Ein schöner Tag auf der Fanmeile.

Verfasst Juli 16, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Es war ein schöner Tag, der 15. Juli. Wir fuhren in die coolste Stadt der Welt. Wir fuhren nach Berlin. Dort wussten sie, wie man Party machte. Deshalb fand dort auch die Party statt, auf der wir die Jungs feiern wollten.

Die Jungs kamen mit einem Flugzeug aus Brasilien. Auf dem Flugzeug stand »Siegerflieger«. Das war lustig, weil es sich reimte. Wir nahmen uns vor, zukünftig nur noch mit Lufthansa zu fliegen.

Vom Flugzeug stiegen die Jungs um in einen Bus. Der Bus war ein Mercedes. Mercedes hatte den vierten Stern, den die Jungs am Sonntag in Rio gewonnen hatten, zu ihrem Logo gemacht. Das fanden wir angemessen. Immerhin hatte Mercedes mit seinen Sponsorengeldern zu unserem Titelgewinn beigetragen. Wir nahmen uns vor, zukünftig nur noch Mercedes zu fahren.

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Du wirst Mario Götze sein.

Verfasst Juli 14, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Du kannst es noch nicht wissen.

Gerade hast du die Flanke mit der Brust gestoppt. Gerade hast du den Ball auf deinen Fuß tropfen lassen und ihn dann, aus nahezu unmöglichem Winkel, ins Tor geschossen. Gerade eben ist das passiert. Du kannst nicht wissen, was das bedeuten wird.

Vielleicht wird Fußball in sechzig Jahren noch den gleichen Stellenwert wie heute haben. Falls ja, wirst du in sechzig Jahren immer diese zwei Sekunden sein – Flanke annehmen, Ball abtropfen lassen, ins Tor schieben. Zwei Sekunden für immer.

Von nun an wirst du der sein, der in der hundertdreizehnten Minute der »goldenen Generation« ihren verdienten Titel gewonnen hat. Sie werden dich in Gesprächsrunden einladen, zu Interviews, in Spielshows wirst du gehen, gefragt werden wirst zukünftig zu allem, was mit Fußball zu tun haben wird. Deinem Namen werden sie von nun an immer den Zusatz »Weltmeistertorschütze« anfügen.

Du wirst für Autos, Shampoo und Baumärkte werben und dabei immer eine Anspielung auf Flanke/abtropfen/Tor machen. Sie werden dich und dein Tor in unzählige Rückblicke auf die vermeintlich größten Momente dieses Landes schreiben und schneiden. Du wirst alt werden und du wirst immer zweiundzwanzig sein. Read the rest of this post »

Du bist … Norbert Lammert.

Verfasst Juli 3, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Du bist der Zweite im Staat. Deine Aufgabe ist es, im Bundestag zur Ordnung zu rufen. Du stellst sicher, dass die vorgegebene Redezeit eingehalten wird. Du sitzt oberhalb der Redenden und greifst ein, wenn es dir angebracht scheint. Meistens ja nicht. Meistens hast du einen ruhigen Job.

Aber dann kommt einer. Der sagt: »Ich habe das doch richtig verstanden, Frau Bundeskanzlerin? Der Präsident Obama hat Ihnen gesagt, dass weder Sie noch Herr Gauck abgehört werden. Das sind die Ausnahmen. Zu anderen hat er Ihnen das nicht zugesichert.«

Und dann spricht er dich direkt an: »Das heißt, Herr Bundestagspräsident Professor Lammert, Sie werden nach wie vor abgehört.«

Du kennst ihn. Ihr habt eine gemeinsame Geschichte. Eine Menge Scharmützel liegen hinter euch. Amüsant und süffisant. Er gilt als schlagfertig, als humorvoll.

Du überlegst.

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Da würden sie sogar lieber Joseph Blatter sehen.

Verfasst Juli 1, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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eventvirus

Seit drei Stunden schon sitzt du in Block E, Reihe H, Platz 23. Die Sonne brennt, gefühlt sind vierzig Grad. Allmählich verlaufen die Farben in deinem Gesicht, das Orange, das Blauweiß, das Goldrotschwarz. Du trägst einen auffälligen Hut, eine auffällige Brille, hast eine Fahne um die Schultern gelegt, hältst eine Klatschpappe in den Händen. Die Getränkepreise sind abnorm. Wenn du die Ränge hinunter schaust, denkst du, lieber noch einmal Honduras gegen Griechenland nachts drei Uhr schauen als das hier. Hier bist du, weil du eine Frage im Gewinnspiel eines Grillgeräteherstellers, der mit dem neunfachen WM-Torschützen Thomas Müller wirbt, mit B, Schlaannd beantwortet hast.

