaurant wie Veranstaltungsort und Filmausleihe. In der Auslage nicht die erfolgreichsten, sondern die besten Filme der letzten Jahre.

Sitzgelegenheiten: ausrangierte Kinoklappreihen mit rotem Polster

Qualität des gebeamten Bildes: HDMI

Musik: Vor der Lesung kein Reggae. Während der Lesung allein das Knistern verbrennender Fotos.

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Ein schöner Tag auf der Fanmeile.

Verfasst Juli 16, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Es war ein schöner Tag, der 15. Juli. Wir fuhren in die coolste Stadt der Welt. Wir fuhren nach Berlin. Dort wussten sie, wie man Party machte. Deshalb fand dort auch die Party statt, auf der wir die Jungs feiern wollten.

Die Jungs kamen mit einem Flugzeug aus Brasilien. Auf dem Flugzeug stand »Siegerflieger«. Das war lustig, weil es sich reimte. Wir nahmen uns vor, zukünftig nur noch mit Lufthansa zu fliegen.

Vom Flugzeug stiegen die Jungs um in einen Bus. Der Bus war ein Mercedes. Mercedes hatte den vierten Stern, den die Jungs am Sonntag in Rio gewonnen hatten, zu ihrem Logo gemacht. Das fanden wir angemessen. Immerhin hatte Mercedes mit seinen Sponsorengeldern zu unserem Titelgewinn beigetragen. Wir nahmen uns vor, zukünftig nur noch Mercedes zu fahren.

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