Du döst, bist menschgewordenes Phlegma, als du merkst, der neben dir reißt die Arme hoch. Plötzlich springt er auf und ab, er schreit, ein Derwisch. Und du blickst auf, blickst auf die Leinwand im Stadion, auf der du zu sehen bist, wie du ungläubig auf eine Leinwand schaust. Dir gehen Gedanken durch den Kopf. Solltest du jetzt nicht auch aufspringen? Müsstest du dabei mit den Händen wedeln? Besser noch schreien? Solltest du die Fahne schwenken? Das Victory-Zeichen machen? Die Zunge rausstrecken, als läge eine Pille darauf, deren einzige rauschhafte Substanz Endorphin ist? Solltest du also außer dir sein, so, wie es angemessen ist, wenn drei Sekunden Unsterblichkeit möglich wären? Read the rest of this post »

Antoine Griezmann und die anderen

Verfasst Juni 26, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Abdelmoumen Djabou

Afriyie Acquah

Alex Oxlade-Chamberlain

Alireza Jahanbakhsh

Ángel Di María

Ante Rebić

Antoine Griezmann

Azpilicueta

Azubuike Egwuekwe

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In Schwärmen werden wir sein.

Verfasst April 22, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Leben

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Die Geschichte einer Drohne

in schwärmen von oben

Menschen sind am besten als Zahlen zu ertragen. Keine Leidenschaften, keine Absichten, keine Abgründe, keine Anbetung von Fernsehköchen, kein Hass auf Fußballvereine, keine Ponyfrisuren. Stattdessen: Die Haut eines Erwachsenen hat eine Oberfläche von 2 m² und ein Gewicht von 4 kg. Jeder Mensch beherbergt ca. 100 Billionen Bakterien. Die Fingernägel wachsen im Laufe des Lebens um maximal 4 Meter. Bis zum 10. Lebensjahr wird alle 2 Stunden ein neues Wort erlernt. Ein 75-Jähriger verdaut das 500-fache des eigenen Körpergewichts an Nahrung. Der durchschnittliche Deutsche schläft 25 Jahre seines Lebens, steht 6 Monate im Stau, nimmt 3 Monate an Vereinssitzungen teil und küsst 2 Wochen lang.

Deutschland ist am besten zu ertragen, wenn es aus Zahlen besteht. Besonders von oben. Kein blauer Norden, keine grüne Mitte, kein bergiger Süden, keine Straßen, Städte, Dörfer, keine Denkmäler, Mehrzweckhallen, Kirchen, keine Gewerbeflächen, Kletterparcours, Dritte-Welt-Läden. Deutschland ist allein ein Netz aus Koordinaten.

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John Kornblum sitzt im dunklen Gasometer.

Verfasst April 7, 2014 von 3toastbrot
Kategorien: Medien

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Im Dunkeln

John Kornblum sitzt in einem senffarbenen Ledersessel im Berliner Gasometer. Es ist 22:46 Uhr. Soeben hat Günther Jauch das Studio verlassen. Mit ihm sind seine Gäste gegangen, die Zuschauer, die Kameraleute, die Kabelträger. Der letzte löscht das Licht. Kornblum, der ehemalige amerikanische Botschafter in Deutschland, bleibt allein im dunklen Gasometer zurück. Er sagt nichts, er denkt nichts, er macht nichts. Er sitzt einfach da. Montag wird. Die Regierung beschließt eine neue Abgabe. Dienstag wird. Ein Prominenter tritt fehl. Am Mittwoch suchen Günther Jauch und seine Redaktion ein Thema für die nächste Sendung. Donnerstag entscheiden sie sich für den Fehltritt. Freitag kauft Günther Jauch ein Gründerzeithaus in Potsdam. Samstag passiert ein Weltereignis. Sonntagmorgen macht die Redaktion das Weltereignis zum Thema. Sonntagabend läuft der Tatort aus Ludwigshafen. 21:46 Uhr gehen die Lichter im Berliner Gasometer an. In einem senffarbenen Ledersessel sitzt John Kornblum und wacht auf.

(via 1000 Zeichen)

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